Blogs

Outdoor

Am liebsten hauteng

Anette Michel am Donnerstag, den 17. April 2014
Outdoor

Der Dresscode gilt auch für Amateure: Eine Gruppe Radfahrer im Schweizer Mittelland. Foto: Patrick B. Krämer (Keystone)

Kleider machen Leute, heisst es. Ob der Erfinder des Sprichwortes auch an uns Rennvelofahrer gedacht hat? Wahrscheinlich schon, denn an den Kleidern ist der Velofahrer eindeutig zu erkennen. Auch wenn Schnitt und Design der Velokleider objektiv betrachtet nicht immer vorteilhaft erscheinen.

Während sich Freizeit-Mountainbiker gerne cool geben und baggy Hosen tragen, sehen wir Rennradfahrerinnen und -fahrer keinen Grund, vom Dresscode der Profis abzuweichen: hautenges Polyester, am liebsten in grellen Farben und mit grossen Logos. Und rasierte Beine, natürlich. Die eigenartige Aufmachung hat selbstverständlich ihre Berechtigung.

Hauteng etwa müssen unsere Kleider sein, weil wir so schnell fahren. Aus dem Physikunterricht wissen wir, dass der Luftwiderstand proportional zum Quadrat der Geschwindigkeit steigt. Falten in unseren Kleidern würden uns also bremsen wie ein Viehrost eine Kuhherde.

Auch diverse Accessoires, deren Verwendungszweck sich Nichtvelofahrern vielleicht nicht augenblicklich erschliesst, sind auf dem Velo wirklich nützlich: Ärmlinge, Bein- oder Knielinge, Schuhüberzüge und dünne Windschutzjäcklein. Und die Schuhe! Steife Sohlen und Schuhplatten sorgen dafür, dass wir keinen einzigen Schritt anständig zu Fuss gehen können und auf dem Fliesenboden der Beiz bei jedem Schritt ein Ausrutscher droht. Auf dem Velo aber verbessern die Schuhe die Kraftübertragung auf die Pedale dermassen, dass wir mit nur einem Riegel oder Gel mehr als hundert Kilometer fahren können.

Andere Aspekte unserer Tenues haben mit Physik weniger zu tun, dafür mehr mit sozialen Normen und der Tradition des Radsports. Die Beine etwa rasieren wir uns in erster Linie weil es als Rennvelofahrer einfach dazugehört (als Frau ja erst recht). Die Profis tun es, alle anderen Hobbyfahrer tun es auch, also tun wir es. Den Nichtrennvelofahrern erklären die Männer etwas von Verletzungen, die schneller heilen (Frauen müssen nichts erklären). Auch was die Dessins unserer Trikots angeht, wundern sich Aussenstehende manchmal über unseren Mut, uns so in der Öffentlichkeit zu zeigen. Nichteingeweihte seien hiermit aufgeklärt: das Ganze ist eine Art Code.

Outdoor

Kult: Mapei-Retro-Trikot. Foto: bicycling.com

Mein Leibchen sagt anderen Velofans, wo ich herkomme, mit wem ich trainiere, wo ich schon herumgefahren bin oder mitgemacht habe. Manchmal erzählt es auch einfach eine Geschichte des Radsportes. Fährt etwa ein oranges Vintage-Trikot mit der Aufschrift Molteni vorbei, so erzählt es Heldengeschichten vom Belgier Eddy Merckx aus den 60er- und 70er-Jahren. Wird man von einem grün-gelben Leibchen des Phonak-Teams geblendet, erzählt dieses neben Hörgeräten vor allem von Doping, erinnert aber auch an den damaligen Teammanager Andy Rihs, den Besitzer von Fahrradhersteller BMC und Initiator des Velodromes Suisse in Grenchen. Einfach Kult sind die Leibchen des Teams von Baumaterialienhersteller Mapei aus den 90er-Jahren. Passt nicht, gibts hier nicht, schliesslich kommen schon alle Farben vor. Und fährt ein Velofahrer im Zebra-, Tiger- oder gar Muskellook vor, so mag das zwar geschmacklos aussehen, ist aber auch legitim. Genauso trat jeweils der italienische Sprinter Cipollini an.

Diese Beispiele verdeutlichen: unsere Sportart hat einfach unheimlich viel Geschichte! Und die steht über so was Oberflächlichem wie Ästhetik. Um den Radsport zu zelebrieren, dürfen wir uns auf dem Velo in Kleidern zeigen, die wir sonst höchstens an der Fasnacht anziehen würden. Immerhin muten wir diese Klamotten unseren Mitmenschen fast ausschliesslich zu, wenn wir Rad fahren. Früher waren «Radlerhosen» auch neben dem Velo salon- oder mindestens gartenbeizfähig. Vor etwas mehr als 20 Jahren habe ich im Handarbeitsunterricht solche Hosen genäht. Ich wählte einen elastischen Stoff in verschiedenen Blau- und Lila-Tönen. Und zog die Dinger dann auch tatsächlich an, nicht bloss zum Velofahren.

In welchen Klamotten steigen Sie aufs Velo? Welches ist das geschmackloseste Trikot, das Sie kennen? Hat jemand ein Mapei-Trikot in kleiner Grösse abzugeben?

Outdoor

Vom Hüttenschauder zum Hüttenzauber

Outdoor-Redaktion am Mittwoch, den 16. April 2014

Heute ein Gastbeitrag von Emil Zopfi*:

Outdoor

Keine Spur mehr von Wolldecken-Miefigkeit: Die Terrihütte auf der Greina im Bündner Oberland. Foto: Arno Balzarini (Keystone)

Es war ein wolkenloser 1. August vor vielen Jahren. Wir vier jungen Bergsteiger kehrten aus einer kleinen Nordwand zurück zur Hütte, erschöpft und mächtig stolz. Die Terrasse war überfüllt mit Wandervolk. Wir waren hungrig und brachten ein Paket Spaghetti in die Küche. Als Mitglieder der SAC-Jugend dachten wir, Suppe oder Teigwaren zum Kochen abzugeben, gehöre zur alpinen Kultur. Die Spaghetti kamen auf den Tisch, verkocht und verklebt. Peter – heute ein erfolgreicher Architekt und Politiker – beklagte sich lautstark über die Kochkünste der überforderten Hüttenmann- oder -frauschaft. Da trat Hüttenwart G., ein Bündner Raubein, an unsern Tisch: «Verschwindet aus meiner Hütte! Und zwar sofort und auf Nimmerwiedersehen.» Wir fanden schliesslich im Tal Unterkunft bei italienischen Bauarbeitern in einer Baracke – und das am Nationalfeiertag.

G. gehörte zu den gefürchteten Hüttenkönigen, die damals in den alpinen Unterkünften regierten. Seine Grobheit war legendär, übertroffen nur noch von seinem Kollegen und Spinnefeind M. auf der anderen Seite des Bergs, der für seine verbalen Ausfälle vor allem gegenüber Ausländern bekannt war. Es gab auch Hüttenwartinnen mit Haaren auf den Zähnen, etwa W., Witwe eines abgestürzten Bergführers, die streng und sauertöpfisch in ihrem Reich waltete. Eine eigentliche Legende war M., denn um seine Hütte konnte ein Schneesturm noch so heftig toben, bevor es Frühstück gab, mussten die Wolldecken im Freien und unter seiner Aufsicht ausgeschüttelt und präzis gefaltet werden. Schweizerkreuz oben und Etikett «Füsse» unten.

Es gibt Leute, die der alten Hüttenromantik nachweinen

Dass ich über 20 Jahre lang keinen Fuss mehr in eine SAC-Hütte setzte, hatte sicher auch andere Gründe als die paar unerfreulichen Erfahrungen. Es gab ja auch damals schon die freundlichen Hütten, die man gern besuchte – besonders jene der hübschen Hüttenwartin L. Als ich nach langer Absenz wieder einmal den Versuch wagte, in einer SAC-Hütte zu nächtigen, hatte sich die Welt verändert. Wir wurden von einer fröhlichen Studentin mit einem Cüpli aus eigenem Holundersirup begrüsst. Dann gabs draussen auf der Terrasse Cafè corretto und frisch gebackenen Zitronencake. Zum Viergangmenü wurde die Weinkarte gereicht. Der Hüttenwart – promovierter Germanist und passionierter Alpinist – setzte sich nach dem Dessert an den Tisch, begeisterte uns für den Klettergarten, den er in der Nähe eingerichtet hatte, und schwärmte vom Kulturprogramm der Hütte, mit Bergtheater, Lesungen, Hüttenkonzerten und einer Kunstaktion. Nachts schlummerten wir unter Daunenduvets in einem nach frischem Nadelholz duftenden Viererzimmer. Zum Frühstück gabs Müesli, Butterzopf, Honig, Käse, Eier, Schinken. Alles bio natürlich, appetitlich angerichtet, und auf jedem Tisch stand ein Sträusslein Alpenrosen. Als wir von der Tour zurückkamen, duftete es schon von weitem nach Aprikosenwähe und dem «Kaffee Hüttenzauber» mit Kirsch und Schlagrahmhaube.

Ich weiss, es gibt Leute, die der alten Hüttenromantik nachweinen, den kratzenden Wolldecken, den durchwachten Nächten in dumpfen Massenschlägen, der Erbs-mit-Sago-Suppe vor den verkochten Hörnli, dem sauren Veltliner und dem Pfeifenqualm. Für Nostalgiker gibt es sicher irgendwo noch die eine oder andere Hütte im Retro-Chic mit einem bärbeissigen Hüttenwart, der von alten Heldentaten erzählt. Zum Beispiel, wie sein Vater einst vier junge Grossmäuler aus dem Unterland an einem 1. August aus der Hütte jagte.

SCHRIFTSTELLER, AUTOR,* Emil Zopfi ist Schriftsteller und lebt in Zürich. Er ist seit über fünfzig Jahren Bergsteiger und Kletterer. Am 10. Mai 2014 organisiert er in Amden das 6. Treffen für Alpine Literatur, Bergfahrt 2014. Programm und Anmeldung: www.bergliteratur.ch/bergfahrt2014

Outdoor

Der neue Verzicht-ist-geil-Wahnsinn

Natascha Knecht am Montag, den 14. April 2014
weswood640

Vivienne Westwood duscht «lange und mit reinem Gewissen». In einem Video der Tierschutzorganisation Peta macht sich die Modedesignerin für die Umwelt stark. (PB)

Wer heute hip sein will, der fährt nicht Auto, fliegt nicht in die Ferien, konsumiert keine tierischen Produkte, kauft ausschliesslich Bio-Saisongemüse. Es gibt Leute, die «retten» abgelaufene Lebensmittel aus den Hinterhof-Containern der Supermärkte. Nicht weil sie arm wären, sondern aus Ideologie. Weshalb in der Bäckerei ein frisches Brot wählen, wenn es noch solches von gestern gibt? Auch der fundamentale Veganismus verbreitet sich wie ein Virus. Mehr Anhänger als die Zeugen Jehovas hat wahrscheinlich schon die «100 Thing Challenge».  Da geht es darum, sein Hab und Gut bis auf 100 Dinge zu verschenken, spenden, verscherbeln oder entsorgen, weil man sich dann besser fühle. Ein junger Student sagte gegenüber dem «Spiegel», er habe keine Lust mehr auf Party. Er kann keine Freude am Feiern empfinden, solange es mit unserem Planeten den Bach runter geht.

Nach den «Geiz ist Geil»-Jahren entwickelt sich die kultivierte Gesellschaft nun also weiter: Sie wird süchtig nach Verzicht. Wertschätzung statt Wertschöpfung. Anti-Konsum. Anti-Überschuss. Anti-Wirtschaftswachstum. Anti-Bonus. Anti-Hedonist. Anti-Badewanne. Anti-Deospray. Warum? Weil man nicht schuld sein will, dass sich das Klima erwärmt, die Gletscher schmelzen, die Weltmeere überfischt sind, in Entwicklungsländern die Menschen wegen uns hungern. Zum Weltwassertag stellte die Grande Dame der Mode, Vivienne Westwood, ein Video vor (siehe weiter unten), wo man sie unter der Dusche sieht und sagen hört: «Ich kämpfe für die Umwelt, aber ich dusche lange und mit reinem Gewissen, weil ich Vegetarierin bin.» Mit dieser Aktion weist sie darauf hin, dass enorme und kostbare Wassermengen für die Tiermast verschwendet werden, damit wir täglich ein saftiges Plätzli auf den Teller bekommen. «Wenn Sie aufhören Fleisch zu essen, tun Sie mehr für die Umwelt, als wenn Sie Ihren Müll recyceln und gleichzeitig ein Hybridauto fahren würden.»

Meine Herznerven! Auch ich finde, weniger ist mehr. Zumindest mehr oder weniger. Der Verzicht-ist-geil-Gedanke prallt an mir nicht ab, wie saure Regentropfen auf meiner Hightech-Bergsteigerjacke. Ich bin Outdoorsportlerin, setze mich aktiv für eine intakte Natur ein. Mir selber macht Entbehrung nichts aus. Sie ist sogar ein Grund, weshalb ich gerne durchs Hochgebirge schwitze, wo ich tagelang nicht duschen kann, keinen Handy-Empfang habe, ohne Strom und Bodenheizung biwakiere.

Trotzdem verzichte ich auf den Verzichts-Hype

Bei dieser 100-Ding-Challenge könnte ich dennoch nicht mitmachen. Alleine meine Sportausrüstung umfasst mit all den Ski-, Wander- und Joggingsocken, den Karabinern, Prusikschlingen, Rucksäcken gross und klein, Steigeisen und Eispickeln mindestens 250 Teile. Klar könnte ich mich fragen, ob ich wirklich fünf Paar Jogging-Schuhe brauche. Aber wäre die Welt eine bessere, würde ich diese verschenken, oder gar in den Container werfen? Ich habe jahrelang bewusst auf sehr, sehr Vieles verzichtet, damit mir mein Hobby bei jeder Temperatur Freude macht. Und ich verzichte weiterhin auf Cordon Bleu, weil es mich geistig und sportlich träge macht. Aber ein Pouletbrüstli ist für meinen Lebensstil gesund. Dafür verzichte ich auf Ferien auf den Malediven, dort ist es mir dort zu heiss und zu langweilig. Ich verzichte darum vorläufig auf den aktuellen Verzichts-Hype. Und gehe das Risiko ein, von missionierenden Öko-Diktatoren und Minimalismus-Gurus als armseliger Philister verachtet zu werden.

Ihre Meinung interessiert mich sehr.

Outdoor

Drei Männer im Föhn

Thomas Widmer am Freitag, den 11. April 2014

Diese Woche von Sargans via Oberschan und Werdenberg nach Buchs SG


Zwei bedeutende Schlösser markieren Anfang und Ende dieser Wanderung, Sargans und Werdenberg. Die Route, die sie verbindet, heisst denn auch «Schlossweg». Freilich erlaubten wir uns an unserem Tag eine Abweichung von der offiziellen Variante und mieden das Dorf Azmoos; wir bekamen so etwas mehr Grün. Mehr davon gleich.

Torkeln im Torkel

Der Föhn blies, als wir in Sargans starteten. Im Rest der Schweiz regnete es bereits, wir hatten das per Smartphone genüsslich verifiziert. Ein kurzer Antritt, eine steile Treppe, und wir waren oben beim Schloss. Die Aussicht Richtung Walensee, aber auch aufs Rheintal und unzählige Berge rundum war grandios. Keine Lust hatten wir auf das vom Europarat ausgezeichnete Heimatmuseum. Und zu früh war es leider für eine Weinprobe im schlosseigenen Torkel; was für ein passendes Wort übrigens!

Am Hang linkerhand des Rheintals zogen wir vorwärts, bald senkte sich der Weg, wir langten wieder unten am Rand der Ebene an, beim Weiler Vild, einst eine Zollstation. Ein leuchtend rotes Schild lockte uns ins Restaurant Gonzenbergwerk. Der Gonzen, dieser unübersehbare Zacken, ist der Sarganser Hausberg. Sechs Jahrhunderte lang, bis 1966, wurde aus ihm Eisenerz zutage gefördert. 90 Kilometer lang sind die Stollen, die Höhendifferenz zwischen den untersten und obersten Gängen beträgt mehr als 1000 Meter. Das Restaurant unter Tag gefiel uns; bei ihm starten auch die Führungen in den Berg.

Wieder stieg der Weg, verengte sich und präsentierte ein Abenteuerchen: eine schmale, aber gut gesicherte Passage am steil zum Rhein abfallenden Schollberg. Hernach der Punkt Wisen, an dem wir nun eben vom «Schlossweg» abwichen. Wir hatten Lust, höher am Hang zu gehen, und hielten via Böschen und Malans statt via Azmoos nach Oberschan.

Oberschan («Schaa») hockt fernab des Autobahnlärms aus dem Rheintal in einer trauten Mulde. Wir kehrten in der Mühle ein, wo ein Gildekoch wirtet; tatsächlich liess das Essen nichts zu wünschen übrig, wir hatten Dorade, Cordon bleu, Kalbskotelett. Ah ja, ich muss nachschieben, dass wir zu dritt unterwegs waren, drei Männer. Der Rest des Grüppleins war vergrippt, überarbeitet oder unterwegs auf einem Touristenschiff auf dem Mekong.

Markenzeichen Futtermühle

Nach Oberschan wurde der Weg noch schöner. Wir sahen ein Ried. Durchzogen eine Enge im Wald, den Chalchofen mit einem Felsbrocken vom Bergsturz des Jahres 1998. Blickten immer wieder auf den furchterregenden Klotz des Falknis gegenüber. Machten über Vaduz das Schloss des Liechtensteiner Fürsten aus. Über Valschnära, St. Ulrich, Altendorf – sein Markenzeichen ist eine kirchturmartige Futtermühle – erreichten wir Werdenberg. Wieder ein grosses Schloss. Und zu seinen Füssen verhutzelte Holzlauben des Mittelalters.

Wir mochten Werdenberg sehr, was theoretisch auch für den See nebenan gilt, der allerdings schwer unter dem Durchgangsverkehr leidet. Ein Schlussspurt, derweil es zu tröpfeln begann, und wir kamen am Bahnhof Buchs an. Es war eine tolle Wanderung gewesen, waren wir uns einig, trotz etlicher Stücke auf Hartbelag. Die Variation machte es aus: Rebhänge, Bauernhöfe, Dörfer und Weiler, zwei Schlösser, viele Berge, Wald und Wiese, die dräuenden Wolken und der Wind, der sie in Schach hielt. In meiner Erinnerung ist diese Unternehmung abgelegt unter dem Titel «Drei Männer im Föhn». Hey Frauen, ihr habt viel verpasst.

PS: Die nächste Wanderkolumne erscheint in zwei Wochen; nächsten Freitag, 18. April, fällt sie aus (Karfreitag).

+++

Route: Bahnhof Sargans - Schloss Sargans - Eisenbergwerk Vild (Restaurant Gonzenbergwerk) - Atscha - Schollberg (schmale Passage an einem steilen Hang) - Wisen (Verzweiger mit zwei Möglichkeiten, gerade aus nach Azmoos oder aufwärts nach Böschen und Malans wie in dieser Wanderung; die Variante Azmoos ist im Schlossweg Sargans-Werdenberg vorgegeben) - Böschen - Malans - Oberschaan - Oberschaaner Riet - Felssturzgebiet Chalchofen - Valschnära - Hof - St. Ulrich - Valcupp - Sonnenbühl - Mühle Altendorf - Vorder Runggels - Städtchen Werdenberg - Bahnhof Buchs.

Wanderzeit: 5 1/2 Stunden.

Höhendifferenz: 604 Meter aufwärts, 640 Meter abwärts.

Wanderkarte: 237 T «Walenstadt», 1:50'000.

Kürzer: An vielen Orten kann man vorzeitig ins Rheintal absteigen. Oder man beendet die Wanderung nach knapp drei Stunden in Oberschan und nimmt den Bus.

Charakter: Ziemlich viel Auf und Ab. Zwei historische Schlösser. Enorm viel Aussicht. Anstrengend. Bei der Passage am Schollberg nach Vild muss man Kinder beaufsichtigen und bei Nässe vorsichtig sein. Das kleine Stück im Abstieg nach Altendorf kann bei Nässe glitschig sein.

Höhepunkte: Der erhabene Blick vom Schloss Sargans. Das Bergwerkrestaurant von Vild unter Tage. Das Ried nach Oberschan. Der See von Werdenberg und das historische Städtchen.

Kinder: Vorsicht auf der Passage am Schollberg.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Mühle Oberschan, sehr gutes Lokal! Ruhetage Di/Mi. Mo/Do/Fr nach den üblichen Esszeiten nachmittags von 14.30 bis 17 Uhr zu. Sa/So durchgehend warme Küche. – Unbedingt hineinschauen sollte man auch ins Restaurant Gonzenbergwerk Vild. Ruhetage Mo/Di.

Rückkehr: Von Buchs per Zug nach Zürich, Bern, Basel, nach St. Gallen oder Chur.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

 

Outdoor

Aalglatte Männer

Jürg Buschor am Donnerstag, den 10. April 2014
Outdoor

Was bei Profis Sinn macht, ist bei Amateuren eher eine Stilfrage: Die Beine des Telekom-Radrennteams. (Archivbild, Keystone)

Ja, ich hab’s gemacht! Und es fällt mir leicht, es zuzugeben, denn auch solche Dinge kennen eine «Verjährungsfrist». Schliesslich ist es schon mehr als 20 Jahre her, seit ich zuletzt zweimal die Woche zur scharfen Klinge gegriffen habe, um meine Mountainbiker-Beine aalglatt zu rasieren. Nun war es aber so, dass ich mit 20 Jahren weder so erfolgreich noch so vermögend war, als dass ich meine Wädli wöchentlich hätte von einem Sportmasseur durchkneten lassen können (Was mir natürlich retrospektiv erlauben würde, den mangelnden Erfolg mit den nicht massierten Beinen zu erklären ;-)). Damit entfiel der erste plausible Grund, der die Nassrasur gerechtfertigt hätte. Grund 2, den aalglatte Männer ins Feld führen: Wunden verheilen schneller, weil Haare stete Entzündungsherde sein sollen. Fiel ebenfalls durch als glaubwürdige Begründung, denn ich gehörte damals wie heute zu der Sorte Mountainbiker, die einen Sturz nie als kalkuliertes Risiko in Kauf nehmen. Was natürlich nicht heisst, dass ich deshalb langsam unterwegs wäre oder nie stürzen würde. Aber für durchschnittlich fünf Stürze mit «erheblichem Hautabrieb» pro Saison, brauche ich mir nicht 80-mal die Beine zu rasieren.

Eitle Radsportler?

Bleibt also noch der letzte Grund, den selbstverständlich kaum jemand freiwillig nennt: die pure Eitelkeit. Wer seine Wädli den ganzen Winter über trainiert und sie danach beim ersten Trainingslager im Süden ordentlich angebräunt hat, möchte jede gute definierte Muskelfaser natürlich am liebsten einzeln vorführen. Haare würden dabei den Blick aufs Wesentliche nur unnötig stören.

Heute wie vor 20 Jahren hob der Bräunungsstreifen an den Oberschenkeln den ambitionierten und vermeintlich erfolgreichen Radfahrer vom Gelegenheitsbiker ab. Aber die Zeiten ändern sich, und spätestens seit die Popularitätskurve von Baggy Pants steil nach oben zeigt, ist auch der Bräunungsstreifen nicht mehr das, was er einmal war.

Wer zum Rasierer greift

Grund genug, dem Rasierer eine Pause zu gönnen? Der Frühling bringts an den Tag: Bei Rennradfahrern sind rasierte Beine auch heute noch der Standard, unabhängig von den sportlichen Ambitionen, mit denen die Sportler in die Pedalen treten. Glatte Beine machen Gümmeler. Wenn ich allerdings einen Seitenblick auf die Waden sämtlicher Mountainbiker in meinem Umfeld wage, dann kann von Kahlschlag keine Rede sein. Behaarte Beine scheinen hier in Kombination mit weit geschnittenen Mountainbikehosen ein eindeutiges Differenzierungsmerkmal zu sein, um sich unzweideutig als «echte» Mountainbiker zu outen.

Wie ästhetisch finden Sie rasierte Männerbeine? Rasieren Sie Ihre Beine? Wenn ja, aus welchem Grund? 


In diesem Youtube-Video erläutert Radexperte Dman die Frage des Beinerasierens.

Outdoor

Uetliberg-Besteigung: Danke an die grosszügigen Spender!

Outdoor-Redaktion am Mittwoch, den 9. April 2014

Heute ein Gastbeitrag von Thomas Hürzeler*:

Im Herbst letzten Jahres präsentierte Natascha Knecht an dieser Stelle den Bericht über unsere Extremexpedition «Die Erstbesteigung des Üetlibergs mit Sauerstoff – Erfahrungen aus der Todeszone». Gegen einen Unkostenbeitrag von fünf Franken konnte man den Bericht bestellen. Im Vorfeld hatten wir mit Natascha vereinbart, den Restposten von 30 Exemplaren aus der ersten Auflage gratis abzugeben und im unwahrscheinlichen Falle eines grösseren Interesses einige Exemplare zu kopieren. Reichlich naiv, wie wir im Nachhinein gestehen müssen. Natascha bestand auf einem wenigstens symbolischen Verkaufspreis, denn was nichts koste, sei nichts wert.

Die Broschüre «Erstbesteigung des Üetlibergs. Mit Sauerstoff» von Thomas Hürzeler und Suzanne Maier.

Die Broschüre «Erstbesteigung des Üetlibergs. Mit Sauerstoff» von Thomas Hürzeler und Suzanne Maier.

Es kam, wie sie es vorausgesagt hatte: Die Bestellungen donnerten auf uns nieder wie die Eis- und Bierdosenlawinen in der Eigernordwand. Bereits nach drei Tagen war klar, dass wir im grösseren Umfang nachdrucken müssen. Die Bestellungen wie auch die nachfolgenden Zahlungen waren zum grossen Teil begleitet von netten, lustigen Zeilen. Von freundlichen Bitten bis hin zu mehrseitigen alpinen Lebensläufen mit detaillierten Schilderungen etwa der Winterbesteigung des Berner Gurten oder einer geplanten Expedition auf den Zürcher Lindenhof war alles vertreten. So erhielten wir auch manche Anregung für weitere extreme Lebenserfahrungen. Als Beispiel sei eine Zugfahrt von Zürich nach Bern ohne Smartphone, Tablet oder Laptop genannt. Eine Reise also, die völlig isoliert, von der Welt abgeschnitten, in absoluter Einsamkeit ablaufen würde. Eine Grenzerfahrung, die man sich schrecklicher kaum auszumalen vermag.

Es wurden total 1230 Broschüren bestellt. Echt. Wir wurden völlig überrannt vom Wissensdurst der angehenden Extremalpinisten, von deren dringendem Verlangen, aus unseren Erfahrungen lernen zu dürfen. Für Wochen konnten wir im Basislager zwei Sherpas nur mit dem Versand der Broschüren beschäftigen. Eine willkommene Überraschung für unser regionales Arbeitszentrum, denn in den Wintermonaten läuft hier in Sachen Extremexpeditionen meistens nicht wirklich viel.

Leser spenden 2378.55 Franken für Ärzte ohne Grenzen

Das Grösste für uns ist aber die Spendenbereitschaft unserer Leser. Im Begleitbrief zu den Broschüren mit den Zahlwegen hatten wir versprochen, dass wir jeden Betrag, der über den Fünfliber pro Exemplar hinausgeht, der Institution Médecins sans Frontières weiterleiten würden. Die Aufrundungen bewegten sich zwischen 55 Rappen und 150 Franken: im Schnitt 35 Prozent zusätzlich zum Broschürenpreis. Es kam so ein Betrag von CHF 2378.55 zusammen, den wir den Ärzten ohne Grenzen überwiesen. Wir bedanken uns stellvertretend im Namen der unzähligen Patienten und Kriegsopfer weltweit für diese Grosszügigkeit und werden auch allfällig noch eintreffende Beiträge vollumfänglich weiterleiten. Selbstverständlich haben wir keinen Rappen aus den Spenden zur Deckung unseres Defizits verwendet. Auf keinen Fall sollte jemand mit seiner Spende die Schulden anderer Bergfreunde bezahlen.

Denn etwas weniger begeisterte uns die Tatsache, dass sich rund 40 Besteller der «Geiz-ist-geil-Seilschaft» anschlossen und 80 Broschüren trotz freundlicher Mahnungen nicht bezahlten. Zum Beispiel auch jene Bergkameradin nicht, die kurz vor Weihnachten ziemlich ultimativ eine sofortige Expresslieferung mehrerer Exemplare verlangte. Für Weihnachtsgeschenke. Ein echtes Schnäppchen! Wir wissen jetzt, warum der Onlinehandel nur auf Vorauszahlung liefert — eine Geschäftspolitik, die wir bis anhin für etwas arrogant hielten. Und vor allem haben wir jetzt Namen und Adressen einiger Trantüten, die vielleicht verantwortlich sind, wenn uns in den SAC-Hütten die Sauerstoffflaschen und das Studentenfutter aus den Rucksäcken geklaut werden. Vielleicht braucht es eben für einige unter uns doch ein Betriebswirtschaftsstudium, um sich auszurechnen, dass der bescheidene Fünfliber niemals unsere Selbstkosten deckt. Tja.

Natascha Knecht hat die Sache in einem Artikel im «Tages-Anzeiger» vom 27. März 2014 sehr treffend ausgeführt: «Bergsteiger gelten als bescheiden und darum als besonders ehrliche und anständige Leute. Geht es aber um Ruhm, Ehre oder Geld, verhalten sich manche von ihnen nicht anders als ganz normale Menschen.»

Wie auch immer: Die Freude über so viele begeisterte Leserinnen und Leser überwiegt. Wir sind überrascht, wie viele Leute trotz oder vielleicht wegen des Facebook-Twitter-Social-Media-Hypes, trotz der unsinnlichen E-Book-Reader noch etwas mit gedruckten Medien anfangen können und wollen. Wie viele Menschen immer noch mühsam von Hand Seiten umblättern. Für diese Leute haben wir unsere Expedition niedergeschrieben. Und für euch werden wir auch über unsere nächste todesmutige Unternehmung berichten. Versprochen. Denn wir wollen dazu beitragen, dass trotz des täglichen Leistungsdrucks, des weltweiten alpinen Konkurrenzdenkens, des gnadenlosen Ernstes des Lebens der gehobene Unsinn bzw. der höhere Blödsinn nicht ganz auf der Strecke bleibt. Ebenfalls versprochen.

Sie können die Broschüre «Erstbesteigung des Üetlibergs. Mit Sauerstoff» weiterhin für 5 Franken pro Stück bestellen. Per E-Mail bei Thomas Hürzeler: thomas@huerzeler.ch

Thomas Hürzeler ist Autor, Fotograf, Musiker, Gleitschirmpilot und Unternehmer mit der ersten klimaneutralen Druckerei der Schweiz. Ausserdem sieht er sich eisern jede Extremalpin-Dokumentation im TV an. Darum gelang ihm 2003 die Erstbesteigung des Uetlibergs MIT Sauerstoff.

Outdoor

«Die Zeit der dicken Edith ist vorbei»

Pia Wertheimer am Montag, den 7. April 2014

Edith Wälti war 16 Jahre lang Synchronschwimmerin. Die heute 48-Jährige feierte als Spitzensportlerin zahlreiche Erfolge und vertrat die Schweiz an den Olympischen Sommerspielen 1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul. Sie erreichte dort im Duett jeweils den 5. Platz. Während sie in ihrer aktiven Zeit rund 65 Kilo wog, nahm sie nach ihrem Karriereende im Jahr 1989 stetig zu. Im Jahr 2010 hatte die Waage schliesslich 130 Kilo angezeigt. Dann kam der Schlüsselmoment, der sie zum Berlin-Marathon führen sollte.

Frau Wälti, Synchronschwimmen ist eine Randsportart. Wie kamen Sie dazu?

Ich habe schon als Knirps die Sonntagmorgen mit meinem Vater und meinen Brüdern im Hallenbad verbracht und flog durch die Luft und schwamm  durchs Wasser. Beide Brüder waren im Schwimmclub und so wuchs ich auch rein. Bis ich neun Jahre alt war, schwamm ich wettkampfmässig. Das «Plättlizählen» wurde mir aber zu langweilig und als ich eines Tages Synchronschwimmerinnen beim Training beobachtete, stand für mich fest: Das will ich auch – die hatten coole Musik und bewegten sich so schön.

Wie sah Ihr Alltag als Spitzensportlerin denn aus?

Es war sehr von unserem Saisonziel abhängig. Ging es auf die Olympischen Spiele in Los Angeles oder in Seoul zu, haben wir bis zu einem Jahr nur trainiert. Das bedeutete täglich sechs bis acht Stunden Training – im Wasser, im Ballettsaal, im Fitness - oder Gymnastikraum, in den Laufschuhen oder auf dem Velo.

Weshalb beendeten Sie als 23-Jährige Ihre Karriere?

Die Freude war weg und einem Zwang gewichen. Nach den Spielen in Seoul hatte ich einfach genug davon, Dinge tun zu müssen. Dieses Diktat im Alltag behagte mir nicht mehr, ich wollte auf eigenen Beinen stehen und von daheim ausziehen – ein eigenes Leben führen. Ich habe wohl aufgehört, wie man es vermutlich nicht sollte, nämlich Knall auf Fall. Von heute auf morgen habe ich mich nicht mehr bewegt, weil ich endlich das Gefühl hatte, nichts mehr zu müssen.

Sie waren als Spitzensportlerin eine schlanke, durchtrainierte Frau. Wie erklären Sie sich diese extreme Gewichtszunahme, nachdem Sie die Badekappe an den Nagel gehängt haben?

Ich war nie eine Spargel, sondern eine Frustfresserin. Als wir beispielsweise ein halbes Jahr zum Training in Florida waren, hatte ich Heimweh und legte damals schon einige Kilos zu. Nach meinem Rücktritt hielt ich zwar mein Sportgewicht mehr oder weniger, aber dann nahm ich immer mehr zu. Eines ist mir aber wichtig zu betonen: Ich leide unter einer Unterfunktion der Schilddrüse und Verdauungsbeschwerden. Das hat die Gewichtszunahme beschleunigt. Wie es so weit kommen konnte, ist schwierig zu beantworten. Ich wusste ja, dass es nicht gut ist. Ich schaffte es aber einfach nicht, den Schalter umzulegen und konsequent zu handeln. Immer wieder sagte man mir «du müsstest doch», «du solltest doch nicht». Ich vermute, dass es mit meiner Vergangenheit als Spitzensportlerin zusammenhängt.

Inwiefern?

Wie gesagt, ich «musste» damals viel – sogar die Bewegungen im Becken waren ja aufeinander abgestimmt. Selbstverständlich empfand ich das damals nicht so. Genoss aber umso mehr die Zeit nach dem «Befreiungsschlag». Ich wehrte mich gegen alle Zwänge.

Was haben Sie dagegen unternommen?

Ich habe etliche Diäten probiert. Als dies nicht klappte, versuchte ich es mit Medikamenten. Doch alles endete im selben Szenario: Im Jo-jo-Effekt. Was ich auch tat, schien es schliesslich nur noch schlimmer zu machen.

Trotzdem haben Sie reagiert und haben sich selbst Einhalt geboten. Erinnern Sie sich an den Schlüsselmoment?

Ja – noch ganz genau. Es war im November 2010, als ich meinen Mann an den New York Marathon begleitet habe. Ich stieg ins Flugzeug und kam kaum in den Sitz rein. Ich musste mich regelrecht hineinpressen und stellte mir vor, wie ich für die kommenden Stunden feststecken würde. Es konnte doch nicht sein, dass ich nicht mal mehr in einen Stuhl passe – das hat mir so wehgetan. Ich musste weinen und mir war schlagartig bewusst: Jetzt ist genug. Ich ging nach meiner Rückkehr zu meinem Hausarzt, teilte ihm mit, dass der Groschen nun gefallen sei – jetzt musste etwas gehen. Ich wollte von ihm wissen, welche Möglichkeiten ich hatte, nachdem ich ja alles schon probiert hatte und damit gescheitert war. Er meinte, für mich gäbe es nur noch eines: einen Magenbypass.

Und dann – die grosse Erleichterung?

Überhaupt nicht, ich war schockiert. Ich musste das erst verdauen.

Weshalb?

Ich war bisher der Ansicht gewesen, dass dies etwas für noch dickere Menschen sei und nicht unbedingt für mich. Allmählich stellte ich mich aber auf die bevorstehende Operation ein und war überzeugt davon, dass dies der richtige Schritt für mich ist.

Dann kam der Tag der Operation.

Ja, ich war sehr nervös. Ich kannte zwar die Risiken und war überzeugt, das Richtige zu tun. Trotzdem hatte ich keine Ahnung, was mich danach erwartete. Wie ich mich fühlen würde, wie mein Alltag und mein Speiseplan künftig aussehen würden.

Und?

Die Operation war wie ein Startschuss in ein neues Leben. Es brauchte ein Jahr, bis ich mein Idealgewicht hatte. Auf dem strikt einzuhaltenden Menüplan standen erst nur pürierte, später stark gekochte Nahrungsmittel. Heute esse ich wieder alles, aber die Menge hat sich stark verändert. Ich musste mich herantasten und herausfinden, was ich ertrage. Mit dem sinkenden Gewicht kam auch die Freude an der Bewegung wieder. Ich schäme mich nicht mehr für mein Aussehen und wage mich nach draussen. Ich begann zu walken und so an Wettkämpfen teilzunehmen. Mit jedem Kilo, das ich verlor, gewann ich an Lebensqualität.

Sie blieben aber nicht bei kleinen Brötchen, das Ziel hiess 2013 Berlin Marathon.

Ja, die Idee, einen Marathon zu walken, geisterte plötzlich in meinem Kopf und eines Tages fasste ich den Entschluss. Mein Mann hat mich sehr unterstützt, ging mit mir die 42 Kilometer lange Strecke vorher im Kopf durch. Wir trainierten in uns unbekannten Gegenden – diese Ausflüge wurden zu richtigen Erlebnissen. Trotzdem war nicht klar, ob wir es schaffen würden, denn das Ziel schliesst in Berlin 6:15 Stunden nach dem Startschuss. Wir legten uns deshalb eine Strategie zurecht.

Wie sah diese aus?

Wir setzten uns zehn Zwischenziele im Abstand von rund 4 Kilometern – mal waren es Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel die Schweizer Botschaft oder der Wilde Eber, ein anderes Mal motivierte uns Freundin Ines, die am Strassenrand an drei verschiedenen Orten mit Verpflegung auf uns wartete.

Ging die Rechnung auf?

Ja, wir erreichten das Ziel nach 6:01 Stunden – es war wunderbar und sehr emotional.

Weshalb dieses grosse Ziel, wo Sie doch von Zwängen im Sport genug hatten?

Schwierig zu sagen. Ich wusste sehr wohl, dass ich in die Hosen musste, um das Ziel zu erreichen. Ich wollte mir selbst beweisen, dass die Zeit der dicken Edith vorbei war.

Outdoor

Höhen und Tiefen der Patrouille-des-Glaciers-Vorbereitung

Outdoor-Redaktion am Samstag, den 5. April 2014

Dritter Teil der Serie über die Patrouille des Glaciers (PDG). Heute: Seriöses Training entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. An der diesjährigen Austragung des Rennens wird ein Team des «Tages-Anzeigers» teilnehmen. Gastautor Jost Fetzer* wird in lockerer Folge darüber berichten:

Wie konnte ich nur so blöd sein und die Teilnahme am härtesten Skitourenrennen der Welt auf dem Outdoorblog öffentlich machen? Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Ich muss an die PDG, die 53 Kilometer und 4000 Höhenmeter von Zermatt nach Verbier auf Skiern meistern. Der soziale Druck ist riesig: Die ganze Welt würde von unserem Scheitern lesen.

Etwas Gutes hat der soziale Druck immerhin: Er lässt die Erkenntnis reifen, dass dieses Vorhaben ohne anständiges Training nicht erfolgreich enden kann. Lediglich mehr Treppen gehen und weniger Bier trinken reichen für die PDG nicht. Ich beschliesse, etwas zu tun, das ich bis anhin nur mit Verachtung gestraft habe: Joggen.

Ein Problem eines jeden Jungvaters ist, dass neben der Familie und der Arbeit gar keine Zeit mehr für individuelle Tätigkeiten übrig bleibt. Das hat sicher seine guten Seiten – der Alkoholkonsum unter Freunden nimmt drastisch ab – aber ebenso fehlt die Zeit für sportliche Betätigung. Ausser – frühmorgens, bevor die Familie erwacht. Da sehe ich meine Chance für ein regelmässiges Training.

«In meinem ganzen Leben warst du noch nie joggen»

Der Entschluss ist gefasst, die Sportschuhe stehen bereit, die Familie schläft und der Wecker reisst mich zu einer Unzeit aus dem Schlaf. Jetzt nur nicht wieder einschlafen; raus in die Kälte! Einsam drehe ich meine Runden auf der dunklen Finnenbahn. Die Euphorie übermannt mich: Noch eine Runde, noch ein bisschen schneller – das macht ja richtig Spass. Bis das Telefon klingelt und am anderen Ende eine vorwurfsvolle Stimme ertönt: «Wieso gehst du so früh aus dem Haus, ich hab dich in der ganzen Wohnung gesucht und überhaupt, wo bist du eigentlich mitten in der Nacht! Joggen? In meinem ganzen Leben warst du noch nie joggen!»

Ja, aber in meinem Leben, da war ich bereits einmal joggen. Ich mag mich zumindest an ein Mal in der RS erinnern, vor mehr als einer Dekade muss das gewesen sein und so alt dürften auch meine Sportschuhe sein. Meine Familie bleibt skeptisch, erteilt mir im Folgenden aber die Bewilligung für regelmässiges, frühmorgendliches Joggen. Nun renne ich also im Dunklen durch den Wald, Kilometer um Kilometer und nach dem dritten Auslauf schmerzen meine Knie dermassen, dass ich nicht mal mehr normal gehen kann.

Trainingstipps und Trainingsfehler

Die Diagnose ist schnell gefällt: typische Anfängerfehler. Zu schnell zu viel gewollt und dies in ungeeignetem Schuhwerk. Zurück auf Start lautet die Devise oder in meinem Fall: Mitten im Winter passende Joggingschuhe kaufen. Und so stehe ich alsbald an der Bahnhofstrasse in einem edlen Sportgeschäft, obwohl ich noch vor Tagen geschworen hätte, niemals einen Fuss da reinzusetzen und für ein kleines Vermögen Joggingschuhe zu kaufen. Immerhin sind die Knieschmerzen seither verschwunden.

Unterdessen spricht sich mein sportliches Vorhaben im Freundeskreis herum und obwohl alle am Gelingen zweifeln, hat jeder seine ganz persönlichen Trainingstipps auf Lager:

  • Möglichst viel bergauf laufen, denn im Flachen joggen erhält höchstens die bisherige Fitness, steigert diese aber nicht.
  • Das Training in den Alltag einbauen, täglich ins Büro joggen und unterwegs ein zwei Treppenhäuser von Hochhäusern hochrennen.
  • Mit dem Velo zur Arbeit fahren, jedoch den Sattel abmontieren. Das gibt fesche Waden.
  • Jeden Abend nach der Arbeit eine Skitour auf den Hausberg unternehmen.

Ich gebe zu, die Ideen sind gut, alleine an der Umsetzung hapert es. Die lokalen Hausberge sind zu klein für anständige Bergläufe, geschweige denn für allabendliche Skitouren. Quer durch den Pendlerverkehr joggen und unterwegs den Prime Tower erklimmen ist nicht mein Ding. Und Velofahren ohne Sattel habe ich ausprobiert, aber nebst der optischen Fragwürdigkeit ist das wirklich anstrengend. Zu anstrengend für meinen Arbeitsweg.

Gefahren und Chancen auf dem Heimweg

Es müssen kreativere Trainingseinheiten gefunden werden. Zum Glück bietet der lokale Alpenclub ein Fitnesstraining an, das in meinem Freundeskreis liebevoll «Altherrenturnen» genannt wird. Doch die vorwiegend älteren Besucher und das Training haben es in sich, der Muskelkater ist vorprogrammiert. Richtig schlimm wird es, wenn die Runde nach dem Training auf ebendieses anstossen möchte und in die Kneipe auf halbem Heimweg steuert, wo Barkeeper Werner aus Freude über unseren Besuch sogleich eine Runde Hausschnaps spendiert. Der Kater am nächsten Morgen ist dann nicht mehr eindeutig dem Training zuzuordnen und der Trainingseffekt marginalisiert.

Also muss doch das Potenzial des Arbeitsweges, der immerhin rund 100 Meter Höhendifferenz aufweist, für ein regelmässiges Training genutzt werden: Anstatt mit dem leichten Rennvelo zur Arbeit zu fahren, wird nun eben das schwergewichtige Transportvelo ausgefahren und die Ladefläche entweder mit Kind und Kegel beschwert oder aber mit Gewichten gefüllt. So bewege ich nun täglich ein Fahrrad von rund 70 Kilogramm durch die Stadt und komme dabei ordentlich ins Schwitzen.

Verfolgen Sie uns auf Schritt und Tritt

Dass dieses Bike-Training auch wirklich wirkt, zeigt sich bei unserem nächsten Rennen in Disentis, wo wir als Dreierteam an der Trofea Péz Ault teilnehmen. Die gefühlte Leistungssteigerung ist frappant, bei genauem Hinschauen ist aber nicht sicher, ob hierfür der Muskelaufbau oder der Gewichtsabbau verantwortlich ist. Denn unterdessen verfügen wir über top Skitourenmaterial von Dynafit, das nur noch halb so schwer ist wie die alte Ausrüstung: Lediglich rund vier Kilogramm wiegen Skischuhe, Skis und Bindung inklusive Felle.

Über Ostern erwartet uns ein letztes Höhentraining bei einem alten Bekannten: Auf dem einzigen Bündner 4000er, dem Piz Bernina, und seinen kleineren Geschwistern Piz Zupò, Piz Palü, Piz Glüschaint und Piz Roseg werden wir uns an die dünne Luft in grosser Höhe und das Skifahren am Seil gewöhnen, bevor es nach Zermatt geht, wo wir in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai an der PDG starten werden.
Mit der Patrouille-des-Glaciers-App für iPhone und Android können Sie uns dabei auf Schritt und Tritt verfolgen.

Jost Fetzer*Jost Fetzer ist Bildredaktor des «Tages-Anzeigers» und passionierter Berggänger.

Outdoor

Die Masseneinwanderung

Thomas Widmer am Freitag, den 4. April 2014

Diese Woche von Rheinfelden AG auf den Hohen Flum (Deutschland)


Kalt war der Tag und nicht allzu hell. Super, dachte mein innerer Optimist am Bahnhof Rheinfelden: Es regnet nicht! Zehn Freundinnen und Freunde zogen mit mir los; während wir der Rheinbrücke und Deutschland zustrebten, kalauerte ich angesichts des stattlichen Grüppleins: «Das ist eine Masseneinwanderung.»

Am deutschen Ufer gingen wir in der folgenden Stunde flussaufwärts. Wir sahen viel: das schweizerische Rheinfelden gegenüber als ehrwürdige Städtchensilhouette im Dunst. Den Rhein, mit Fischtreppen und dergleichen renaturiert, als vor wenigen Jahren das neue Wasserkraftwerk Rheinfelden gebaut wurde. Schliesslich Schloss Beuggen, heute eine evangelische Tagungsstätte, vormals aber ein Sitz des Deutschritterordens. Unbewiesenen Theorien zufolge soll zwischen 1815 und 1816 Kaspar Hauser auf Beuggen gelebt haben, jener rätselhafte Menschenfindling, von dem das Gerücht ging, er sei der abgeschobene Erbprinz des Fürstenhauses Baden.

Störche und eine Höhle

Schloss Beuggen, das offenbar wegen der Biegung des Rheins so heisst, ist eine gewaltige Anlage. Mit Interesse lasen wir die historischen Tafeln. Etwas lenkte uns dabei ab: das Storchennest auf dem nahen Turm. Zwei Störche blickten reglos auf uns herab.

Bald nach dem Schloss kam bei Riedmatt die Tschamberhöhle in Sicht. Eine Muschelkalkhöhle, geöffnet an Sonntagen und Feiertagen; wir hatten Samstag und fanden das Portal verschlossen vor. Danach bogen wir ab vom Rhein nach Norden. Durch eine lange Geländerinne im Wald, durchzogen von einem schütteren Bächlein, eroberten wir uns in leichter Steigung den Dinkelberg, eine Hochebene zwischen dem Tal des Rheins und dem Tal der Wiese. Im Dörfchen Nordschwaben musterten wir Skulpturen des Holzkünstlers Holger Rübsam, der die prägnante Internetadresse www.ruebeonline.de besitzt. Na ja, Kunst ist Geschmackssache; es gibt sicher Leute, die so etwas mögen.

Dann, nach knapp drei Stunden, unser Ziel: der Hohe Flum. So heisst der überaus sanfte, auf 536 Metern über Meer gelegene höchste Punkt des Dinkelbergs. Bei gutem Wetter hätte man von der Kuppe aus, hatte ich gelesen, Sicht zu den Alpen und den Vogesen. Wir allerdings sahen vom geschmackvollen, schlösschenartigen Aussichtsturm  aus praktisch nichts, so verhangen, wie der Himmel war. Immerhin erkannten wir nordseitig zu unseren Füssen das Wiesental und den Ort Schopfheim.

Das Berghaus Hohe Flum machte von aussen wenig Eindruck; ein Allerweltsbau. Aber der Empfang war freundlich. Und der Service in Gestalt einer Baslerin flink. Und dann das Essen! Auf dem Hohen Flum machen sie sozusagen alles selber von der Sauce bis zur Glacé. Wir tranken Wein, wir spiesen - ich hatte Salat, Schweinsbraten und Spätzle für 10 Euro -, wir nahmen selbstverständlich ein Dessert. Und wir waren begeistert.

Gipfelglück in Deutschland

Man muss offensichtlich mehr in Deutschland wandern! Unterdessen habe ich mir einige Wanderbücher besorgt. Besonders mag ich «Gipfelglück» von Patrick Brauns, das die «50 markantesten Berge Baden-Württembergs» vorstellt. Berge? Ja, Berge! Wanderabenteuer, die zum Beispiel Hornisgrinde heissen. Oder Schwarzer Grat, Katzenbuckel, Lupfen, Stuifen, Kandel. Und allein schon aus sprachlichen Gründen will ich auf den Ipf bei Bopfingen. Deutschland, wir kommen wieder.

++

Route: Rheinfelden SBB - Rheinbrücke zum deutschen Ufer - flussaufwärts vorbei an Schloss Beuggen - Abzweiger Tschamberhöhle, vorbei an der Höhle - Riedmatt - Nordschwaben - Hoher Flum.

Wanderzeit: 3 Stunden bis Hoher Flum.

Höhendifferenz: ca. 300 Meter aufwärts, 100 abwärts.

Wanderkarte: 214 T Liestal, 1: 50 000. Mehr Übersicht hat man auf der Wanderkarte 1: 60 000 Basel-Aarau von Kümmerly+Frey.

Fortsetzung: Vom Hohen Flum ist man in einer knappen Stunde und nach 170 Metern Abstieg in Schopfheim D. Von dort kommt man mit der S-Bahn schnell und direkt nach Basel. - Viel länger (gut vier Stunden) ist der Weg via Adelhausen und Eiserne Hand nach Riehen BS.

Charakter: Zuerst Flussuferwanderung mit Natur, Industrie und Historie in wilder Mischung. Hernach leichte Geländewanderung. Keine besondere Anstrengung.

Höhepunkte: Der renaturierte Rhein. Schloss Beuggen mit dem Storchennest auf dem einen Turm. Der Aussichtsturm auf dem Hohen Flum. Und das hervorragende Essen im Berghaus Hohe Flum.

Kinder: Geht gut.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Einige Lokale am Weg. Das Restaurant auf dem Hohen Flum. Ruhetage Do/Fr. Bei gutem Wetter reservieren! +49 7622-2782

Buchtipp: Wer weitere  «Berge» im schweiznahen Deutschland erwandern will, ist gut bedient mit «Gipfelglück. Die 50 markantesten Berge Baden-Württembergs» von Patrick Brauns (Silberburg-Verlag, 160 Seiten, 23.90 Fr. Der Hohe Flum kommt aber nicht vor.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmer privatem Journal.

Outdoor

Seldwyla im Hoch-Ybrig

Outdoor-Redaktion am Donnerstag, den 3. April 2014

Ein Gastblog von Daniel Foppa*

Outdoor

Umsatzeinbusse von 30 Prozent: Druesberghütte in der Nähe des Skigebiets Hoch-Ybrig. Foto: Thomas Widmer

Tourengeher, kommst du nach Hoch-Ybrig, achte auf Bergbahnangestellte, die dir hinter Schneehaufen versteckt auflauern. Denn Bergbahn-Chef Wendelin Keller hat seine Angestellten angewiesen, Jagd auf Skitourengeher und Schneeschuhläufer zu machen. Keller ist sauer aufgestossen, dass der SAC gegen ein Bahnprojekt Einsprache ergriffen hat. Als Retourkutsche verfügte er, dass der Parkplatz der Bergbahnen nur noch für Benutzer derselben gratis ist. Alle anderen werden neu mit zehn Franken zur Kasse gebeten.

Nun ist es nichts Aussergewöhnliches, dass Bergbahnen Parkplatzgebühren erheben. Besonders wird die Situation im Hoch-Ybrig jedoch dadurch, dass sie als Schikane aufgezogen ist. So verzichtet Keller bewusst darauf, einen Ticketautomaten aufzustellen. Und informiert die Parkplatzbenutzer nur rudimentär mit einer kryptischen Tafel über das neue Regime. Hinweise, wo man ein Parkticket lösen kann, fehlen. Gleichzeitig berichten Tourengeher, wie Bergbahnangestellte aus Verstecken heraus spähen, wer Tourenski, Schneeschuhe oder Schlitten aus dem Kofferraum lädt – um sie anschliessend zu verzeigen. Wer dies vermeiden will, muss sich in die Schlange der Liftbenutzer einreihen und ein Ticket für zehn Franken lösen. Tourengeher, die vor Öffnung der Ticketschalter unterwegs sind, müssen sich am Vorabend anmelden. «Ich hätte die Gebühr bezahlt, wenn ich davon gewusst hätte», schreibt einer von zahlreichen empörten Tourengehern in einem Internetforum. Stattdessen sei er beobachtet, notiert und verzeigt worden – ohne, dass ihn jemand auf das neue Regime hingewiesen hätte.

Weil es sich beim Parkplatz um Privatgrund handelt, setzt es für säumige Zahler eine Strafanzeige ab. Laut der Staatsanwaltschaft Innerschwyz sind seit Anfang Jahr rund 50 Fahrzeughalter verzeigt worden. Im Regelfall müssen sie eine Busse von mindestens 50 Franken sowie Gebühren und Polizeikosten von bis zu 200 Franken bezahlen. Die Polizei ermittelt jeweils den Lenker. Dabei ist es laut Betroffenen vorgekommen, dass Tourenfahrer auf den Polizeiposten geladen oder gar zu Hause von bewaffneten Polizisten aufgesucht wurden. Für die Staatsanwaltschaft Innerschwyz führt das neue Parkregime entsprechend zu Mehraufwand. Laut Staatsanwalt Remo Ulrich habe man das Gespräch mit Bergbahnchef Keller gesucht, jedoch keine Lösung gefunden.

Leidtragender der ganzen Posse ist Sepp Herger, Wirt der bei Skitourengehern und Winterwanderern beliebten Druesberghütte. Laut Herger ist der Umsatz um 30 Prozent eingebrochen. «Viele Stammgäste kommen nicht mehr, weil sie sich nicht schikanieren lassen wollen», sagt Herger. Er wäre bereit, den Bergbahnen eine Pauschale für seine Gäste zu entrichten. Aber Bergbahnchef Keller will davon nichts wissen. Auf Anfrage zieht Keller in nicht druckreifen Worten über die Kritiker des neuen Parkregimes her und erklärt, wer nicht nach Hoch-Ybrig kommen wolle, solle es eben bleiben lassen.

Beim Tourismusverein macht man derweil auf Schadensbegrenzung. Man versuche, eine Lösung zu finden, sagt Marketingverantwortliche Christine Hubli, habe aber keinen Einfluss auf den privaten Parkplatz. Wir empfehlen dem Tourismusverein, Kellers Worte als neuen Werbeslogan zu verwenden. Im Vergleich zum altbackenen bisherigen («Geniessen Sie erholsame Stunden und besuchen Sie uns!») wäre der Region damit Aufmerksamkeit sicher.

foppa_150p*Daniel Foppa ist Ressortleiter Schweiz beim «Tages-Anzeiger» und passionierter Skitourengeher.

© baz.online