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Im Swarovski-Schnee

Thomas Widmer am Freitag, den 23. Januar 2015

Diese Woche auf offiziellen Winterwanderwegen über die Marbachegg (LU/BE)

Bevor ich die Überschreitung der Marbachegg als eine der schönsten Winterwanderungen im Land preise, muss ich nüchtern etwas anmahnen: Man nehme die Wanderkarte 1:50'000 Escholzmatt mit. Marbachs Touristiker gehen irgendwie davon aus, dass man die Gegend und ihre Wege kennt. Zum Beispiel fanden wir in Marbach keinen Winterwander-Startwegweiser. Die Karte hilft.

So, geschafft, der Rest der Kolumne darf jubilieren. Am Neujahrstag fuhren wir von Escholzmatt nach Marbach Post. Wir stiegen aus, hielten auf die Kirche zu, bogen vor ihr links ab Richtung Lourdesgrotte und Nesslenboden – und jetzt die einfache Regel: Bis vor dem Gipfel auf dem Strässchen bleiben! Und auf Schlittler achten!

Psychodrama im Entlebuch

Wandern ist Psychodrama, immer wieder. Wir mussten uns die Sonne erobern, die den Gegenhang hinter uns bereits vergoldete. Die erste Stunde gingen wir im Schatten, es war um die zehn Grad minus, wir schlotterten. Herrlich, wie uns endlich, nachdem wir der Enge des Steiglenbach-Einschnittes entronnen waren, die ersten Strahlen wärmten.

Und dann eine gleissende Winterlandschaft, die Dächer der Hütten und Ställe wattiert mit Schnee, die Eiszapfen glitzernd und tropfend, das ganze Hochland ein einziges Funkeln. Und ganz nah ein Bergmassiv, das um ein Vielfaches mehr beeindruckt als die Eiger-Mönch-Jungfrau-Trilogie. Die Schrattenfluh ist ein Massiv wie aus einem Western. Urzeitlich, runsendurchfurcht, Arizona im Entlebuch.

Ungefähr bei Wittenfären hatten wir die Marbachegg direkt vor uns. Doch wie hoch sie noch über uns hockte! Gleich darauf sahen wir zur Linken den Abzweiger hinab nach Bumbach, den wir im Abstieg nehmen würden. Wir hielten weiter auf unsere Egg zu, passierten ein Speicherseelein und bogen endlich rechts ein in den steilen Skihang; am Rand der Piste machten wir die letzten gut 60 Höhenmeter der ersten Etappe.

Oben etwas Rummel, man kann ja auch mit der Gondel auf die Marbachegg. Wir tranken etwas im Berggasthaus Eigerblick, das besser Schrattenfluhblick hiesse. Hernach liefen wir auf der Krete vorwärts zum Stein auf der Grenze von Luzern und Bern, fast schwerelos wandelten wir im Licht. Und als wir auf demselben Weg zurückkamen, eroberten wir uns den Aussichtspunkt gleich oberhalb der Bergstation der Gondel. Ein Deltasegler stürzte sich gerade ins Leere. Der Weissenstein und der Chasseral fesselten uns.

Der Mond ist aufgegangen

So weit Wanderetappe zwei, unser Glück angesichts der Sonne, der Gipfel und Fluhen rundum, den Swarovski-Schnees denke sich der Leser bitte hinzu. Etappe drei wurde nicht minder schön. Wir stiegen von der Bergstation wieder ab zu besagtem Abzweiger nach Bumbach. Die Regel auch für den folgenden Abschnitt: Bis ganz hinab auf dem Strässchen gehen, das als offizieller Winterwanderweg gepfadet wird.

In Bumbach endeten wir im Schatten. Gross war der Hunger. Gerade wollten wir die Alpenrose betreten, als ein Postauto direkt vor uns anhielt. Wir stiegen ein, einfach so, und fuhren vier Kilometer ins Tal der jungen Emme hinein. Hinten, wussten wir, gab es das Hotel Kemmeriboden-Bad. Mit Schweinsbratwurst, Rotwein, Meringue schloss dort die Wanderung. Als wir am späten Nachmittag heimfuhren, war über der Schrattenfluh bereits der Mond aufgegangen.

++

Vorbemerkung: Es handelt sich um offizielle Winterwanderwege, die unterhalten werden. Zum Grossteil geht man auf verschneiten Strässchen, selten kommt ein Auto, mit Schlittlern ist zu rechnen. Über vereiste Stellen helfen Schuhkrallen. Für das steile Stück vor der Marbachegg am Rand der Skipiste helfen Stöcke.

Etappe 1: Marbach Post (Bus) – vor der Kirche links Richtung Lourdesgrotte und Nesslenboden (auf diesem Strässchen bleiben bis praktisch zur Marbachegg) – Nesslenboden – Wittenfären – Abzweiger Bumbach – Ober Lochsitli – letzte 100 Meter vor der Marbachegg auf dem gewalzten Rand der Skipiste – Marbachegg Bergstation/ Restaurant Eigerblick.

Etappe 2: Bergstation Marbachegg – Stein auf der Kantonsgrenze – retour. Nicht verpassen sollte man den Zwei-Minuten-Abstecher gleich bei der Bergstation 20 Meter hinauf zum Aussichtspunkt (Plattform für Hängegleiter, Tiefblick nach Marbach und Blick zum Napf, Weissenstein und Chasseral).

Etappe 3: Bergstation Marbachegg – retour bis zum Abzweiger nach Bumbach (gemäss Sommerwanderweg, auf dem Strässchen) – Unter Lochsitli – Wäldli. Am Schluss, Bumbach vor Augen, bleibt man gemäss Sommervariante auf dem Strässchen und kommt zum Skilift Bumbach (Bus). Oder man biegt bei guten Verhältnissen links ab (Wegweiser Schneeschuhwanderweg, auf der Wanderkarte schwarze Linie) und kommt via zwei Bauernhöfe auf meist gepfadetem Strässchen zur Alpenrose Bumbach (Bus, Restaurant). Beide Endpunkte sind ohnehin nicht weit voneinander entfernt.

Wanderzeit: Etappe 1: 2 Stunden. Etappe 2: ¾ Stunden.  Etappe 3: 1 ¼ Stunden. Total 4 Stunden.

Höhendifferenz: Etappe 1: 620 Meter aufwärts. Etappe 2: unbedeutend. Etappe 3: 570 Meter abwärts.

Wanderkarte: 244 T Escholzmatt, 1 : 50'000. Es lohnt sich, sie mitzunehmen, die Winterwanderroute ist gar nicht oder schlecht beschriftet; pinke Abzweiger (Schneeschuhrouten) verwirren, etwa beim Nesslenboden, wo man auf dem Strässchen bleiben soll. Eine – nicht besonders präzise Karte – gibt es im herunterladbaren Prospekt von Marbach Tourismus. Die Etappe 1 ist dort beschriftet mit N, die Etappe 2 mit O, die Etappe 3 mit M.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Retour: Buslinie Kemmeriboden (beim Hotel Kemmeriboden-Bad) – Bumbach – Schangnau – Marbach – Escholzmatt Bahnhof.

Kürzer: Jede der drei Etappen ist einzeln wanderbar. Auf die Marbachegg kommt man mit der Gondel ab Marbach.

Charakter: Eine der schönsten Winterwanderungen der Schweiz mit grossartiger Aussicht, die ihresgleichen sucht. Offizielle Winterwanderrouten auf unterhaltenen Strässchen. Mittlere Anstrengung. Keine besonderen Gefahren, einzig vor vereisten Stellen muss man sich in Acht nehmen. Und vor Schlittlern.

Höhepunkte: Der Austritt aus der Giftkälte in die Sonne irgendwann nach dem Nesslenboden. Der Blick vom Aussichtspunkt nah der Bergstation der Marbachegg zum Weissenstein und Chasseral. Schrattenfluh und Hohgant als dominierende Berge auf dem Weg von der Bergstation zum Grenzstein und retour. Der Abstieg mit der Sonne im Gesicht nach Bumbach.

Kinder: Gut machbar.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Restaurant Eigerblick auf der Marbachegg, ganze Wintersaison täglich geöffnet. Alpenrose Bumbach, Di Ruhetag. Das Hotel Kemmeriboden-Bad, Mo Ruhetag, liegt nicht an der oben beschriebenen Drei-Etappen-Route. Hin kommt man per Bus von Bumbach. Oder zu Fuss auf dem Winterwanderweg vom Skilift Bumbach der Emme entlang (Langlaufloipe) in 1 ¼ zusätzlichen Stunden. Sehr gute Küche, berühmte Meringues.

Das Gebiet um die Marbachegg, vom Gleitschirm aus gesehen (Quelle: Youtube)

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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Vom Kurs abgekommen

Outdoor-Redaktion am Donnerstag, den 22. Januar 2015

Von Florentin Vesenbeckh

Stunt bikers, pt. 3

Der Eurosturz hat auch Auswirkungen auf die Schweizer Bikegeschäfte. Foto: Hobbes vs. Boyle, Flickr.

Manchmal bleibt einem nur die Zuschauerrolle im Film, der vor den eigenen Augen abläuft. Das Vorderrad blockiert, ein kurzer Moment von Schwerelosigkeit, der Blick fixiert den Boden. Plötzlich und unaufhaltsam kommen Wurzeln und Steine näher, bis der Körper seinen Abdruck im Dreck hinterlässt. Einen ähnlich heftigen Aufprall erlebt aktuell auch die Schweizer Wirtschaft – Velobranche inklusive. Die starke Aufwertung des Frankens trifft Hersteller, Distributoren, Händler und Touristiker gleichermassen. Aber was bedeutet das für uns Biker?

Der Kauf von Waren im Ausland wird durch den starken Frankenkurs billiger. Für die Industrie genauso wie für Endkunden. Importeure und Händler stehen unter Druck – die Preise müssen runter. Als erster Vertrieb kündigt Rotwild-Importeur Agentur Felix AG eine drastische Preisanpassung an. Kein Wunder, denn die Ware wird auf Bestellung direkt aus Deutschland bezogen – in der Schweiz wird kein Warenlager unterhalten. So kann das Unternehmen flexibel auf Kursschwankungen reagieren. Viel schwieriger ist die Situation für Händler und Distributoren, deren Lager vor dem Saisonstart voll sind. Schon lange im Voraus geordert und bezahlt – natürlich zum alten Wechselkurs. In Dollar genauso wie in Euro. Wer jetzt die Preise anpasst, tut das auf Kosten der eigenen Marge. Dennoch gehen Experten davon aus, dass eine Preisanpassung unausweichlich ist, wenn man die Kunden bei Laune halten will.

Was der Fahrradbranche schlaflose Nächte bereiten dürfte, freut die Schnäppchenjäger. Dank dem neuen Wechselkurs kann man bei einem Kauf schnell mal 1000 Franken sparen. Auch die Tourismusbranche trifft der entfesselte Franken hart. Das ohnehin schon hohe Preisniveau steigt für ausländische Urlauber weiter an. Und auch wir Schweizer werden uns mehr denn je fragen, ob der sparsame Abstecher ins Nachbarland nicht die bessere Alternative fürs lange Wochenende ist.

Trailgenuss im Ausland ist eine Sache, Shoppingtourismus die andere. Spätestens wenn all die Fahrradhändler ums Eck zugesperrt haben und man weite Wege zurücklegen muss, um das Hightechgerät zu warten, bekommt man jedoch die Quittung für kurzfristige Preisoptimierungen.

Die heftigsten Spuren hinterlässt der Einschlag bei Produkten made in Switzerland. Exportorientierte Schweizer Unternehmen wie DT Swiss leiden unter dem aktuellen Umrechnungskurs mindestens ebenso. Die Einsparungen durch günstigere Rohstoffe gleichen die Einbussen nur zu einem Teil aus.

Entscheidend wird sein, wo sich der Frankenkurs einpendelt. Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich die Preisgestaltung noch nicht festlegen. Der grosse Vorteil: Die Entscheider können sich noch etwas Zeit nehmen, weil die Saison noch nicht brummt. Trotzdem ist ein Handeln gefragt. Denn neben der Kursentwicklung liegt es in den Händen der Branche, ob die Nase ungebremst mit der Wurzel kollidiert oder ein geschickter Armeinsatz den Körper am Boden abrollt.

Euroflucht oder Frankentreue – wo kaufen Sie Bikes und Teile? Beeinflusst die Kursänderung Ihr Einkaufs- oder Urlaubsverhalten? Sind Sie bereit, einen Teil der Mehrkosten zu tragen, oder sehen Sie allein die Händler in der Pflicht?

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«Der Gipfel des Wahnsinns»

Natascha Knecht am Mittwoch, den 21. Januar 2015
Yosemite Climb

Plötzlich Helden: Die US-Kletterer Tommy Caldwell (l.) und Kevin Jorgeson erzählen den Medien, wie sie die Dawn Wall am El Capitan bezwangen (15. Januar 2015). Foto: Eric Paul Zamora (AP, Keystone)

Für Kletterinteressierte war es ein gefundenes Humorfestival: 19 Tage brauchten zwei US-Freeclimber, um die Dawn Wall am El Capitan als erste Menschen rotpunkt zu klettern. Damit machten Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson nicht nur am Fels das Unmögliche möglich. Sie generierten via Livestream, Twitter, Facebook, Instagram und so weiter einen ungeheuerlichen Medienhype – was für diesen Nischensport natürlich toll ist. Doch es gab auch einige Irrungen und Verwirrungen. Hier sind die Highlights:

Lang lebe Kyrbekistan! (Quelle: Tagesanzeiger)

Ein Hoch auf Kyrzbekistan! Es liegt unmittelbar neben Absurdistan. Karikatur: Ruedi Widmer («Tages-Anzeiger»)

Ein erfundenes Land: Bevor die Kletterei am El Capitan losging, gab Tommy Caldwell der «New York Times» ein exklusives Interview. Da erzählte er, wie er 2000 in Zentralasien gekidnappt und gerettet wurde – und zwar in der Republik Kyrzbekistan. Die Redaktion dachte sich wohl, wenn einer in der Vertikalen Unmenschliches vollbringen kann, dann weiss er auch, in welchen Ländern er reist. Jedenfalls hat bei der NYT niemand gemerkt, dass es Kyrzbekistan nicht gibt. Inzwischen existiert das «irrtümlich erfundene Land» – im Internet. «Der neue Staat twittert, hat einen Schwarzmarkt für Pizza und träumt vom Sieg des Fussballvereins Traktor Bishkent über Real Madrid», schreibt «Der Standard». Der «Tages-Anzeiger» schickt «Greetings from Kyrzbekistan!» Auch das ist ein Kletterrekord.

Weshalb benutzen die Seile, wenn es Freeclimbing ist? (Bild: AP Photo/Tom Evans, elcapreport)

Weshalb benutzen die Seile, wenn es Freeclimbing ist? Foto: Tom Evans (AP, Keystone)

Was bedeutet «Freiklettern»? Das gemeine Publikum verwechselte Freeclimbing mit Free-Soloklettern und reagierte in den Kommentarspalten etwas enttäuscht, weil da am El Capitan ein Sicherungsseil im Spiel war («Na ja, 50 Meter am Tag klettern, dann noch angeseilt . . .»). Oder Freiklettern wurde so erklärt, dass es jeder versteht: «Wenn der Vorsteiger zum Beispiel ein wenig traversieren muss und dann zur Seite nicht mehr weiterkommt, aber dann entdeckt, dass er 5 Meter weiter unten dies wunderbar tun kann, dann darf er sich auch nicht einfach dahin abseilen, sondern muss dort hinunterklettern.»

Hier gehts zum ARD-Beitrag: http://www.tagesschau.de/ausland/yosemite-klettern-101.html

Nur mit Händen und Füssen und Seilen aus Stahl: Auch die Kletterfans begriffen nicht immer, was da in Sensationssprache vermittelt werden wollte. Zum Beispiel im Beitrag der «Tagesschau» der ARD: «915 Meter senkrecht nach oben – noch niemand hat die Granitwand des El Capitan im Yosemite-Nationalpark ohne Hilfsmittel bezwungen. Zwei US-Freeclimber wollen das ändern. Nur mit Händen und Füssen und Nerven aus Stahl sind sie auf dem Weg nach oben.» Es sei «der Gipfel des Wahnsinns», so der Sprecher. Es sei «die Ente des Tages», antwortete das «Climax Magazine» auf Facebook. Denn der El Capitan wurde schon von x Kletterern frei «bezwungen», es geht hier um eine Route. Und Klettern.de schreibt: «Ich hätte auch gerne Füsse aus Stahl.» Wer nicht?

Der Herr links sieht aus wie Alex Honnold. Aber laut «Bild» ist es Kevin Jorgeson.

Der Herr links sieht aus wie Alex Honnold. Aber laut «Bild» ist es Kevin Jorgeson.

Wer weiss, wie Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson aussehen? Ist doch egal. Die «Bild»-Zeitung verwendet ein Foto von Alex Honnold, dem vielleicht berühmtesten Kletterer der Welt, und schreibt darunter, er sei Jorgeson. Merkt ja keiner. Um das Missgeschick abzurunden, führt ABC News ein Interview mit Alex Honnold, nennt ihn aber durchgehend «Alex Honnlove». Honnold wurde von einem Journalisten gar gefragt, ob er den El Capitan auch schon frei geklettert sei – und das, obschon die anderen beiden diesen Berg ja gerade als Erste mit Hand und Fuss und Nerven und Seil klettern. (Für alle, die es nicht wissen: «Honnlove» ist besonders bekannt für ungesicherte Solotouren, besonders am El Capitan.)

Google jpgMit Hand und Fuss. Wer auf Google nach Kevin Jorgeson suchte, erhielt während rund einer Woche diese Information (siehe oben). «Praktisch jedes Detail ist falsch», schreibt Climbing.com. Erstens wieder die fast überall verbreitete Mär, die beiden seien die Ersten, die «nur mit Händen und Füssen» auf den El Capitan klettern wollen. Aus Tommy Caldwell machte Google Tom Evans. Und ist das wirklich Jorgeson auf dem Foto?

«Wir». Der US-Präsident ist jetzt auch offiziell ein Kletterfan: Barack Obama gratulierte den beiden Freeclimbern persönlich via Twitter: «So stolz auf Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson, dass sie den El Capitan erobert haben. Ihr erinnert uns daran, dass alles möglich ist.» Genau. «Yes, we can», sofern man nur will, führen 1000 Meter Big Wall zur ersten Mondlandung. Nicht alle fanden den Tweet aus dem Weissen Haus gut. Er generierte Neid.

Ist das der Dank für die Anstrengung?

Ist eine solche Schlagzeile am Ende der Dank für die Anstrengung und die überwundenen Gefahren? Ja! Es ist der Ritterschlag.

«Zwei Idioten». Am Ende bleibt die Frage: Hat sich dieser Medienhype für den Nischensport Klettern gelohnt? Wie hat die breite Öffentlichkeit auf diesen historischen Erfolg reagiert? «Vielleicht soll der Leser auch mal an die Bergwacht denken, die bei einem Absturz die Leichen bergen muss.» Oder: «Ich geh davon aus, die verwenden kleine recycelbare Tüten und sammeln ihr grosses Geschäft mit dem Papier ein und entsorgen es dann, wenn sie wieder am Boden sind, in den entsprechenden Toiletten (wie Camper auch)», kommentiert einer auf Spiegel.de. Die Freude hielt sich insgesamt in Grenzen, was das britische Satiremagazin «The Daily Mash» dazu veranlasste, in einem schlanken (lesenswerten) Artikel das zu sagen, was etwa 92,6 Prozent der Nichtkletterer dachten, aber nicht so charmant formulieren konnten: «Two idiots climb big thing for some stupid reason.»

Ihre Meinung?

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Das Läufer-Jogger-Getue

Natascha Knecht am Montag, den 19. Januar 2015
Im Berndeutschen ist es eh «Hans was Heiri»: Joggerin am Lake Wendouree, Australien. Foto: Ed Dunens (Flickr)

Im Berndeutschen ist es eh «Hans was Heiri»: Joggerin am Lake Wendouree, Australien. Foto: Ed Dunens (Flickr)

Bekanntlich gehöre ich zu den Letzten, die etwas gegen Humor haben. Insbesondere beim Sport. Darum amüsiert es mich jedes Mal sehr, wenn ich in einschlägigen Foren oder Magazinen auf Diskussionen stosse, wie: «Bist du schon ein Läufer, oder bist du noch ein Jogger?», «Marathonläufer wehren sich vehement gegen die Bezeichnung Jogger» oder «Vom Unterschied der Läufer zu den Joggern». Den Unterschied kennt zwar niemand so genau. Es geht um Höheres, um Zugehörigkeiten und um soziologische Betrachtungen. Für jeden verständlich heruntergebrochen heisst es: Jogger sind Beute, Läufer sind Jäger (und Walker sind Opfer).

Zehntausendmal und wahrscheinlich in allen Weltsprachen wurde schon in den Kommentarspalten die Kreativität der Läufer getestet:

Du weisst, dass du ein Läufer bist, wenn …
… du mehr Laufklamotten besitzt als Alltagskleidung.
… du niemals eine Pause brauchst.
… du nicht weisst, ob du weinen sollst, oder deinen Arzt verfluchen, wenn er dir sagt, du sollest zwei Wochen Laufpause machen.
… du in die Ferien gehst und mehr Zeit aufwendest, um Laufrouten zu recherchieren als Sehenswürdigkeiten.
… du in die Ferien gehst und als Erstes deine Laufschuhe einpackst.
… deine Lauf-App mehr Kilometer zählt als der Tacho deines Autos.
… du nicht im Regen läufst, sondern unter einer Wolke duschst.
… du den Unterschied zwischen Wollen und Können kennst.
… man sich ja sonst nicht quält.
… dich ein Stelleninserat einer Firma interessiert, wo laufend Mitarbeiter gesucht werden.
… etc. etc. etc.

Die meisten dieser Satzergänzungen finde ich witzig, einige könnten auch von mir sein. Trotzdem bekenne ich mich offen, und ohne mich zu schämen, als «Joggerin» (ebenso mit einem Augenzwinkern). Zum einen, weil ich eher Matterhorn als Marathon (oder missionieren) im Kopf habe, wenn ich meine «Turnschuhe» schnüre. Zum andern: Selbst wenn ich mich mit Tausend Ellböglern über 42,195 Kilometer messen würde, könnte ich mich nicht «Läuferin» nennen.

  1. Ich bin Berner Oberländerin und rede den entsprechenden Dialekt. «I ga ä Rundi ga loufä (löifä)» bedeutet bei uns: Ich gehe spazieren. «Laufen» ist in meiner Mundart also irreführend.
  2. Würde ich wie eine Zürcherin sagen, «ich gan go rännä», bräche es mir die Zunge.
  3. Gängig ist bei uns «secklä», oder eben ganz simpel «joggä». Und weil «Ig bi ä Secklerin» hergeholt klingt (so sehr wie «Rännerin»), bleibe ich halt beim guten alten «joggen».
  4. Pasta.

Was sind Sie?

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Als der Bomber in den Schlossturm prallte

Thomas Widmer am Freitag, den 16. Januar 2015

Diese Woche von Andelfingen durchs Weinland nach Schaffhausen (ZH/SH)
Kein Schnee, grüne Wiesen, Sonne: schön. Bloss der Wind spielt nicht mit und wird uns auf dem Weg von Andelfingen nach Schaffhausen zusetzen; was für eine brutale Bise. Wanderfreund Roland ist zu wenig warm angezogen. Bundweise stopft er sich seine Zeitung unter den Pullover und schützt sich so. Das nütze sehr gut, teilt er uns mit.

Unten vor Andelfingens gedeckter Holzbrücke ist eine Kanonenkugel ausgestellt. Sie stammt vom Mai 1799, als auf der einen Seite der Thur die Russen und Österreicher standen und auf der anderen Seite die Truppen Napoleons. Die Kugel ist sieben Kilo schwer und hat einen Durchmesser von 14 Zentimetern. Ich bin enttäuscht. Der Baron Münchhausen im Film, gespielt von Hans Albers, reitet auf einer Kanonenkugel von mindestens Medizinballgrösse.

Die deutsche Geheimtagung

Wir queren die Brücke, biegen rechts ab zur Thur und sind bald im Grünen. Die Thur ist bis Hausen praktisch unverbaut. Dort schwenken wir nach gut 50 Minuten Gehzeit links in den Hang, meistern ein Bachtobel, kommen auf eine Anhöhe. Schloss Wyden rechter Hand, Privatbesitz, ist von Bäumen verdeckt und fast nicht zu sehen.

Drei Dinge sind zu dem Schloss zu sagen. Erstens tagten hier 1880 geheim deutsche Sozialdemokraten, darunter die Grossfiguren Bebel und Liebknecht; in Deutschland durften sie nicht. Zweitens gehört das Schloss den Nachfahren von Max Huber, einst Präsident des IKRK. Und drittens torkelte am 19. Juli 1944 ein US-Bomber daher. Er kam von München, die Crew hatte sich per Fallschirm gerettet, im Schlosshof spielten Kinder. Ein Wunder, dass niemand starb, als der Bomber in den Schlossturm prallte. Das Schloss brannte ab, musste praktisch von Grund auf neu gebaut wurden. Die Amerikaner zahlten.

Das Gelände, das wir im Folgenden durchwandern, ist Erholung für Auge und Gemüt. Ab und zu ein Hof, dazwischen Wiesen, Äcker, Riedgras und Sumpf, weite Wälder. Immer wieder sehen wir den Höhenzug des Irchel im Süden. Ganz nah haben wir den Husemersee, ein Gewässer mit Nebenseen; er gehört zur Andelfinger Seenplatte, die entstand, als die Gletscher abzogen und Wannen hinterliessen, die sich mit Wasser füllten.

In Trüllikon gehen wir in den Hirschen, wo Josephine zu uns stossen will. Der Wirt offeriert uns ein Glas Federweissen aus dem eigenen Rebberg und erzählt, dass er in vierter Generation im Hirschen wirtet. Ich und Josephine nehmen gern ein Glas, die anderen wärmen sich an Kaffee und Tee. Neugierdehalber konsultieren wir die Speisekarte und sind angetan. Diese Auswahl von Chlöpfmostsuppe und Steinpilz-Pappardelle bis Saiblings-Saltimbocca und Brasato al Barolo – wir würden jetzt wahnsinnig gern hier essen. Bloss haben wir anderweitig reserviert.

Guggere von gucken

Eine Stunde später sind wir in der Guggere, einer Ausflugswirtschaft oberhalb von Benken; der Name wird «Guggeere» mit langem E ausgesprochen und kommt von «gucken» – man sieht den Alpenkranz. Freilich schlottern wir zu sehr fürs genüssliche Schauen; wir betreten die Wirtsstube aus uraltem Holz. Die Karte ist einfach gebaut, aber okay, wie später auch das Essen. Über dem Kaffee sind wir uns einig, dass wir nicht mehr allzu weit laufen wollen – der Wind!

Also Schaffhausen. Gut eindreiviertel Stunden dauert das nur noch und führt über den Cholfirst, Zürichs letzten Höhenzug, gegen Norden zu. Bald sind wir am Rhein, sehen den Munot vor uns und erreichen gleich den Bahnhof. Ha! Wieder in der Wärme, gut so! Dass die Route besonders schön war, darin sind wir uns einig. Und Trüllikons Hirschen wird bald heimgesucht.

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Route: Andelfingen Bahnhof - Holzbrücke über die Thur - Wanderweg am Nordufer - Werdhof - Grosse Au - Hausen - Ufwil - Husemersee - Krähenbuck - Trüllikon - Mündlimoos - Grüt - Höhi - Wildensbuch - Guggere - Solboden - Grüt - Feuerthalen - Rheinbrücke - Schaffhauser Altstadt - Schaffhausen Bahnhof.

Wanderzeit: 5½ Stunden.

Höhendifferenz: 365 Meter auf-, 360 abwärts.

Wanderkarte: Am praktischsten ist die Karte Schaffhausen, Winterthur von Kümmerly + Frey, 1 : 60'000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Kürzer: Erst in Trüllikon (Bushaltestelle Dorf) einsteigen. Dann braucht man nach Schaffhausen bloss drei Stunden.

Charakter: Eine Wanderung für alle Jahreszeiten; bei Eis und Schnee helfen Schuhkrallen und Stöcke. Abseits der Dörfer viel Natur, wenige Bauernhöfe. Aussichtsreich zum Beispiel vom Restaurant Guggere.

Höhepunkte: Die unbebaute Thur der ersten Wanderstunde. Die Einsamkeit des Husemersees im Winter. Das Winzerdorf Trüllikon. Der Weitblick auf den Alpenkranz bei gutem Wetter von der Guggere. Der stille Wald des Cholfirstes.

Kinder: Keine Probleme.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Hirschen in Trüllikon. Gildekoch, eigener Rebberg. Sonntagabend und Mo geschlossen. - Guggere über Benken am Wanderweg. Ausflugsrestaurant, Spezialität Fondue. Mo und Di Ruhetag. Man kann online reservieren.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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Skitour auf den Uetliberg? Abgefahren!

Outdoor-Redaktion am Mittwoch, den 14. Januar 2015

Heute ein Gastbeitrag von Dominik Osswald*. Auch das Video stammt von ihm:

Wir hatten Grosses vor im Tessin. Wir wollten mit Ski den Campo Tencia überschreiten. Doch es wurde nichts. Der bissige Nordwind trieb uns zurück in die Sponda-Hütte, wo wir frustriert an einer ungarischen Salami kauten und uns anschwiegen. Die Stimmung war nicht gut. Wir schwiegen noch immer, als mein Bruder Marc, der in Zürich wohnt, sagte: «Eigentlich hätte es ja in Zürich mehr Schnee als hier.»

Es waren böse Worte. Salz in die Wunde! Denn was uns bevorstand: die Ski wieder ins Tal tragen und dann im Stau stehen, nachdem wir kaum einen Meter unseres Vorhabens gemeistert hatten. Doch er machte weiter: «Wetten, dass der Uetliberg uns mehr geboten hätte?»

Ich wurde hässig. Ja, ich war für die (zugegeben schlechte) Tourenplanung verantwortlich – aber wagte jetzt mein Bruder, der wie ich aus Basel stammt, mir den Uetliberg schmackhaft zu machen? Zürichs Hausberg … der von sich behauptet, der schönste der Schweiz zu sein, was gar nicht stimmt, denn unser Gempen ist mindestens so schön, und dort kann man auch noch klettern. Im Fels! Ich sagte also entnervt: «Dein Uetliberg kann mir gestohlen bleiben, und überhaupt, das ist gar nicht der schönste Hausberg der Schweiz!»

«Ach ja? Warst du überhaupt schon oben?», forderte er mich heraus. Und ich: «Ja, mit dem Bike. Der Singletrail ist übrigens keinen Deut besser als jener am Gempen.» Daraus wurde ein veritables Basel-Zürich-Kräftemessen, für einmal auf dem Buckel der Hausberge:

«Der Uetliberg ist höher!» – «Die Aussicht vom Gempen ist trotzdem besser.» – «Der Uetli hat einen Turm!» – «Der Gempen auch, sogar einen beleuchteten!» – «Das Restaurant auf dem Gempen ist eine Knille!» – «Nicht mehr, seit es den neuen Wirt hat, aber das Uto Kulm ist eine Schickimickibude!» – «Der Uetli wurde schon mit Sauerstoff bestiegen.» – «Am Gempen ist schon ein Flugzeug zerschellt … also in der Nähe.»

Es wurde immer absurder, bis wir am Ende abmachten: Wir gehen nach Zürich, bringen Silvester über die Bühne und steigen am Neujahrstag auf den Uetliberg – mit Ski. Ich wollte sehen, was der bieten kann, und versprach: Wenn ich auf einem Gipfel stehe und vier Schwünge im Schnee mache, dann zieh ich den Hut!

Gesagt, getan. Am folgenden Morgen fahren wir durch das von rauschenden Festen noch schlafende Zürich über die Hardbrücke, vorbei am zweithöchsten Gebäude der Schweiz zum Uetliberg. Es hat ordentlich Schnee, und ich bin nun doch neugierig. Zumindest auf der Karte sieht die Nordostseite echt interessant aus.

Am Triemli beginnen wir den Aufstieg, eine alte Dame erklärt: «Obä schiint d Sunnä, ja de Üezgi isch äifach de schöönschti Platz uf de Wält!»

Sicher doch.

Aber es hat was. Wir spuren durch schön verschneiten Tannenwald, lassen einmal das rote Züglein vorbeifahren und sind bald oben. Da findet Marc tatsächlich so eine Art Gipfel: einen Fels, der aus lauter zusammengekleisterten Kieseln besteht, man nennt es Konglomerat, aber Marc redet schwungvoll vom «Uetliberg Real Summit» (siehe Video).

Dann die Abfahrt. Wir halten uns zunächst an den Singletrail, rauschen einmal über eine Treppe, stechen dann in einen steilen Wald mit einer schönen Schneise. Der Wald ist schon lustig. Aber die Schneise! Da kann man richtig Ski fahren! Wir steigen sie nochmals auf und nochmals. Man wähnt sich hier kein bisschen in der Nähe einer Grossstadt. Ich bin begeistert!

Wieder beim Triemli, gönnen wir uns zufrieden eine Bratwurst vom Grill. Uetliberg … ich ziehe den Hut. Aber aufgepasst, ich habe schon die Karte studiert: Sollte der Winter noch nach Basel kommen, dann sind wir gewappnet. Der Gempen und ich.

 

dominik_150*Dominik Osswald ist freischaffender Journalist und Alpinist. Er lebt in Basel.

 

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Die Filmliste für Läufer

Pia Wertheimer am Montag, den 12. Januar 2015

1. «Unbroken»: Eine unglaubliche Geschichte

Am 15. Januar läuft der Film «Unbroken» in den Deutschschweizer Kinos an. Die von Angelina Jolie verfilmte Geschichte ist die schier unglaubliche Biografie des Olympia-Läufers Louis Zamperini (gespielt von Jack O'Connell): Als Junge wurde ihm bereits beigebracht, niemals aufzugeben. Das beherzigt er vor allem im Sport  und schafft es so 1936 bis an die Olympischen Spiele in Berlin, wo er den 5000-Meter-Lauf als bester Amerikaner auf Rang 8 beendet. Der Zweite Weltkrieg macht ihm allerdings einen Strich durch die Planung seiner sportlichen Karriere. Er rückt als Schütze eines Bombers ein – und gibt auch dort niemals auf: Er überlebt im Krieg 47 Tage auf hoher See in einem Rettungsfloss und trotzt zwei Jahre lang den Torturen eines japanischen Gefangenenlagers unter dem Kommando eines der brutalsten Anführers. 2014 erlag der amerikanische Held und Olympionike im Alter von 97 Jahren schliesslich einer Lungenentzündung. Er verstarb ein halbes Jahr vor der Premiere des Films.
Mehr dazu hier.

2. «Wechselzeiten»: Der Dokumentarfilm

Der deutsche Regisseur Guido Weihermüller und seine aus der Schweiz stammende Frau gehen der Frage nach, was Menschen antreibt, sich der Herausforderung eines Triathlons zu stellen. Sein Team und er begleiteten zwölf Wochen lang vier Frauen während eines Trainingsprogrammes für Triathlon-Anfänger. Die sehr unterschiedlichen Novizinnen schildern auf ehrliche und eindrückliche Art, wie sie ihren inneren Schweinehund bezwingen. Die Marketingmitarbeiterin Adolé, die Hotelmanagerin Kristina, die alleinerziehende Mutter Cecilia und die Bankerin Sarah haben bei allen Unterschieden ein gemeinsames Ziel: den Hamburger Triathlon.
Den Film «Wechselzeiten» gibt es als DVD zum Beispiel hier.

3. «Saint Ralph»: Das Marathonwunder

Der Streifen des Regisseurs Michael McGowan spielt in den 50er-Jahren. Der 14-jährige Ralph Walker (Adam Butcher) wächst als Halbwaise in der kanadischen Stadt Hamilton auf, als seine an Krebs erkrankte Mutter ins Koma fällt. Weil eine Krankenschwester den Jungen wissen lässt, dass sie nur noch durch ein Wunder erwachen wird, fordert Ralph das Schicksal heraus: Er trainiert, um den Marathon in Boston zu gewinnen – was noch kein Jugendlicher geschafft hat. Im Frühling 1955 nimmt Ralph in Boston am Marathon teil, und wird, zu seiner grossen Enttäuschung, nur Zweiter. Aber auch dies scheint Wunder genug zu sein.

4. «Forrest Gump»: Der Klassiker

Regisseur Robert Zemeckis' Film aus dem Jahr 1994 ist ein Klassiker, der mit sechs Oscars und drei Golden Globes ausgezeichnet wurde. Er erzählt die Geschichte von Forrest Gump (Tom Hanks). Der leicht dümmliche Junge muss wegen eines Wirbelsäulenleidens Beinschienen tragen und wird immer wieder zum Gespött seiner Mitschüler. Mut macht ihm dabei immer wieder seine Freundschaft zur gleichaltrigen Jenny. Beim Wegrennen fallen ihm die Schienen von den Beinen und er entdeckt, dass er eines gut kann: schnell laufen. Gump inspiriert Elvis und John Lennon, schüttelt Präsident John F. Kennedy die Hand und trifft Lyndon B. Johnson und Richard Nixon. Er bringt die Watergate-Affäre ins Rollen, er läuft, läuft und läuft und ist für das Bonmot «Shit happens!» und den ersten Smiley verantwortlich. Und immer wieder taucht Jenny in seinem Leben auf. Forrest träumt davon, sie zu heiraten. Was er letztlich auch tut und auf tragische Weise stolzer Vater wird.

5. «Chariots of Fire»: Sportgeschichte mit berühmtem Soundtrack

Der oscargekrönte Film von Regisseur Hugh Hudson beruht auf einer wahren Begebenheit. Die Protagonisten des Films sind zwei britische Leichtathleten, die 1924 an den Olympischen Sommerspielen in Paris teilnehmen. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein: Harold Abrahams ist Sprinter, Jude und wird an seiner Universität diskriminiert. Mit einer Goldmedaille über 100 Meter will er sich behaupten. Auch Eric Liddell ist eigentlich 100-Meter-Läufer. Der gläubige Sohn eines Missionar-Ehepaars weigert sich aber, am Sprint teilzunehmen, weil die Vorläufe an einem Sonntag stattfinden und übernimmt einen Startplatz beim 400-Meter-Rennen. Während sich Abrahams die Kritik gefallen lassen muss, durch die Anheuerung eines Profi-Trainers unehrenhaft zu handeln, wirft Liddells Familie ihrem Spross vor, den Laufvorbereitungen mehr Aufmerksamkeit zu schenken als Gott. Die Musik dazu von Vangelis ist weltbekannt geworden.

6. «Marathon-Man»: Der Läufer und die Nazis

Der Agententhriller von Regisseur John Schlesinger erschien 1976. Darin gerät Student Babe Levy (gespielt von Dustin Hoffman) in die Fänge eines folternden Zahnarztes mit Nazi-Vergangenheit. Der New Yorker Student verwickelt sich während seines Marathontrainings völlig ahnungslos in das Intrigen-Netz um einen abtrünnigen amerikanischen Agenten und einen millionenschweren Diamantendiebstahl. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von William Goldman. Dessen Figur des Nazi-Arztes Christian Szell wiederum lehnt sich an die Geschichte des berüchtigten KZ-Doktors Josef Mengele an.

Outdoor

Chouchignies – klingt das nicht unheimlich zärtlich?

Thomas Widmer am Freitag, den 9. Januar 2015

Diese Woche von Kerzers (FR) via Aarberg nach Biel (BE)

Als wir in Kerzers aussteigen, ist das Perron nass genieselt. Dunst hängt in der Luft, der Horizont ist bleigrau. Das ist okay so, denn die Prognose hat glaubwürdig Sonne angekündigt. Wanderungen, die sich wettermässig zum Guten wandeln, sind die allerbesten. Mit dem Himmel erhellt sich das Gemüt.

Bei der Konditorei Butterfly spielt mir das Gedächtnis wenig später den passenden Schlager ein: «Butterfly», ein verspieltromantisches Lied, das 1971 ein Riesenhit war. Ich sehe Danyel Gérard vor mir: gebräuntes Gesicht, Schnauz, weisser Hut, Gitarre. Des Menschen Erinnerung ist Kino.

Dünn und degradiert

Schnell sind wir aus dem Ort, laufen am Rand des Grossen Mooses, der wichtigsten Gemüsefläche im Land. Der Mont Vully zeichnet sich als imposante Erhebung in unserem Rücken ab. Insgesamt ist dies eine ruhige Gegend, Äcker, ab und zu ein Waldstück, hin und wieder ein Dorf. Kallnach zum Beispiel. Es gilt – gleich noch ein Superlativ – als längstes Strassendorf der Schweiz.

Hübsch Kallnachs welscher Name Chouchignies. Klingt das nicht unheimlich zärtlich? Wie der Titel eines französischen Kuschelromans.

Bargen empfängt uns mit seltsamen Wiesenhöckern. Es handelt sich um die Reste der einstigen Bargenschanze, die aus drei Teilen besteht und 1831/32 entstand. Die Befestigung sollte den strategisch wichtigen Aare-Übergang bei Aarberg sichern, wo drei wichtige Strassen zusammenkommen, die von Bern, die von Neuenburg und die von Murten.

Wir erreichen den Hagneck-Kanal, in dem die Aare in gefasster Form Richtung Bielersee geführt wird; Zwangseskorte für eine Aufmüpfige, die früher viel Schaden anrichtete. Die alte Aare, die wir anschliessend sehen, also der ursprüngliche, Büren zuströmende Flusslauf, ist ein dünnes, degradiertes Ding.

Über eine Holzbrücke betreten wir Aarberg. Schon wieder Geschichte. Dies ist ein imposantes Mittelalterstädtchen, das freilich unter dem Verkehr leidet; fast überfährt mich ein Einparkierer. Die Krone, in der wir essen wollen: was für ein breites, weites Haus! Es würde einen nicht wundern, wenn irgendwo im Dach noch eine Magd des 18. Jahrhunderts haust, die man vergessen hat. Das Gasthaus entstand aus einer Taverne und Herberge der Mönche vom Frienisberg einerseits, dem einstigen Kornhaus anderseits, in dem die Obrigkeit Nahrung lagerte. An der Fassade eine Jahreszahl: 1233.

Die Seele hätscheln

Das Essen schmeckt, wir lassen es uns gut gehen, mit Wein und allem; man muss im Winter die fröstelnde Seele hätscheln. Warm und satt wandern wir weiter. Es geht hinein in die weite Ebene, hinten haben wir den Chasseral, wesentlich näher erhebt sich jener bescheidene, bewaldete Höhenzug, den wir meistern müssen, um den Bielersee zu erreichen.

Bei Kappelen gehen wir kurz auf der Römerstrasse, die von Avenches nach Studen und Solothurn führte. Hernach Bühl, Hermrigen, der erwähnte Höhenzug. Dann Ipsach. Wir haben jetzt den Bielersee vor uns. Und die Sonne, die sich am Vormittag, wie im Radio prophezeit, zugeschaltet hat, verabschiedet sich. Der Nidau-Büren-Kanal wäre mit seinen sanft schaukelnden Booten jederzeit ein Puzzlemotiv. Beim Strandbad Nidau kreisen die Entlein und hätten gern Brot, das wir nicht haben. Am Bahnhof Biel ist ausgewandert. Doch, das war ein toller Tag, er hat uns euphorisiert. Die Freude hält an, als wir durch die frühe Nacht heimfahren.
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Route: Bahnhof Kerzers - Sonnenberg - Kallnachwald - Kallnach - Bargenholz - Bargenschanze - Bargen - Aarberg - Kappelen - Römerstrasse - Hermrigen - Riedacher - Eymatt - Im Schlatt - Rebenrain - Ipsach - Nidau-Büren-Kanal - Strandbad Nidau - Biel SBB.

Wanderzeit: 6 ½ Stunden.

Höhendifferenz: 280 Meter auf-, 290 abwärts.

Wanderkarte: 242T Avenches, 232T Vallon de St-Imier, 233T Solothurn, 1:50'000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Kürzer: Von Kerzers nach Aarberg (3 Stunden). Oder von Aarberg nach Biel (3 ½ Stunden).

Charakter: Wenig Höhendifferenz, viel Weite. Fluss, Kanal, See als Abwechslung. Technisch simpel, daher gut geeignet für den Winter.

Höhepunkte: Die uralte Kirche von Bargen. Die Weite des Grossen Mooses. Das historische Aarberg. Der Nidau-Büren-Kanal.

Kinder: Etwas weit.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Mehrere Möglichkeiten, vor allem in Aarberg

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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Outdoor

Die fetten Tage sind vorbei

Jürg Buschor am Mittwoch, den 7. Januar 2015
FAHRRAD, VELO, UEBERGEWICHT, BAUCH, RENNVELO

Mmmh, gut waren sie, die diversen Festessen der letzten Tage. Aber sie haben ihre Spuren hinterlassen. Dagegen hilft nur eins: Ab aufs Velo! Foto: Walter Bieri (Keystone)

Das Käsefondue an Heiligabend, der fette Braten an Weihnachten, der Mehrgänger an Neujahr, der Dreikönigskuchen am 6. Januar und dazwischen jede Menge Weihnachtsguetsli und kaum Sport – am Klischee der Neujahrsbauchringe ist mehr Wahres dran, als den meisten lieb ist. Zum Glück ist der Zeitpunkt für gute Vorsätze nie besser als zum Jahresbeginn. Wie wird man also die überflüssigen Pfunde am effektivsten wieder los? Die guten Nachrichten vorweg:

  1. Mountainbiken ist eine der besten Möglichkeiten, um Fett zu verbrennen.
  2. Die Aussage, dass stupides «Kilometerfressen» besonders erfolgversprechend sei, ist mittlerweile wissenschaftlich widerlegt.

Bei tiefer Intensität wächst zwar der verbrauchte Fettanteil, allerdings ist der gesamte Energieverbrauch dann auch geringer. Effektiver ist es also, die Belastung zu erhöhen. Dadurch werden absolut gesehen mehr Kalorien aus den Fettreserven verbrannt. Wer also die Hausrunde in Rekordzeit rockt, verbrennt nicht nur das «Hüftgold», sondern hat damit auch noch seinen Spass.

Basta mit Pasta!

Natürlich spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle, wenn wir das Körpergewicht ins Lot bringen wollen. Pastaorgien vor der Biketour liegen da nicht drin. Im Gegenteil – vor und während moderaten Trainingseinheiten sollte die Einnahme von Kohlenhydraten deutlich reduziert werden. Sagen die Profis. Zum Beispiel der deutsche Biologe und Sportwissenschaftler Dr. Wolfgang Feil: «Dies ist ein entscheidender Trainingsreiz dafür, dass der Körper mehr Fett verbrennen kann. Und wenn ein Sportler lernt, mehr Fett zu verbrennen, wird er automatisch schneller und leistungsfähiger.» Konkret heisst das: Bei Trainingseinheiten bis zu einer Länge von 60 bis 90 Minuten sollte auf die gezielte Zufuhr von Kohlenhydraten verzichtet werden. Ein Glas Wasser direkt vor dem Training kann helfen, das Hungergefühl zu unterdrücken. Der Körper gewöhnt sich erstaunlich schnell an den vermeintlichen Energiemangel. Erst bei intensivem und langem Training werden Kohlenhydrate benötigt, um die hohen Belastungen durchzustehen.

Doch auch dann sollte man nicht blindlings zur grossen Pastapackung greifen, denn nicht alle Kohlenhydrate sind gleichwertig. Die Aufnahme von sogenannten leeren Kohlenhydraten sollte gemäss Ernährungsexperten reduziert werden. Weissmehl, Zucker und helle Weizenprodukte lassen den Blutzuckerspiegel sehr schnell ansteigen und kurz darauf ebenso schnell wieder abfallen. Dadurch entsteht ein gesteigerter Appetit. Besser sind da schon komplexe Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten, Pseudogetreiden, Gemüse oder Nüssen, weil mit ihnen der Blutzuckerspiegel länger konstant bleibt. Ein weiterer Pluspunkt der komplexen Kohlenhydrate ist, dass sie Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe enthalten. Letztere sind unverdauliche Kohlenhydrate, die zwar keine Energie liefern, aber die Funktion des Magen-Darm-Traktes sichern und die Verdauungsorgane aktivieren. Ganz nebenbei senken sie die Gefahr, dass der Körper übermässig Fett ansetzt, denn Ballaststoffe binden Fett, das in dieser Kombination ausgeschieden wird.

Das Immunsystem gut würzen

Als einen entscheidenden Bestandteil der Ernährung nennt Dr. Feil auch Kräuter und Gewürze: «Das sind richtige Immunpusher. Im Winter ist es besonders wichtig, sich viel mit Gewürzen wie z.B. mit Ingwer und Chili zu versorgen», sagt der Ernährungsexperte. Mit Salz sollte man hingegen sparsam umgehen, denn übermässiger Genuss führt zur Ausschwemmung von Kalzium und hemmt so den Stoffwechsel. Die gesunde Ernährung wird also in der kalten Jahreszeit umso wichtiger. Denn wer krank ist, sitzt nicht im Mountainbikesattel und verbrennt so auch keine Kalorien.

Trainingseifer oder Genuss ohne Grenzen: Wie sehr achten Sie auf Ihre Ernährung? Wie halten Sie es nach den Festtagen mit der Ernährung? Purer Spassbringer oder Gesundheitsmotor – welche Rolle spielt das Mountainbike für Sie?

 

 

Outdoor

Die Gefahr der Hightech-Ausrüstung

Natascha Knecht am Mittwoch, den 7. Januar 2015
XTREME FREERIDE CONTEST, FREERIDE, SKI, SNOWBOARD,

Ungeduld ist ein schlechter Ratgeber im Wintersport: Wer es zu eilig hat, in die Natur zu kommen, übersieht möglicherweise die Gefahr, die dort lauert. Foto: Olivier Maire (Keystone)

Da geben Bergsportler also Tausende von Franken für Ausrüstung aus. Dann schneit es das erste «Schäumchen», und schon erreichen uns Nachrichten wie: «Rega-App rettet Tourenskifahrer». Bei diesem Unglück geriet ein Mann in eine Lawine, stürzte über mehrere Felsstufen 700 Meter in die Tiefe – und überlebte! Angeblich weil er mit Airbag ausgerüstet war, die Rega-App auf seinem Smartphone installiert hatte, so Rettung anfordern und dank der präzisen Koordinaten rasch lokalisiert werden konnte.

Glück im Unglück nennt man das – aber der Vorfall regt zum Nachdenken an. Hätte der Mann ohne Lawinen-Airbag überlebt? Hätte er sich ohne diesen überhaupt in die Situation begeben? Muss ich jetzt auch noch einen Airbag kaufen?

«Vollkasko-Mentalität»

Ohne diesem Tourenskifahrer in irgendeiner Weise Leichtsinn, Risikoappetit, schlechte Vorbereitung oder sonst etwas unterstellen zu wollen – ich kenne die Hintergründe nicht, die zum Unfall geführt haben –, erinnert mich der Fall doch sehr stark an das, was in der Fachsprache «Vollkasko-Mentalität» genannt wird. Man ist Rega-Mitglied, hat eine Unfallversicherung, besitzt die neuste und teuerste Hightechausrüstung. Man hat jetzt Ferien oder frei, man hat jetzt Bock auf eine Tour, man will jetzt das volle Programm und keinen Bubi-Ausflug. Jetzt. Nicht nächstes Wochenende, wenn die Verhältnisse vielleicht besser sind. Vielleicht.

Ungeduld, Egoismus und Selbstüberschätzung sind allerdings bei weitem keine Phänomene, die nur bei Alpinisten auftreten. Vergangenen Freitag vermeldete die Nachrichtensendung «10vor10», der Anteil an Knochenbrüchen als Folge von Wintersportunfällen habe laut Suva zugenommen. Gründe dafür seien die perfekt präparierten Pisten, das bessere Material und der harte Kunstschnee. Der Sicherheitschef der Titlisbahnen wünsche sich darum die Buckelpisten zurück, damit das Tempo gedrosselt werden müsse.

Immer schneller, besser und perfekter – damit hadern selbst die Helden der Pisten, die Skirennfahrer. Darum sollen sie künftig im Weltcup einen Airbag («D-Air Ski») tragen dürfen, der ihnen im Falle eines Sturzes Hals, Schlüsselbeine und den Schulterbereich «intelligent» schütze, was «die Sicherheit markant» erhöhe. Wie lange wird es dauern, bis auch Otto Normalskifahrer mit einem solchen Airbag auf der Piste aufkreuzt? Wäre es nicht intelligenter, intelligent zu fahren, als sich intelligent zu schützen?

Die Gefahren bleiben dieselben

Aber zurück zum unpräparierten Gelände. «Bergundsteigen», die Zeitschrift für Risikomanagement im Bergsport, publizierte einmal folgende Formel:

Mangelnde Ausbildung × kein Risikobewusstsein × fehlende Eigenverantwortung = Unkenntnis zum Quadrat + Pech = Unfall

Wobei «mangelnde Ausbildung»: Bei ungefähr zwei von drei Berichten über alpine Unfälle steht jeweils, beim Verunglückten habe es sich um einen «erfahrenen» Alpinisten gehandelt. Was auch immer «erfahren» bedeuten mag. Stirbt ein grosser Bergsteiger, heisst es zudem fast immer, er sei ein besonnener, ganz lieber Mensch gewesen und der beste Kamerad, den man sich habe wünschen können.

Trotz der stets besseren Ausrüstung und dem vielen Geld, das wir dafür ausgeben, bleiben die Gefahren am Berg immer dieselben. Sicherheit kann man nicht kaufen. Und nicht alles, was viel kostet, schützt. Das Hirn einzuschalten, wäre zum Beispiel gratis und dennoch ziemlich effizient. Doch das vergisst der eine oder andere ab und zu.

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, ein gesundes und glückliches neues Jahr, mit vielen schönen Abenteuern in der freien Natur.

© baz.online