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Jedem Bauern sein eigener Gupf

Thomas Widmer am Freitag, den 24. April 2015

Diese Woche von Entlebuch via Bramboden nach Romoos LU

Diese Entlebuch-Wanderung, es sei vorausgeschickt, hat mir selten starke Bilder geschenkt. Sie ist eine der schönsten Routen meines Wanderlebens. Das erste grosse Bild schob sich uns vor Augen, als wir vom Bahnhof Entlebuch Richtung Bergli und Schüpferegg aufstiegen: das Land ein unablässiges Wellen, die Hügel keck mit Einzelbäumen, die Wiesen parzelliert in allen Stufen von Grün. Ein Mensch aus der Wüste, dem man hier die Augenbinde abnähme, würde rufen: «Ich bin im Paradies!»

Auf der Obstaldenegg – oder war es zuvor auf der Schüpferegg? – Peter in den Frühlingswiesen, die Arme mit den Stöcken ausgebreitet, eine Pose der Seligkeit. Wie ein Engel, der sich anschickte, uns zu entfliegen.

Wir stiegen ab zur Grossen Fontanne, einem der goldhaltigen Bäche des Napfgebiets. Und wir stiegen wieder auf und kamen zum Bramboden. Der Romoos zugehörige Weiler ist derart abgelegen, dass man ihn einst mit einer eigenen Kirche ausstattete. Daneben das Seminarhotel, in dem samstags und sonntags auch der Passant etwas trinken oder das Menü bestellen kann. Wir setzten uns auf die Terrasse, tranken Rivella, Tee, Mineral und dergleichen.

Urritual beim Fäligüetli

Gleich wieder abwärts. Ziegen drängten heran auf dem Weg in den Schlitz des Seeblibaches, leckten uns die schweissig-salzigen Hände. Tiefer unten ein Meiler, wir begingen auf diesem Abschnitt den Köhlerweg von Romoos. Freilich war es zu früh im Jahr, dass der Meiler geraucht hätte.

Unten folgten wir dem Seeblibach, flirrendes Licht in den Augen und tanzende Schmetterlinge, das Wasser im braunen Bachbett Glitzerstoff, die Nagelfluhhänge wie Canyonwände in einem Indianerfilm. Und erneut mussten wir hinauf und waren nun in einer Gegend ähnlich derjenigen, die wir am Anfang bewundert hatten: alles rund. Aber auch: alles coupiert. Jedem Bauern sein eigener Gupf. Ziegen, Kühe, kläffende Hunde, ein Mann mit Stumpen auf einem Töffli.

Obergrossegg, Oberhetzlig, schliesslich das Fäligüetli. Wir wichen vom signalisierten Wanderweg ab, hielten hinauf zum Waldrand zur Feuerstelle der «Schweizer Familie», packten Bürli aus, schnitten Holzspiesse zurecht, entkorkten Rotwein und steckten Würste auf. Allem aber vorgeordnet jenes Urritual, das mich immer in die Kindheit zurückwirft, als ich mit meinem Freund Ernst im Wald bei der Bisersweid in Stein die schulfreien Nachmittage verbrachte: Wir machten Feuer.

Die Bise sieht man nicht

Nach dem Essen noch einmal Frühlingsherrlichkeit: gelb beblumte Wiesen, der Wald noch feucht, Vogelgesang. Vor mir Ronja mit einem Plastiksack voller Abfall, den zu schleppen sie verdienstvollerweise angeboten hatte; unten in Romoos wurde sie ihn los. Endlich das letzte Bild der Wanderung: Einkehr im Kreuz, dem stilvollen, gelbfassadigen, weit über hundertjährigen Gasthaus von Romoos. Im Garten tranken wir ein Bier und waren uns einig, dass so ein Wandertag sein muss.

Mit einer Einschränkung. Etwas ist auf meinen vielen tollen Fotos der Entlebuch-Tour nicht zu sehen: die Bise. Wir klapperten trotz der Sonne mit den Zähnen, so eisig war der Wind. Gut so! Wäre die Bise nicht gewesen, wäre diese Wanderung perfekt gewesen. Also geradezu unheimlich schön.

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Route: Entlebuch Bahnhof - Bergli - Schüpferegg - Obstaldenegg - Fontanne - Ärbsegg - Bramboden - Luegmoos - Drachslis - (bachabwärts) - Obergrossegg - Oberhetzlig - Fäligüetli - Hängele - Säumettle - Weierhüsli - Romoos.

Wanderzeit: 61/4 Stunden.

Höhendifferenz: 980 Meter auf-, 870 abwärts.

Wanderkarte: 244 T Escholzmatt und 234 T Willisau, 1:50'000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Retour: Von Romoos Post mit dem Bus nach Wolhusen. Zurück zum Ausgangspunkt Entlebuch von Wolhusen per Bahn.

Charakter: Wunderschöne Hügelschweiz mit tiefen Tobeln dazwischen. Wiesen, Nagelfluh, Bäche im steten Wechsel. Anstrengend wegen des Auf und Ab.

Höhepunkte: Die Aussicht von der Schüpferegg. Der rührende Weiler von Bramboden. Das Brätlen beim Fäligüetli.

Kinder: Etwas weit. Etwas Vorsicht im Gebiet Drachslis, steile Wege, Nagelfluhhänge.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Das Seminarhotel Bramboden widmet sich vor allem angemeldeten Gruppen. Samstag und Sonntag circa ab 11 Uhr ist es auch für Passanten offen, man kann etwas trinken oder das Menü essen. Keine À-la-Carte-Bestellungen. Am Schluss im Kreuz in Romoos, Montag ist Ruhetag.

Brätlen: Beim Fäligüetli gibt es eine Feuerstelle der «Schweizer Familie».

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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Eine Frage der Einstellung

Jürg Buschor am Donnerstag, den 23. April 2015

Endlich ist es da, das neue Traumbike. Der Moment, in dem das edle Gefährt zum ersten Mal an der Hand geführt wird, schlägt Weihnachten und Geburtstag um Längen. Jetzt zählt nur noch eines: draufsetzen, das teuer erkaufte Spielzeug an steilen Rampen erproben, mit ungeahnter Leichtigkeit über trickreiche Trails ins Tal schiessen – und das Ganze geniessen, oder?

Die Ernüchterung ist gross, wenn nach kurzer Zeit die Rückenschmerzen jeden Meter zur Qual machen, die Power nicht auf die Pedale gebracht werden kann oder das angeschlagene Sitzfleisch stechend schmerzt. Abhilfe kann ein professionelles Bikefitting schaffen. Das Versprechen der Veloanpasser geht sogar noch weiter: grössere Leistungsreserven durch bessere Kraftübertragung und ein völlig neues Fahrgefühl. Die Position wird – angeblich – nicht nur bequemer, sondern auch effizienter. «Die Leistungsfähigkeit leidet einfach, wenn ich taube Füsse habe oder ständig versuche, die Position auf dem Sattel zu ändern», sagt Annegret Anselstetter vom Bikehersteller Specialized. Die Amerikaner beschäftigen sich seit über 18 Jahren mit der perfekten Abstimmung von Ross und Rider. Nur kurz dem Sattel nach Augenmass die passende Neigung verleihen und das Knie eben per Lot über die Pedale positionieren – das ist Schnee von gestern.

Ein Bikefitting-Beispiel im Video. Quelle: Youtube

Die Anpassung ist längst eine Wissenschaft, Lasertechnik und Kraftmessplatten inklusive. Im Fokus stehen die neuralgischen Punkte Rücken, Gesäss, Knie und Hand. Ausschlaggebend sind Sattel- und Lenkerposition, Vorbaulänge und -position sowie die Einstellung der Schuhplatten und Griffe. Vor der eigentlichen Justage am Velo steht eine ausführliche Analyse, das heisst der Biker-Körper wird vom Experten gescannt und genauestens vermessen. Auf die individuellen anatomischen Gegebenheiten, die persönlichen Vorlieben und den Einsatzbereich angepasst, wird das Velo anschliessend an allen Kontaktpunkten optimal eingestellt. Das Thema boomt, immer mehr Firmen spezialisieren sich auf diesen Service. Im Grunde läuft der Prozess nach folgendem Schema ab:

  1. Körperliche Voraussetzungen Der Experte beurteilt Körpermasse, persönliche Beschwerden und Fehlstellungen mittels einer Untersuchung und eines ausführlichen Fragebogens.
  2. Muskulärer Stand Dysbalancen und Verkürzungen werden aufgedeckt.
  3. Video-Analyse Per Video-Analyse einer Fahrt auf der Rolle erkennt man Ausweichbewegungen, Rotationen der Knie oder Fussfehlstellungen in bestimmten Positionen.
  4. Druckmessung Im Schuh wird eine Kraftmessplatte integriert. So kann die Druckverteilung auf die Sohle analysiert werden. Sie sollte möglichst gleichmässig sein.
  5. Anpassung Nach der Auswertung der Daten beginnt die Arbeit: Ausrichtung von Sattel, Schuhplatten für Klickpedale und Griffen sowie allenfalls neue Anbauteile wie Vorbau, Lenker oder Sättel.

Ein umfassendes Fitting dauert rund 60 bis 90 Minuten, das gibt es natürlich nicht umsonst. Ab circa 200 Schweizer Franken wird einem das Velo auf den Leib geschneidert. Bei den Summen, die Biker für ihren neuen «Spielgefährten» ausgeben, sollte diese Investition locker drin sein. Denn nur schmerzfrei lässt sich die Runde auf dem geliebten Edelflitzer so richtig geniessen.

Selbst einstellen oder professionelles Fitting – worauf vertrauen Sie? Was tun Sie gegen Beschwerden beim Biken? Leistungssteigerung durch optimale Bike-Anpassung – Geheimtipp oder Hokuspokus?

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Die 5 grössten Gefahren am Uetliberg

Outdoor-Redaktion am Mittwoch, den 22. April 2015

Ein Beitrag von Thomas Hürzeler*:

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Wer in der Natur Zärtlichkeiten austauscht, sollte sich der Gefahren bewusst sein. Foto: Georgi Licovski (Keystone)

Mit dem Einzug des Sommers häufen sich wieder die Fälle von Bergnot am Uetliberg. Erst kürzlich musste die Rega an einem Tag drei Personen retten, die weder vor noch zurück wussten. Wir wollen hier einige Ursachen dieser Unglücksfälle nennen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber mit dem Ziel, grundsätzlich auf die nicht zu unterschätzenden Gefahren am Uetliberg hinzuweisen.

Mit der Erfindung der GPS-Geräte wurde die gute alte Wanderkarte zum bibliophilen Sammelstück. War schon das Lesen einer Karte nicht jedem Wanderer gegeben, so sind die Ansprüche mit dem digitalen Hilfsmittel nochmals erheblich gestiegen. Oft führt eine einzige falsche Einstellung oder ein missweisender Track ins Elend. So wurde ein tragischer Fall bekannt, in dem ein erfahrener Wanderer vom Tram überfahren wurde. Als er sich gemäss GPS-Anzeige auf dem Planetenweg befand.

Neben der Überprüfung der Alkoholvorräte bildet eine genaue Abklärung der Wetterverhältnisse die Basis für jede Wanderung. Am Berg kann das Wetter innert Minuten umschlagen. Wer sich nur auf das «Uetliberg hell»-Schild am Tram verlässt, kann sehr schnell im dicken Nebel stehen. Im Nebel vom Weg abzukommen, das schafft nun wirklich jeder. Und bringt sich selber und die Rettungskolonne in höchste Gefahr.

Der masslosen Selbstüberschätzung fallen immer wieder auch scheinbar routinierte Wandersleut’ zum Opfer: Dem Vernehmen nach sollen einzelne unbedarfte Flachlandwanderer sogar versucht haben, die legendäre Extrembesteigung des Uetlibergs mit Sauerstoff zu wiederholen. Es kann nicht genug gewarnt werden: Auch diesem Berg, und mag er sich noch so harmlos geben, ist mit Respekt und Ehrfurcht zu begegnen.

In dasselbe Kapitel fällt auch das Thema der Akklimatisation: Wer eben von Tauch- oder Badeferien am Toten Meer zurückgekehrt ist, muss sich zwingend auf Zürichsee-Höhe akklimatisieren, bevor er den Uetzgi-Gipfel in Angriff nimmt. Orientierungslosigkeit ist eines der ersten und gefährlichsten Symptome der gefürchteten Höhenkrankheit.

Gerade im Frühjahr und bei Paaren spielt auch das Balzverhalten mit. Der humane Hormonhaushalt, wissenschaftlich auch als «Kopulationsperiodizität» bezeichnet, scheint seine Hand und mehr im Spiel zu haben. Zwar präsentieren heute etliche Leute des öffentlichen Desinteresses ihre amourösen Taten im Scheinwerferlicht der Medien. Aber der gemeine Homo sapiens zieht es noch immer vor, sich zum Werkeln am Fortbestand der Menschheit ins Unterholz zu schlagen. Wie leicht kann es da im Taumel der Sinne geschehen, dass sich jemand an einem sicheren Ast festhält, der sich im Nachhinein als menschliches Weichteil entpuppt.

Und Sie? Wie halten Sie es mit den Gefahren am Uetliberg?
Diskutieren Sie mit Ihren Wanderkameraden, und suchen Sie weitere Beispiele.

Thomas Hürzeler.*Thomas Hürzeler ist Autor, Fotograf, Musiker, Gleitschirmpilot und Unternehmer mit der ersten klimaneutralen Druckerei der Schweiz. 2003 gelang ihm die Erstbesteigung des Uetlibergs MIT Sauerstoff. Sein Expeditionsbericht erschien soeben in 5. Auflage und kann wieder bestellt werden (hier nachzulesen).

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Um jeden Preis ins Guinnessbuch

Pia Wertheimer am Montag, den 20. April 2015


Natalie Eckert aus Stoke-on-Trent ist nächstes Wochenende am London Marathon auf Rekordjagd. Anders als Tausende der Teilnehmer will sie aber nicht möglichst schnell ins Ziel kommen. Sie will der erste Mensch sein, der die 42,195 Kilometer in hochhackigen Schuhen zurücklegt. Ihre «Laufschuhe» haben 12-Zentimeter-Absätze. Die 37-Jährige strebt damit einen Eintrag ins «Guinnessbuch der Rekorde» an.

Mehr als «15 Minuten Ruhm» wird die Engländerin damit nicht erreichen. Im Gegenteil: Man muss nicht Mediziner sein, um sich vorzustellen, was sie damit ihrem Körper antut. Jede Frau, die längere Zeit High Heels trägt oder darin eine halbe Nacht durchtanzt, weiss, welche Qualen die Füsse leiden. Und jeder Läufer, der die Marathondistanz geschafft hat, weiss, welchen Strapazen seine Gelenke und Muskeln ausgesetzt sind. Die Kombination von hochhackigen Schuhen und der Marathondistanz kann für die Fussgelenke, Knie und Hüften fatal sein. Auch wenn die Läuferin trittsicher ist, bei jedem Schritt wird die harte Landung auf dem Asphalt ihren Tribut fordern, gnadenlos und auf den vollen 42 Kilometern. Die gesundheitlichen Schäden, die Eckert mit grosser Wahrscheinlichkeit davonträgt, wird sie bedeutend länger als 15 Minuten zu spüren kriegen.

Die Engländerin hat wohl keine Ahnung, worauf sie sich einlässt. Wie auch: sie hat bisher noch keinen Marathon bestritten. Die Distanz ist in herkömmlichen Laufschuhen und für Routiniers oft unberechenbar. Am Tag X muss von der Verdauung bis hin zur mentalen Verfassung vieles stimmen, damit alles gut läuft – und das auch ohne erschwerende Umstände. Eckert selbst gibt an, in London auf ihren Absätzen die 5-Stundenmarke knacken zu wollen und stützt ihre Berechnung auf ihre Halbmarathonzeit von 2:17 Stunden. Wenn alles nach Plan läuft, ist die 5-Stundenmarke damit durchaus realistisch – in normalen Schuhen. Für mich steht fest: Die Frau hat auf jeden Fall eine Rekordauszeichnung verdient – jene des dümmsten Läufer-Rekords der Geschichte.

Natalie Eckert ist aber nicht die Einzige, die sich in London einen Platz im «Guinnessbuch der Rekorde» sichern will:

  • Marc Jenner, 39, aus Tunbridge Wells, hat es nicht leicht – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Er will die Marathondistanz mit einem 36 Kilogramm schweren Rucksack zurücklegen und dabei schneller sein als 5:58,58 Stunden. Sein Rücken lässt grüssen.
  • Jerry Knox, 45, aus Los Angeles, will die 42,195 Kilometer zwei Basketbälle dribbelnd zurücklegen. Er muss für einen Eintrag ins Guinnessbuch schneller laufen als 4:39,12 Stunden.
  • Justin Hennessey, 44, aus Gravesend, will der schnellste laufende Boxer sein. Er hat sich dazu entsprechend verkleidet und muss vor 3:35,34 Stunden im Ziel sein.
  • Andrew Smith, 36, aus London, hat sich ebenfalls kostümiert. Er tritt als Kaktus an. Seine Konkurrenten sind sämtliche anderen Pflanzen. Er muss für einen Rekordbuch-Eintrag unter 4:30 Stunden bleiben.
  • Ian Bates, 44, aus Crawley, ist wohl einer der Teilnehmer, die am meisten leiden werden. Er buckelt nämlich in London ein Dinosaurierkostüm. Er muss für einen Eintrag ins Rekordbuch die 5-Stunden-Marke knacken.
  • Debbie Leeland und Paula Marshall, beide 33, aus Yately und Billings Hurst, können nicht ohne einander. Sie treten an, um den Rekord der «Dreibeinigen» zu knacken. Dazu sind sie an einem ihrer Beine aneinander festgemacht. Sie müssen nach 4 Stunden und 30 Minuten im Ziel sein.
  • Adam Jones, 28, aus Sussex, will der schnellste Marathon-Kobold der Welt werden. Er hat sich das entsprechende Kostüm beschafft – inklusive Bart. Jones muss eine Zeit von 3:09,40 Stunden unterbieten.
  • Thomas Bolton aus Loughborough will die schnellste Marathon-Telefonzelle sein. Die sperrige Verkleidung dürfte ihn bei den Verpflegungsstationen nicht zum beliebtesten Mitläufer machen. Er muss den Rekord von 5:54,52 Stunden brechen.
  • Gemma Kirkham, 33, aus Bedford, will nicht nur die schnellste Mona Lisa sein. Sie will der schnellste Mensch sein, der als Bild verkleidet die Marathonstrecke zurücklegt. Sie muss dazu eine Zeit von 4:30 Stunden knacken.
  • Andy Church, 51, Heather Smith, 49, und Laura Jones, 40, aus Witney, treten in der Kategorie «Kostüm mit drei Personen» an. Sie müssen eine Zeit von 5:45 Stunden unterbieten.

So trainiert Natalie Eckert für den Marathon. Video: Ruptly TV/Youtube

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Ein Kamel, ein Storch und ein Stubenküken

Thomas Widmer am Freitag, den 17. April 2015

Diese Woche aus dem Laufental via Flüh nach Basel (BL/SO/BS)

Wir fuhren mit dem Zug ins Laufental, stiegen in Zwingen aus, das Wetter war mild. Der Bahnhof lag etwas abseits, wir hielten in den Ort hinein, musterten das Schloss und querten die Birs. So begann der Wandertag.

Eine erste Steilstufe auf das Plateau über Zwingen durch den zaghaft ergrünenden Wald; das Braun alten Laubes dominierte noch. Bald erreichten wir das Dorf Blauen. Dahinter die zweite Herausforderung des Tages, wesentlich härter als die erste: der Ost-West-Riegel des Höhenzuges Blauen.

Dessertekstase

Auf dem Blauenpass waren wir ausser Atem. Ein schmaler Weg führte nun wieder talwärts, der Kalkstein war von der Morgenfeuchte glitschig. Als wir aus dem Wald kamen, hatten wir vor uns das Ausflugsrestaurant Bergmatten. Es bietet eine grosse Aussicht, weit hinten zeigte sich Basel. Vor allem sein neuer Roche-Turm. Der 178-Meter-Zacken bindet den Blick, sodass man für den Rest der Stadt keine Augen hat.

In der Nähe weidete ein Pferd. Und daneben ein ausgewachsenes Kamel. Schmuddelig und sehr zufrieden sah es aus, es hatte sich eben im Dreck gewälzt. Der Wirt der Bergmatten, den wir auf das Tier ansprachen, erklärte uns, dass man hier oben schon seit 20 Jahren Kamele halte, eine Mutter und ihr Junges seien es momentan. Und nein, frieren würden die Tiere im Winter nicht. Dies seien mongolische Kamele, sie seien Kälte gewohnt.

Gleich danach eine neue Überraschung, der Chälengraben: Ein liebevoll durch Treppenstufen, Geländer, Stege gebändigter Geländeschlitz. Bei einer Feuerstelle unter überhängender Wand sass ein junger Typ, neben sich eine Drohne mit montierter Kamera. Er erklärte uns das Ding, sagte, er habe fotografiert, jetzt sei der Akku leer. In der Freizeit pilotiere er Helikopter. Richtige, grosse.

Rasch querten wir Hofstetten, stiegen hernach schon wieder auf, zum Chöpfli diesmal. Vom vordersten, ungesicherten Teil der Kalkfluh, markiert durch ein grosses Kreuz, sahen wir direkt hinab auf Flüh, freuten uns auf unser Mittagessen im Restaurant Martin. Auf dem Felszacken vis-à-vis eine Ruine wie ein alter, brüchiger Weisheitszahn: die Festung Landskron, die bereits auf französischem Gebiet steht.

Im Martin fühlten wir uns wohl und assen hervorragend: Ich hatte ein sagenhaft zartes Stubenküken und geriet vollends in Ekstase über die Friandises, die Süssigkeiten zum Kaffee. Da war ein Gelee-Ding, Passionsfrucht, wunderbar frisch. Der Chef kam aus der Küche, freute sich über meine Freude und spendiert gleich ein paar mehr von den Wahnsinnswürfeln.

Die Royals sind easy

Wir kamen ins Gespräch mit Manfred Möller und seiner Frau Claudia. Er erzählte vom renommierten Walserhof in Klosters, wo er einst kochte, und von den englischen Royals, die einfache und angenehme Gäste seien. Und wir erfuhren, dass Möller auch ein paar Jahre im luxuriösen Direktionsrestaurant der Novartis gekocht hatte.

Wir zogen weiter, die Möllers winkten von der Tür aus zum Abschied. Via Bättwil eroberten wir uns die Egg, einen langgezogenen Kamm, die Promenade und Joggingstrecke der Leute aus den Dörfern rundum. Die Wanderung wurde nun noch einmal richtig einsam. Hart an der Landesgrenze hielten wir vorwärts durch Wald und Wiesen, extraschnell, um Kalorien zu verbrennen. Die letzte Begegnung, bevor wir im Bahnhof Basel einliefen: ein Storchennest am Rand des Zoos Basel. Und darin ein Storch, der uns flügellos durchs Leben füsselnde Menschlein indigniert musterte.

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Route: Zwingen, Bahnhof - Zwingen, Birsbrücke - Blauen (Dorf) - Blauenpass - Bergmatten - Chälengraben - Hofstetten - Chöpfli - Flüh - Bättwil - Egg - Benken - Biel - Oberchems - Hof - Herzogenmatten - Dorenbach - Zoo Basel - Basel SBB.

Wanderzeit: 6 Stunden.

Höhendifferenz: 690 Meter auf-, 760 abwärts.

Wanderkarte: 223 T Delémont (für die ersten 500 Meter) und 213 T Basel, 1:50'000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Kürzer: Dank der Dörfer am Weg kann man die Wanderung beliebig kürzen.

Charakter: Aparter Jura hart an der Landesgrenze. Viel Aussicht von den Höhen auf die Stadt Basel, die Festung Landskron, das Sundgau.

Höhepunkte: Das Kamel von der Bergmatten und gleich anschliessend der Chälengraben. Die Aussicht und der jähe Tiefblick vom Chöpfli über Flüh und etwas später der Zmittag im Restaurant Martin in Flüh.

Kinder: Auf dem Chöpfli muss man auf Kinder aufpassen, der Aussichtspunkt ist nicht gesichert.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Bergmatten, Mo, Di geschlossen. Restaurant Martin in Flüh, So, Mo geschlossen. Reservierung an beiden Orten empfohlen!

Rückkehr zum Ausgangspunkt: Mit dem Zug von Basel direkt nach Zwingen.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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Wenn Berge neue Namen bekommen

Outdoor-Redaktion am Mittwoch, den 15. April 2015

Ein Beitrag von Emil Zopfi*:


Der Wunsch des Bundespräsidenten stiess bei der Gemeinde Zermatt auf offene Ohren: Die Ostspitze des Monte-Rosa-Massivs heisst seit letztem Oktober Dunantspitze, zu Ehren des Gründers des Roten Kreuzes Henry Dunant. Auch der höchste Schweizer Gipfel nebenan trägt den Namen einer historischen Persönlichkeit: 1863, im Gründungsjahr des Schweizer Alpen-Clubs, wurde das Gornerhorn mit dem Segen des Bundesrates zur Dufourspitze. Der Kartograf und General im Sonderbundskrieg ist damit sozusagen zum «höchsten Schweizer aller Zeiten» erhoben.

Die Walliser, die damals zum besiegten Sonderbund gehörten, haben sich damit abgefunden. Auch dass ein anderer ihrer Gipfel, das Ulrichshorn in der Mischabelgruppe, nach dem Zürcher Melchior Ulrich benannt ist, einem reformierten Theologen aus der «Üsserschwiiz», der bei der Erstbesteigung 1848 dabei war.

Louis Agassiz, Gletscherforscher und Rassist

Es gibt in den Schweizer Alpen etwa dreissig Gipfel, die nach Persönlichkeiten benannt sind, vor allem nach Alpenpionieren und Gletscherforschern aus dem «Goldenen Zeitalter des Alpinismus» nach der Mitte des 19. Jahrhunderts. Im Berner Oberland erzählen unter anderen Altmann, Agassizhorn, Hugihorn, Scheuchzerhorn und Studerhorn von diesem Tauffest der Alpenpioniere. Im Glarnerland beehrten sich Gründungsmitglieder des Alpen-Clubs mit dem Speichstock und dem Hauserhorn.

Die Verewigung bedeutender und weniger bedeutender Persönlichkeiten in den Gipfelnamen gab jedoch immer wieder zu Diskussionen Anlass – besonders auch in jüngster Zeit. Zum Beispiel als ruchbar wurde, dass Louis Agassiz nicht nur ein Gletscherforscher war, sondern auch ein ausgekochter Rassist. Nach Amerika ausgewandert, wollte er unter anderem durch die Fotografie eines Sklaven namens Renty die Minderwertigkeit schwarzer Menschen «beweisen». Die Kampagne «Démonter Louis Agassiz» und ein Vorstoss im Parlament forderten 2007 vom Bundesrat die Umbenennung des Agassizhorns in Rentyhorn. Der verwies auf die zuständigen Kantone und Gemeinden im Berner Oberland und Wallis, doch die sagten «Nein!».

Im Namen der Berge

Die Initianten präsentierten in der Folge einen neuen Vorschlag: Das Agassizhorn sollte seinen rassistisch befleckten Namen behalten, ein noch unbenannter Gipfel in der Nachbarschaft zum Rentyhorn erkoren werden, Pt. 3745 gemäss Landeskarten. Also Täter und Opfer in Ewigkeit versteinert und vereint. Die weise Lösung passte nun aber einigen Walliser Politikern nicht in den Kram. Im November lancierten sie die Idee, das Agassizhorn nach dem fast vergessenen Walliser Gletscherforscher Jean-Pierre Perraudin (1767–1858) zu benennen. Sicher eine gute und politisch korrekte Wahl.

Aber soll man überhaupt Berge um- und neu benennen? Ihre Namen sind in einem historischen Kontext entstanden, sie erzählen Geschichte, und die Geschichte wird bekanntlich nicht besser, wenn man sie nachträglich korrigiert. Löscht man das Agassizhorn aus den Landeskarten, so müsste man konsequenterweise auch alle anderen Berge mit Personennamen auf ihre politische Korrektheit prüfen. Zum Beispiel die Gertrudspitze in den Engelhörnern, auf eigenen Wunsch nach der britischen Alpinistin und Archäologin Gertrude Bell (1868–1926) benannt. Als Geheimdienstmitarbeiterin nahm die «ungekrönte Königin des Irak», wie man sie nannte, wesentlichen Einfluss auf die britische Kolonialpolitik im Nahen Osten. Wohin diese schliesslich führte, sehen wir heute.

SCHRIFTSTELLER, AUTOR,*Emil Zopfi ist Rentner, Schriftsteller und lebt in Zürich. Er ist seit über fünfzig Jahren Bergsteiger und Kletterer. www.zopfi.ch

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Die Motivation des Tempomachers

Outdoor-Redaktion am Montag, den 13. April 2015

Ein Gastbeitrag von Thomas Heiniger*

(Flickr/a.froese)

Wichtige Orientierungshilfe: Tempomacher sorgen unabhängig vom eigenen Wettkampferfolg für eine bestimmte Renngeschwindigkeit. (Flickr/a.froese)

Es war eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Die Herausforderung hat mich einfach gereizt: Tempomacher am Zürich Marathon 2015 zu sein. Ich bin ja schon 10-mal in Zürich gelaufen; aber diesmal habe ich einen ganz neuen Fokus. Es stehen weder die persönliche Bestleistung noch irgendwelche politischen Ambitionen – wie 2007, kurz vor meiner ersten Amtsperiode – im Vordergrund: Ich laufe am 19. April 2015 quasi als Tempomat-Läufer mit. Durchschnittspace: 05:38 Minuten pro Kilometer. Laufzeit über 42 km: präzis 4 Stunden.

Kürzlich hat ein Leser des Outdoor-Blogs zum Thema «Wie man beim Joggen den Charakter erkennt» den Tempomat-Läufer so beschrieben: «Lässt sich ausser von Hundeangriffen von nichts und niemandem zu einem Herzfrequenzwechsel zwingen. […] Grüsst die Leute, joggt aber kompromisslos weiter […]. Ist total entspannt und in tiefer Meditation und tiefem Frieden versunken.» Das trifft im Wesentlichen die Herausforderung als Pacemaker des Zürich Marathon auf den Kopf: die Durchschnittspace als Massstab, die Läufergruppe als Motivation, der innere Schweinehund als Mahnfinger.

Die Verantwortung als Tempomacher

Ein Marathon ist ein Lauf von 10 km mit 32 km Anlauf. Nach drei Vierteln der Strecke muss meine Uhr ziemlich genau 3 Stunden anzeigen – die Durchschnittspace wäre dann perfekt. Wie steht es aber mit der Motivation der Läufergruppe: Laufen wir gefühlt kompakt? Bemühe ich mich aktiv darum? Vielleicht, damit ich selbst nicht aus dem Rhythmus gerate? Brauche ich in diesem Moment womöglich die Gruppe dringender als die Gruppe mich? Mit Blick auf die vorgegebene Pace und mit Rücksicht auf den Laufrhythmus wäre eine Schwächephase im letzten Viertel des Rennens geradezu ein Verrat an meinem Commitment, als zuverlässiger Tempomat zu fungieren – aber vor allem: zu reüssieren – damit meine Mitläuferinnen und Mitläufer mitreüssieren. Ich nehme die Verantwortung als Pacemaker ernst, Teil ihres individuellen Erfolgsrezepts am Zürich Marathon 2015 zu sein.

Gedanken sind frei. Und sie entfalten sich in diesen letzten Tagen vor dem Zürich Marathon umso ausgiebiger. Da lobe ich mir als Gegenstück dazu bewusst die Einfachheit einer sportlichen Weisheit: «Hier ist der Start, dort ist das Ziel – dazwischen musst du laufen.» Emil Zatopek hat damit 1952 in Helsinki Olympia-Gold im Marathon geholt – und ich in wenigen Tagen am Zürich Marathon 2015 hoffentlich die Bestätigung, dass der Pacemaker auch nur ein Läufer ist, der, wie viele andere auch, in präzis 4 Stunden ins Ziel laufen will – total entspannt, in tiefer Meditation und tiefem Frieden. Nicht mehr und nicht weniger.

Unbenannt-1 Kopie*Thomas Heiniger ist Regierungsrat und Gesundheitsdirektor im Kanton Zürich.

 

 

 

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Eine Sennhütte mitten im Aargau

Thomas Widmer am Freitag, den 10. April 2015

Diese Woche von Brugg nach Laufenburg AG

An einem schönen Sonntagmorgen fahre ich ohne Plan nach Brugg. Warum Brugg? Weil ich die alte Stadt mag und der Jura nahe ist. In dieser Gegend kann man immer wandern. Um acht komme ich an, steige aus, studiere die Wegweiser. Köstliche Qual der Wahl. Schliesslich entscheide ich mich für den Weg nach Laufenburg.

Einen Kaffee noch, dann ziehe ich los, ohne den Zwang, schnell sein und zu einer bestimmten Zeit ankommen zu müssen – dies ist die beste aller Gangarten. Vorbei am Stadthaus, einem mit Rokoko-Zierrat geschmückten Prachtgebäude, gehe ich hinunter zur Aare. Der Tatsache, dass der Fluss sich auf dieser Höhe zu seiner schmalsten Stelle im Mittelland verengt und zudem beide Ufer leicht zugänglich sind, verdankt der Ort seine Bedeutung; hier war einst gut eine Brücke bauen.

Der Freiluftkiosk wartet schon

Über die Aare und auf Kopfsteinpflaster den Hansfluhsteig hinauf, schon bin ich im Wald und schlage jene Nordwestrichtung ein, die mir bis Wanderende bleiben wird. Durch eine grössere Siedlung, die wohl zu Riniken gehört, und vorbei an einem Schild, das den Schiessplatz Krähtal anzeigt, erreiche ich Kirchbözberg. Ein Bilderbuchweiler ist das mit einer Kirche, die in der Urform im 11. Jahrhundert an dieser wichtigen Wegkreuzung entstand, bei der sich die Routen Brugg–Laufenburg und Stilli–Fricktal schneiden. Zur Kirche gehören ein spätgotisches Pfarrhaus und die Pfarrscheune; so ein Geistlicher muss auch essen.

Weiter oben am Hang liegt Oberbözberg. Wieder eine Grossportion Wald, und schon komme ich im Weiler Sennhütten an. Eine Art Freiluftkiosk erwartet mich. Ich kaufe mir einen Sirup, setze mich auf eine Bank und horche in den Morgen; einzig ein Biker stört die Ruhe, indem er laut auf seinem Handy telefoniert. Ein Paar wirtet in der Sennhütte, das sich einst in der Dimitri-Schule in Verscio im Tessin kennen lernte; man war danach mit Zampanoo’s Variété unterwegs, tourte mit einem eigenen Programm. Später verwirklichten sich Eva und Pesche Panero ihren Lebenstraum, so die Website, und kauften die Liegenschaft Sennhütte, die halb Herberge, halb einfache Beiz ist.

Auf den letzten Kilometern

Durch den Marchwald halte ich zum Schinberg hinüber. Zur Rechten hebt sich der Cheisacherturm aus dem Wald, ein Panoramaturm, der 2010 eröffnet wurde und das neue Wahrzeichen der Gegend ist. Angesichts des hellen Holzturms packt mich Wehmut. Lange ist es her, dass mein Grüppli und ich ihn erstiegen. Karin und ihr Partner René, zwei liebe Menschen aus einem nahen Dorf, erwarteten uns damals am Fuss des Turmes und bewirteten uns aufs Feinste. Zwei Freundinnen, die damals mitwanderten, sind mittlerweile nicht mehr am Leben; der Tod hat auch mein Wandergrüpplein heimgesucht.

Fertig Düsternis, die Natur ist beeindruckend schön. Am Hang des Schinbergs entlang, der geologisch zum Tafeljura gehört, wandere ich durch dichtes Laub vom Vorjahr und muss aufpassen, dass ich in der Steilpartie hinab zum Sulzerberg nicht stürze. Bald darauf bin ich in Laufenburg und gehe mir das alte Städtchen anschauen.

Ah ja, etwas Kurioses muss ich zu der Route noch erwähnen. Oberhalb von Laufenburg sah ich im Wald einen Steinsockel, der in eine Soldatenbüste mit Helm übergeht. Die Inschrift stammt von Soldaten des Zweiten Weltkriegs, die wohl ein wenig frustriert waren. Sie lautet: «Hier ruht unser Urlaub 1939–1945.»
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Route: Brugg SBB - Altstadt, Brücke über die Aare - Langibirche - Röti - Chrendel - Wüestwald - Kirchbözberg - Chapf - Oberbözberg - Letzi - Sennhütten - March - Solbacher - Chesselmatt - Sulzerberg - Waldhaus - Laufenburg SBB.

Wanderzeit: 51/2 Stunden.

Höhendifferenz: 577 Meter auf-, 611 abwärts.

Wanderkarte: 215 T Baden und 214 T Liestal, 1:50'000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Retour: Bus oder Bahn, Fahrplan konsultieren.

Charakter: Schöne, mittelstrenge Wanderung mit viel Wald und Wiesen und gutem Ausblick. Einige Stücke auf Hartbelag.

Höhepunkte: Bruggs Altstadt. Der historische Weiler Kirchbözberg. Der einsame Abstieg durch die Schinbergshalde.

Kinder: Gut machbar.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Sennhütte in der Mitte der Wanderung. Einfaches Beizli. Sommer-Öffnungszeiten: Di bis Fr. 11 bis 19 Uhr. Sa 10 bis 19 Uhr. So 9 bis 18 Uhr. In der Sennhütte kann man auch (Doppelzimmer oder Dachstock) übernachten. Achtung: Betriebsferien vom 13. April bis 20. April.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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Fahrräder in die Verfassung!

Jürg Buschor am Donnerstag, den 9. April 2015
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Roter Teppich für die Velofahrer: Radaktivisten auf dem Bundesplatz. Foto: Lukas Lehmann (Keystone)

Politiker interessieren sich selten für Fahrräder. Ob es daran liegt, dass man sich mit dem Thema kaum profilieren kann? Lieber zofft man sich in Bundesbern in Sachen Verkehrspolitik über explodierende Tunnelbaukosten, die Finanzierung öffentlicher Verkehrsmittel oder die Höhe von Schwerverkehrsabgaben und Treibstoffsteuern. Ob der vergangene 5. März daran etwas ändert, wird sich weisen. Für die Pressefotografen schwangen sich an jenem Donnerstag rund 80 Personen – darunter zahlreiche Politikerinnen und Politiker – in den Fahrradsattel, um in Bern die Veloinitiative zu lancieren. «Der rote Teppich soll nicht nur heute für die Velofahrer ausgerollt werden», liess sich die Berner SP-Nationalrätin Evi Allemann zitieren, die zugleich Vizepräsidentin des Trägervereins der Veloinitiative ist.

Die Initiative verlangt, dass die Förderung des Velofahrens in Alltag und Freizeit in der Bundesverfassung festgeschrieben wird. Eine breite Allianz von Organisationen und Parteien will erreichen, dass sich in der Schweiz eine starke Velokultur entwickelt. Dazu soll der bestehende Artikel 88 in der Bundesverfassung angepasst werden, der die Förderung der Fuss- und Wanderwege auf Verfassungsebene verankert. Kantone und Gemeinden sollen ein attraktives und sicheres Wegnetz erstellen und betreiben, der Bund soll fachlich, koordinierend und wo nötig finanziell unterstützen, wie dies heute zeitlich und räumlich begrenzt schon für die Agglomerationsprogramme der Fall ist. Dabei sind das Wandern und der Fussverkehr Vorbild – was sich in diesem Bereich bewährt habe, so die Initianten, soll zukünftig auch dem Radfahren zum Erfolg verhelfen. Sie propagieren die Vorteile des Lautlosverkehrs: Velofahren sei gesund, umweltschonend, platzsparend, günstig und deshalb förderungswürdig. Was die Initianten vermissen, sind qualitative und quantitative Vorgaben und entsprechende Mittel zur Umsetzung. Ändern soll all das der angepasste Verfassungsartikel 88, der bei Zustandekommen und Annahme der Initiative wie folgt lauten würde:

Absatz 1

Der Initiativtext: Der Bund legt Grundsätze über Fuss- und Wanderwegnetze und über Netze für den Alltags- und Freizeit-Veloverkehr fest.

(Der aktuelle Verfassungsstext: Der Bund legt Grundsätze über Fuss- und Wanderwegnetze fest.)

Absatz 2

Er fördert und koordiniert Massnahmen der Kantone und Dritter zur Anlage und Erhaltung attraktiver und sicherer Netze und zur Kommunikation über diese; dabei wahrt er die Zuständigkeiten der Kantone.

(Der aktuelle Verfassungsstext: Er kann Massnahmen der Kantone zur Anlage und Erhaltung solcher Netze unterstützen und koordinieren.)

Absatz 3

Er nimmt bei der Erfüllung seiner Aufgaben Rücksicht auf solche Netze. Muss er dazugehörende Wege aufheben, so ersetzt er sie.

(Der aktuelle Verfassungsstext: Er nimmt bei der Erfüllung seiner Aufgaben Rücksicht auf Fuss- und Wanderwegnetze und ersetzt Wege, die er aufheben muss.)

Noch ist es allerdings nicht so weit. Bis am 3. September 2016 müssen 100'000 rechtsgültige Unterschriften gesammelt werden, damit die Initiative zustande kommt. Danach käme es zur Abstimmung – Ausgang ungewiss. Wer die Initiative unterstützen will, kann den Unterschriftenbogen des Trägervereins Veloinitiative auf der Website www.velo-initiative.ch herunterladen.

Und was haben wir Mountainbiker davon? Die Zusammensetzung des Initiativkomitees lässt auf den ersten Blick vermuten, dass in erster Linie asphaltierte Radwege gefördert werden sollen. Aber – im Verfassungstext ist die Rede von «Netze für den Alltags- und Freizeit-Veloverkehr». Daraus kann man schliessen, dass auch das Wegnetz des Freizeitgeräts Mountainbike – wenn auch nicht prioritär – förderungswürdig ist. Unabhängig davon, wie eine allfällige zukünftige Umsetzung des Verfassungsartikels aussehen würde – der «Freizeit-Veloverkehr» würde juristisch gesehen endlich auf dieselbe Ebene wie das Wandern gehoben. Das kann in der Diskussion über die geteilte Nutzung von staatlich geförderten Wegnetzen sicher nur von Vorteil sein. In diesem Sinne – unterstützen Sie die Initiative!

Erachten Sie die Veloinitiative als unterstützungswürdig? Welche Erwartungen hätten Sie als Mountainbiker nach einer allfälligen Annahme der Initiative? Wo sehen Sie sonstigen politischen Handlungsbedarf zugunsten des Mountainbikesports?

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Eine EU-Flagge provoziert Hüttengäste

Natascha Knecht am Mittwoch, den 8. April 2015
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Skitourenparadies: Die Fornohütte (SAC) steht im Grenzgebiet von Oberengadin und Bergell. Fotos: zvg

Erst reist man auf den Malojapass im Kanton Graubünden. Dort klebt man die Felle auf die Tourenski, marschiert vier Stunden durch eine Bilderbuchlandschaft bergan und erreicht so die Fornohütte. Wie viele SAC-Hütten steht sie oberhalb des Gletschers auf einem Felssporn. Aber anders als vor anderen SAC-Hütten weht hier zur Begrüssung keine Schweizer Fahne im Wind, sondern eine Europaflagge – und dieser Umstand gibt zu reden.

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Seit Sommer 2013 Fornohüttenwart: Beat Kühnis.

Immer wieder wird Beat Kühnis, der 29-jährige Schweizer Fornohüttenwart, darauf angesprochen. Die EU-Flagge hier oben war seine Idee. Er hisst sie eigenhändig und mit Überzeugung. «Sie ist ein Willkommenszeichen für unsere Gäste aus dem gesamtmitteleuropäischen Raum», so Kühnis. «Eigentlich dürfen sich von der Flagge auch alle Schweizer als Europäer angesprochen fühlen, zumindest geografisch. Doch das tun offenbar nicht alle.»

Kühnis sagt, die Flagge polarisiere überraschend stark, «insbesondere unter den Schweizer Gästen». Manche finden sie toll und sympathisch, andere komplett deplatziert. Zwei Meinungen, zwei Lager. Auch auf Facebook: «Was soll denn die Kriegsflagge? Unpassend!», schreibt einer.

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Sieht man nicht alle Tage: EU-Flagge vor einer SAC-Hütte.

«Wir sind international hier oben»

Vor seiner Hütte auf 2574 Meter über Meer eine Europafahne zu montieren, beschloss Beat Kühnis nach der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative vor einem Jahr. «Wir haben rund fünfzig Prozent ausländische Gäste hier oben. Wir sind international. Die Grenze zu Italien ist nur einen Kilometer entfernt, und das Abstimmungsresultat war mir gegenüber unseren Gästen peinlich. Mit der Flagge will ich signalisieren, dass bei uns alle vorbehaltlos willkommen sind.» Kommt hinzu, dass die Fornohütte letzten Sommer ihr 125-jähriges Bestehen feierte und ihre alte, zerfetzte Schweizer Fahne ersetzt werden sollte.

Dass seine Kritiker grundsätzlich ausländerfeindlich eingestellt sind, glaubt Kühnis nicht. Es seien eher «Schweiz-Verbundene», welche die Bergwelt noch als heiligen, idyllischen Rückzugsort betrachten würden, als Urschweiz, ein Überbleibsel aus Heimatfilmen. Und in dieser Vorstellung hat die rot-weisse Fahne einen traditionellen Wert. Er selber, betont Kühnis, sei politisch neutral gesinnt. «Die Flagge bedeutet nicht, dass ich für einen EU-Beitritt bin.»

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«Auf Forno ist der Himmel immer blau.»

Keine Weisung vom SAC

Die Fornohütte gehört der SAC-Sektion Rorschach, Kühnis ist Pächter und kann selber entscheiden, welche Flagge vor seiner Hütte weht. «Vom SAC gibt es keine Weisung und von der Sektion auch nicht», sagt er. Und es sei für ihn trotz der Diskussion kein Thema, die gelb-blaue Flagge auszutauschen. Sie ist sein Markenzeichen geworden, mit dem er auch wirbt. Etwa: «Auf Forno ist der Himmel immer blau» – das sei eine klare Anspielung, sagt er.

Manche finden das «mal was anderes». Für andere ist die himmelblaue Farbe auf dem Stück Stoff im Schweizer Hochgebirge eine Provokation. Wobei die Einstellung keine Frage der Generationen sei, sagt Kühnis. «Dass ältere Bergsteiger konservativer sind als junge, ist ein Vorurteil.»

So sah es früher bei der Fornohütte mit der Schweizer Fahne aus: hier anklicken.

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