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Der plattgewalzte Nerv

Natascha Knecht am Montag, den 22. Dezember 2014

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(Flickr/TheQSpeaks)

Auf dem Weg zum Morton Neurom: Läufer leiden häufig an einer schmerzhaften Nervschädigung im Vorfuss. (Flickr/TheQSpeaks)

Was ist ein Morton Neurom, warum sind Läufer betroffen – und was kann man gegen die Schmerzen tun? Unser Sportarzt Dr. Martin Narozny-Willi* erklärts:

Symptome

Diese Schmerzen am Fuss, sie sind nicht mehr auszuhalten! Seit Wochen dauern sie nun schon an.
 Zuerst hatten Sie nur beim Lauftraining Beschwerden. Ein brennender Schmerz am Vorfuss und teilweise ein Fremdkörpergefühl, als würde Sie ständig ein Steinchen im Schuh plagen. Am Anfang sind die Beschwerden nach dem Training gleich wieder abgeklungen, jetzt leiden Sie aber auch zunehmend im Alltag. Seit auch noch ein Taubheitsgefühl zwischen den Zehen hinzugekommen ist, war es genug. Sie gingen zum Arzt.

Differentialdiagnose und Abklärung

Ihr Arzt war sich zuerst auch nicht so ganz sicher. Am Vorfuss kann bei einem Läufer so einiges Beschwerden verursachen. Fussfehlformen, Überbelastungsreaktion der Mittelfussknochen, Durchblutungsstörungen der Knochen, Ermüdungsbrüche, Nervenläsionen, Gelenkentzündungen und Arthrose, um nur einige zu erwähnen. Bei der Untersuchung konnte der Arzt einen Schmerzpunkt an der Fusssohle feststellen, zudem bereitete die Kompression des Vorfusses heftige Schmerzen. 
Das Röntgenbild des Fusses war unauffällig. Der Arzt hat einen Verdacht, will der Sache weiter auf den Grund gehen und veranlasst eine MRI-Untersuchung, die dann auch die Diagnose liefert. Wie bitte, ein Morton Neurom? Nie zuvor gehört.

Morton Neurom MRI.

Morton-Neurom-MRI.

Diagnose
Bei einem Morton Neurom handelt es sich um eine wiederholte mechanische Schädigung eines Nervs am Vorfuss, welcher für die Sensibilität verantwortlich ist. Dadurch kommt es zu einer Entzündung und Schwellung sowie bei längerem Verlauf auch zu einer Vernarbung des Nervs. In diesem Stadium klingen dann die Beschwerden meist auch nicht mehr spontan ab.

Das Morton Neurom.

Verursacht Schmerzen: Das Morton Neurom.

Ursachen

Die eigentliche Ursache ist nicht ganz klar. Als Risikofaktoren gelten z.B. Spreizfüsse mit einer Abflachung des Fussquergewölbes und zu enge Schuhe. Beides verursacht einen erhöhten Druck auf den Nervenstrang, sodass sich dieser zwischen den Mittelfussknochen und den dazu gehörenden Bändern immer wieder entzündet. Typischerweise tritt das am häufigsten zwischen der 3. und 4. Zehe auf. Die Nervenentzündung erklärt auch die brennenden Beschwerden und das Taubheitsgefühl zwischen den Zehen.

Therapie
Zuerst sollten die Ursachen angegangen werden: Um einen Spreizfuss zu korrigieren, kann eine Schuheinlage für den Laufschuh angefertigt werden, welche den mechanischen Druck auf den Nerv reduziert. Bei den Laufschuhen sollte auf ein Modell gewechselt werden, welches dem Vorfuss mehr Platz lässt. Oft ist dies leider nicht ausreichend. Um die chronische Entzündungsreaktion zu stoppen, muss der Nerv auch mit einer oder allenfalls mehreren Kortisoninjektionen beruhigt werden. In der Mehrheit der Fälle können damit die Beschwerden zum Abklingen gebracht werden.

Einlagen für die Laufschuhe können helfen.

Einlagen für die Laufschuhe können helfen.

In seltenen Fällen treten trotz aller Massnahmen die Beschwerden wieder auf. Dann muss bei entsprechendem Leidensdruck eine Operation erwogen werden. Dabei wird der verdickte und vernarbte Nerv herausgeschnitten. Danach bleibt allerdings ein Taubheitsgefühl zwischen den Zehen. Die Zehen selbst können jedoch weiter aktiv bewegt werden, da es sich nur um einen Hautnerv handelt, der keine motorischen Fasern führt. Nach der Operation muss der Vorfuss in einem Spezialschuh für 3 bis 4 Wochen entlastet werden.

Dr. med. Martin Narozny*Dr. med. Martin Narozny-Willi, Facharzt Orthopädische Chirurgie FMH, Sportmedizin SGSM und Verbandsarzt Swiss Ice Hockey. Medbase Zürich, Sportmedizin und Leistungsdiagnostik. Die Klinik ist eine Swiss Olympic Medical Base.

 


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Die Maulesel und das Piano

Thomas Widmer am Freitag, den 19. Dezember 2014

Diese Woche im Val d'Anniviers VS – von Tignousa zum Hotel Weisshorn

Es gibt winters in den Bergen nichts Besseres als ein Hotel abseits des Skirummels, das nur zu Fuss erreichbar ist. Einsam hockt das Hotel Weisshorn, ein beige-gelber Kasten der Belle Époque, hoch über dem Val d'Anniviers. Letztes Jahr winterwanderte ich hin, schlief dort, war begeistert. Dann kam gleich der Frühling. Dieses Wochenende nun öffnet das Weisshorn wieder für den Winter – ich kann den Besuch nur empfehlen.

Mit dem Postauto fuhr ich von Siders ins Val d'Anniviers hinein und hinauf, und ich dachte, dass das nichts für Schwindelanfällige ist. Diese Kehren, dieser Abgrund!

Gefahrlos und gewalzt

St-Luc durchquerte ich speditiv. Ein typischer Walliser Wintertourismusort, ein gestaltarmer Mix von Chalets und Hotelbauten. Mit der Standseilbahn schoss ich alsbald zur Skistation Tignousa hinauf, 500 Höhenmeter in drei Minuten, was für eine Rakete! Beim Blick durchs Fenster realisierte ich: Das Klötzlein oben auf der gerundeten Krete – das war mein Hotel!

Von Tignousa ging ich vorbei an der Bergstation, vorbei am Restaurant mit der Sonnenterrasse, gleich darauf rechts vorbei am kleinen Skilift. Eine komfortable Spur nahm mich auf; der Weg zum Hotel Weisshorn wird regelmässig gewalzt, er ist breit und führt gefahrlos durch eine Bergwelt der Sonderklasse. Wenn man am Abend ins Bett geht, hat man Viertausender noch und noch gesehen.

Leicht irritiert war ich zu Beginn, weil meine Piste stetig ein wenig sank. Dann stieg sie wieder, ich atmete auf, eine Frau mit Hund bestätigte mir, dass ich auf dem richtigen Weg war; der Gipfel direkt vor unseren Augen heisse übrigens Le Toûno. Die metallenen Kugeln direkt an der Piste wiederum gehörten zu einem Planetenweg.

Ich passierte das Chalet Blanc, registrierte mit Wohlgefallen, wie mein erhabenes Ziel näher kam, vollzog bei Le Chiesso eine scharfe Rechtskurve. Nun ging es kurz etwas stärker aufwärts. Eine Krete, dann leicht abwärts, und ich hatte das Hotel Weisshorn vor mir. In den Schnee gepflanzte Ski vor dem Haus zeigten an, dass auch Tourenfahrer das Etablissement mögen. Schneeschuhspuren sah ich auch.

Der Traum kam nicht

Ich trat ein, nahm im Speisesaal Platz, wo einiges Volk hockte, bestellte Kaffee und Kuchen. Herrlich der Tiefblick durch die Fenster nach St-Luc und weiter hinab ins Rhonetal, wo Grün dominierte. Gut zu wissen, dass ich hier ein Zimmer hatte; gegen halb vier Uhr brach Tischgesellschaft um Tischgesellschaft auf, retour nach Tignousa. Es wurde still im Haus.

Nach dem Abendessen – ein guter Viergänger – stieg ich zwei Stöcke höher, ging durch einen Flur mit verzogenen Böden, deren Schiefheit seekrank machen kann, und schlief bald wunderbar in meinem Zimmer mit dem Knarzeboden aus Holz. Traumlos. Dabei hatte ich mir vorgenommen, vom Hotel zu träumen. Szenen aus seinen ersten Jahren um 1885 hatte ich mir erwünscht. Damals führten Männer aus dem Tal auf Mauleseln jene Bequemgegenstände hinauf, auf die feine Engländer Wert legten: Duschen und Waschtröge aus Kupfer. Tafelsilber für den Essraum. Und ein Piano.

PS: Die nächsten zwei Wanderkolumnen fallen wegen der Festtage aus. «Zu Fuss» gibt es wieder am 9. Januar.

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Route: Start in Tignousa, Bergstation der Standseilbahn von St-Luc. Der Weg zweigt gleich ab und ist perfekt gewalzt. Man lasse sich nicht dadurch irritieren, dass es die erste Viertelstunde kontinuierlich leicht abwärts geht, obwohl man insgesamt steigen muss. Via Chalet Blanc und Le Chiesso zum Hotel Weisshorn. Auf demselben Weg retour.

Wanderzeit: Wer gemütlich geht, braucht hin und zurück 4 Stunden.

Höhendifferenz: 260 Meter aufwärts, 100 abwärts auf dem Hinweg. Retour umgekehrt.

Variante: Auf dem Rückweg beim Planeten Saturn (des Planetenweges) nach Chalet Blanc links abbiegen und steil hinab nach St-Luc halten. Aber nur, wenn der Weg für Fussgänger gespurt ist

Anreise: Postauto von Siders nach Vissoie, umsteigen auf den Anschlussbus nach St-Luc.

Wanderkarte: 273 T Montana, 1:50'000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Grossartige Bergwelt rundum. Gehen auf wunderbar gespurtem Winterwanderweg, halbhohe Trekkingschuhe reichen vollauf. Tipp: Unter der Woche gehen, am Wochenende sind viele Leute unterwegs.

Höhepunkte: Die schnelle Bergfahrt im Tignousa-Bähnchen. Der Anblick des winzigen Hotels Weisshorn auf seinem runden Berg. Die Ankunft im Weisshorn mit dem Talblick auf St-Luc.

Kinder: Perfekte Route für die ganze Familie.

Hund: Er wird seinen Menschen für diesen Ausflug ewig lieben.

Einkehr: In St-Luc und Tignousa. Und natürlich im Hotel Weisshorn. Es öffnet am 20. Dezember und beschliesst die Wintersaison Mitte April 2015. Vom Speisesaal hat man einen wunderbaren Ausblick Richtung Rhonetal und die Berge gegenüber. Spezialität: Heidelbeerkuchen. Durchgehend warme Küche.

Übernachten: Für Hotelgäste gibt es im Weisshorn abends ein Viergangmenü, auch das Frühstücksbuffet lässt sich sehen. Man kann sich sein Zimmer auch online reservieren. Die Zimmer sind alt, aber gemütlich, sich waschen und duschen kann man im Etagenbad; dort sind auch die WC.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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Wie Versicherungen den medizinischen Fortschritt behindern

Anette Michel am Donnerstag, den 18. Dezember 2014

Mit diesem Beitrag verabschiedet sich Anette Michel von den Outdoor-Lesern. Die Redaktion bedankt sich ganz herzlich für ihr Engagement und wünscht alles Gute!

Mario Gomez erleidet einen Innenbandteilriss im rechten Knie 2013 in Florenz. (AFP)

Fussballer und Skifahrer erleiden besonders häufig Kreuzbandrisse: Mario Gomez 2013 in Florenz. (AFP)

Für meinen letzten Beitrag hier im Outdoor-Blog wollte ich eigentlich über die schönen Seiten des Velofahrens schreiben. Über die Freiheit, welche uns das Velofahren verleiht, über den unübertrefflichen Genuss, über Pässe und durch Täler zu radeln. Vielleicht auch über die schönste Passstrasse (eindeutig: die Tremola am Gotthard) oder die kleinen Geschichten, die das Velofahren schreibt. (Wie zum Beispiel die, die mir ein älterer Italiener nach einem Passrennen erzählte: Am ersten Verpflegungsstand biss er in eine Zitrone – und sein Zahn steckte drin! Seine Trikottaschen waren vollgestopft, was sollte er mit dem Zahn tun? Er steckte ihn kurzerhand am Oberschenkel unter seine Velohose und fuhr so über zwei weitere Pässe – mit dem Zahn in der Hose.)

Doch aus aktuellem Anlass handelt mein Text nun leider nicht von Sport, sondern von dessen Kehrseite: Vor fast vier Wochen habe ich mir gegen Ende des ersten Skitourenwochenendes das Kreuzband im linken Knie gerissen. Die Tour war super – bis zu meinem verhängnisvollen Sturz. Mit rund einem halben Jahr ist die Rekonvaleszenz nach einer Kreuzbandruptur eine langwierige Sache, die meine Geduld strapazieren wird. Aber immerhin habe ich das grosse Glück, in einem Land mit einer medizinischen Topversorgung zu leben. Anderswo wäre es nicht selbstverständlich, dass ein lädiertes Knie mit einer Operation geflickt wird und die Kosten von der Unfallversicherung übernommen werden.

Allerdings wird bei uns nicht unbedingt die beste Therapie angewendet, wie ich erfahren musste.

Seit 40 Jahren galt das Credo, ein gerissenes Kreuzband wachse nicht zusammen. Dank einer Bekannten weiss ich, dass es nun eine neue Methode gibt: Diese bringt erstmals das Kreuzband zum Zusammenwachsen, anstatt es durch anderswo entnommene Bänder zu ersetzen (Video der herkömmlichen Operation). Die sogenannte Dynamische Intraligamentäre Stabilisierung (DIS) wurde von Orthopäden in Bern entwickelt und kommt seit fünf Jahren zur Anwendung, in bisher über tausend Fällen. Sie ist von der Schweizerischen Gesellschaft für Orthopädie genehmigt und gewann sogar einen Forschungspreis der deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie, der damit zum ersten Mal überhaupt ins Ausland verliehen wurde: Die Erfindung ist ein Durchbruch, der die Kreuzbandheilung revolutionieren kann.

Die herkömmliche Methode mit körpereigenem Implantat (links) und DIS mit Ligamys-Implantat. (Bilder: Ligamys.com)

Die herkömmliche Methode mit körpereigenem Implantat (links) und DIS mit Ligamys-Implantat. (Bilder: Ligamys.com)

Die Ergebnisse sind besser – insbesondere da mit dem Kreuzband und seinen Nervenzellen das Gefühl im Knie erhalten bleibt –, und die Genesung geht rund zwei Monate schneller. Teurer als die konventionelle Methode ist die DIS-Operation nicht, durch die schnellere Rekonvaleszenz sind die Berufsausfallkosten für die Versicherung deutlich geringer. Besser, schneller, günstiger – natürlich will ich für mein Knie diese neue Operation!

Das Problem: Die Versicherung bezahlt nicht. Als meine Bekannte im vergangenen Frühjahr ihr Kreuzband riss, wurde die DIS noch ohne jede Diskussion übernommen, doch später haben die Unfallversicherer beschlossen, die Kosten nicht mehr zu übernehmen. «Mangels publizierter klinischer Studien», lautet die Begründung – eine Begründung, mit der sich alle neuen Therapiemethoden abwürgen lassen. Nun übernimmt die Unfallversicherung nur eine Operation, deren Nutzen und Risiken zwar hinlänglich bekannt sind, die aber schlechter und teurer ist und länger dauert als nötig. Ich staune, wundere mich aber nicht länger, dass unsere Gesundheitskosten horrend sind.

Die Berner Orthopäden sind derweil in ihrer Forschung blockiert, da die OP hierzulande nicht angewendet werden kann. Im europäischen Ausland wird die Methode unterdessen verbessert, und die Erfinder aus Bern geraten in der DIS-Forschung ins Hintertreffen.

Kreuzbandrisse sind die häufigste Knieverletzung, besonders Sportler sind betroffen. (Zu Ihrer Beruhigung: Velofahrende haben kaum Kreuzbandrisse. Vor allem Skifahrer und Fussballspieler sind betroffen.) Eine neue, bessere Behandlungsmethode würde viel bringen. Unverständlich, dass sie behindert statt gefördert wird.

Nun, es gibt auch gute Nachrichten aus dem Leben mit Krücken: Es ist aufstellend, die Hilfsbereitschaft der Menschen zu erleben. Mir werden Türen aufgehalten und im vollen Tram sofort zwei Sitze angeboten, Unbekannte wünschen mir «Gute Besserung», und Autofahrer bieten mir an mitzufahren. Ich bin positiv überrascht. Und wie auf dem Velo grüsst man sich auch unter an Krücken Gehenden manchmal.

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Ponte Brolla, Plaisirklettern im Winter

Natascha Knecht am Mittwoch, den 17. Dezember 2014

Ein Gastbeitrag von Emil Zopfi*:

1334: Was für ein Geschenk: Emil Zopf klettert an seinem 70. Geburtstag die Route «Wilde Sofie».

Gutes Omen: Emil Zopfi stürzt an seinem 70. Geburtstag in der Route «Mammut Longlife» – und bleibt unverletzt. (Bild: Emil Zopfi)

Es ist nicht gerade die Superdestination für die Kletterelite des Landes, eher etwas für Einsteiger und Geniesser. «Das Mekka für Plaisirkletterer», lese ich in einem Führerbuch. Oft herrscht auf dem Felssporn am Zusammenfluss von Maggia und Melezza tatsächlich ein Gedränge wie an einem Wallfahrtsort. Trotzdem: Ponte Brolla ist unsere Sonnenecke im Wintergrau, perfekter Tessiner Gneis, schön rau, kleingriffige Platten, gelegentlich auch etwas steiler und immer schön sonnig und warm. Also fast immer.

Wie an einem Wallfahrtsort: Gedränge am obersten Band. (Bild: Emil Zopfi)

Wie am Wallfahrtsort: Gedränge am obersten Band. (Bild: Emil Zopfi)

Wir hangeln uns den Ketten eines Klettersteigs entlang aufs oberste der von Bändern durchzogenen Wand der «Rovine del Castelliere», dort ist das Klettergelände so, als sei es für uns erfunden worden. Griffig und knifflig und nicht allzu kraftraubend. Dazu haben unsere Lieblingsrouten sehr schöne Namen: «Wilde Sofie» zum Beispiel, «Il ponte arcobaleno» oder «Anarchia sotto l’albero di natale». Wahrscheinlich haben die Erstbegeher oder Einbohrer dabei an den Anarchisten Michail Bakunin gedacht, der gegen Ende seines Lebens in der Gegend wohnte. Viele der Routen hat der Berner Oberländer Bergführer Häns Müller eingerichtet. Pesche Wüthrich, auch er ein Berner, hat im «Settore Est» eine Reihe von zum Teil sehr schwierigen Routen erschlossen. Ein Kränzlein also für die Berner – Tessiner Kletterer haben offenbar wenig Interesse gezeigt an einem ihrer schönsten Felsen.

Locarno, die erste Schlüsselstelle

Der wichtigste Ausrüstungsgegenstand des Kletterers ist das Auto, sagten wir, als wir noch in den Bergen wohnten. Heute, als urbane Oldies mit GA, suchen wir Klettergärten, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sind – und das sind nicht besonders viele. Da drängt sich Ponte Brolla geradezu auf. Aussteigen und einsteigen sozusagen, falls man den Zielbahnhof überhaupt erreicht. Denn das Abenteuer beginnt schon im Zug. Mal bleibt der Intercity schon in Thalwil stecken, ein andermal blockieren ein entgleister Regionalzug, ein Felssturz oder eine Fahrleitungsstörung die Strecke. Sind wir glücklich und rechtzeitig in Locarno angekommen, ist die erste Schlüsselstelle geschafft.

Ab Airolo haben wir bang zum Himmel geschaut, der oft bedeckt ist, obwohl Meteo Schweiz lachende Sünneli auf die diversen Onlinewetterseiten platziert hat. Ich weiss nicht, ob Ticino Turismo da irgendwie die Hände im Spiel hat. Jedenfalls sind wir letzthin in Locarno im Café Al Porto hängen geblieben, weil statt der angekündigten 80 bis 100 Prozent Sonne etwa gleich viel schwarze Wolken den Himmel bedeckten – immerhin ist die Patisserie im Al Porto vom Feinsten. Unvergesslich auch jener Tag, als der angeblich milde Nordföhn so eisig tobte, dass wir gleich in der Centovallibahn sitzen blieben und Erinnerungen an Schulreisen auffrischten. Das GA ist ja freundlicherweise für die Strecke über Domodossola bis Brig gültig. Dass zwischendurch die Geleise von einem Erdrutsch verschüttet waren, erhöhte noch etwas den Abenteuereffekt. Nun ja, auch im Auto kommt man nicht immer ans Ziel.

Wenns dann aber klappt und wir an einem wolkenlosen Januartag auf den warmen Gneisplatten hoch über dem Pedemonte klettern, dann ist das Glück vollkommen. Vor zwei Jahren zum Beispiel, an einem runden Geburi, wurde ich so übermütig, dass ich buchstäblich ins neue Lebensjahrzehnt stürzte – das heisst ins Seil. Die schöne Route gehört zu den steileren der Wand, und ich blieb unverletzt. Sie heisst übrigens «Mammut Longlife». Wenn das kein Omen ist!

SCHRIFTSTELLER, AUTOR,*Emil Zopfi ist Schriftsteller und lebt in Zürich. Er ist seit über fünfzig Jahren Bergsteiger und Kletterer. www.zopfi.ch

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Die Wunschliste der Läufer

Pia Wertheimer am Montag, den 15. Dezember 2014
A costumed runner participates in the "Santa Claus Run" in Mogosoaia, near Bucharest

Der Nikolaus, der alte Läufer, weiss natürlich, was er sich für seinen Lieblingssport wünscht. Aber wer bringt es ihm? Foto: Reuters

Das Geschenk für James Bond (149.90 Euro ohne Versandkosten)
Ein Screen-Eye ist eine futuristische Kappe, die die Sportelektronik im Schirm integriert. Sie projiziert die Trainingsdaten auf das integrierte Heads-up-Display. Das Screen-Eye überträgt und empfängt die Daten per ANT+ von Herzfrequenzsendern und Laufsensoren, die ebenfalls diese digitale, verschlüsselte und störungssichere Funkübertragung nutzen. Laut Angaben des Produzenten sind die Daten bei allen Lichtverhältnissen lesbar. Eine Akkuladung reicht laut Hersteller für mehr als 30 Stunden Betriebszeit.

Das riskante Geschenk (Kosten variieren je nach Veranstaltung)
Ein Marathonstartplatz könnte der Treffer schlechthin sein – oder aber der grösste Reinfall. Das Geschenk kann zu Höchstleistungen, Disziplin und einer zünftigen Ladung Glückshormonen führen. Es könnte aber auch mit einem entsetzten «Spinnst du?!» subito in den Abfalleimer wandern. Wählen Sie einen Lauf im Ausland, lässt sich der Marathonstart bestens mit Sightseeing verbinden.

Das Geschenk für Wettkämpfer (50 bis 200 Franken)
Die weniger riskante Version ist ein Start an einem anderen, allenfalls kürzeren Wettkampf. Wer sich nicht direkt für einen Anlass entscheiden und so seinem Läufer die Wahl lassen will, für den eignet sich ein Gutschein bei Datasport. Über diese Plattform kann sich der Sportler für eine grössere Auswahl Veranstaltungen anmelden.

PlaketteKleinDas Glücksbringer- oder Erinnerungsgeschenk (von 5 bis 9.50 Euro)
Läufer setzen sich Ziele, und erreichen sie diese, bleiben gewisse Strecken oder Wettkämpfe wohl für immer in Erinnerung. Die Deutsche Nina Witt hält diese Erinnerungen auf kleinen, gravierten Plaketten fest, die sich um den Hals, am Schnürsenkel, am Handgelenk oder Hausschlüssel tragen lassen. Leider sind bisher hauptsächlich deutsche Strecken und grosse Marathons erhältlich – aber immerhin auch von New York, Kapstadt, Paris und Wien.

Das Geschenk für nasse Tage (24.95 Dollar)
Viele Läufer sind Outdoor-Menschen. Sie gehen raus, egal ob es Katzen hagelt oder Hundewetter herrscht. Oft reicht die Zeit zwischen zwei Trainings aber nicht, um die nassen Treter trocknen zu lassen. Ein optimales Geschenk ist für diesen Fall ein Gadget von Stuffitts. Die 200 Gramm schwere Füllung aus Zedernholz trocknet nicht nur die Schuhe schneller, sondern macht auch den übel riechenden Bakterien das Leben schwer.

DeoKleinDas wohlriechende Geschenk (7.90 Franken)
Sportschuhe sind Gebrauchsgegenstände, und je öfter der Läufer damit unterwegs ist, desto schneller entstehen übel riechende Gerüche. Statt die Lieblingstreter auf den Balkon zu verbannen, hilft ein Schuhdeo bestens.

Das lustig-praktische Geschenk (9.90 Euro)
Wer schon mal an der Startlinie stand, der kennt das Problem mit der Befestigung der Startnummer. Sicherheitsnadeln durchlöchern das Lieblingsshirt, und die Gurte sind nicht besonders bequem. Es gibt eine witzige und gleichzeitig unkomplizierte Lösung: kleine Magnete mit verschiedenen Designs.

KalenderKleinDas Kurzfutter-Geschenk (circa 9 Euro)
Der Abreisskalender «Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft!» lässt ihren Sportler mit Fakten wie «1898 fand der Boston-Marathon zum zweiten Mal statt. Allerdings musste der Start verschoben werden, da ein Grossteil der Teilnehmer den Zug verpasst hatte und verspätet eintraf» in den Tag starten.

Das Erholungsgeschenk
Sportler strapazieren ihren Körper und bringen ihn oft ans Limit. Nur selten geht ein Training vergessen. Ganz anders sieht es mit der Erholung aus. Oft kommt sie nach Beruf, Verpflichtungen und Sport an letzter Stelle – obschon sie die Tankstelle eines jeden Läufers ist. Erholung bedeutet aber nicht für alle Menschen dasselbe. Ein gutes Buch, ein edler Tee, ein Kinoabend oder ein Aufenthalt in einer Wellnessoase bewirken, dass der Läufer wieder aus dem Vollen schöpfen kann, wenn er in die Schuhe steigt.

Das wichtigste Geschenk (unbezahlbar)
Jeder leidenschaftliche Läufer kennt diesen fordernden Spagat zwischen Arbeitswelt, sozialem Umfeld und Sport. Kein Geschenk ist deshalb so wertvoll wie Verständnis und Unterstützung von Freunden und Familie – sie sind alles andere als selbstverständlich.

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Den See entlang nach Morsee

Thomas Widmer am Donnerstag, den 11. Dezember 2014

Diese Woche von Lausanne-Ouchy via Saint-Sulpice nach Morges (VD)

Von Lausanne nach Morges wandern – ein guter Winterplan. Ich fuhr nach Lausanne, nahm im Bahnhof die Vertikalmetro hinab nach Ouchy. Unten merkte ich wieder einmal, dass Lausanne herrlich ist: die von Inlineskatern durchsausten Parkflächen, die Hotelbauten des 19. Jahrhunderts, das Quaken und Kreischen der Vögel, die Alpen Savoyens gegenüber.

Ouchy, übrigens, ist die Keimzelle Lausannes. Die Römer nutzten den Ort als Hafen und verluden Handelsware.

Ich zog los, genoss die Weite des grauen Sees, am Himmel kämpfte die Sonne um ihren Auftritt und konnte sich nicht wirklich durchsetzen. In Vidy musste ich grinsen. Wie kompliziert Französisch manchmal ist, wenn der Genitiv ins Spiel kommt. Ein Schild kündete von einer Einrichtung namens Centre de Formation du Cercle de la Voile de Vidy.

Der Vogelkongress

In der Mündung der Chamberonne hockten Dutzende von Enten und Schwänen auf engem Raum, eine Art Kongress. Bei Saint-Sulpice verlief der Weg längere Zeit nicht am See, sondern hinter der ersten Häuserreihe. Glücklich machte mich die Prioratskirche mit ihrem kantigen Burgunderturm aus dem 12. Jahrhundert; uralt auch das romanische Querschiff.

Ich trat ein, sass längere Zeit da, wäre vielleicht eingeschlafen, wenn es nicht so klamm gewesen wäre. Frösteln weckt.

Wieder Ufer, wieder Vögel, wieder das Schwappgeräusch des Wassers gegen die Ufersteine. Und ein zweiter Fluss, der im See endete. Diesmal war es die Venoge. Ich erinnerte mich, wie ich einmal oben in L'Isle eine Quelle des Waadtländer Nationalflusses besucht hatte und berührt gewesen war vom Urschauspiel, wie Wasser schwallweise aus dem Boden dringt; das war magisch und erotisch zugleich.

Das Gedicht «La Venoge» von Gilles fiel mir auch ein. Und siehe da: ein paar Schritte weiter stand ein abgewitterter Gedenkstein. Jean «Gilles» Villard war Dichter, Chansonnier, Schauspieler. Die Waadtländer lieben ihn bis heute. Man gehe auf Youtube und suche dort mit «Venoge». Gleich zuoberst findet sich ein Mann im Anzug und beginnt, wenn wir einmal klicken, sein Gedicht zu rezitieren. Herrlich, dieses saftige, melodiöse, von Esprit und Süffisanz triefende Französisch und besonders die Stelle, in der Gilles (1895 bis 1982) kurz mal einen Genfer parodiert.

Egli – mit Pommes-Frites!

Ich hatte nun Hunger. Eigentlich war ich darauf eingerichtet, erst in Morges zu essen. Doch in Préverenges entdeckte ich das Hotel la Plage. Es war offen. Ich trat ein, wurde freundlich platziert, hatte bald meinen Teller vor mir: Egli an einer aparten braunen Buttersauce mit Pommes-Frites. Jawohl, Pommes-Frites! Als Eglibegleiter finde ich sie langweiligen Butterkartoffeln aus dem Wasser bei weitem überlegen.

Der Rest der Wanderung war besonders schön. Man geht während der drei Stunden von Losanen nach Morsee – so die verblassten deutschen Namen von Lausanne und Morges – immer wieder auf Asphalt. Am Schluss aber kam ein durchwegs natürlicher Abschnitt: Kies, Sand, Parkwiesen. Dann war ich in Morges, wo ich noch nie war. Hier hatten die alten Berner, als sie die Waadt regierten, ihre Genfersee-Kriegsflotte stationiert als Abschreckung gegen die Savoyer. Davon war nichts mehr zu sehen. Stattdessen: sanft schaukelnde, winterfest gemachte Freizeitboote. In friedlicher Stimmung fuhr ich heim.

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Route: Lausanne-Ouchy/Seepromenade (Standseilbähnchen von Lausanne SBB) - Vidy - Saint-Sulpice - Préverenges - Morges/Seepromenade - Morges SBB.

Wanderzeit: 3 1/4 Stunden.

Höhendifferenz: praktisch nur geradeaus.

Wanderkarte: 261 T Lausanne, 1: 50'000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Retour: Von Morges mit dem Zug direkt nach Lausanne.

Charakter: Meist wandert man am Seeufer. Abschnitte auf Asphalt, dazwischen Kies und Gras. Parkähnliche Passagen und Weitblick über den See nach Savoyen. Vögel, Jogger, Bänklisitzer, Kinderwagenschieber.

Höhepunkte: Der erste Anblick des Sees in Ouchy. Die Kirche von Saint-Sulpice. Der Egli in Préverenges.

Kinder: Perfekt. Natürlich sollten sie nicht ins Wasser fallen.

Hund: Perfekt, inklusive Bad.

Einkehr: Mehrere Gelegenheiten. Hotel La Plage in Préverenges: Sonntag und Montag geschlossen; auch zwischen den Esszeiten (15 Uhr und 18 Uhr) bleibt das Lokal zu.

Gedicht: «La Venoge» von Gilles auf Youtube.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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Gegen die Schweizer Service-Wüste

Jürg Buschor am Donnerstag, den 11. Dezember 2014
Selbst ist der Biker – es sei denn, er hat professionelle Hilfe. Foto: Flickr

Selbst ist der Biker – und fühlt sich dabei oft alleingelassen. Foto: Flickr

Die unzähligen Kommentare in diesem Bikeblog zeigen: Wenn es um den Schweizer Fahrradfachhandel geht, werden die Outdoor-Leserinnen und -Leser emotional. «Lausiger Service für 350 Schtutz. Der wird mich nie mehr sehen!!», schrieb Franz Strobel, der für einen Service vier Wochen auf sein Fahrrad gewartet hatte und bemängelte, dass sein Fahrradhändler die Probleme trotzdem nicht behoben habe.

Izmael Kabani ätzte: «Wenn mein Mech meine Gabel oder meinen Dämpfer für den Service zum Hersteller schickt, dann hat er garantiert zum letzten Mal mein Bike gesehen. Aus welchem Grund sollte ich zu einem Velomech gehen, wenn er nicht einmal einen Gabelservice selber machen kann?». Und Fritz Blasimann legte gleich nach: «Die meisten Velomechs machen eh fast nichts an den Velos und verlangen dann ein schönes Sümmchen für einmal Veloputzen und Gängejustieren.»

Frustriert meldete sich auch Rainer Fitz, der sich ein Occasions-Rad gekauft hatte: «Das ist leider der Schweizer ‹Servicegedanke›. Ich kam mit einem teuren Qualitätsrad zum lokalen Händler in Morges (wo ich auch ggf. mein nächstes Fahrrad gekauft hätte). Bevor ich meine Wünsche äussern konnte, meinte er, dass dieses Fahrrad nicht bei ihm gekauft worden sei und er deshalb keine Reparatur vornehmen wolle.»

Die Fahrradbranche reagiert

Die offenbar weitverbreitete Unzufriedenheit und die zahlreichen Wortmeldungen zu Fachhandelsthemen im Outdoorblog sind offenbar auch der Fahrradbranche nicht entgangen. Aus diesem Grund wird am 7. Januar 2015 im Rahmen der Infotech in Luzern ein Branchenforum durchgeführt mit dem Thema «Service-Wüste Velofachhandel: Einbildung oder Tatsache?».

Unter der Leitung von Thommy May diskutieren Jürg Buschor, Marius Graber, Reto Burki – und das Publikum in Luzern. Foto: PD

Unter der Leitung von Thommy May diskutieren Jürg Buschor, Marius Graber, Reto Burki – und das Publikum in Luzern. Foto: PD

Der Branchenkenner Thommy May geht als Podiumsgesprächsleiter unter anderem der Frage nach, welche Erwartungshaltung der Kunde von heute an den Fachhändler, beziehungsweise Werkstattbetrieb seines Vertrauens, hat. 

Er wird dabei auch Parallelen ziehen zur Auto- und Motorradbranche, in der ein professioneller Service von der Fahrzeugannahme bis zur Übergabe nach Erledigung der Arbeiten die Regel ist. Im Saal werden rund 250 Schweizer Fachhändler erwartet.

Ihr Feedback – ungefiltert an den Fachhandel

Ich werde als Vertreter des Bikeblogs in der Podiumsdiskussion Ihre Stimme sein, liebe Leserinnen und Leser. Nutzen Sie diese einzigartige Gelegenheit, Ihre persönlichen positiven und negativen Erfahrungen mit den anwesenden Fahrradhändlern zu teilen. Ungefiltert. Formulieren Sie Ihre individuelle Erwartungshaltung an den Fachhandel.

Wo orten Sie Verbesserungspotenzial? Welchen Stellenwert messen Sie im Rahmen Ihrer Kaufentscheidungen der Beratung bei? Welchen dem Reparaturservice? Welchen Preis wären Sie zu zahlen bereit für eine tadellose Dienstleistung? Welchen Stundensatz bezahlen Sie aktuell für Reparaturen, und wo läge Ihre Schmerzgrenze für einen tadellos erbrachten Service? Unter welchen Voraussetzungen erwägen Sie einen Kauf im Ausland? Und welches sind die Gründe dafür, sich allenfalls für einen Onlinehändler oder grossen Bikeversand zu entscheiden?

Egal wo Sie der Schuh drückt – der Bikeblog verleiht Ihren Anliegen in einer einmaligen Aktion eine Stimme! Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

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Berge sind in der Regel katholisch

Natascha Knecht am Mittwoch, den 10. Dezember 2014

Nur unwesentlich höher als manch anderer Berg: Der Mont Blanc, von Genf aus fotografiert. Foto: Reuters

Wussten Sie, dass viele Berge römisch-katholisch sind? «Wenn man auf den Gipfel eines Berges geht, trifft man dort häufig ein Kreuz an, das als Hinweis auf christlichen Glauben dient.» Berge haben ausserdem «keine Geschlechtsorgane und pflanzen sich (so wie Bakterien) mithilfe von Zellteilung fort.» Und Berge «verdecken Dinge im Flachland, die man nicht sehen soll». Auf dieses – mir bisher völlig unbekannte – Wissen stiess ich zufällig auf Stupidedia.org. Es ist eine freie Enzyklopädie, welche genau wie Wikipedia.org funktioniert, mit dem Unterschied, dass die Stupidedianer angeblich «nicht Bescheid wissen», worüber sie da schreiben. Ein satirisches «Nonsense-Lexikon».

Hier einige alphabetisch geordnete Textauszüge von Stupidedia.org mit weiterführenden Links, was die hochwohlgeborenen Autoren dort über Klettern und die damit verbundenen Begriffe witzeln:

→ Ein Berg ist «eine rufende Erhebung der Erdoberfläche, welche durch Glauben versetzt werden kann».

→ Freude «(lat. mordsgaudi) kommt von irgendwoher, man weiss es nicht und egal ist es ebenfalls».

→ Klettern «(wissenschaftlich korrekt Vrachophilie) ist eine auch Affizismus genannte Tätigkeit, zu der sich der Homo sapiens sapiens von den gemeinen Affen inspirieren liess».

→ Kannibalismus: «Der Kletterer ist einer der wenigen Eigenkannibalen der Welt. Während ein normaler Kannibale andere Menschen isst, so isst der Kletterer sich selbst. Besonders bevorzugt er die Haut seiner Fingerkuppen, die er sich an rauem Fels abstreift, und Fleisch aus Knie und Ellbogen. Normalerweise isst er es roh und ungewürzt, in besonderen Fällen wird mit einer Prise Magnesia nachgewürzt.»

→ Der grösste Feind des Kletterers ist der Boden. «Boden ist eine besonders aggressive Landform, die man oft in der Nähe von natürlichen und unnatürlichen Kletterwänden findet. Viele Kletterer sind schon aufgrund des blossen Kontaktes (besonders nach einem Sturzflug) gestorben. Ansonsten kommt man selten ohne Knochenbrüche und Verstauchung weg, wenn man sich unvorsichtig dem Boden nähert.»

→ Die Häufigkeit der Berge richtet sich jeweils «nach der Häufigkeit von suchtkranken bzw. intelligenzlosen Halbtoten. Das heisst, je mehr suchtkranke intelligenzlose Halbtote, desto mehr Berge sind vorhanden. Die meisten Berge sind in der Schweiz und in Österreich anzutreffen. Aber auch in Deutschland gibt es Berge.»

→ Der Mont Blanc ist «ein riesiger Berg, der angeblich eine Art europäischer Turmbau zu Babel war. Man wollte höher und höher hinaus, gab dem Berg einen schicken, modischen Weissanstrich und brachte das grosse Werk aus ungeklärter Sache nie zum Abschluss. Der Mont Blanc wurde nur unwesentlich höher als manch anderer Berg.»

Muskelkraft ist «im Allgemeinen ein Massstab, wie stark ein Mensch oder Tier ist. Gilt in vielen Zivilisationen als Symbol für Männlichkeit».

→ Der Schweiss ist «besonders beliebt, weil er ohne jeglichen Einsatz von Tierversuchen hergestellt werden kann. Man kann daher oft sehr gut am Duft erkennen, dass es sich bei der parfümierten Person um einen Tierschützer oder einen umweltbewussten Öko handelt».

Transportmittel für Kletterferien im Süden: «Da der Kletterer seinen Sport meist nicht alleine ausübt, hat er oft noch vier Freunde mit dem gleichen Gepäck. Nun kommt die geeignete Wahl des Transportmittels. Nach kurzer Betrachtung der einzelnen Fahrzeuge kommt heraus, dass alle Kletterer eine Vorliebe für Kleinwagen haben. Also entscheidet man sich für den grössten der kleinen, einen Ford Fiasco. Der Kofferraum ist in der Regel nach der Beladung mit der Kletterausrüstung und den Getränken voll. In die wenigen Zwischenräume werden nun das Essen und die Wechselwäsche gestopft. Nun schliesst man den Kofferraum und bittet die Rückbankbesetzer, zuerst einzusteigen, da man auf ihrem Schoss die restlichen zwei Kubikmeter Klamotten unterbringen muss. Nun ist das arme Auto hinten erst mal um zehn Zentimeter tiefergelegt. … Zwei Stunden später, wenn man die Gewichtsverteilung geändert und den abgerissenen Auspuff wieder eingehängt hat, gehts dann tatsächlich los.»

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Sind Sie auch so kreativ und humorvoll wie die Stupidedianer?

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Erhöht Joggen den Sex-Appeal?

Natascha Knecht am Montag, den 8. Dezember 2014
Läuferinnen gefallen Läufer: Nike Women's Half Marathon DC. (Flickr/TheQSpeaks)

Läuferinnen gefallen Läufer: Nike Women's Half Marathon DC. (Flickr/TheQSpeaks)

Der Laufsport boomt und boomt. Praktisch zu jeder Tageszeit und bei jeder Wetterlage wird massenhaft gejoggt. Am See, am Fluss, im Wald, in der Stadt. Frauen und Männer. Die Laufgemeinde wächst von Jahr zu Jahr. Weshalb das so ist? Ganz einfach: Es gibt etwas gratis – zumindest etwas, das man für Geld nicht bekommt: Sportlerruhe, Fitness, Ausgleich, vermindertes Risiko, an Volkskrankheiten zu erkranken, usw.

Zur stärksten Triebfeder gehört für viele Läuferinnen und Läufer jedoch die Hoffnung, dank regelmässigem Training attraktiver auszusehen. Laufen mache schöne Beine, heisst es. Es straffe und stähle den Körper, der Gang werde aufrechter, die Fettverbrennung angekurbelt, das Selbstbewusstsein stärker, die Glückshormone getankt, die Ausstrahlung grösser. Es gibt Experten, die sagen, Laufen sei ein effizientes Anti-Aging-Mittel. Manche verbreiten gar, Läufer könnten bis zu zehn Jahre jünger wirken.

Läuferinnen gefallen Läufer

Theoretisch klingt das alles toll, aber wie sieht es in der Praxis aus? Erhöht das Laufen den Sex-Appeal wirklich? Laut Umfrage, die eine Turnschuhmarke unlängst unter begeisterten Joggern durchführte, gaben 84 Prozent der befragten Frauen an, dass sie Läufer attraktiv finden. Und drei Viertel aller Befragten (inkl. Männer) sagten, ihr Interesse an einer Person steige, wenn diese jogge. Mit anderen Worten: Läuferinnen und Läufer gefallen sich gegenseitig.

Dumm nur, dass trotz ungebremstem Boom noch längst nicht alle Leute joggen. Wie ernüchternd es sein kann, ausserhalb der Laufszene zu flirten, beschrieb der Londoner Elite-Marathonläufer Benjamin Evans in einer Kolumne: Er ging an einem warmen Frühlingstag in den Garten eines Pubs in seinem Quartier. Ein Ort, wo sich die vielen Stunden im Fitnessstudio auszahlen. Wo man demonstrieren kann, wie hart man den Winter über am Körper gearbeitet hat. Auch Evans durfte sich zeigen lassen. Er hatte praktisch jeden Muskel für die Wettkampfsaison austrainiert, er war in Top-Form – aber im Pub beachtete ihn niemand. Das gut aussehende Girl hatte nur Augen für den Typ mit dem engen T-Shirt und dem gebräunten Bizeps.

Fit, aber drahtig

Obschon Evans im Verlauf der kalten Monate mehr und härter trainiert hatte als jeder andere Mann im Pub, wirkte er auf das andere Geschlecht nicht anziehend. Warum? «Weil ich ein Läufer bin, und Läufer sehen nicht gut aus.» Laufen mache unglaublich fit, aber der Körper werde drahtig und sehnig.

Auch die nächste Dame ging an Evans vorbei, ohne ihn eines Blickes zu würdigen. Das habe ihm nichts ausgemacht, behauptet er. «Ich trainiere nicht, um in einem Nachtclub gut anzukommen oder damit mir die schönste Frau der Stadt zuwinkt.» Er wolle nicht, dass er wegen seines Aussehens gemocht werde, sondern wegen seiner Leistungen, seiner Willenskraft, seines Charakters.

Während er den Typ mit der Beauty im Arm beobachtete, fragte er sich, was dieser wohl für seinen Body gemacht hatte. «Er verbrachte wohl Stunden und Stunden damit, seine Arm- und Brustmuskulatur zu pumpen. Das ist anaerobe Fitness.» Optisch könne er im Pub als Elite-Langstreckenläufer nicht mit Bodybuildern aus dem Quartier mithalten, schreibt Evans. Aber er sei davon überzeugt, wahre Schönheit komme von innen.

Was sagt uns das?

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Seelchen Nummer neun

Thomas Widmer am Freitag, den 5. Dezember 2014

Diese Woche von Steckborn via Ermatingen nach Konstanz (TG/D)

Abwechslung ist alles. Am Bahnhof von Steckborn beschliessen wir, nicht die ganzen fünf Stunden bis Konstanz am Wasser zu laufen. Teil eins bis Ermatingen soll eine Wald-Wiesen-Passage werden, Teil zwei hingegen direkt am Untersee verlaufen. Und am Seerhein; so heisst der gut vier Kilometer lange Fluss, der den Obersee mit dem Untersee des Bodensees verbindet. Auf Satellitenaufnahmen sieht er aus wie eine Nabelschnur.

Acht Leute sind diesmal dabei, mit mir. Hund Emil ist Seelchen Nummer neun. Kühl und diesig ist der Tag, wir queren die Schienen, gehen ein wenig aufwärts und kommen ins Grüne. Die nächsten Kilometer sind unspektakulär schön. Ruhiges Bauerland. Beim Punkt Burst gibt es eine Schutzhütte, man könnte brätlen.

Ganzkörpernahrung

Wir haben einen besseren Plan und wissen uns darin einig mit Prinz Louis Napoleon und Graf Zeppelin, Alexandre Dumas und Thomas Mann. Wir biegen ab, halten hinunter zum See. Auf einem Bach-Schwemmdelta steht das Dorf Ermatingen, eine Ballung sonderlich schöner Fachwerkbauten; unvergessen FDP-Nationalrat Ernst Mühlemann, der hier lebte. Wir halten zum Adler, einem Beeindruckungsklotz von Riegelbau aus dem 16. Jahrhundert. In ihm stiegen schon allerlei Persönlichkeiten ab.

Wir haben reserviert, werden freundlich begrüsst, Emil verkriecht sich unter den Tisch. Als wir eine Etage höher unsere Gerichte serviert bekommen, muderet er leise. Ich habe Kretzer aus dem See, die mit Kopf und Schwanz frittiert und integral gegessen werden, Ganzkörpernahrung. Knusprig sind sie, der Wein mundet. Die Gegend ist altes Kulturland, sie weiss zu leben, und natürlich gehören in diesem Zusammenhang Schlösser wie Arenenberg, Eugensberg und Hubberg erwähnt. Und die prachtvolle Insel Reichenau nah Ermatingen mit ihrer alten Klosterkirche.

Satt ziehen wir weiter, bloss Emil-auf-Diät schaut mürrisch. Winterdichte Boote, gegen die Mole schwappendes graues Wasser, später ein Riedgürtel prägen den Weg. Bei Triboltingen kommen wir an der Bahnstation vorbei und lesen an einem alten Bunker, dass er Teil des Festungsgürtels Kreuzlingen ist, der Abwehrstellung des Zweiten Weltkriegs. Dann Gottlieben. Der allerliebste Winkel, ein Minidörflein, verdankt sich einem der Standardkonflikte des Mittelalters: Kirche gegen aufstrebendes Bürgertum. 1251 baut in diesem Niemandsland der Konstanzer Bischof ein Wasserschloss. Er will den Warenverkehr von den reichen Konstanzer Städtern weglenken.

Fatale Kirchenlüge

Das Wasserschloss wird einem ganz unromantisch, wenn man die Infotafel liest; man vergisst die Hüppen, also cremegefüllten Waffelröllchen, die in Gottlieben gebacken und verkauft werden. Im Schloss sass während des Konzils von Konstanz 1414 bis 1418 der böhmische Reformdenker und Theologe Jan Hus ein. Man hatte ihm freies Geleit versprochen und ihn so gelockt. Eine Lüge; er starb im Juli 1415 auf dem Scheiterhaufen.

Jetzt sind wir am Seerhein. Enten, Velofahrer und, je näher Konstanz rückt, Jogger; die Freizeitrenner sind das untrügliche Zeichen, dass man nicht mehr so richtig draussen auf dem Land ist. Die geistige Verstädterung setzt ein. Die Konstanzer Altstadt scheint dann ganz in den Händen der Schweizer Shopper. In der «Bürgerstube» trinken wir bahnhofsnah ein Bier. Hund Emil schläft unter dem Stuhl seines Herrn, Hürzi. Seine Kieferbewegungen, dieses angedeutete Schnappen, Kauen, Mahlen, deuten an, dass er von einem Fleischbuffet träumt.
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Route: Steckborn, Bahnhof - Langenägeten - Dieppishalden - Burst - Adelmoos - Hueb - Ebenöödi - Ermatingen, Adler - Ermatingen, See - Triboltingen, See - Gottlieben - Wasserschloss - Ziegelhof - Zollhaus - Grenze - Konstanz, Altstadt - Konstanz, Bahnhof.

Wanderzeit: 5 Stunden (beliebig kürzbar).

Höhendifferenz: Je circa 210 Meter auf und ab.

Wanderkarte: Kümmerly + Frey 1:60'000 Bodensee.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Im ersten Teil Wald und Wiese und etwas Abstand zum See. Im zweiten Teil ab Ermatingen die meiste Zeit in Sichtweite des Sees. Am Schluss Shoppinggelegenheit in Konstanz.

Höhepunkte: Die Riegelbauten von Ermatingen. Der Fisch im Adler daselbst. Das reizende Häuserensemble am See in Gottlieben. Das Wasserschloss, in dem Jan Hus einsass. Die Altstadt von Konstanz.

Kinder: Keine Probleme.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Diverse Möglichkeiten in den Dörfern und am Schluss. Adler in Ermatingen: Mo, Di geschlossen. Sehr gute Küche, speziell die Fischgerichte.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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