Leben


Ich schaffte es nicht bis Babental

Thomas Widmer am Freitag den 10. Februar 2012

Zur Wanderung von Bargen nach Beggingen muss ich zwei Dinge vorausschicken. Erstens wollte ich eigentlich doppelt so lang wandern und via Babental nach Schleitheim weiterziehen. Und zweitens sei betont, dass auch die zweistündige Kurzroute schön ist und sich unbedingt lohnt. Auch wenn an meinem Tag einiges schief lief.

Zwei Tage vor Weihnachten fuhr ich nach Bargen. In diesem nördlichsten Dorf der Schweiz stieg ich nicht, nein: Ich gumpte aus dem Bus. Vielleicht benahm ich mich so juvenil, weil Wandern in dem verhügelten Grenzland etwas Bubenabenteuerhaftes, Schmugglerisches hat. Meine alte Diskushernie allerdings quittierte den Sprung mit einem üblen Stich.

Die erhoffte Romantik bleibt aus

Im Bus-Unterstand erholte ich mich. Dann zog ich los durchs Dorf mit Asterixgepräge, zu dem ein Misthaufen an bester Lage ebenso gehörte wie eine liebevoll bestückte Weihnachtskrippe. Bald war ich im Mülital, in dem man langlaufen kann. Es schnee-regnete. Grauer Pflotsch lag zentimeterhoch auf dem Weg. Ich hatte bereits nasse Füsse.

Die Iblenquelle hatte ich mir romantischer vorgestellt, irgendwie im Umfeld der Artussage positioniert, mit einer Jungfrau samt Einhorn. Stattdessen gab es eine neuzeitliche Grillstelle, und das Wasser war in einer Röhre gefasst.

Mit Schanzen gegen Schweden

Nun schneite es fette Flocken. Die frischen Fussstapfen vor mir fand ich unheimlich. War das Yeti? Ein Serienkiller? Oder gar das wildeste aller Menschentiere, ein Wanderer? Keine Ahnung!

Ein paar Mal musste ich im Aufstieg über umgekippte Bäume klettern. Beim Wegweiser «Hoher Randen 890 m» war eine «Schwedenschanze» vermerkt, so heisst offenbar die nahe Waldkuppe. «Schwedenschanzen» gibt es vielerorts in Europa. Sie entstanden in der Prähistorie als natürliche Befestigungen und Rückzugsorte in der Höhe. Der Name selber wurde wohl erst im Dreissigjährigen Krieg 1618 bis 1648 kreiert, als die Schweden Mitteleuropa unsicher machten und die alten Schanzen Zuflucht boten. Oder aber die Nachwelt vermeinte noch später, die Schanzen seien zur Abwehr der Schweden gebaut worden, und taufte sie entsprechend.

Der Teufelshund von Beggingen

Ich stieg im Steilwald ab. Die Steine unter dem Schnee waren glitschig. Ich stürzte dreimal, tat mir wundersamerweise nicht weh, hatte aber Schnee in allen Taschen und Schlitzen meiner Hi-Vent-Outdoor-Jacke. Nach dem Stiegenbrünneli kam ich aus dem Wald und sah den ersten Hof. Am Rand von Beggingen dann das «Mördergärtli»: Ein Stein gedenkt des Massakers von 1633 in besagtem Dreissigjährigem Krieg, als viele Verteidiger des Dorfes im Kampf gegen eine fremde Soldateska umkamen.

Von Beggingen wollte ich via Strickhof zur Alp Babental aufsteigen. Dort gibt es ein Restaurant; vor allem aber handelt es sich um die einzige Schaffhauser Alp. Dank der Tieflage von 600 Metern kann das Vieh doppelt so lang sömmern wie im Gebirge. Leider erwischte ich den falschen Wanderabzweiger. Ich realisierte das nach der Hohlen Gasse, einer Strassenklus am Dorfausgang von Beggingen. In dem Moment attackierte mich vom nahen Haus her eine Bestie von Hund. In Notwehr streckte ich ihr meinen Schirm hin, in den sie mehrmals schnappte. Ich floh, retour ins Dorf. Dort stand ein Bus, ich stieg ein, fuhr heim. Trotzdem sei es noch einmal betont: Erwischt man nicht das mieseste Wetter aller Zeiten und meidet Beggingens bösen Hund, ist das eine tolle Route.

Route: Bargen Dorf (Bus ab Bahnhof Schaffhausen) – Mülital – Iblenquelle – Hoher Randen 877 m – Hoher Randen 890 m – Schwedenschanze – Stiegenbrünneli – Beggingen.

Gehzeit: 2 Stunden.

Höhendifferenz: 300 Meter aufwärts, 350 abwärts.

Charakter: Allerhöchstens mittelstrenge Route. Einsamer Wald. Relativ steiler Abstieg nach dem Hohen Randen, vorsichtig gehen!

Höhepunkte: Das abseitige Bargen weckt Asterixerinnerungen. Das Mülital ist ein Idyll. Der stille Winterwald auf dem Hohen Randen.

Hund: Keine Leitern, keine Gitterroste; für Hunde geeignet.

Einkehr: Am Anfang und am Schluss.

Verlängerung: Von Beggingen gibt es viele Fortsetzungen. Zum Beispiel zur Alp Babental und hinab nach Schleitheim.

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Väterchen Frost und die Biker

Jürg Buschor am Donnerstag den 9. Februar 2012


Schneesport auf Rädern: Mountainbiken geht auch im Winter – und wie!

Das sibirische Kältehoch Cooper hält Europa seit Tagen eisern im Griff. Mit Temperaturen von bis zu Minus 20 Grad ist die «Komfortzone» für Mountainbiker mittlerweile geschätzte 30 Grad entfernt. In der Presse stellt man sich mittlerweile besorgt die Frage, ob Sport bei diesen Temperaturen gesundheitsgefährdend sei. Besorgt ist man allerdings vor allem um die Fussballer, deren Nehmerqualitäten offenbar als weniger gross angesehen werden als diejenigen von Rad- oder anderen Sportlern. Der bekannte Schweizer Sportmediziner Beat Villiger gibt allerdings Entwarnung – in Fachkreisen sei man sich im Grundsatz einig, dass Aussentemperaturen bis minus 20 Grad noch akzeptabel seien. Und weil Cooper nicht nur saukalt ist, sondern auch oft mit einem fiesen Wind verbunden ist, ist auch der Wind-Chill-Faktor in aller Munde. D.h. die gefühlte Temperatur liegt nochmals um einiges unter der effektiv gemessenen. Dieser habe auf die Atmung allerdings praktisch keinen Einfluss, so Villiger, sondern spiele höchstens bei Erfrierungen eine Rolle.

Das kann Mountainbiker nicht wirklich beruhigen, denn 30 bis 40 km/h beträgt die Abfahrtsgeschwindigkeit meist auch dann noch, wenn man die Schussfahrt etwas abbremst. Dass da die Extremitäten und die Gesichtspartie schnell unterkühlt sind, liegt auf der Hand. Wind-Chill hin oder her – ambitionierte Mountainbiker dürften schon eher mit einem Phänomen konfrontiert sein, das auch Langläufer kennen: Kälteasthma. In Fachkreisen geht man davon aus, dass zwischen 50 und 70 Prozent der professionellen Athleten darunter leiden. Entwarnung bringt eine norwegische Studie bei norwegischen Langläufern: Wer nicht schon vorher Asthmatiker war, hat eine Chance von 97 Prozent, dass das Kälteasthma nach Abschluss der Karriere abheilt.

Stress bedeute die Kälte auch für das Herz-Kreislauf-System, so Christina Koppe-Schaller vom Deutschen Wetterdienst: «Die Hautgefässe ziehen sich zusammen, um den Wärmeverlust zu minimieren. Dadurch erhöht sich der Blutdruck.» Das Risiko für Herzinfarkte, Thrombosen und Infektionen steige markant, wie auch auf Fachwebsiten nachzulesen ist.

Ist Sport bei diesen Temperaturen also wirklich Mord? Daheim in den warmen vier Wänden die Kälte aussitzen, ist aktuell sicher eine valable Alternative zur Feierabend-Mountainbiketour. Doch aufgepasst! «Zu viel Zeit im Warmen, zu wenig Bewegung an der frischen Luft und dadurch zu wenig Tageslicht – das macht im Winter müde und krank», lässt sich Professor Ingo Froböse vom Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln zitieren. Sein Tipp: «Auch wenn es den ganzen Tag trüb und diesig ist, sollten die hellen Stunden des Tages genutzt werden, um Licht zu tanken und frische Luft in die Lungen zu pusten.» In diesem Sinne – zeigen Sie jetzt, dass sie Cooper kalt lässt und steigen Sie trotz allem aufs Montainbike. Einfach massvoll!

Steigen Sie bei den aktuell herrschenden Temperaturen überhaupt noch aufs Mountainbike? Wenn ja, haben Sie mit irgendwelchen gesundheitlichen Beschwerden zu kämpfen? Wie reagiert Ihr Körper auf die Kälte? Und wie zeigen Sie der Kälte den Meister?

«Ein Sturz wäre nicht ohne Folgen geblieben»

Natascha Knecht am Mittwoch den 8. Februar 2012

Dani Arnold

Nerven wie Stahlseile: Dani Arnold knackt die Mixed-Route «The Hurting» in Schottland. Im April 2011 durchstieg er die Eiger-Nordwand solo in Rekordzeit: 2 Stunden 28 Minuten. (Foto: Thomas Senf)

Wenn der Eiger-Speedrekordhalter sagt, er habe soeben seine «bisher härteste Route» geklettert, dann steckt eine echte Meisterleistung dahinter: Dani Arnold pusht das Limit am Fels nicht nur mit Kraft, Ausdauer und Technik. Es ist vor allem seine starke Psyche, die den 27-jährigen Urner zum Ausnahmekletterer macht. Sein jüngster Exploit gelang ihm im schottischen Hochland, dem Geburtsort des hochanspruchsvollen Trad-Mixed-Kletterns (kombinierte Fels- und Eisrouten ohne feste Sicherungspunkte).

Ende Januar 2012 durchstieg Dani Arnold die Route «The Hurting» (XI 11) rotpunkt. Ein mutiges Projekt, das bisher erst drei Schotten vollenden konnten, aber noch nie ein Ausländer. Denn klettern in Schottland ist anders und für Nicht-Heimische gewöhnungsbedürftig: Es gibt keine Bohrhaken und die meisten Möglichkeiten für mobile Sicherungsmittel (wie Friends) sind miserabel. Nach lokaler Ethik darf in Mixed-Routen nur eingestiegen werden, wenn der Fels zugeschneit oder von Reif überzogen ist – was die Begehung erschwert, weil die Hooks (Griffe) verdeckt und noch mühsamer zu finden sind. Zudem kann das Wetter unberechenbar schnell umschlagen, eisige Windböen mit über 100 Kilometer Geschwindigkeit gehören zur Norm. Oder mit anderen Worten: Nur schlechte Bedingungen sind gut für die Mixed-Kletterer in Schottland.

«Das war eine ernsthafte Sache»

«The Hurting» befindet sich im Nordosten, im Gebiet von Cairngorm, bekannt für sein raues und unfreundliches Klima. Die Route ist 35 Meter hoch, ihre abschüssigen Tritte und Hooks sind winzig, die bescheidenen Sicherungsmöglichkeiten erfordern Nerven wie Stahlseile. Sie zählt zu den schwersten Mixed-Routen der Welt.

Dani Arnold

«Die Tritte sind sehr schlecht. Immer abschüssig»: Als erster Nicht-Schotte schafft Dani Arnold die Mixed-Route «The Hurting» sturzfrei. (Foto: Thomas Senf)

Daniel Arnolds Plan, «The Hurting» onsight (beim ersten Versuch) zu klettern, machte eine starke Windböe zunichte: Sie blies ihm ein Eisgerät aus der Wand, das er kurz losgelassen hatte, um seinen Arm zu entlasten. Beim zweiten Anlauf gelangte er bis zum allerletzten Hook, dort rutschte sein Eisgerät ab, er fiel ins Seil – ein Sturz, der ins Auge hätte gehen können. Exklusiv bei «alpin im Outdoorblog» schildert Dani Arnold dieses Extrem-Abenteuer:

«Für die 35 Meter konnte ich lediglich drei Sicherungen anbringen, die erste in etwa zehn Meter Höhe. Bis zur Mitte der Route empfand ich die Kletterei am Schwersten. Die sehr kleinen, unter dem Schnee versteckten Hooks verlangten exaktes und kontrolliertes Klettern, was auch für den Kopf enorm anstrengend war, ein Sturz wäre in Bodennähe gegangen.» Die nächsten fünf bis sieben Meter seien etwas steiler verlaufen und für den letzten Teil musste er nochmals alles geben: «Die Tritte sind sehr schlecht. Immer abschüssig. In der Wand hat es ganz viele Risse. Hier einen kletterbaren Weg zu finden, war schwierig. Es brauchte Zeit und Energie, alles abzusuchen. Meine letzte Sicherung lag etwa vier Meter unter meinen Füssen, als ich zur Stelle kam, wo ich dann rausflog. Nur ein halber Meter fehlte, um die Route zu beenden. Lange suchte ich nach einem guten Hook, fand jedoch nichts Schlaues. Ich probierte es mit einem schlechten Hook, der dann nicht hielt.»

Dani Arnold

«Ein Sturz wäre in Bodennähe gegangen»: Dani Arnold. (Foto: Thomas Senf)

Stolz auf seinen Mut

Trotz dieses 10-Meter-Sturzes wagte sich der Innerschweizer Mixedspezialist zwei Tage später erneut in «The Hurting» und kletterte «die Schmerzhafte» erfolgreich. «Die Verhältnisse waren noch schlechter», sagt er. «Es hatte noch mehr Schnee. Aber weil ich wusste, wo und wie ich klettern musste, ging es einfacher. Dennoch musste ich aufpassen, dass mir kein Flüchtigkeitsfehler unterlief. Gerade im unteren Teil wäre ein Sturz nicht ohne Folgen geblieben.»

Dass er «The Hurting» als erster Nicht-Schotte rotpunkt begehen konnte, habe eine grosse Bedeutung für ihn, sagt Dani Arnold. «Schade, habe ich es nicht beim ersten Versuch geschafft und sicher gibt es noch schwerere Routen. Aber für mich ist es bis jetzt das Härteste, das ich geklettert bin.» Besonders der Begehungsstil habe eine wichtige Rolle gespielt. «Da ich noch nicht über so viel Erfahrung mit dieser speziellen Absicherungstechnik verfüge wie die Einheimischen und den Mut aufbrachte, die Route ohne vorherige Informationen onsight zu versuchen, macht es mich schon stolz. Das war eine ernsthafte Sache.»

Dani Arnold

«Ich mache kein spezielles Mentaltraining»: Dani Arnold. (Foto: Thomas Senf)

Seine starke Psyche sei das Resultat von jahrelanger Erfahrung, er mache kein besonderes Mentaltraining. «Ich lerne, indem ich mich selber und andere beobachte. Es gibt mir Selbstvertrauen, wenn ich heikle Situationen am Berg erfolgreich manage. Darauf kann ich aufbauen, das bringt mich weiter.»

Alpin-Fotograf Thomas Senf, der zusammen mit Dani Arnold in Schottland kletterte, attestiert ihm nicht nur psychische Stärke, sondern auch ein ausserordentliches Gefühl für die Eisgeräte. «Bei Dani halten sie fast immer, da ist er extrem stark.» Als Fotograf braucht Thomas Senf ebenfalls gute Nerven. «Solch heikle Klettereien begleite ich nur mit Leuten, die nichts riskieren, weil ein Fotograf dabei ist. Ich muss ihnen vertrauen.» Dani Arnold und Thomas Senf – er ist selber ein exzellenter Mixed-Kletterer – arbeiten seit Jahren zusammen. Um ihn in «The Hurting» zu fotografieren, hing er über zwei Stunden im Seil, bei minus zehn Grad und anhaltendem Schneefall. «Das gehört zum Business», sagt er. Speziell sei aber gewesen, dass die Linse seiner Kamera jeweils nach zwei, drei Bildern zugefroren war und er sie immer wieder neu putzen musste.

Folgendes Video zeigt, wie heikel «The Hurting» zu klettern ist. Der einheimische Erstbegeher Dave MacLeod wiederholte die Route für den Film «Committed II». Wie Dani Arnold stürzte auch er beim ersten Versuch beim letzten Hook. Für den Film liess sich MacLeod an dieser Stelle noch mal ins Seil fallen (ganz am Schluss des Videos zu sehen). In Schottland gelten übrigens eigene Schwierigkeitsgrade, welche nicht mit unseren vergleichbar sind. Die Skala besteht aus einer römischen Ziffer, welche für die Ernsthaftigkeit steht, und aus einer arabischen Ziffer für den schwierigsten technischen Abschnitt. «The Hurting» ist mit «XI 11» eingestuft. In Schottland gibt es bislang eine einzige Route, die schwieriger bewertet wurde.

Lesen Sie auch: Neuer Speedrekord in der Eiger-Nordwand

Ihre Meinung interessiert uns!

Fitikette, was ist das?

Natascha Knecht am Montag den 6. Februar 2012
So nicht: Netz-T-Shirt und Handy im Fitness-Studio.

So gehen Sie im Fitnessstudio garantiert allen auf den Wecker: Möglichst ohne Handtuch alles vollschwitzen und telefonierend die Geräte blockieren.

Wozu kaufen wir Outdoorsportler ein Jahresabonnement fürs Fitnessstudio? Genau, damit wir ab und zu hingehen! Doch das kostet meistens Überwindung. Vor allem, weil sich dort Leute tummeln, die keine Ahnung von Anstand haben, oder denen die Fitness-Etikette (Fitikette) sprichwörtlich am schwitzenden Arsch vorbeigeht.

Also, falls Sie im Fitness-Keller allen auf den Wecker gehen wollen, dann brauchen Sie nur Folgendes zu tun:

  1. Gehen Sie in die Geruchsoffensive. Duschen Sie vorher nicht, benutzen Sie kein Deo, tragen Sie ein ungewaschenes, mehrfach gebrauchtes Funktionsshirt.
  2. Putzen Sie die Zähne nicht. Besonders wenn Sie auf dem Laufband oder Cross-Stepper ins Schnaufen kommen, kann die/der Nachbar/in Ihren Mundgeruch wunderbar riechen.
  3. Keine Angst vor dem vorzeitigen Schweisserguss. Verausgaben Sie sich zuerst auf dem Ausdauergerät, bis Sie schön durchgeschwitzt sind. Dann gehen Sie, ohne die Kleidung zu wechseln, in die Geräte-Abteilung und stemmen, pressen, drücken dort Ihr Krafttraining ab.
  4. Vergessen Sie das Handtuch. Für die anderen gibt es nichts Appetitlicheres, als an den Geräten die Schweisspfütze, die Sie hinterlassen, wegzumachen.
  5. Seien Sie ein Indianer. Im Fitnesstudio treffen sich Gleichgesinnte, also der ideale Ort für einen Aufriss. Lassen Sie nichts anbrennen. Gehen Sie ran, schöpfen Sie mit Ihren Anmachsprüchen aus den Vollen.
  6. Spielen Sie den Fitnesstrainer. Ob Sie es besser können oder nicht, korrigieren Sie die anderen beim Training. Machen Sie laute Kommentare, oder gehen Sie hin, suchen Sie Körperkontakt, indem Sie zeigen, wie die Haltung Ihrer Meinung nach richtig ist.
  7. Stöhnen Sie. Je lauter und länger, desto besser.
  8. Blockieren Sie die Geräte. Indem Sie Ihr Handtuch darüber legen, aber nicht darauf trainieren, sondern mit jemandem einen langen Schwatz halten, oder an einem anderen Gerät ohne Handtuch trainieren. Wenn bei den Ausdauergeräten Andrang herrscht, ein verlängerndes Zusatztraining einlegen. Zum Beispiel auf dem Laufband noch eine halbe Stunde langsam gehen, damit die anderen noch länger warten müssen.
  9. Telefonieren Sie. Zeigen Sie allen, wie wichtig und gefragt Sie sind, dass Sie keine Stunde aufs Mobile verzichten können.
  10. Wählen Sie aufregende Small-Talk-Themen. Sprechen Sie nicht über das Wetter oder den Sport, sondern über Politik, Religion, Einkommen oder Karriere.

Trainieren Sie auch im Fitnessstudio?

Erleuchtung im Prättigau

Thomas Widmer am Freitag den 3. Februar 2012

Früh oder nicht früh, das ist hier die Frage. Ich entscheide mich für früh, gehe um 5 Uhr 55 aus dem Haus und bin kurz vor neun schon in St. Antönien. Kurzweilig die Busfahrt von Küblis hinauf ins Dorf, das mit dem Slogan «Hinter dem Mond, links» für sich wirbt: Eine Schar Erstklässler oder so ist mit der Lehrerin unterwegs zum Skilift. Bei der einen Haltstelle stösst ein Bub dazu. «Morgä, Jamie», krähen die Kinder im Chor.

In «St. Antönien Platz» steige ich aus, belämmert von den Kindern und vom Tiefblick ins Schanielatobel. «Platz» klingt als Ortsbezeichnung immer ein wenig verwirrlich. Es ist typisch für die Walser, jene alpinen Siedlungspioniere des Mittelalters, die auch St. Antönien begründeten. Sie pflegten den Kern ihrer Orte «Platz» zu nennen: Davos-Platz, Safien-Platz usw.

Bäuchlings wie ein Curlingstein

Im Tourismusbüro erkundige ich mich, wo der Winterwanderweg nach Pany anfängt. Der Mann hinter dem Schalter erklärt es mir. Und ich stelle wieder einmal fest, wie freundlich die Leute dieses Prättigauer Seitentals sind. Das kleine und feine St. Antönien, um die kleine und feine Kirche von 1493 gruppiert, hat sich einen Rest prä-touristischer Unschuld bewahrt.

Aufwärts am Volgladen vorbei aus dem Dorf und nach der Schule das Strässchen links den Hang hinauf Richtung Aschüel, das ist der Trick. Derweil ich Höhe gewinne, fährt ab und zu ein Subaru vorbei. Bei einem Bauernhof ist die Strasse plötzlich glatt wie eine Eisbahn. Ich beginne rückwärts zu rutschen, gehe gemächlich in die Knie, beuge mich nach vorn, dann falle ich auf die Hände und rutsche bäuchlings vier, fünf Meter talwärts wie ein Curlingstein. Gut, hat es niemand gesehen.

In einem Tunnel unterquert die Strasse die Skipiste, dann kommt ein Abzweiger mit Sommerwegweisern, ich gehe links, Richtung Pany. Die folgende lange Passage bis zum Chrüzhof ist das Filetstück meiner Route: Unter dem Kreuz, auch «Rigi des Prättigaus» geheissen, steige ich zuerst durch stillen Wald aufwärts. Dann kommt im freien Gelände ums Capöllerbüel die Weitsicht. Ich habe im Rücken die Felsmauer der Drusenfluh, vor mir aber zur Linken die Berge um Klosters und Davos und geradeaus die Hochwangkette. Die Schönheit des Szenarios raubt mir den Atem.

Die Meerestiere von Pany

Die Sonne wärmt mich jetzt, nachdem ich zuvor fror, weil ich in der Morgenkälte gestartet war. Die Bodenhütte finde ich weiter unten leider geschlossen vor. Die fehlende Viertelstunde bis elf Uhr warten mag ich nicht, obwohl der Hüttenweiler seine Poesie hat mit den dick wattierten Dächern und dem sonnengeschwärzten Holz. Ich nehme mir vor, in Pany zu essen.

Nach dem Chrüzhof, einem Bauernhof mit Wirtschaft, wird zur Skilift-Talstation hinab alles gewöhnlich, die letzte Viertelstunde gehe ich auf der Strasse. In Pany nehme ich bei «Don Antonio» die empfohlenen Spaghetti allo scoglio mit Muscheln, Tintenfischchen, Crevetten. Sie munden. Hernach, als ich vollen Bauches wieder auf die Strasse trete, kost mich die Sonne, dass ich nicht schon heimreisen mag. Ich wandere, schlittere, rutsche auf dem Sommerwanderweg über gefrorene Fusssstapfen noch ein Dorf tiefer.

In Luzein formuliere ich, berauscht vom gleissenden Licht, die Bilanz der Wanderung in einem Satz, der da lautet: Im Prättigau ward mir die Erleuchtung zuteil.

Route: St. Antönien-Platz – Abzweiger Aschüel – Aschüel – Capöllerbüel – Bodenhütte – Chrüzhof – Skilift Pany, Talstation – Pany – Sommerwanderweg – Luzein, Alte Post (Bus).

Gehzeit: 2 ½ bis 3 Stunden bis Pany. Zusätzlich 30 Minuten für das Stück Pany – Luzein.

Höhendifferenz: 350 Meter auf-, 800 abwärts für die ganze Strecke St. Antönien – Luzein.

Charakter: Nach St. Antönien und vor Pany Strässchen, zum Teil vereist oder schneebedeckt, zum Teil aper. Im Mittelteil gewalzte breite Piste durch den Schnee. Mittlere Anstrengung. Gewaltige Aussicht.

Höhepunkte: St. Antönien, seine kleine, feine Kirche, der Kirchfriedhof. Und der perfekte Winterwanderweg ums Capöllerbüel mit den Bergen rundum.

Tipp: Der Weg ist vielbegangen. Am besten unter der Woche oder früh!

Auskunft/Prospekt: www.st-antoenien.ch, dann «Tourismus». Es gibt in der Gegend weitere schöne Pfade.

Einkehr: St. Antönien, Bodenhütte, Chrüzhof (www.chruezhof-pany.ch), Pany, Luzein.

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Weshalb Zürcher Biker Millionen aufs Spiel setzen

Simon Eppenberger am Donnerstag den 2. Februar 2012

Die Bikeszene in Zürich hat ein Problem. Die Stadt will den grössten Bikepark bauen, den eine Schweizer Gemeinde je geplant hat. Die Ausgangslage scheint gut, schliesslich beabsichtigt Zürich, hinter der Überbauung Sihlcity zwei Millionen Franken für Biker zu investieren. Pumptracks, Dirtjumps und eine BMX-Bahn sollen dort entstehen – eine Anlage, die von den Bikern herbeigesehnt wird wie das Hardturm-Stadion von Fussballfans. Doch das Projekt droht zu kippen.

Dabei sind es nicht Politiker, die mit dem Rotstift Budgets für Sportanlagen zusammenstreichen. Es sind auch nicht Anwohner, die dagegen rekurrieren, wie beim Freestyle-Park, der erst nach jahrelangen Verfahren auf der Allmend endlich entsteht. Die Gründe liegen in der Geschichte dieses Sports und dem Alleingang eines Bikers.

Das Projekt Sihlcity hat bereits zwölf Jahre auf dem Buckel. Eine Zeit, in der Pläne geschmiedet und gekippt, Hoffnungen geweckt und wieder zerstört wurden. Eine Zeit, in der sich das Biken vom simplen Off-Road-Fahren zu einem Sport mit einem halben Dutzend Disziplinen entwickelt hat. Eine Zeit auch, in der innerhalb der Zürcher Szene nicht nur Brücken geschlagen, sondern auch tiefe Gräben ausgehoben wurden und Freunde zu Feinden mutierten.

Eine umfassende Analyse der Ursachen würde wohl für eine soziokulturelle Masterarbeit der pädagogischen Fachhochschule reichen. Doch für einige Antworten lohnt sich der Blick zurück auf die Entstehung des Mountainbike-Sports.

Hauptsache Freiheit

Als eine Handvoll Kalifornier Ende der 60er-Jahre ihre schweren Räder mit den dicken Reifen bergauf schoben, waren sie beseelt von einem Gefühl der Freiheit. Sie hatten die geteerten Strassen verlassen und ratterten Off-Road ins Tal. Der Pioniergeist steckte immer mehr junge Menschen an, Bikes wurden modifiziert, Bergwege und Waldpfade erobert und schliesslich war das Mountainbike geboren. In den 80er-Jahren erreichte das neue Rad die Schweiz und Zürich.

Die neue Freiheit, die das Bike versprach, faszinierte in der Limmatstadt immer mehr Leute. Die anfangs kleinen Gruppen von Bikern, die den Uetliberg hinabfuhren, wurden immer grösser. Sie begannen, sich eigene Weg durch das Unterholz zu bahnen. Dieser Freiheitsdrang führte zu Konflikten. Fussgänger erschreckten, wenn «wilde Biker» auf den Forstwegen an ihnen «vorbeirasten», Förster und Wildhüter waren plötzlich mit zahlreichen illegalen Trails konfrontiert. Mit jedem Jahr wuchs die Bike-Gemeinde, die Fronten verhärteten sich.

Einsatz für die Legalität

Während die meisten Biker am Feierabend vor allem ihre Freiheit auf zwei Rädern ausleben wollten, erkannten einige von ihnen, dass der Moment längst gekommen war, sich für offizielle, legale Trails einzusetzen. So entstand um die Jahrtausendwende das Projekt eines Bikeparks auf der Allmend. Mit Herzblut gestartet, schien es zu fruchten. Die Stadt signalisierte Interesse, zusammen mit dem Verein Freestylepark traten die Biker als grosse Sportlergruppe auf. Und mit Think & Build Velosolutions stand bald eine junge Firma für Streckenbau bereit, um den Bikepark professionell zu realisieren.

Was danach ablief, wird von jedem Beteiligten unterschiedlich beschrieben. Klar ist: Es führte zu viel Frust auf allen Seiten. Das blockierte Freestyle-Projekt behinderte auch den Bikepark, Velosolutions trat in die zweite Reihe, die Stadt wusste nicht, wie eine solche Anlage zu bauen und unterhalten ist. Und als der Freestyle-Verein sich nur noch auf den Skatepark konzentrierte, hatten die Biker keine klare Struktur mehr, die sie vertrat. Andere «Baustellen» wie die Trails am Uetli- und Zürichberg absorbierten die verbliebene Energie, das Projekt Sihlcity verschwand unter die Oberfläche.

Öffentliches Interesse

An dieser Stelle hätten sich die Biker vereinen können, um als geschlossene Gruppe mit der Stadt weiterzuarbeiten. Doch einen Verein zu gründen, behagte den freiheitsliebenden Individualsportlern wenig. Und verglichen mit anderen Massensportarten war das Biken noch immer jung. Damals in Kalifornien, als das Bike erfunden wurde, brauchte es so etwas auch nicht. Die bis anhin vorhandenen Trails und Dirtjumps waren auch ohne Verein fahrbar. Als die Rufe nach einer Vereinsstruktur trotzdem lauter wurden, sprach sich ein wichtiger Kopf der Bike-Szene dagegen aus.

Pete Stutz, Inhaber des ältesten Bikeladens der Stadt, Swiss-Cycling-Vertreter und Ur-Biker in Personalunion, führte ins Feld, dass ein allgemeines Bedürfnis von der öffentlichen Hand befriedigt werden sollte. So wie Fussballclubs auf öffentlichen Plätzen spielen können, sollten Biker auch auf Trails fahren können, welche von der Stadt betrieben werden. Sein Argument leuchtete mit Blick auf andere Städte ein. So hatte beispielsweise der Berner Bike-Verein Trailnet einen derart guten Trail mit Bahnanschluss gebaut, dass er lange Mühe hatte, die Strecke stetig zu unterhalten. Die Zahl der Abfahrten hatte so stark zugenommen, dass die Pflege des Trails zu einem Teilzeitjob wurde, der dem Verein enorm viel abverlangte. Das sollte in Zürich nicht passieren.

Betonharter Kampf

Also nickten viele Biker und schaufelten in losen Gruppen weiter an ihren (halb)legalen Lieblingstrails. Stutz baute seine Stellung als Vertreter der Biker aus und nutzte seinen Einfluss bei der Stadt, um sich für einen Pumptrack auf dem Zürichberg einzusetzen. Die Begeisterung war gross, als das Pionierprojekt schnell vorangebracht wurde, viele legten selber Hand an. Doch dann kam etwas ins Spiel, das in der Zürcher Bikeszene bisher eine Nebenrolle spielte: Geld.

Denn für den Pumptrack brauchte es Profis, die wussten, wie eine solche Anlage gestaltet werden musste. Das Bedürfnis erkannte Stutz als Erster und gründete die Pumptracks GmbH. Sie realisierte dann im Auftrag der Stadt die Anlage auf dem Zürichberg. Viele Biker freuten sich, dass der Sport durch solche Firmen professioneller wurde. Doch Geld bedeutet auch Macht.

Mit den Aufträgen in der Tasche verdiente die Biketrail-Firma nicht nur, sondern bestimmte auch, wie die Anlagen gebaut wurden. Diese Praxis ist üblich und macht Sinn. Aber nur, wenn sich der Grossteil der Kunden vom Lieferanten ernst genommen fühlt. Bereits auf dem Zürichberg begann Pumptracks jedoch, seltsame Fehler zu machen.

Nach der ersten Begeisterung merkten die Biker schnell, dass die Anlage stark verbesserungswürdig ist. Doch entsprechende Anregungen wurden seitens Pumptracks ignoriert, Fragen blieben unbeantwortet. Die Kommunikation, das zentrale Element in einer solchen Phase, wurde abgewürt.

Der anfängliche Rückhalt in der Szene schwand. Als dann klar wurde, dass Pumptracks den Zürichberg lediglich nutzte, um sich mit dem Sihlcity-Park das wichtigste Projekt der Schweiz zu angeln, rieben sich viele Biker die Augen. Schliesslich war das Vorprojekt noch nicht einmal ausgereift, geschweige denn eine Referenz für einen derart grossen Park. Am stärksten in der Kritik steht dabei die Absicht, die künftigen Dirtjumps beim Sihlcity aus zementgebundenem Material zu bauen.

300 Mitglieder in einem Jahr

Für Stutz macht das jedoch Sinn. Er verspricht damit der Stadt, wartungsarme Jumps realisieren zu können, die Regen und Schnee widerstehen. Die Biker fürchten jedoch um ihre Sicherheit, wenn sie auf den pickelharten Sprüngen stürzen. Zudem ist Dirtjumps eigen, dass sie kaum normiert werden können. Bis heute werden rund um die Welt die Sprünge aus Lehm gebaut und erst durch die Benutzung und stetige Verbesserung so geformt, dass ein Dirtpark den gewünschten Flow entwickelt.

Weil sich die Stadt aber gewohnt ist, bei Bauprojekten mit der Privatwirtschaft zusammenzuspannen, arbeitet sie weiter mit Pumptracks und trieb das Projekt Sihlcity voran. Spätestens als auch der Trail am Uetliberg und die Situation am Dolder vor wichtigen Entscheidungen standen, hatten die Biker ein Problem. Sie fühlten sich von Stutz nicht nur schlecht vertreten, sondern hinters Licht geführt. Nachdem er sich lange gegen die Gründung eines Vereins aussprach, hielt er nun alle Fäden in der Hand. Er hatte nicht nur die Beziehungen zur Stadtverwaltung über Jahre gefestigt, sondern war mit Pumptracks zum Berater und sogar Planer des Millionen-Projektes geworden.

Um mitreden zu können, organisierten sich die Biker vor einem Jahr schliesslich in einem Verein. Der Zuspruch in der Szene war enorm, mittlerweile gehören rund 350 Biker dem Verein Züritrails an (darunter auch Stutz sowie der Verfasser dieses Textes). Die Stadt hat Züritrails in kurzer Zeit als legitimen Vertreter der Szene akzeptiert und an den Verhandlungstisch geholt.

Dort hat Züritrails die Bedenken zum Sihlcity-Park dargelegt. Das Verfahren wurde trotzdem weitergezogen – und am betonähnlichen Material festgehalten. Das führte dazu, dass sich andere Streckenbauer gar nicht erst um den Auftrag bewarben, bzw. die Vorgaben nicht erfüllten und deshalb ausgeschlossen wurden. Sie wollen keine betonharten Sprünge verantworten. In der Folge sprach sich der Verein so vehement gegen die Pläne aus, dass die Stadt handeln muss. Die Entscheidungsträger in der Verwaltung werden sich deshalb in der kommenden Woche treffen. Sie werden dann wohl entscheiden, ob und wie es mit dem Projekt weitergeht.

Es ist zu hoffen, dass die Stadt sich selber, dem Bikesport und seinen Exponenten die Chance bietet, sich weiter zu entwickeln und aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Dafür muss man miteinander reden und einander ernst nehmen. Das Sihlcity-Projekt ist zu wichtig, als dass es abgesägt, zusammengestrichen oder fragwürdig gebaut werden darf. Der Bikepark wird nicht nur in Zürich eine wichtige Infrastrukur sein, sondern könnte ein Vorbild für Bike-Projekte der öffentlichen Hand werden.

In dieser Geschichte geht es nicht in erster Linie um Querelen innerhalb der Szene, die allzu schnell als Grabenkämpfe zwischen einer Biketrail-Firma und firmenlosen Trailbikern wahrgenommen werden. Die allermeisten Biker und Züritrails sind froh, wenn ein Park von Profis gebaut wird. Sie wollen aber als spätere Nutzer aktiv an der Planung beteiligt werden und zu einer optimalen Anlage beitragen. Bis dahin möchten sie zumindest erklärt bekommen, weshalb der Bikepark Sihlcity – so wie geplant – ein guter und sicherer Park sein soll. Schliesslich braucht ein noch junger Sport die bestmögliche Anlage, um zu wachsen. Und nicht zuletzt schaut auch das Bundesamt für Sport gespannt auf das Pionierprojekt, das eine Referenz für künftige Bikeparks werden soll.

Ob der leidigen Geschichte geht manchmal vergessen, was den Bikern (selbst in Zürich) am wichtigsten ist: Sie wollen gute Trails fahren.

Zwei Jungkletterer spalten die Alpinistengemeide

Natascha Knecht am Mittwoch den 1. Februar 2012

Die «Kompressorroute» am Cerro Torre entfernt und die alpinistische Freiheit neu definiert: Hayden Kennedy (l.) und Jason Kruk in Patagonien. (Bild: Jason Kruk/Teton.outerlocal.com)

Gewisse Themen sind so heikel, dass sie unter Alpinisten Endlosdebatten auslösen können – und sogar Gewaltbereitschaft. Zum Beispiel das Thema Bohrhaken. Ist es ethisch vertretbar, eine Felswand zu verbohren und damit dem Berg einen irreparablen Schaden zuzufügen? Falls ja, wie viele Haken sind in Ordnung? Oder anders herum: Darf man aus einer Kletterroute, die ein anderer erschlossen hat, Haken entfernen? Die Meinungen darüber gehen weit auseinander. Aktuell sorgt ein Vorfall am Cerro Torre in Patagonien für dunkelrote Köpfe: Der 3128 Meter hohe Granitturm an der argentinisch-chilenischen Grenze gilt wegen der steil aufragenden, glatten Felswände und der extrem widrigen Wetterbedingen als einer der schwierigsten Kletterberge der Welt – und als einer der geschichtsträchtigsten.

Cerro Torre (Bildmitte) rechts anschliessend Torre Egger, Punta Herron und Cerro Standhard. (Bild: Wikipedia)

Nun begingen dort der Amerikaner Hayden Kennedy und der Kanadier Jason Kruk am 17. Januar 2012 eine Variante der historischen «Kompressorroute», nach eigenen Angaben «by fair means» (das bedeutet, ohne die Bohrhaken der «Kompressorroute» zu nutzen, was ihnen – wie sich später herausstellte – allerdings nicht ganz gelang). Beim Abstieg entfernten sie in der Headwall und in einer Seillänge darunter sämtliche Bohrhaken der «Kompressorroute». Insgesamt 125 Stück. Nachdem ihre Aktion bekannt wurde, entwickelte sich eine wilde Kontroverse. Eine Gruppe von 40 Personen versuchte gar, Kruk nach der Rückkehr zu lynchen, die argentinische Polizei griff ein, verhörte die beiden Jungkletterer und beschlagnahmte die Bohrhaken.

Massaker am Berg

Weshalb so hitzig? Die Vorgeschichte der «Kompressorroute» ist legendär: Lange galt der Cerro Torre als «unmöglich», alle Versuche, den Gipfel zu erklimmen, scheiterten. 1959 nahmen der Italiener Cesare Maestri und der Österreicher Toni Egger einen Anlauf durch die Nordwand. Egger geriet (angeblich beim Abstieg) in eine Eislawine und starb. Maestri behauptete, sie hätten den Gipfel erreicht, doch das Beweisfoto konnte er nicht vorweisen, weil seine Kamera im Rucksack von Egger gewesen sei. Weder Toni Egger noch sein Rucksack wurden bis heute gefunden. Maestris Schilderungen gerieten immer mehr unter Zweifel, kaum einer nimmt ihm die Erstbesteigung von 1959 ab.

Mit dieser Kritik wollte Maestri nicht leben. 1970, elf Jahre später, kehrte er zum Cerro Torre zurück – und bohrte sich wie ein Besessener mit Hilfe eines hundert Kilo schweren Kompressors die Nordostwand empor. Nachdem er den Berg mit bereits 300 Haken verschandelt hatte, drehte das patagonische Wetter, Maestri musste aufgeben. Aber noch im selben Jahr reiste er wieder an und «massakrierte» den Berg mit weiteren 100 Bohrhaken – daher der Name «Kompressorroute». Maestri stieg aber nicht ganz auf den Gipfel, sondern nur bis zum Ende der Headwall. Den instabilen, 35 Meter hohen Gipfelschneepilz mochte er nicht erklimmen, weil er diesen nicht als Gipfel anerkannte und glaubte, er werde ohnehin eines Tages weggeblasen.

Kompressor

1970: Cesare Maestri mit seinem Kompressor und seinem Team.

Maestri erachtete den Berg als bestiegen und seine Ehre als wieder hergestellt. Vor dem Abstieg habe er noch überlegt, ob er die Bohrhaken wieder herausbrechen und die Wand so hinterlassen solle, wie er sie vorgefunden habe – damit keiner, der die Route zu wiederholen versucht, von den Löchern profitieren kann, die er gebohrt hatte. Aber letztlich war es Maestri wichtiger, dass alle Zweifler sehen konnten, dass er den Cerro Torre bestiegen hat. Als erster Mensch. Seine Bohrhaken-Leiter (siehe Bild unten) war für ihn der unanfechtbare Beweis für die Nachwelt. Beim Abseilen entfernte er dann 20 Haken, zerstörte den Kompressor, der übrigens noch heute in der Headwall hängt, und warf alles über die Wand, was für andere irgendwie hätte hilfreich sein können (Klemmkeile, Karabiner, Seile, etc.).

Die ehemalige Bohrhaken-Leiter am Cerro Torre. (Bild: Dörte Pietron)

Heute stecken 125 Haken (markiert) weniger: Die ehemalige Bohrhaken-Leiter am Cerro Torre. Zu sehen: Rolando Garibotti. (Bild: Dörte Pietron)

Maestris Bohrhaken-Wahnsinn löste eine Polemik aus. Viele betrachteten die «Kompressorroute» als Symbol eines «entweihten Bergs», als Klettersteig, des Alpinismus unwürdig. Jahrzehntelang wurde debattiert, ob Maestris Bohrhaken entfernt werden sollen. Die einen fanden: Ja, man müsse dem Berg seine Wildheit zurückgeben. Die anderen: Nein, die Route sei historisch, Teil der Klettergeschichte, und das müsse respektiert werden. Viele, die die Route wiederholen konnten, sagten, höchstens zehn Prozent der 380 Bohrhaken seien nötig.

Der Kompressor hängt noch in der Wand. (Bild: Dörte Pietron)

Maestri zerstörte seine Kletterhilfe und liess sie am Berg: Der Kompressor hängt noch in der Wand und dient inzwischen als Standplatz. (Bild: Dörte Pietron)

Eine Alpinisten-Versammlung beschloss: Die «Kompressorroute» bleibt

Wie delikat die Angelegenheit ist, zeigt auch der Eklat von 2007. Zwei Amerikaner hatten sich damals vorgenommen, die «Kompressorroute» so clean wie möglich zu klettern, also möglichst keine von Maestris Bohrhaken zu benutzen. Und falls sie dies schafften, wollten sie alle überflüssigen Bolts entfernen. Das brachte einen anderen Bergsteiger im Basislager so in Rage, dass er ihr Zelt demontierte und drohte, ihre Ausrüstung in eine Gletscherspalte zu werfen und die beiden anzugreifen. Später prügelte er sich deswegen mit einem anderen Amerikaner so heftig, dass er im Spital geröntgt werden musste. Daraufhin versammelten sich rund 40 argentinische und internationale Bergsteiger in El Chalten, um über die Zukunft der «Kompressorroute» einen Konsens zu finden. Am Schluss entschieden sie mit 30 zu 10 Stimmen, die Bohrhaken am Berg zu lassen. Protokollführer Vincente Labate fasste zusammen:

Die Meinungen wurden offen ausgetauscht, doch die Angelegenheit ist noch nicht zu Ende. Aber an folgenden Grundsätzen wollen wir festhalten:

- Nein zu weiteren Bohrhaken-Leitern an einem der Berge, ab sofort
- Ja zu gemeinsamen Lösungsfindungen
- Nein zu jeder Art von Herrschaftdenken und -handeln
- Ja zur Akzeptanz, dass Geschichte Teil unserer Kultur ist

Alpinismus basiert auf dem Prinzip der Freiheit

Trotz dieses demokratisch getroffenen Beschlusses von 2007 nahmen sich nun die Jungkletterer Kennedy (21) und Kruk (24) die Freiheit, die historische Kompressorroute «zu entsorgen». Für die einen sind sie «Helden», für die anderen «Vandalen», «arrogante amerikanische Cowboys» oder «Personae non gratae». In den Kletterforen gibt es Tausende von Kommentaren (insbesondere im amerikanischen SuperTopo und im italienischen FuoriVia). Die Argumentationen provozieren und führen ins Uferlose.

Die Diskussion sollte sich aber nicht nur darum drehen, ob Kennedys und Kruks Aktion gut oder schlecht war, sondern auch um den Grundsatz. Der Alpinismus basiert auf dem Prinzip der Freiheit. Mit ihrer Selbstjustiz, eine 40-jährige Route an einem Symbolberg zu entfernen, haben Kennedy und Kruk die bergsteigerische «Freiheit» neu definiert. Sollte ihr Prinzip zur Norm werden, kann sich künftig jeder das Recht nehmen, Routen nach eigenem Gutdünken auszubrechen oder zu verändern. Bis anhin galt das ungeschriebene Gesetz: Jeder darf eine Begehung von anderen anzweifeln, dagegen sein, oder sie in Frage stellen. Aber eine Route darf man nur verändern, wenn der Erschliesser sein Einverständnis gibt. Wo führt das jetzt also hin?

Kompressorroute

Die entfernten Bohrhaken aus der «Kompressorroute» auf dem Tisch der Polizei in La Chalten. (Bild: Lacachania.com.ar)

Eine neue Ära hat begonnen

Zehn Tage nach ihrem Tun erklären Kennedy und Kruk ihre Motivation in einem ausführlichen Communiqué:

«Wer hat dem Cerro Torre Gewalt zugefügt? Maestri, der die Hacken reinbohrte, oder wir, die sie entfernten? (…) Wir sind Teil der nächsten Generation, eine junge Gruppe von ehrgeizigen Alpinisten. (…) Eine Menge Leute kletterten die ‹Kompressorroute› und hatten Spass. Aber jetzt beginnt eine neue Ära.»

Dass die Bolts der «Kompressorroute» unnötig waren, habe David Lama soeben bewiesen, schreiben sie. Vier Tage nach ihrer Aktion gelang dem 21-jährigen Österreicher mit Peter Ortner als erstem Alpinist die freie Begehung der Südostwand des Cerro Torre, also ohne sich mit technischen Hilfsmittel fortzubewegen oder diese zu belasten.

David Lama

David Lama kletterte den Cerro Torre als erster Alpinist ohne technische Hilfsmittel. (Foto: Red Bull Content Pool)

Für diese ausserordentliche Leistung, welche durch die ausgebrochenen Kompressor-Haken noch mehr Anerkennung verdient, brauchte David Lama drei Anläufe. Und auch der junge Ausnahme-Kletterer hatte bei seinem ersten Versuch am Cerro Torre vor zwei Jahren eine böse Bohrhaken-Diksussion verursacht. Sein Kopf-Sponsor hatte ihm ein Filmteam mitgeschickt. Damit die Crew am Fels filmen konnte, bohrte sie zahlreiche neue Haken entlang der «Kompressorroute». Weil das Wetter umschlug, brachen die Filmer das Projekt ab, liessen Haken, Fixseile und Materialsäcke am Berg. Ein No-go, das David Lama bis heute schwer nachgetragen wird. Zur Aktion von Kennedy und Kruk hat er sich bislang noch nicht offiziell geäussert.

Die Kompressorroute am Cerro Torre gibt es nicht mehr. Finden Sie es richtig, wie Kennedy und Kruk gehandelt haben?

Auf Biegen und Brechen

Pia Wertheimer am Montag den 30. Januar 2012

Auch ehrgeizige Frauen nehmen den Laufsport lockerer als Männer: Am Ziel des 24. Swiss Alpine Marathons, Juli 2009. (Keystone/Ennio Leanza)

Der deutsche Schauspieler Siegfried Lowitz traf mit seiner pragmatischen Aussage den Nagel auf den Kopf: «Ein guter Vorsatz ist ein Startschuss, dem meist kein Rennen folgt», sagte der Mann, der Jahre lang den Kriminalkommissar Köster in der Serie «Der Alte» verkörperte. Ein Startschuss fiel noch vor Jahresende online. Und zwar auf einer der unzähligen Sportplattformen. Es ging dabei darum, am meisten Kilometer auf seinem Konto zu vereinen.

Unter meinen Kontrahenten, die ich allesamt persönlich kenne, befanden sich richtige Cracks. Iron-Männer. Erst schenkte ich dieser virtuellen Herausforderung keine grosse Aufmerksamkeit. In den letzten Vorbereitungen für den Marathon von New York, war ich zu dieser Zeit ohnehin lange und oft in meinen Laufschuhen unterwegs. Bis ich eines frühen Abends mit Erstaunen feststellte, dass ich dieses virtuelle Rennen führte – um nur knapp einen Kilometer, aber immerhin. Hinter mir lag einer dieser Cracks, einer der mich sonst meilenweit zurücklässt, einer der schneller ist und häufiger läuft.

Einige Kilometer – und ein wenig mehr

Abend für Abend lud ich die Trainingskilometer hoch und klickte mich in den Wettkampf. Abend für Abend führte ich – nur um einen knappen Kilometer vor dem Crack. Wie jedes Rennen hatte auch dieser virtuelle Wettstreit eine Ziellinie. Die Deadline war auf einen Abend angesetzt. Ich trainierte wie geplant einige Stunden vorher, lud die Kilometer hoch – ich lag noch immer in Führung – diesmal um einige Kilometer. Der Crack war an diesem Tag nicht gelaufen. Siegessicher schaltete ich meine Computer ab und gönnte mir einen erholenden Abend.

Am nächsten Tag dann die Ernüchterung. Der Crack hatte die Challenge gewonnen – um nur einen knappen Kilometer und zwar ganz kurz vor der Deadline. Später erfuhr ich, dass er an diesem allesentscheidenden Abend gewartet hatte, bis ich laufen war und meine Kilometer hochgeladen hatte. An seinem eigentlich trainingsfreien Tag, schnürte er seine Schuhe – für einige Kilometer und einen knappen dazu. Er konnte nicht zulassen, dass ich gewann – er musste mehr Kilometer auf seinem «Tacho» haben.

Männer greifen zur Brechstange, Frauen zum Ratgeber

Tendenziell wollen Männer eine möglichst hohe Kilometerzahl in ihrem Trainingsprotokoll verbuchen, das weiss auch Valentin Belz. Der Läufer ist verantwortlich für den dynamischen Online-Trainingsplan Runningcoach.ch. Sein Zeichen tragen etliche Trainingspläne von Läufern und Läuferinnen mit den mannigfaltigsten Zielen und Trainingswünschen. Aushängeschilder der Plattform Runningcoach.ch sind die renommierten Schweizer Läufer Viktor Röthlin, Valentins Bruder Christian Belz und Markus Ryffel. Valentin Belz hat beobachtet, dass Männer ab und an eine Zusatzschlaufe oder eine Extra-Wiederholung einlegen, um die zusätzlichen Kilometer auf ihr «Tacho» zu kriegen. Frauen hielten sich wiederum strikter an die Vorgaben des Trainingsplans.

Nur nicht nachlassen: Teilnehmer des Swiss Alpine Marathons.

Nur nicht nachlassen: Teilnehmer des Swiss Alpine Marathons.

«Sowohl Frauen wie Männer verspüren den Drang, möglichst schnell zu laufen. Egal, wie gut sie sind», sagt Belz. Den Weg zur persönlichen Bestzeiten ebnen sich die Läufer allerdings anders als die Läuferinnen: «Die Männer greifen trainingstechnisch eher zur Brechstange, die Frauen eher zum Ratgeber.» Männer wollen ihr Ziel erreichen – auf Biegen und Brechen. Frauen hingegen wollen den Weg dorthin verstehen. Sie geben sich in der Regel nicht mit dem blossen Trainingsplan zufrieden. «Sie wollen es genauer wissen.» Beispielsweise warum ein Intervalltraining auf dem Programm stehe und nicht ein lockerer Dauerlauf. Die Rubrik «Ziel und Zweck» in der Trainingsbeschreibung werde deshalb von den Sportlerinnen fleissiger genutzt.

Er prüft – sie vertraut

Belz stellt zudem fest, dass die Frauen auch andere Ansprüche haben, als weiter und schneller. «Sie möchten oft auch schöner laufen und sind deshalb offener für Techniktrainings, Stretching oder Pilates.» Frauen hielten sich strikter an die Vorgaben seiner Trainingspläne als Männer. Im Protokollieren sei das schwache Geschlecht aber stärker als die männlichen Läufer. «Bei den Frauen sind 12 Prozent mehr Trainings protokolliert», weiss Belz.

Die dynamischen Trainingspläne aus der Schmiede von Belz und seinen Mitarbeitern werfen bei den männlichen Nutzern kritischere Fragen auf, als bei den Läuferinnen. Das starke Geschlecht habe sich oft bereits Konkurrenzprodukte angeschaut, spiele mit den Möglichkeiten des Systems und bringe Verbesserungsvorschläge. «Männer wollen eher wissen, wie das System funktioniert, was dahinter steckt und nach welcher Logik die Pläne generiert werden. Hier vertraut die Frau.»

Und Mann kann darauf vertrauen, dass ich demnächst wieder eine Challenge ins Leben rufen werde: Gewinner ist, wer am meisten Pilates-Stunden auf sich vereinen kann.

Den Neoliberalismus kann man erwandern!

Thomas Widmer am Freitag den 27. Januar 2012


Letzten Februar war eines Samstags das Wetter so schön, dass ich meine Halbgrippe mit zwei Panadol unterdrückte und losfuhr. Mit dem Mont Pèlerin über Vevey hatte ich mir ein leichtes Ziel erwählt. Bei der Einfahrt in Bern musste ich lachen. Der Zugbegleiter gab per Lautsprecher die Anschlüsse launig so durch: «Wenn Sie sich nach Interlaken begeben möchten, empfehle ich Gleis fünf.»

In Palézieux wechselte ich auf das Zuckelbähnchen nach Montbovon, stieg nach zwei Minuten Fahrt wieder aus bei der Station Granges. Sie liegt abseits des zugehörigen Dorfes, das ich westlich auf dem Ausläufer des Mont Chesau sah. Einen Wanderweg zum Dorf gab es nicht; kein Problem, ich ging kurz auf dem Strässchen retour, bog links ab, gelangte auf Feldwegen hinüber. Auf der Route de Palézieux zog ich durch den Ort leicht aufwärts bis zur Auberge de la Croix-Blanche. Hier fand ich meinen Wanderweg zum Chesau und Pèlerin.

Ein unspektakulärer Berg

Der Weg führte über Weiden, dann durch den Wald. Schnee hatte es praktisch keinen, doch traf ich auf Schneeschuh-Trail-Schilder in pink. Nun bereits nicht mehr im Kanton Freiburg, sondern im Waadtland marschierend, kam ich auf einer Anhöhe zu einer Verzweigung und erreichte daraufhin den höchsten Punkt des Chesau. Toll die Sicht auf die Berge zu meiner Linken: Dent de Jaman und Dent de Lys, der Teysachaux und der Freiburger Nationalklotz Moléson.

Hernach ein kleiner Sattel mit einer – geschlossenen – Buvette, und wieder ging es aufwärts. Der Pèlerin, 1080 Meter über Meer, ist ein Berg ohne spektakulären Gipfel, Wald bedeckt seinen Rücken. So wusste ich die längste Zeit nicht, wo genau der 122 Meter hohe Fernsehturm war, den ich schon von Palézieux aus registriert hatte. Als ich bei ihm anlangte, war ich enttäuscht: Auf 65 Metern gibt es eine öffentliche Aussichtsplattform, doch sie ist winters nicht zugänglich. Allein stand ich im Wald vor einer Anlage, die scheinbar ohne Menschen auskommt, die durch einen Gitterzaun geschützt ist, die mysteriös summt. Das erinnerte mich an Romanszenen von Jules Verne und H.G. Wells.

Die Vordenker der freien Marktwirtschaft

Nun trat ich die letzte Etappe der Wanderung an: hinab zur Standseilbahn, die von Vevey aus die Bergflanke erschliesst. Das kurze Wegstück vor dem Luxushotel «Mirador Kempinski», das mit seinem Seeblick protzt, erwies sich als schwierig: Metallstufen, glücklicherweise nicht vereist, führen durch den steilen Hang. Im Restaurant «Le Chalet» bei der Standseilbahn nahm ich einen Kaffee; Hunger hatte ich keinen, obwohl fantastisch aussah, was in dem rustikalen Lokal aufgetragen wurde. Ich tat zum Kaffee, was ich oft tue: Ich las per iPhone im Internet nach, wo ich durchgekommen war. Insbesondere interessierte mich die Mont Pèlerin Society.

1947 versammelten sich über dem Genfersee auf Einladung des Wirtschafts-Theoretikers Friedrich August von Hayek Ökonomen, Philosophen, Schriftsteller: Leute wie Karl Popper, Wilhelm Röpke, Milton Friedman, Ludwig von Mises. Ihr Anliegen war es, dass nach dem Ende des Krieges mit der politischen auch eine marktwirtschaftliche Freiheit eintreten würde. Besonderen Einfluss erlangten sie auf den Kanzler des deutschen Wirtschaftswunders, Ludwig Erhard. Auf dem Mont Pèlerin wurde neuzeitliche Geschichte geschrieben und der Neoliberalismus lanciert.

Route: Granges (Veveyse), Station – Granges, Dorf – Mont Chesau – Mont Pèlerin – Funiculaire Mont Pèlerin, Bergstation (Vevey).

Gehzeit: 3 Stunden.

Höhendifferenz: 450 Meter aufwärts, 350 abwärts.

Charakter: Mittelstrenge Route. Das letzte Stück vor dem Luxushotel Mirador Kempinski ist steil und mit Treppen gesichert, bei Vereisung Vorsicht! Wenn viel Schnee liegt, braucht man Schneeschuhe.

Höhepunkte: Der Blick vom Chesau zu den Waadtländer und Freiburger Alpen. Der gewaltige Pèlerin-Turm. Der Blick auf den Genfersee von der Bergstation des Funiculaire über Vevey.

Einkehr: Nur im Dorf Granges. Die Chesau-Buvette ist im Winter geschlossen.

Privater Blog: widmerwandertweiter.blogspot.com

Hausmitteilung

Outdoor-Redaktion am Donnerstag den 26. Januar 2012

Abschied von der Weisshorn-Challenge: Der Aufruf für die Weisshorn-Challenge hat für eine kontroverse Diskussion gesorgt. Infolgedessen kam Partner Mammut zum Schluss, die Weisshorn-Challenge nicht wie vorgesehen durchzuführen. Mammut wird die Projektidee in Eigenregie weiterverfolgen und auf einen anderen Berg ausweichen.

Newsnet und der Outdoorblog akzeptieren diese Entscheidung. Wir wollten einer Steilwand-Skifahrerin oder einem Extrem-Snowboarder unter fachkundiger Anleitung von Mammut eine aussergewöhnliche Chance bieten und das Projekt in unserem Blog begleiten. Angesichts der veränderten Ausgangslage haben wir nun entschieden, das Nachfolgeprojekt nicht mehr zu begleiten. Wir bedauern diese Entwicklung, wünschen Mammut für das Nachfolgeprojekt aber viel Erfolg.

Alle, die sich für die Weisshorn-Challenge beworben haben, werden direkt über das weitere Verfahren informiert.

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