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Auf Nummer sicher

Pia Wertheimer am Montag, den 24. November 2014
Das richtige Outfit: Unterwäsche-Spende-Aktion in Calgary. (Flickr/Sangudo)

Richtiges Anziehen will gelernt sein: Unterwäsche-Spende-Aktion in Calgary. (Flickr/Sangudo)

Dieser Tage ist Petrus wetterwendisch. Er stellt damit Läufer und Läuferinnen vor eine besonders knifflige Aufgabe, wenn es um die Wahl der Garderobe geht. Vor dem Training geht das Hin und Her vor dem Kleiderschrank deshalb zuweilen genauso lang wie vor einem wichtigen Date. Dann aber jedes Mal die Meinung der besten Freundin einzuholen, wäre übertrieben. Trotzdem ist die richtige Kleidung beim Training ebenso ausschlaggebend wie bei der ersten Verabredung mit dem potenziellen Mr. Right: Es geht dabei um die Gesundheit. Grundsätzlich gilt zwar: Bei Trainingsbeginn darf es durchaus ein Hauch zu wenig Stoff sein. Over- oder underdressed sein kann aber auch beim Sport höchst unangenehme Folgen haben – wenn auch aus anderen Gründen als bei einem Date ...

Das Laufmagazin «Runner’s World» springt nun in die Rolle der besten Freundin des Läufers und liefert eine Anziehhilfe: http://www.runnersworld.com/what-to-wear.
Genauso wie die Vertraute gibt es gleichzeitig wertvolle Tipps ab und wiederholt sie gerne immer wieder ...

Der Anziehassistent will dabei keineswegs Auskunft über den Gemütszustand oder allfälliges Herzflattern. Seine Fragen sind sehr sachlich. Ihn interessieren lediglich Geschlecht, aktuelle Temperatur, Wetter, Windverhältnisse, Uhrzeit des Trainings, dessen Intensität. Einziger subjektiver Punkt: Ob dem Läufer grundsätzlich kalt, warm oder etwas dazwischen ist. Mit diesen Angaben stellt der Anziehassistent innert Sekunden die Garderobe zusammen.

Er macht dabei auch durchaus einen Unterschied zwischen Männlein und Weiblein: Steht beispielsweise tagsüber ein Longjog an bei 13 Grad Celsius, teilweise bewölktem Himmel, leichtem Wind, und dem Läufer ist weder zu kalt noch zu warm, empfiehlt er den Herren der Schöpfung eine etwas leichtere Garderobe als den Frauen. Den Läufern empfiehlt er etwa ein Langarmshirt, Shorts, Laufschuhe, Sonnenbrille und -blocker zu tragen. Den Läuferinnen legt er indes nahe, statt zu Shorts zu Dreiviertelhosen zu greifen – und an den Sport-BH zu denken. Bleibt nur noch, die Farben passend zu kombinieren – denn wer weiss, vielleicht ist das Training zufälligerweise auch das erste Date ...

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Eine tagfüllende Wanderung, die vor allem Spass macht

Thomas Widmer am Freitag, den 21. November 2014

Sie rennen, klettern, wandern und biken. Unsere Outdoorblogger sind leidenschaftlich in dem, was sie tun. Was treibt unsere vier Autoren an? Was lässt sie staunen? Wir zeigen die Blogger diese Woche von ihrer persönlichen Seite. Thomas Widmer beschreibt, warum er am liebsten durch das wilde Napfgebiet wandert und was in seinem Rucksack nicht fehlen darf. Viel Spass!
Anmerkung der Redaktion: «Widmer wandert» erscheint ausnahmsweise am Samstag.
Video: Lea Koch


Happy Birthday, Blogs! 15 verschiedene Blogs, mehrere tausend Beiträge und weit über eine Million Kommentare: Da stehen wir nach fünf Jahren. Die Blogs gehören heute zum festen Inventar von tagesanzeiger.ch. Nationale Bekanntheit haben nicht nur die Klassiker wie der Mama- oder der Sweet-Home-Blog erlangt. Auch neuere Blogs, wie etwa «Manage Your Boss» oder «Welttheater», fanden schnell Anklang bei den Leserinnen und Lesern. Grund genug um nach fünf Jahren Geburtstag zu feiern. In den kommenden zehn Tagen feiern wir unsere Blogs mit speziellen Postings. Und in Videos und weiteren Blogpostings gewähren wir Ihnen einen Blick hinter die Kulissen, porträtieren Autoren – und schreiben über unseren Umgang mit Kommentaren und Kommentarschreibern. Fehlt noch was? Ja! Erst durch die Kommentare von Ihnen, liebe Userinnen und User, entstehen spannende Diskussionen und Debatten. Ein herzliches Dankeschön dafür. Sie finden alle Jubiläums-Beiträge hier.

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Die Rollatormeditation

Thomas Widmer am Donnerstag, den 20. November 2014

Diese Woche von Dagmersellen via Roggliswil nach St. Urban (LU)
Hört der Nichtluzerner «Dagmersellen», denkt er nur: A2, Gotthardstrecke. Leider hilft diese Wanderung auch nicht, dass wir Dagmersellen näher kennenlernen könnten. Der Bahnhof liegt abseits, unsere Gehbewegung zieht uns weg vom Dorf, wir queren die Autobahn, kommen in den Wald. Adieu, auf ein andermal!

Steil geht es hinauf zum Schallbrig, auf dem vom Autobahnschall nicht das Geringste zu hören ist; steil wieder hinab nach Richenthal, das die Einheimischen «Ridu» aussprechen. Dann der nächste, höhere Hügel namens Guggerhöchi. Als sie überwunden ist, gibt es eine Überraschung. Hübsch lugt die Spitze des Kirchturms von Pfaffnau über die Graskrete vor uns. Allerdings biegen wir am Rand des Ortes bei Zinggen links ab. Auch Pfaffnau kann in dieser Kolumne nicht näher gewürdigt werden.

Richtung Niederwil gehen wir nun kurz auf dem Kapellenweg. Der ist – man erlaube den Exkurs – auch eine Wanderung wert. Ich kenne ihn, habe ihn vor längerer Zeit gemacht und kann ihn empfehlen. Das Pfaffnerntal ist katholisches Herzland und dementsprechend dicht mit Kapellen und Kirchen bestückt. Acht davon erlebt man, wenn man den Kapellenweg abschreitet, was gut zweieinhalb Stunden dauert. Den Prospekt gibt es zum Beispiel in der Pfarrkirche Pfaffnau, wo man am besten startet. Oder auf der Gemeindeverwaltung.

Ein Gebäude der weltlichen Art fesselt uns, als wir in Niederwil anlangen. Ich meine nicht den Ochsen, in dem wir alsbald hervorragend essen werden. Schon in Pfaffnau haben wir aus der Ferne einen kurios überhohen Schuppen gesehen. Jetzt in Niederwil kommen wir direkt an einem ganz ähnlichen Schuppen vorbei. Eine Tabakscheune. Es gibt in der Schweiz noch rund 200 Tabakbauern, einige davon im Luzernischen. In den luftigen Scheunen hängen sie die abgeernteten Tabakblätter zum Trocknen auf.

Der Ochsen: super! Bodenständig, sympathisch, unaffektiert-ländlich – und übrigens ist am 28. November Metzgete. Wir essen, Glück zieht in die Bäuche ein. Beschwingt setzen wir nachher unsere Wanderung fort, sind gleich in Roggliswil, zu dem Niederwil übrigens gehört. Natürlich schauen wir in die Wendelinskapelle. Sie ist Neogotik, ihre Vorgängerin ging auf das Jahr 1555 zurück. Damals waren fünf Bauern dankbar, dass die Klauenseuche ihr Vieh verschont hatte. Sie bauten eine Kapelle und weihten sie dem Hirtenheiligen Wendelin. Stilecht steht er da in Roggliswil, mit Hütestab und Schaf.

Betet er? Schläft er?

Ein letztes Mal müssen wir nun hinauf. Auf Ober Berghof ist die Steigung geschafft, und wir denken auf dieser Terrasse wieder einmal, dass mancher Bauer residiert wie ein König. Kurz darauf sehen wir weit vorn die Zwillingstürme des alten Zisterzienserklosters St. Urban. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es aufgehoben, worauf eine psychiatrische Klinik einzog.

Wir betreten die Klosterkirche – ein Traum in Weiss und Gold. Ein alter Mann hockt im Schiff auf seinem Rollator, der Blick ist auf das Altarbild fixiert, er trägt einen Kopfhörer. Schläft er, meditiert er, betet er? Und was für Musik hört er? Natürlich tippen wir alle auf Händel oder gregorianische Chöre und lassen ihm seine Ruhe, indem wir weiterziehen zum nahen Bahnhof. Die Schmalspurfahrt von der Station St. Urban nach Langenthal ist dann ein letztes Vergnügen dieser Route.

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Route: Dagmersellen, Bahnhof - Schallbrig - Hasli - Richenthal - Muniweid - Guggerhöchi - Burghof - Zinggen (Ortsrand Pfaffnau) - Bächleten - Loch - Niederwil - Roggliswil - Stotzigrain - Ober Berghof - Sonnhaldenhof - Kloster St. Urban - St. Urban, Station.

Wanderzeit: 5 Stunden.

Höhendifferenz: 530 Meter auf-, 560 abwärts.

Wanderkarte: 234 T Willisau und 224 T Olten, 1: 50'000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Retour: Mit dem Zug nach Langenthal. Auch Busse verkehren ab St. Urban.

Kürzer: In Niederwil aufhören. 3 1/4 Stunden, 425 Meter aufwärts, 360 abwärts.

Charakter: Ruhiges Bauernland und Dörfer. Einige kurze Auf- und Abstiege sind coupiert, Stöcke helfen. Am Schluss ein bedeutendes Kulturdenkmal, das Kloster St. Urban.

Höhepunkte: Die Tabakscheunen von Niederwil. Der Zmittag im Ochsen daselbst. Das riesige Kloster St. Urban.

Kinder: Keine Probleme.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Ochsen in Niederwil. Mo, Di Ruhetag. Reservation: 062 754 13 40. Am 27. und 28. November ist Metzgete. Jeweils Mi/Do gibt es Kutteln und Kalbskopf.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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Das komplette Bike-Spektrum in einer Tour

Jürg Buschor am Donnerstag, den 20. November 2014

Sie rennen, klettern, wandern und biken. Unsere Outdoorblogger sind leidenschaftlich in dem, was sie tun. Was treibt unsere vier Autoren an? Was lässt sie staunen? Wir zeigen die Blogger diese Woche von ihrer persönlichen Seite. Jürg Buschor über seine imaginäre Top-10-Liste und warum er oft im Wallis ist. Viel Spass!

Video: Lea Koch


 

Happy Birthday, Blogs! 15 verschiedene Blogs, mehrere Tausend Beiträge und weit über eine Million Kommentare: Da stehen wir nach fünf Jahren. Die Blogs gehören heute zum festen Inventar von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Nationale Bekanntheit haben nicht nur die Klassiker wie der Mama- oder der Sweet-Home-Blog erlangt. Auch neuere Blogs, wie etwa Manage Your Boss oder Welttheater, fanden schnell Anklang bei den Leserinnen und Lesern. Grund genug, um nach fünf Jahren Geburtstag zu feiern. In den kommenden zehn Tagen feiern wir unsere Blogs mit speziellen Postings. Und in Videos und weiteren Blogpostings gewähren wir Ihnen einen Blick hinter die Kulissen, porträtieren Autoren – und schreiben über unseren Umgang mit Kommentaren und Kommentarschreibern. Fehlt noch was? Ja! Erst durch die Kommentare von Ihnen, liebe Userinnen und User, entstehen spannende Diskussionen und Debatten. Ein herzliches Dankeschön dafür. Sie finden alle Jubiläumsbeiträge hier.

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Faszination Alpinismus

Natascha Knecht am Mittwoch, den 19. November 2014

Sie rennen, klettern, wandern und biken. Unsere Outdoorblogger sind leidenschaftlich in dem, was sie tun. Was treibt unsere vier Autoren an? Was lässt sie staunen? Wir zeigen die Blogger diese Woche von ihrer persönlichen Seite. Natascha Knecht über die Faszination des Alpinismus und was ihr am Berg wichtig ist. Viel Spass!

Video: Lea Koch


 

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Die beste Laufstrecke der Welt

Pia Wertheimer am Montag, den 17. November 2014

Sie rennen, klettern, wandern und biken. Unsere Outdoorblogger sind leidenschaftlich in dem, was sie tun. Was treibt unsere vier Autoren an? Was lässt sie staunen? Wir zeigen die Blogger diese Woche von ihrer persönlichen Seite. Pia Wertheimer macht heute den Anfang. Unsere begeisterte Läuferin über die faszinierendste Strecke der Welt. Viel Spass!

Video: Lea Koch, Anja Metzger


 

Happy Birthday, Blogs! 15 verschiedene Blogs, mehrere tausend Beiträge und weit über eine Million Kommentare: Da stehen wir nach fünf Jahren. Die Blogs gehören heute zum festen Inventar von tagesanzeiger.ch. Nationale Bekanntheit haben nicht nur die Klassiker wie der Mama- oder der Sweet-Home-Blog erlangt. Auch neuere Blogs, wie etwa «Manage Your Boss» oder «Welttheater», fanden schnell Anklang bei den Leserinnen und Lesern. Grund genug um nach fünf Jahren Geburtstag zu feiern. In den kommenden zehn Tagen feiern wir unsere Blogs mit speziellen Postings. Und in Videos und weiteren Blogpostings gewähren wir Ihnen einen Blick hinter die Kulissen, porträtieren Autoren – und schreiben über unseren Umgang mit Kommentaren und Kommentarschreibern. Fehlt noch was? Ja! Erst durch die Kommentare von Ihnen, liebe Userinnen und User, entstehen spannende Diskussionen und Debatten. Ein herzliches Dankeschön dafür. Sie finden alle Jubiläums-Beiträge hier.

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Le Tour de Frenke

Thomas Widmer am Freitag, den 14. November 2014

Diese Woche von Reigoldswil via Titterten und Richtiflue nach Waldenburg (BL)
Auf dieser von Nebel umwallten Wanderung lernte ich ein neues Wort. Auf der Richtiflue, einem ungemein markanten Baselbieter Jurakamm, trafen wir einen Jäger. Ihm zu Füssen lag ein toter Fuchs. Oder war es eine Füchsin? Wir fragten den Jäger. Er schaute nach und sagte: «Es ist eine Fähe.»

Ein weiblicher Fuchs ist eine Fähe. Wusste ich nicht. Oder habe ich es einst gelernt und wieder vergessen?

Gestartet waren wir in Reigoldswil, der Bus hatte uns von Liestal hingebracht. Wir waren nun im Tal der Hinteren Frenke. Und wir wollten nach Waldenburg im Tal der Vorderen Frenke. «Le Tour de Frenke», kalauerte ich.

Schnell waren wir aus dem Dorf, passierten einen Naturschutzweiher, kamen in den Flügraben. Die Ruine Rifenstein zur Linken – «Rife» gleich Rippe – besuchten wir nicht, zu steil und feucht der Aufstieg. Auf einer Tafel lasen wir, dass die Ruine sich auf drei Felssporne verteile. Dann nahm uns unser Geländeschlitz gefangen: Laub, ein Bächlein, ein schmaler Pfad, gestufte Abschnitte.

Der Politiker und «die Araber»

Ein Bienenhäuschen beschloss den Flügraben. Wir schauten genauer hin und merkten, dass es auch ein Bunker war, tief in den Grund betoniert. Bald darauf langten wir in Titterten an. Uns fiel einer ein, der von hier kommt: Miesch, Christian. Der Politiker aus Titterten, früher FDP, heute SVP, zog kürzlich zum dritten Mal in den Nationalrat ein, eine wechselvolle Karriere, drinnen, draussen, wieder drinnen, wieder draussen, nun wieder drinnen – und wenn ich aus der «Basellandschaftlichen Zeitung» einen Satz zitieren darf, mit dem Miesch sehr gerade begründete, warum er ein Solardach gebaut und sein Zweitauto verkauft hat: «Ich will den Arabern kein Geld mehr schicken.»

Via Baberten, Schuflenberg, Gagsen stiegen wir auf die Richtiflue; der stille Wald freute uns, andere Wanderer sahen wir nicht. Soweit wir überhaupt etwas sahen im Nebel. Auf dem Grat der Flue, wo es heller war, kamen uns Jäger entgegen, alle hundert Meter zwei, drei Mann. Treibjagd, sagten sie, etwas geschossen habe aber kaum einer. Der letzte Jäger war der mit der Fähe. Er gab uns gern Auskunft. Die Gummihandschuhe trage er, weil Füchse voller Krankheitserreger seien, sagte er. Das Fell abziehen und beizen lohne sich nicht, das Tierchen sei zu klein. Essen? Das machten höchstens die Bündner, die Fuchsschlegel trockneten und verzehrten.

Was er also mit der toten Fähe mache? «Entsorgen.»

Zum Abschluss eine Cremeschnitte

Wir wanderten weiter auf dem Grat, der sich immer mehr verschmälerte. Gefährlich war das nicht, aber doch abenteuerlich. Dann eine Fernmeldeantenne und der vorderste Punkt der Flue, direkt unter uns lag jetzt Waldenburg. Den mittelalterlichen Kern erblickten wir nicht; dafür moderne Wohnhäuser und die Burgruine Waldenburg gegenüber.

Einige Zeit später, nach steilem Abstieg, betraten wir durch ein Tor das Städtchen. Es verdankt sich der Tatsache, dass durch sein Tal einst der direkteste Weg von Basel zum Gotthard führte. Die Grafen von Froburg bezollten den Verkehr über den oberen Hauenstein, Waldenburg blühte. Wir bedachten dies kurz, wandten uns freudig wieder der Gegenwart zu, begaben uns in den Löwen und assen gut: Angus-Bratwurst mit Rösti und eine hausgemachte Cremeschnitte. Der Gang von der einen Frenke zur anderen hat sich in jeder Hinsicht gelohnt. Und nicht zum ersten Mal hat eine Wandertour meinen Wortschatz bereichert.

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Route: Reigoldswil, Dorfplatz (Bus ab Bahnhof Liestal) - Flügraben - Titterten - Egg - Baberten - Liedertswil (westlicher Ortsrand) - Gagsen - Richtiflue (bis zum vordersten Punkt 687 m) - Waldenburg - Waldenburg Bahnhof.

Wanderzeit: 3 1/4 Stunden.

Höhendifferenz: je circa 500 Meter auf- und abwärts.

Wanderkarte: 5029 T Basel, Laufen-Olten (Zusammensetzung), 1:50'000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Retour: Mit der Bahn von Waldenburg nach Liestal SBB.

Charakter: Grandioser Baselbieter Jura, viel Herbststimmung. Feuchte Pfade, zum Teil glitschig. Auf der Richtiflue muss man aufpassen, auch wenn der Weg nicht ausgesetzt ist.

Höhepunkte: Der Flügraben. Die atemberaubende Richtiflue mit dem sich verengenden Pfad. Der Tiefblick vom vordersten Punkt der Richtiflue über Waldenburg. Die Ankunft im Mittelalter-Städtchen Waldenburg.

Kinder: Gut machbar. Vorsicht auf der Richtiflue!

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: In Reigoldswil und Waldenburg und – sehr eingeschränkt – auch in Titterten (Sodhus-Beizli). Getestet und gemocht: Löwen in Waldenburg (Di und Mi Ruhetag)

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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Fertig Schoggi für die Superkletterer

Natascha Knecht am Mittwoch, den 12. November 2014


Alex Honnold, der König der Free-Solo-Kletterer, in der 15-Seillängen-Route El Sendero Luminoso (5.12d). Die Big Wall befindet sich in der Nähe von Monterrey, Mexiko.

Die Empörung in der Kletterszene scheint gross zu sein, jedenfalls gipfelte sie übers Wochenende in einem regelrechten Shitstorm. Im Fokus steht die amerikanische Firma Clif Bar, die mit Energie- und Regenerationsriegeln für Sportler eine halbe Milliarde Dollar Jahresumsatz generiert. Zur Promotion ihrer Produkte hat Clif Bar gegen zwanzig Top-Kletterer unter Vertrag. Doch damit soll nun Schluss sein. Fünf von ihnen sollen offenbar aus dem Ambassadoren-Team fliegen. Es sind dies Alex Honnold, Dean Potter, Steph Davis, Cedar Wright und Timmy O'Neill. Warum? Weil diese «Free Solo» klettern, also ungesichert im Alleingang und im Hochrisikobereich.

Zwar hat Clif Bar den fünffachen «Rauswurf» (noch) nicht offiziell bestätigt, aber auf der Team-Website tauchen die fünf nicht mehr auf. Und gegenüber dem Magazin «Rock and Ice», welches die Sache publik machte, sagte der Pressesprecher, Clif Bar wolle künftig wieder traditionelle Stilformen sponsern, also die Clean-Kletterer, Boulderer, Alpinisten oder Sportkletterer. Mit anderen Worten: die «Braven» wie Chris Sharma, meint Bergsteigen.com.

8a.nu glaubt, da Honnold der berühmteste Free-Solo-Kletterer der Welt sei, könne es sich nur um ein Missverständnis handeln. Weniger diplomatisch sind viele Kommentare in den Internetforen. Da wird reihenweise wüst gegen Clif Bar ausgeteilt – in allen Weltsprachen. Aber Free-Solo-Klettern finden bei weitem nicht alle gut. Es ist eine Spielform, die polarisiert.


Alex Honnold in der Route «Heaven» (5.12d), im Yosemite Valley, Kalifornien.

Wie viel Kommerz braucht der Alpinsport?

Meine Einstellung dazu ist ambivalent. Einerseits finde ich es zu viel des Guten, wenn ein Alex Honnold ungesichert eine Big Wall klettert, Hunderte von Metern Luft unter dem Hintern. Jeder Fehler wäre sein letzter. Dies entspricht wirklich nicht dem, was ich unter Klettern oder Alpinismus verstehe. Andererseits schaue ich seine Videos trotzdem. Man muss ja nicht immer alles verstehen.

Honnolds Können und vor allem seine mentale Stärke sind überirdisch – nicht nur in meinem Empfinden. Millionenfach werden seine Videos angeklickt. Und genau darin steckt die Krux: Was nicht fassbar ist, finden viele Leute absonderlich, sinnlos, blöd, überflüssig. Statt zu akzeptieren, dass es Mitmenschen gibt, die um Welten besser und mutiger sind, reagieren sie mit Neid, Aggression, Beleidigung und offenbar auch mit der Drohung, keine Riegel von Clif Bar mehr zu kaufen. Aber wo wären wir heute, hätte es nie Pioniere gegeben, die Dinge wagen, die für die breite, angepasste und ängstliche Masse zu extrem sind?

Trotzdem finde ich es richtig respektive dringend nötig, dass dieses «Weiter, Höher, Schneller» diskutiert und hinterfragt wird. Der eigentliche Skandal ist meiner Meinung nämlich ein anderer: Es gibt Kletterer und Alpinisten, die als Team Ausserordentliches leisten, nur interessiert das inzwischen kaum noch irgendwen. Die Stars unter den Free-Solo-Kletterern stehen allen anderen in der Sonne. Inzwischen meint der Normalbürger, die Eigernordwand sei ein Spaziergang und die grösste Gefahr am Mount Everest seien die Sherpas.

Statt gegen einen Hersteller von Schoggiriegeln Energie zu verschwenden, könnte die Szene auch kritisch darüber nachdenken, wie viel Kommerz, Selbstverliebtheit und undurchsichtige Inszenierung der Alpinsport überhaupt verträgt.

Was ist Ihre Meinung?

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Bitte lächeln, wer keine Unterwäsche trägt!

Pia Wertheimer am Montag, den 10. November 2014

Man kann von den Amerikanern halten, was man will. Eines muss man ihnen aber lassen: Die Euphorie der Fans am Strassenrand der US-Marathons sucht weltweit ihresgleichen. Genauso unkritisch, wie sie zuweilen den Entscheidungen ihrer Regierung gegenüberstehen, feiern die Amerikaner die Läufer. Eine Eigenschaft, die sich manch ein Schweizer als Vorbild nehmen sollte – mal für andere total aus dem Häuschen zu sein, tut gut!

Ich musste nach New York reisen und dort auf den Start verzichten, um dies zu erfahren. Das Bad inmitten frenetischer und bewundernder Fans war erfrischend und putzte meinen eigenen Frust weg.

Anfeuern und applaudieren, bis es wehtut

Die Zuschauer des New Yorker Marathons machten sich aber nicht nur lautstark bemerkbar. Sie glänzten auch mit Kreativität. Mit kreativen Plakaten machten sie den Teilnehmern Beine. Ans Aufgeben ist nicht zu denken, wenn etwa Papp- – äh – Pop-Diva Céline Dion mit ausgestrecktem Arm befiehlt: «My heart will go on, so shall you!» Und unter allen Strapazen zaubert eine Gruppe hübscher Zuschauerinnen ein Lächeln auf die Lippen der Teilnehmer mit ihrem Transparent mit der Aufschrift: «Smile if you arn’t wearing underwear!»

Mit wildfremden Läufern abklatschen, marschierende Teilnehmer aufmuntern weiterzulaufen, anfeuern bis zum Heiserwerden und applaudieren, bis die Hände kribbeln – ein Marathon kann hinter den Strassensperren genauso anstrengend sein wie auf der Laufstrecke.

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Ich trank aus der Raspille, um bilingue zu werden

Thomas Widmer am Freitag, den 7. November 2014

Diese Woche von Rumeling auf Suonenwegen nach Siders VS

Alle wollten sie durch die Jahrhunderte nach Leukerbad, ins heilende Heisswasser. Goethe, damals im November 1799, kam von Siders und beschrieb die Passage der Varner Leitern kurz vor Rumeling so: «Ein Kerl, der mit einem Maulesel neben uns hinabstieg, fasste sein Tier, wenn es an gefährliche Stellen kam, beim Schweife, um ihm einige Hülfe zu geben.»

Als grosser Erzähler übertreibt Goethe die Gefahr. Oder war der damalige Pfad heikler als der heutige? Jedenfalls stellte ich bei meiner Begehung eine ziemliche Harmlosigkeit fest. Ohnehin führt das Wort «Leitern» in die Irre. Zwar gibt es am gegenwärtigen Weg Leitern, doch gehören sie zu einem Klettersteig, mit dem wir Wanderer nichts zu tun haben. Die historischen Leitern aus Holz, die den Namen prägten, sind längst entschwunden.

Bartlme Kraniger, Wegbauer

Eines schönen Tages fuhr ich von Leuk Richtung Leukerbad. In Rumeling stieg ich schon wieder aus – mein Plan war es, umgekehrt zu Goethe zu gehen, also von Rumeling über die Leitern aufzusteigen und dann hinab nach Siders zu halten. Unangenehm die ersten zehn Minuten, der Wanderweg war identisch mit der Strasse nach Leukerbad. Bereits hatte ich die monumentale Felswand vor mir, die ich durchqueren wollte.

Bald war ich im Grünen. Dann der Leiternweg. Eine Inschrift im Fels erinnerte an Meister Bartlme Kraniger, den Tiroler, der den Komfortweg 1739 in den Stein haute. Die nächste Viertelstunde durch die Wand bereiteten mir Vergnügen. Der Steig war breit und stellenweise mit einem Seilgeländer gesichert – keine Probleme. Tief unter mir nun die Schleifen der Strasse.

Oben ein Bildstock. Und ein totaler Szenenwechsel. Das Bergabenteuer war zu Ende, es begann der lange Mittelteil meiner Wanderung. Auf einem schönen, sanft sich senkenden Höhenweg hielt ich vorwärts, sah unter mir das Weindorf Varen, das den Leitern den Namen gegeben hatte. Später ging es auf einer Strasse wieder aufwärts, ich kam an der Feriensiedlung Taschunieru vorbei.

Schliesslich die Grossi Wasserleitu, die auch Varner Suone heisst. Anders als andere Suonen, also traditionelle Walliser Wasserkanäle, erwies sich diese als harmloses Ding: keine Abgründe, stattdessen viel Geradeaus durch lichten Wald auf einem perfekten Begleitweg. Unter mir lag der Pfynwald, gegenüber hatte ich den Gorwetschgrat, dessen Flanke von nackten Rüfen durchfurcht war.

Pizza zum Schluss

Mit der Suone endete bei La Proprija meine Passage durch die Varnerplatten, ein prähistorisches Bergsturzgebiet. Ich erreichte die Raspille, jenes Flüsschen, das auch die nächste Suone namens Bisse Neuf speist. Die Raspille ist berühmt, weil sie im Kanton Wallis den deutschen vom französischen Teil trennt. Der Bisse Neuf: Das waren wieder pflegliche Verhältnisse, wieder Gehfreude, wieder Plätschern und Baumschatten und ab und zu ein Wasserschieber.

Nah Venthône nahm ich Abschied vom Bisse Neuf. Ich stieg ab ins Dorf und weiter durch die Reben nach Siders. Dort setzte ich mich auf den grossen Platz und bestellte eine Pizza. In meinem holprigen Schulfranzösisch. Schade. Es hatte nicht funktioniert. Ich hatte oben am Hang einen Schluck aus der Raspille genommen – in der Hoffnung, dass mich das Wasser aus dem mythischen Grenzgewässer bilingue machen würde.

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Route: Rumeling (Bushaltestelle der Linie Leuk–Leukerbad) - Varner Leitern - Taschunieru - Grossi Wasserleitu (Varner Suone, Bisse de Varone) - La Proprija - Bisse Neuf - Venthône - Siders Bahnhof.

Wanderzeit: 4 Stunden.

Höhendifferenz: 265 Meter auf-, 685 abwärts.

Wanderkarte: 273 T Montana, 1:50'000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Kürzer: In Venthône nach 3 1/4 Stunden aufhören und den Bus hinab nach Siders nehmen. So geht man gut 280 Höhenmeter weniger abwärts.

Charakter: Zuerst ein spektakulärer, aber gefahrloser Steig durch eine Felswand. Dann leichtes Suonenwandern mit Weitblick übers Wallis und auf viele hohe Gipfel.

Höhepunkte: Die Varner Leitern. Die beiden Suonen Grossi Wasserleitu und Bisse Neuf. Der historische Kern von Siders.

Kinder: Sie gehören in der Varner-Leitern-Passage beaufsichtigt.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr unterwegs: Erst ab Venthône.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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