Kunststübli mit Industriecharme: In der «Artstübli Pop Up Exhibition» treffen Werke wie jene von Rae Martini (rechts hinten) auf das stylische Interieur der Schleifferei. (Fotos: Joël Gernet).
Bröckelnde Wände, Eisenrohre, eine vom Rauch angeschwärzte Decke…mehr urbanen Industriecharme als die «Schleifferei» kann einem ein Ausstellungsraum kaum bieten. In Kombination mit wild durcheinander gewürfelten Kronleuchtern, Stehlampen und Sofas ergibt das den perfekten Ort für die kleine aber feine «Artstübli Pop-Up Exhibition». Die rohen, absichtlich abgefuckten Leinwände der französischen Graffiti-IkoneTilt oder dievom Flammenwerfer malträtierten Plakatwände des Italieners Rae Martiniwirken wie geschaffen für den Eventraum beim Gundeli-Seitenausgang des Bahnhof SBB. Diesen Beitrag weiterlesen »
«Olympus Has Fallen» läuft ab 13.6. in den Kinos Küchlin und Capitol.
«Olympus has fallen.» Der Funkspruch eines sterbenden Secret-Service-Agenten sorgen für ungläubiges Staunen in der Einsatzzentrale. Das Weisse Haus, das vermeintlich sicherste Haus der Welt mit dem Codenamen «Olympus», ist eingenommen – in gerade mal 13 Minuten, wie der nordkoreanische Oberbösewicht Kang (Rick Yune) dem Präsidenten Benjamin Asher (Aaron Eckhart) genüsslich unter die Nase reibt. Dieser ist nämlich im eigenen Bunker in Geiselhaft des Terroristen, leider in Gesellschaft der Verteidigungsministerin und des Oberbefehlshabers. Leider darum, weil damit alle drei Halter eines Codes für das «Zerberus»-System, das alle amerikanischen Atomsprengköpfe vernichten kann, in einem Raum vereint sind. Dumm gelaufen.
Fallobst: Der Secret Service. (Bilder: Ascot Elite)
So dumm, dass man hofft, die USA hätten in der Realität ihre Lehren aus 9/11 gezogen und seien nicht so leicht zu düpieren wie im Actionthriller von Antoine Fuqua. Mit einem einzigen Flugzeug dringen die Nordkoreaner – amüsanterweise am 5. Juli, einen Tag nach dem amerikanischen Nationalfeiertag – ohne grosse Gegenwehr in den Flugraum von Washington D.C. ein und richten im Herzen der «Greatest Nation» ein Blutbad an. Beim folgenden Boden-Angriff scheinen sich dann die top-ausgebildeten Secret-Service-Leute gar nicht schnell genug ins feindliche Feuer werfen zu können. Kein Wunder, ist der Präsident mir nichts, dir nichts isoliert.
Die letzte Hoffnung: Mike Bannister.
Aber noch ist nicht alles verloren im Land der Tapferen und Freien. Das Sternenbanner wird zwar, vom Kugelhagel zerlöchert, von den Besetzern vom Dach des arg ramponierten Weissen Hauses geworfen, aber die bösen Asiaten haben die Rechnung ohne Mike Bannister (Gerard Butler) gemacht. Der zum Bürogummi degradierte ehemalige beste Leibwächter von Asher wirft sich ebenfalls ins Getümmel und wütet sich als Ein-Mann-Armee im Weissen Haus durch die feindlichen Linien. Er soll zuerst Präsidenten-Sohn Connor finden und aus der Gefahrenzone bringen, der das einzige Druckmittel darstellt, das Asher zur Herausgabe seines Zerberus-Codes bewegen kann. Damit erhält er die Chance, seine Mitschuld am Tod der First Lady wieder gut zu machen. Auch kein ganz unbekanntes Muster.
Präsident am Wickel: Kang und Asher.
Man hätte etwas mehr erwartet vom gefeierten «Training Day»-Regisseur. Fuqua beweist, dass er trotz seines unamerikanischen Namens ein Patriot reinster Güte ist. Schon mit dem pompösen Soundtrack zur Begrüssung wird einem im Kinosaal bewusst, worum es geht: um die Huldigung der amerikanischen Werte. Dass er das amerikanische Verteidigungssystem nach intensiven Recherchen beim echten Secret Service als Haufen von Dilettanten darstellt, ist allerdings bedenklich. Handwerklich ist an «Olympus Has Fallen» nichts auszusetzen. Die Kampfszenen sind eindrucksvoll inszeniert, der Spannungsbogen hält bis zum Schluss. Auch die Besetzung ist top. Neben Gerard Butler, quasi einer Kreuzung aus Jack Bauer («24») und John McClane («Die Hard»), überzeugt Aaron Eckhart ebenso wie Routinier Morgan Freeman und Angela Bassett.
Eine Nation unter Feuer: das Weisse Haus.
Das ist aber erst der erste Actionstreifen, der im Weissen Haus spielt. Bereits im September soll «White House Down» von Roland Emmerich mit verdächtig ähnlichem Plot in unsere Kinos kommen. Während Fuqua mit Butler einen Schotten als einzige Hoffnung des Präsidenten in die Schlacht schickt, tritt dann «Sexiest Man Alive» Channing Tatum zur Rettung des wichtigsten Manns der Welt – gespielt von Jamie Foxx – an. Wir sind gespannt, ob Emmerich ebenfalls auf die Karte Pathos setzt. «Independence Day» lässt grüssen.
«Olympus Has Fallen» läuft ab 13. Juni 2013 in den Kinos Pathé Küchlin und Capitoö.
Weitere Filmstarts in Basel am 13. Juni: The Big Wedding, The Purge, Les invisibles, Une Estonienne à Paris.
Seit heute Dienstag ist auch die Kunstmesse Volta 9 in der Dreispitzhalle für jedermann zugänglich. Bei einem ersten Streifzug sind wir unter anderem tanzenden Flaschengeistern vonGabriel Barcia-Colombo(USA), einem Hamsterrad für Menschen vonHartmut Stockter (D) und einer Hochhausstadt im Miniaturformat von Rik Smits(NL) begegnet.
Die tanzenden Flaschengeister «Animalia Chordata» (2006/2013) des New Yorkers Gabriel Barcia-Colombo werden von hinten mittels eines Projektors in die Gefässe projiziert. Gesehen bei der Muriel Guépin Gallery.
Senf? Nein, BrainDrain! Specta aus Kopenhagen (DK) zeigt die Skulptur Brain Drain (2013) von Andreas Schulenburg.
«Das gibt doch Löcher in die Wand», meint das Töchterlein zur Installation «Crossfire» (2012) von Sanell Aggenbach, ausgestellt bei Brundyn + Gonsalves aus Kapstadt (SA).
Das «Wiesenpfad Menschenrad» (2009) von Hartmut Stockter, präsentiert bei der Larmgalleri aus Kopenhagen (DK)
«Fuck The Poor» – auch provokante Installationen gehören an der Volta 9 zum Ausstellungsprogramm. Das geht wohl unter die Rubrik Gesellschaftskritik.
Porzellan und Gummi: Die Skulptur «I don’t want your freedom» von Nadine Wottke. Dahinter die imaginäre Miniaturstadt «Capital 1» (2013) von Rik Smits. Alle Häuser hat er eigenhändig aus Styropor ausgeschnitten.
Basserboxen: Die mit Wasser gefühlten «Volume»-Lautsprecher von Serge Baghdassarians und Boris Baltschun weisen je nach Vibration ein aussergewähnliches Muster auf ihrer flüssigen Membran auf.
Wieder dominiert Blau: Die Bilder von Ritums Ivanivs der Gallery Bastejs aus der lettischen Hauptstadt Riga.
Städtchen im Häuser-Boot: Dieses Werk von Bo-Christian Larsson steht bei der Christian Larsen Gallery aus Stockholm.
Blick in die Koje von Andreas Binder aus München.
Volta 9, Dreispitzhalle, Dreispitz Areal, Tor 13, Helsinki-Strasse 5, Münchenstein. Di. 11. Juni bis Sa. 15. Juni 2013, 10-19 Uhr.
«In der Nacht sprayen? Ich doch nicht – ich bin eine Frau!», sagt Alice Pasquini und lacht. Die Römer Streetart-Künstlerin zieht es vor, auch ihre unbewilligten Wandmalereien bei Tageslicht anzubringen. In Italien ist das mit etwas Erfahrung, Fingerspitzengefühl und einem chicen Auftreten kein grösseres Problem. Im Gegenteil: Es kommt immer wieder vor, dass die kesse Künstlerin bei ihrer Strassenarbeit neue Aufträge reinholt.
Dieses Wochenende ist Pasquini nicht auf den Strassen Roms, sondern in Weil am Rhein (D) unterwegs: als ausstellende Künstlerin an der «Public Provocations». Die fünfte Ausgabe der Ausstellungsreihe präsentiert ab Samstag unweit des Rheincenters zehn internationale Urban-Art-Künstler.
Frau mit Apfel: Pasquinis Werk in Weil am Rhein. (Foto: Jessica Stewart, RomePhotoBlog).
Vor zwei Jahren war Alice Pasquini das erste Mal in Weil am Rhein. Als Begleiterin des französischen Streetart-Stars C215 hinterliess die Römerin damals bei der Carhartt Gallery ein kunstvoll verziertes Verkehrsschild. Inzwischen heisst die auf Urbane Kunst spezialisierte Galerie Colab Gallery – und Pasquini ist nicht mehr Anhang, sondern geladene Künstlerin.
Als wir Pasquini während der Gestaltung ihrer Ausstellungskoje treffen, beschäftigt sich die Italienerin mit der Hintergrundgestaltung ihres Bildes. Es zeigt eine junge Frau mit Apfel und Blumen in den Haaren. Naturfarben wie Braun und Grün dominieren das Motiv. Dass es daherkommt, als hätte es die Patina einer kunstvoll verwitterten Statue, ist kein Zufall. Pasquini mag alte Motive: «Ich habe mich von einer amerikanischen Zeitschriften-Werbung aus dem Jahr 1902 inspirieren lassen.»
Die Römerin beschäftigt sich seit jeher mit Malerei und Bildgestaltung. Nach Abschluss der Kunsthochschule arbeitete sie als Illustratorin, was ihr aber ziemlich rasch verleidete: «Ich war gar nicht mehr am malen», erinnert sie sich. Als sie daraufhin in Madrid Freizeitparks für Kinder gestaltete und deren Begeisterung sah, realisierte Pasquini, dass sie Kunst machen will, die unmittelbar auf den Betrachter trifft. Deshalb brachte sie, die immer schon eine Affinität zur HipHop-Kultur hatte, ihre Bilder vor rund sechs Jahren auch auf die Strassen. Inzwischen blicken ihre Motive – mit Vorliebe sanfte Frauen- und Kindergesichter – an fast allen Ecken dieser Welt von den Fassaden.
Wenn Pasquini ausserhalb Italiens tagsüber ungefragt Wände umgestaltet, geht sie dabei allerdings vorsichtiger vor. Die Passanten reagieren nämlich überall anders, wie folgende Episode aus dem norwegischen Oslo zeigt: «Ich mag, was sie machen», habe da eine Frau zur malenden Pasquini gesagt, «aber jetzt mache ich ein Foto und rufe die Polizei». Kunst im öffentlichen Raum – wir reden hier nicht von Schmierereien – wird halt in gewissen Kreisen immer noch als Provokation wahrgenommen. Daran soll auch der Ausstellungsname «Public Provocations» erinnern. In Weil am Rhein wurde Pasquinis Kunst bis jetzt allerdings noch nicht als störend empfunden – im Gegenteil. Das von ihr verzierte Strassenschild wurde vor zwei Jahren nach wenigen Wochen von einem kunstaffinen Dieb abgeschraubt.
Public Provocations V, Colab Gallery (früher: Carhartt Gallery), Schusterinsel 9, Weil am Rhein. Vernissage Sa. 8. Juni ab 20 Uhr. Die Ausstellung läuft bis Oktober 2013.
Künstler: Alice Pasquini (I), Amose (F), Case (D), Chris Stain (USA), Gris1 (F), Michael Grudziecki (PL), Orticanoodles (I), Robert Proch (PL), Wolfgang Krell (D). Mehr Infos.
Gleich drei neue regionale Rap-Releases lassen die Szene am Rheinknie zur Zeit im besten Licht erstrahlen: Mit «Airplane To Paradise» präsentieren die Ladies PearlBeatz und Quenn ihr erstes Kollabo-Album; Dirty D und Trace ballern mit «Startschuss» ein eindrückliches Signal in den Himmel; und Scout legt nach über einer Dekade seinen allerersten Solo-Release überhaupt vor.
Pearlbeatz & Quenn – Airplane To Heaven.
Wie es sich gehört, gewähren wir an dieser Stelle den Damen den Vortritt. Insbesondere in der Testosteron-geschwängerten Rapwelt ist das ganz wichtig. Zum ersten Mal gemeinsam aufhorchen liessen PearlBeatz & Quenn im Herbst 2011 mit einem Song auf Pearls Produzenten-Album. Zwei Jahre später präsentiert das Duo nun ihr Kollabo-Album «Airplane To Paradise». Die samtweiche Stimme von Quenn zieht den Hörer sofort in Bann – der Rapperin und Sängerin würde man vermutlich auch zuhören, wenn sie Packungsbeilagen vorliest. Das Hochdeutsch der Baslerin ist einwandfrei, manchmal fast zu perfekt.
Dass der erste Song «Startklar» reimtechnisch nicht zu den besten des Albums gehört, ist leider etwas unglücklich. Scheint ein älterer Track zu sein, auf dem Quenn eigentlich mein Album-Fazit vorzieht: «Danke denen, die an uns glauben, die jetzt schon das in uns sehen, was erst Entwicklung braucht», rappt die Baslerin und liegt damit absolut richtig. Man hört nämlich, dass Quenns Raps und Pearls Beats hervorragend miteinander harmonieren. Und dass man sich in den letzten zwei Jahren gehörig entwickelt hat. Bester Beweis ist «Showgirl», ein Song über eine selbstbewusste Vorstadtfrau, die weiss, was sie will und macht. Ein Beat wie aus dem Pariser Varieté, dazu der buttwerweiche, lockere Singsang von Quenn – ganz gross, dieses Ding!
Ausnahmsweise auf Englisch: Pearlbeatz & Quenn mit «Evil Clowns». Dieser Song ist nicht auf dem Album vertreten.
Im Titeltrack «Airplane To Paradise» philosophiert Quenn über Todessehnsucht. Und kommt zum Schluss, dass sie das Paradies in sich selbst – im Diesseits – finden kann. Ebenfalls um den Tod gehts im Song «Der Zug rollt»: Über einen knackigen Beat mit sphärischen Stimm- und Piano-Samples schildert die Rapperin, wie sie im Alltagsstress bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt und danach die Szenerie vom Jenseits aus beobachtet. Packendes Storytelling.
Trotz seiner tragischen Momente ist «Airplane To Paradise» keine düstere Platte. Das beweisen Songs wie «Easy» und «Hallo mein Lieber» – zwei Tracks, so stark wie dieses Album, dessen Fazit ihr ja bereits oben lesen konntet. Ein solides Debut eines vielversprechenden Duos.
Trace & Dirty D – Startschuss.
Ebenso vielversprechend kommen Trace und Dirty D mit ihrer Gratis-EP «Startschuss» (download hier) daher. Auf insgesamt sieben Songs zeigen sich die beiden selbstbewusst und nachdenklich zugleich. Nachdem man der Schweizer Rapszene einen «Tritt ins Gsicht» verpasst hat, lassen der Rodersdorfer Trace und der Allschwiler Dirty D auf «Alles wo blibt» die Höhepunkte und Tiefschläge ihrer bisherigen Rapkarrieren Revue passieren – ein ganz starker Song mit super Hook und stimmigem Beat. In eine ähnliche Richtung geht «Schall und Rauch» (siehe Video), der mich vor das Luxusproblem stellt, dass ich mich nicht entscheiden kann, welchen Song ich mehr mag. Worum es auf Songs wie «Kings» oder «Läbe für das» geht, muss bei diesen Titeln ja eigentlich nicht erklärt werden.
Die Beats auf der «Startschuss»-EP überzeugen durchs Band und bewegen sich alle im Bereich gut bis sehr gut. Vom Club-Banger bis zum melancholischen Piano-Heuler ist alles dabei. Dass die sieben Soundunterlagen von sechs verschiedenen Produzenten stammen (von denen ich schändlicherweise noch nie gehört habe), macht die Sache umso interessanter. Dass Dirty D ein guter Rapper und Hoffnungsträger ist, habe ich ja bereits einmal geschrieben. Die grosse Offenbarung dieser EP ist für mich Trace: Früher hat man den jungen Rapper weniger wegen seiner Skills, sondern vielmehr wegen seiner Aufdringlichkeit wahrgenommen, beziehungsweise ignoriert. Jetzt steht uns da ein selbstbewusster Rapper gegenüber, der massive Fortschritte gemacht hat und wunderbare Refrains schreiben und singen kann. Chapeau! Von der Nervensäge vom Hoffnungsträger – ich mag solche Geschichten. Und ich liebe Gratis-Downloads von derart herausragender Qualität. Jungs, jetzt muss ein Album her!
Scout – Ohni Sorge.
Als Letzter reiht sich Scout MCaus Pratteln ein. Nach über zehnjähriger Absenz präsentiert der Ausnahmerapper nun sein erstes Solo-Album «Ohni Sorge». Und der Name ist Programm: Man hört dem Familienvater an, dass sich in seinem Leben einiges verändert hat – in die richtige Richtung.
Wenn Scout über Freunde, Familie und das Leben im Allgemeinen rappt, strahlt er eine ansteckende Zufriedenheit aus. Man meint beim Zuhören förmlich das Lächeln auf seinen Lippen zu sehen. Das erlebt man nicht oft. Aus dem herausragenden Freestyle-Rapper, der um die Jahrtausendwende von sich Reden machte, ist ein Musiker geworden.
Neben dem positiven Vibe bestechen vor allem Scouts intelligente Texte – und seine Gesangskünste, die er etwa auf dem Titeltrack «Ohni Sorge» zeigt. So ist eine Art Songwriter-Rap-Album entstanden, das auch durch die Handschrift des Gitarristen Andreas Röthlisberger geprägt wird. Im Kellerstudio des Muttenzers wurde Scouts Album in Eigenregie produziert und aufgenommen. Das hat Vor- und Nachteile. Einerseits verfügt das Album so über einen ganz eigenständigen Klang; andererseits würde den Gitarren-dominierten Beats auf Albumlänge etwas mehr Abwechslung nicht schlecht bekommen. Scout und Röthlisberger haben mit wenigen Mitteln ein hervorragendes Album erschaffen – und damit auch das Fundament für weitere Musik.
Das funky Supplement kommt an dieser Stelle von DJ Ace. Der Basler bereichert die HipHop-Szene am Rheinknie mittlerweile seit rund zwei Jahrzehnten als Sprayer, Breaker, Party-Organisator, Shop-Betreiber – und vor allem als DJ und Beat-Produzent. In eben dieser Funktion hat der Tausendsassa kürzlich das neue Video zu seinem Breakdance-Song «Arsal The B-Boy» veröffentlicht. Der Track – ich würde ihn liebevoll als Mariachi-Funk bezeichnen – erschien 2012 auf auf dem Soundtrack zum «Battle Of The Year», das sind sozusagen die Weltmeisterschaften im Breakdance. Im Video zu sehen ist das Who-is-Who der Basler Breakdance-Szene: Jay-Roc, Still-Ill, Ben-X, TK-O, Janick und Pedrolic, gemeinsam bekannt alsRuff’n'X. Das Video ist von Jakebeatz (PW Records). Viel Spass…
«Césars Grill» läuft ab 30. Mai im kult.kino camera.
Wie lebt man in einem anderen Land? Diese Frage treibt schon seit Jahrhunderten Reisende über den Globus. Antworten erhält man nur bedingt, wenn man mit Rucksack oder Rollkoffer durch die Kontinente trampt oder fährt. Die Touristenrolle wird man nicht so leicht los, auch wenn man das vielleicht möchte. Das gelingt oft nicht einmal Auswanderern, wie einem in den diversen Doku-Soaps immer wieder vor Augen geführt wird. Ob Ambato auf einer Anden-Hochebene in Ecuador zu den beliebtesten Destination für Emigranten gehört, ist zu bezweifeln. Wer sich aber dafür interessiert, wie das Leben in einer 220’000-Einwohner-Stadt auf 2570 Metern über Meer aussieht, dem sei «Césars Grill» ans Herz gelebt.
César Aguirre am Werk. (Bilder: Xenix)
Dieses Ambato hat Dario Aguirre eigentlich schon vor zwölf Jahren hinter sich gelassen. «Ich wollte Ecuador vergessen», erklärt der heute 31-Jährige sein Exil in Hamburg. Als Vegetarier mit einer Leidenschaft für Musik, Kunst und Film fühlte er sich in der eigenen Familie fremd. Speziell mit César, seinem Vater, fand Dario einfach keinen gemeinsamen Nenner. Doch genau jener steckt nun in der Klemme. Nicht, dass der stolze Latino das zugeben würde, aber sein Imbiss-Restaurant steht kurz vor dem Konkurs. Der Hilferuf der Mutter lockt Dario schliesslich mit allerlei Verbesserungsvorschlägen zurück in die alte Heimat. Dort muss er feststellen, dass «Césars Grill» tatsächlich kurz vor der Schliessung steht, die Mutter aber nicht da ist, um zwischen ihm und seinem Vater zu vermitteln. Dario und César, beide «Meister der Nicht-Kommunikation», wie der Junior gesteht, haben nur eine Chance, das kleine Lokal zu retten: Sie müssen miteinander sprechen – über das Geschäft, aber auch über ihre Gefühle.
Dario Aguirre nimmts mit Humor und Musik.
«Césars Grill» auf ein Genre zu beschränken, ist schwierig. Dario Aguirres biografische Erzählung ist eigentlich eine Dokumentation, unterhält aber gerade wegen ihrer lebensbejahenden Aussage. Darios Mutter hat Krebs – und trotzdem klagt sie nicht. César ist Zeit seines Lebens überschuldet, hat ein Restaurant in einem Gebäude, das wohl nie zu Ende gebaut wird – und trotzdem klagt er nicht. Nun gut, der Familienvater übertreibt es etwas mit dem Stolz, schliesslich geht er beinahe bankrott. Trotzdem können wir verwöhnten Mitteleuropäer uns eine Scheibe von den Einwohnern Ambatos, die alles andere als auf Rosen gebettet sind, abschneiden. Der Film vermittelt jede Menge Lokalkolorit und einen feinen Humor. Er zeigt aber auch, dass es dort wie hier im Grunde um dasselbe geht: um die Verwirklichung der eigenen Träume und das Streben nach Anerkennung der eigenen Familie.
«Césars Grill» läuft ab 30. Mai 2013 im kult.kino camera in Basel.
Weitere Filmstarts in Basel am 30. Mai: The Hangover 3, Seven Days in Havanna, Rosie, Schlafkrankheit.
«Main dans la main» läuft ab 23. Mai im kult.kino camera in Basel.
Wer schon einmal verliebt war, kennt das Gefühl. Man fühlt sich zu einem anderen Menschen beinahe körperlich hingezogen. Die französische Filmemacherin Valérie Donzelli hat dieses Phänomen wörtlich genommen und karikiert es in «Main dans la main» bis an die Grenze des Grotesken. Die Begegnung von Joachim Fox (Jérémie Elkaïm) mit Hélène Marchal (Valérie Lemercier) stellt das Leben der beiden auf den Kopf. Sie küssen sich, bevor sie ihre Namen kennen und können fortan nicht mehr ohne den anderen leben. Die beiden gibt es nur noch zusammen, sie kleben buchstäblich zusammen wie Plus- und Minuspol eines Magneten. Das klingt romantisch, ist es aber nicht. Denn die beiden können sich zu Beginn nicht leiden.
Hautnah: Hélène und Joachim. (Bilder: Frenetic)
Joachim und Hélène bewegen sich in Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Er ist ein Handwerker in einem Spiegelunternehmen, der mit Grossmutter und der Familie der Schwester unter einem Dach in der Provinz lebt und am liebsten auf seinem Longboard durch die Gegend cruist. Sie ist Direktorin der Pariser Ballettschule bewegt sich in der High Society der französischen Hauptstadt. Deshalb müssen sich die beiden Unzertrennlichen arrangieren. Nach einem unseligen Gastspiel in Joachims Heimat begleitet er Hélène nach Paris. Dort versuchen sie, einander loszuwerden. Doch wollen sie das auch wirklich?
Regisseurin und Darstellerin: Valérie Donzelli.
Regisseurin Donzelli, die gleichzeitig die Rolle von Joachims Schwester besetzt, dreht das Prinzip des Sich-Verliebens um. Anstatt dass sich das Paar zuerst ineinander verliebt und dann voneinander angezogen ist, herrscht in «Main dans la main» die umgekehrte Reihenfolge. Doch leider weist der Film einige Mängel auf. Einerseits wird das Aneinanderkleben nicht konsequent durchgezogen. Andererseits verleiht der körperliche Magnetismus dem Streifen slapstickartige Züge, die nicht ganz passen. Das Werk will Komödie und Liebesgeschichte gleichzeitig sein, doch für eine richtig gute Liebeskomödie fehlt etwas der rote Faden. Liebhaber des französischen Kinos kommen aber dennoch auf ihre Kosten. Komödiantin Valérie Lemercier beweist eindrucksoll, dass sie nicht nur lustig, sondern auch gefühlvoll sein kann, und mit Jérémie Elkaïm überzeugt ein frisches Gesicht.
«Main dans la main» läuft ab 23. Mai 2013 im kult.kino camera.
Weitere Filmstarts in Basel am 23. Mai: Fast and Furious 6, The Broken Circle, Le sommeil d’or.
Und hier noch ein Video-Interview mit Valérie Donzelli und Jérémie Elkaïm:
Bei Adrian Sieber läuft es rund: Seit heute wirbelt das neue Lied des Lovebugs-Sängers durch das Internet. «Round Round Song» heisst das Ding. Und natürlich gibt es dazu auch ein passendes Video – mit skurrilen Szenen, die im Loop rotieren, als hätte sie Regisseur Danila Kostil mit twitters Kürzestvideo-App Vine gedreht. Zu sehen gibt es etwa einen Gitarre spielenden Felsbrocken. Oder ein zweigeteilter Adrian Sieber am Strand.
Das in Barcelona gedrehte Video ist kurzweilig, der Stimmung sonnig. Jetzt müsste nur noch das Wetter passen zu dieser heiteren Single. Grund, den Kopf aus dem Stand zu strecken, hat Sieber jedenfalls allemal – denn fast so sicher wie die Sonne auf den Regen, folgt im Musikzirkus das Album auf die Vorab-Single. Eine erste Duftmarke ist gesetzt. Jetzt könnte gerne auch der Sommer kommen.
Adrian Siebers Single «Round Round Song» ist ab sofort auf iTunes erhältlich.
Jan Brauer: Hier für einmal mit wenig Fingerspitzengefühl (Foto: Nico Stinghe & Park Bennett)
Man kann der hiesigen Konzertlandschaft ja vieles vorwerfen, aber dass es den Bands, die sich tatsächlich nach Basel verirren, hier nicht gefallen würde, kann mit grösster Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Nur so ist es nämlich zu erklären, warum sich so viele Acts kurze Zeit nach ihrem ersten Konzert auf einer der hier beheimateten Konzertbühnen ein erneutes Stelldichein geben wollen.
So sind fast auf den Tag genau anderthalb Jahre vergangen, dass Daniel Brandt, Jan Brauer und Paul Frick, kurz Brandt Brauer Frick ein Konzert in der Kaserne gespielt haben und nun statten sie Basel am kommenden Pfingstwochenende erneut einen Besuch ab. Mit ihrem aktuellen Album «Miami» im Gepäck sind die drei Berliner diesen Sonntagabend, am 19. Mai 2013 im Hinterhof zu Gast… Diesen Beitrag weiterlesen »
Beim «Swiss Video Battle Turnier» bekämpfen sich Schweizer Rapper via Videoclip. Das «Schlaglicht»-Fazit nach der Qualifikation zeigt: Die Region Basel ist mit 13 Silben-Söldnern nicht nur überdurchschnittlich stark vertreten – diesmal liegt sogar der Titel drin.
Siegerlachen: Der Basler MadCed gewann die Vorrunde. (Screenshot: VBT)
Das ist beachtlich: Bei der Erstausgabe 2012 schafften es bei halb so viel Teinehmern nur zwei der auch heuer wieder antretenden vier Basler ins Viertelfinale – nämlich die beiden B1Recs-Söldner Bone und Rippa. Wenn am 19. Mai die KO-Runde des Swiss VBT startet, sind sie ebenso wieder am Start wie TMC Ries und ATeP. Die weiteren VBT-Vertreter aus der Region heissen MadCed, Misandope, Leikos, Sherry-ou, Muddy Pents, Smoky, Skip, R.I.G. und King Phips, aufgelistet nach ihrem Abschneiden in der Qualifikation. Diese wurde von einem starken Basler MadCed gewonnen. Die Bewertung erfolgt zu zwei Dritteln durch eine Jury-Urteil (Song, Video, Gesamteindruck), ein Drittel macht das Publikums-Voting aus.
Auf dem zweiten Platz: Bone sorgte bereits am VBT 2012 für Aufsehen. (Screenshot: VBT)
Die Vorrunde startet kommenden Sonntag (19.5.). Danach ist ein heisser Sommer angesagt, denn die Kämpfe ziehen sich hin bis Anfang Oktober – schliesslich gibt es zu jeder Begegnung eine Hin- und Rückrunde, damit ein Rapper das Gesagte des Gegners über dessen Beat kontern kann (hier mehr zu den Regeln). Wer es bis in den Final schafft, wird am Ende nicht weniger als zehn Videos abgeliefert haben – eine respektable Leistung.
Hier nun die Übersicht aller Vorrunden-Paarungen mit Basler, bzw. Baselbieter, Beteiligung (Reihenfolge gemäss Quali-Ranking). Die Rapper freuen sich bestimmt über Unterstützung der Schlaglicht-Leser. Wer weiss, vielleicht wandert nach DJ Bazookas Triumph am «Red Bull Thre3 Style»-Contest auch die VBT-Krone ans Rheinknie. Die Chancen scheinen nicht schlecht zu stehen. Diesen Beitrag weiterlesen »
Schlaglicht will Euch informieren über das, was läuft in Basel. In den Museen, auf den Bühnen, auf der Strasse. Wir schreiben, was wir sehen, was wir hören, was wir darüber denken – subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.