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Camel-Trophy der besonderen Art

Fabian Kern am Mittwoch, den 16. April 2014

«Tracks» läuft ab 17. April im kult.kino.atelier.

«Tracks» läuft ab 17. April im kult.kino.atelier.

«Ich wollte schon immer mal...» Gedanken mit einem solchen Beginn hatte schon jeder von uns. Mal auf Weltreise gehen, mal an den Nordpol reisen, mal mit dem Boot den Amazonas erforschen, mal auf einem Elefanten reiten. Doch wie viele setzen solche abenteuerlichen Wünsche auch wirklich um? Die Australierin Robyn Davidson (Mia Wasikowska) hat lange keinen solchen Wunsch. Im Jahr 1975 erfüllt sie nur eine grosse Leere, als es sie nach Alice Springs verschlägt, damals noch ein verschlafenes Wüstenkaff im Herzen des roten Kontinents. Da beschliesst die Mittzwanzigerin, nur mit ihrem Hund Diggity und der Unterstützung von drei Kamelen die 2700 Kilometer durch die Gibson-Wüste bis zum Indischen Ozean zurückzulegen, um ihre eigene Mitte zu finden.

Hartnäckiger Begleiter: Rick Smolan (Adam Driver).

Hartnäckig: Rick Smolan (Adam Driver).

Will allein sein: Robyn (Mia Wasikowska).

Will allein sein: Robyn (Mia Wasikowska).

Für diesen Plan erntet Robyn im patriarchalischen Australien der Siebzigerjahre nur mitleidiges Kopfschütteln, zumal sie weder über Kamele noch Geld verfügt. Also verdient sie sich die Trampeltiere mit monatelanger harter Arbeit auf zwei Kamelfarmen und lässt sich vom amerikanischen Fotografen Rick Smolan (Adam Driver) dazu überreden, sich von der Zeitschrift National Geographic sponsern zu lassen – für die Gegenleistung von regelmässigen Fotoshootings für Ricks Reportage. Diesen Deal bereut Robyn, welche das Alleinsein sucht, schon kurz nach dem Start ins Abenteuer. Die gestellten Posen gehen der eigenwilligen jungen Frau gründlich gegen den Strich, und sie lässt Rick ihre Abneigung spüren. Bis sie im Lauf der gefährlichen und kräftezehrenden Reise von der Einsamkeit übermannt wird und das Unternehmen abbrechen will. Auch, weil sie die Wirkung ihres Trips unterschätzt hat, und sich bald von einer Horde Journalisten aus aller Welt verfolgt sieht.

Der Star ist die Landschaft: Robyn allein in der Wüste. (Bilder: Ascot)

Der Star ist die Landschaft: Robyn (Mia Wasikowska) allein in der Wüste. (Bilder: Ascot)

Die Originale: Rick Smolan und Robyn Davidson.

Die Originale: Rick Smolan und Robyn Davidson.

Ist eine Geschichte – noch dazu eine wahre – derart stark, dann braucht es keine künstliche Inszenierung. Regisseur John Curran hat dies offensichtlich verstanden und setzt als einzigen Special Effect die grossartige Landschaft Australiens ein. Hinzu kommen schöne Momente wie den einseitigen Gesprächen zwischen Robyn und dem Aborigine-Ältesten Mr. Eddy (Rolley Mintuma), der sie einen Stück der Strecke führte. Ohne Pathos, mit einer grossartig widerspenstigen Mia Wasikoska («Alice im Wunderland») in der Hauptrolle beschreibt Curran eine unglaubliche Willensleistung. «Jeder kann alles schaffen», lautet das Motto von Robyn Davidson, die nach ihrer Reise den weltberühmten Roman «Tracks» veröffentlichte. Unter Beweis stellt die toughe Frau das auf eindrückliche Weise. «Tracks» ist ein wunderbarer Film für alle Aussteiger, Australien-Fans und jene, die ab und zu sagen: «Ich wollte schon immer mal...»

«Tracks» läuft ab 17. April 2014 im kult.kino.atelier in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 17. April: The Amazing Spider-Man 2, Ida.

Jetzt werden die Tanzschuhe geschnürt!

Joel Gernet am Dienstag, den 15. April 2014

Frühlingserwachen unter Basler Musikern: Mit Lovebugs-Frontman Adrian Sieber und Tom Swift laden gleich zwei Basler Sänger mit neuen Veröffentlichungen zum Tanz. Und aus Allschwil ist neuer Rap im Anmarsch.

Im Fall von Adrian Sieber gehts zum Tanz – getreu dem Motto «Saturday Night Sieber» – sogar in die Rollschuhdisco. Somit passt das Video zum Titelsong seiner neuen «Delirious EP» auch optisch perfekt zum Nu-Disco-Sound des experimentierfreudigen Sängers.

Die ausschliesslich digital erscheinende EP von Sieber gibts auf iTunes als Download – oder als Stream auf Soundcloud.

Bereits etwas länger als Siebers EP ist das Album «Dress Up» des stets blendend gelaunten Basler Reggae-, Soul-, Funk-Sängers Tom Swift im Umlauf. Neu hat auch der  Song «Just here to dance» ein visuelles Gewändchen verpasst bekommen. Und zwar vom «Team Switzerland», dem Basler Duo um Pascal Brun und Matthias Willi (bekannnt etwa durch das Buch-Projekt The Moment After The Show).

Wer eher auf urbane Klänge steht, wird bei der Rapcrew Mad Village aus Allschwil und Schönenbuch fündig. Das Debut-Album der Baselbieter erscheint am 18. April in Eigenregie. Allerdings handelt es sich keineswegs um Newcomer: Insbesondere der Kern der fünfköpfigen Crew um Len MC, StipBeatz und Milos ist seit über einem Jahrzehnt mit diversen Projekten in Erscheinung getreten. Um die Jahrtausendwende nannte man sich noch Weasel Syndikate und 2010 sorgten die Jungs mit dem Projekt Airline im Netz für Aufsehen – wegen des provokanten Videos zum Song «Fleisch». Da Mad Village noch kein Video zum kommenden Album am Start haben, beschliessen wir unseren Frühlingstanz-Überblick mit eben jenem «Fleisch»-Video. Schliesslich passt ein ordentlicher BBQ genauso zum Frühlingswetter wie das Wegtanzen der winterlichen Hüftsteife.

Kunst gegen brasilianische Gefängnis-Tristesse

Graziella Kuhn am Donnerstag, den 10. April 2014

Wenn Häftlinge auf klassische Musik und Malerei treffen, entsteht Ungewöhnliches. Die Basler Stiftung Brasilea zeigt diese Begegnungen in einer multimedialen Ausstellung. Heute ist Vernissage.

In Brasilien ist das Gefängnisleben geprägt von tristen Wänden. Es gibt keinerlei Dekoration oder auch nur die kleinste Möglichkeit, sich zu beschäftigen. Keine Bücher, Computer oder Fernseher. Das Einzige was den Insassen bleibt, ist der tägliche Spaziergang um den Baum im Hof – sofern denn einer da ist. Wenn es der Anstalt gut geht, besitzen sie eine kleine Bibliothek mit vielleicht 50 Büchern. Allerdings keine Gesetzesbücher: Häftlinge mit Gesetzkenntnissen, können gefährlich werden. Um der täglichen Einöde zu entschwinden, dürfen die männlichen Gefangenen sich eine Frau für sexuelle Dienste kommen lassen, den weiblichen Insassinnen bleibt dieses Recht jedoch verwehrt. Auch in diesem Land ist das Patriarchat – zumindest im Gefängnis— noch alles bestimmend.

Um gegen diese Tristesse des grauen Alltags anzukämpfen, hat das brasilianische Künstlerduo Mariannita Luzzati und Marcelo Bratke aus Sao Paolo das Projekt «NO LAND» lanciert. Die Landschaftsmalerin und der Pianist haben es sich zum Ziel gesetzt, die Insassen als Publikum auf eine Reise durch brasilianische Landschaften mitzunehmen – und so wieder Freude hinter den Gittern zu ermöglichen.

Begleitet werden die Zuschauer durch die Musik von Heitor Villa-Lobos und weiteren brasilianischen Komponisten, deren Inspirationsquelle in der Natur liegt. Die Musik wird visuell durch die Naturfilmaufnahmen und deren Interpretation von Mariannita Luzzati untermalt. Aus den Aufzeichnungen dieser aussergewöhnlichen Begegnungen ist ein Film entstanden: Eine Dokumentation über Emotionen und Leidenschaft, mit eindrücklichen Bildern und schöner Klaviermusik. Nach der Vorführung in zehn brasilianischen Haftanstalten, wurde «Cinemúsica» in Konzerthäusern und Museen in Brasilien, Deutschland, England, Serbien, Bosnien und den USA gezeigt – zusammen mit der Dokumentation über das Gefängnis-Projekt.

Die Stiftung Brasilea stellt ihre Räume am Dreiländereck für eine Symbiose aus Dokumentationsfilm, Landschaftsmalerei und Live-Musik zur Verfügung. So soll es den Betrachtern ermöglicht werden, das zu sehen, was die Gefängnis-Insassen sahen und fühlten. «Cinemúsica» erhielt im Jahr 2011 den 14. Brazilian International Press Award und wurde beim Art of Touch Sarajevo Winter Festival 2014 ausgezeichnet.

Emotionen im Gefängnis

Marcelo Bratke gehört zu den international bekanntesten Pianisten Brasiliens, dem das Werk seines renommierten Landmannes Heitor Villa-Lobos (1887-1959) am Herzen liegt. Bratkes musikalisches Repertoire reicht von Klassik bis zur populären Musik. Mit seinen musikalischen Vorführungen füllt er Konzerthäuser rund um den Globus, wie die Queen Elizabeth Hall in London, die Carnegie Hall in New York und das Teatro Colón in Buenos Aires. Mit der Musik und den Werken seiner Lebenspartnerin Mariannita Luzzati will er die zwischenmenschliche Ebene der Betrachter ansprechen. Ihre Bilder basieren auf eigenen Landschaftsaufnahmen und auf Fotos aus den Anfängen der Fotografie ab 1880. Einer Zeit, bevor der Mensch die Landschaftsansichten durch sein Einwirken stark verändert und geprägt hat.

Die Inhalte werden auf ein Minimum reduziert, um so das Sehen und auch die Fantasie des Betrachters zu stimulieren. Die Landschaften wirken wie in Nebel gehüllt, entstanden durch zahlreiche dünne Ölschichten, die die Ränder und Kanten leicht verschwimmen lassen. Luzzati will so im Betrachter das Gefühl des schon «Dagewesenseins» hervorrufen. Die vertraut wirkenden Szenen im Zusammenspiel mit der Musik lösten bei den Insassen und später auch beim Publikum starke Emotionen aus, wie Bratke schildert. Genau auf dieser Ebene will das Künstlerpaar die Menschen erreichen.

«NO LAND» von Mariannita Luzzati & Marcelo Bratke»
10. April bis 14. Mai 2014. Vernissage mit Klavierkonzert von Marcelo Bratke: Do. 10. April, ab 18.45 Uhr. Stiftung Brasilea, Westquaistrasse 39, Basel.

Zur neuen Ausstellung gibt es einen Workshop mit der Künstlerin Cerstin Thiemann. Als Inspiration dienen dabei Mariannita Luzzatis Landschaften. Mittels Motivsuche und Gestaltung werden dann eigene Bilder komponiert. Die Teilnehmerzahl für den Workshop ist limitiert. Mehr Infos

 

Aufstand der Lego-Männchen

Graziella Kuhn am Mittwoch, den 9. April 2014

Filmplakat The Lego Movie

«The Lego Movie» läuft ab 10. April im Pathé Küchlin.

Was tu ich mir da für einen Schrott an: Wie überlebe ich bitte diese 1,5 Stunden im Kino bei «The LEGO® Movie»? Und das Ganze dann auch noch in 3D. Reichte es den Lego-Machern nicht schon, dass sie die Gamewelt mit ihren Bauklötzchen-Männchen infiltrieren? Müssen sie nun auch auf die Leinwand? Trotz aller Vorwände war nach fünf Minuten im Kinosaal plötzlich «everything awesome!» – so die Hauptaussage des Titelsongs.

Genauso ist es auch: Der Film überzeugt nämlich auf der ganzen Linie! Ein Feuerwerk an rasanter Action, knalligen Farben, flotter Musik und natürlich Millionen von Legosteinen. Das Animationsabenteuer überrascht mit sehr viel Witz, Selbstironie, einer Menge an Popkultur- und Filmreferenzen und Gesellschaftskritik. Dazu der eingängige Awesome-Titelsong, der direkt der 90er-Jahre-Popgeneration entsprungen zu sein scheint und der sich zu einem veritablen Ohrwurm mausert: Bei mir ist alles super....

Lustige Weggefährten: Wyldsytle, Vitruvius, Emmet und das Einhornkätzchen (v.r.n.l; Bilder: Warner Bros.)

Lustige Gesellen: Wyldsytle, Vitruvius, Emmet und das Einhornkätzchen (v.r.n.l; Bild: Warner Bros.)

Die Fröhlichkeits-Matrix diktiert die Welt der farbigen Klötzchen, in der Bauarbeiter Emmet (gesprochen von Chris Pratt) zuhause ist. Der Tagesablauf folgt - tiefgründig allegorisch - einer exakten Anleitung, wie sie jedem LEGO-Spielzeug beiliegt: das morgendliche Aufstehritual, der Frühsport, das gemeinschaftliche Singen auf Arbeit und die Feierabendplanung im ständigen Wechsel zwischen Bockwurst und der Lieblingssitcom «Schatz, wo ist meine Hose?». Dieser überdrehten Gesellschaft, deren Leben in jeder einzelnen Sekunde per Gesetz geregelt wurde, obliegt einer Prophezeiung.

Die ultimative böse Macht: Lord Business (Bild: Warner Bros.)

Die ultimative böse Macht: Lord Business (Bild: Warner Bros.)

Denn der böse Lord Business (gesprochen von Will Ferrell, der auch im kurzen Liveaction-Segment zu sehen ist) hat die Ultra-Waffe «Kragle» gestohlen, um seine perfekt durchgeplante Welt zu erhalten. Daraufhin prophezeit Vitruvius (Morgan Freeman) die Ankunft eines speziellen «Meisterbauers», der alle von der grauenhaften Macht befreien soll: Dieser soll nun genau Emmet Brickowoski sein, der Bauarbeiter, dessen Gehirn nichts anderes kennt als Anleitungen. Doch nach einem Sturz nach der Arbeit entdeckt er zufällig den «Widerstands-Stein» («Piece of Resistance»), woraufhin er von Regimegegnerin Wyldstyle (Elizabeth Banks) für den prophezeiten Retter «Special» gehalten wird. Mit ihr erlebt er nun einen rasanten Road-Trip durch Welten wie den Wilden Westen, Mittelseeland und Wolkenkuckucksheim, wo sie auf ein ganzes Konglomerat von schrulligen Typen treffen, darunter Batman – übrigens der Partner von Wyldstyle –, Gandalf, der immer wieder mit Dumbledore verwechselt wird, Wonder Woman, Superman mit seinem Bewundern Green Lantern und dem Rest der «Justice League». Auch ein ewig lächelndes Einhornkätzchen mit krampfhaft unterdrückten Wutanfällen wird angetroffen, oder ein ausrangierter 80er-Jahre Astronaut sowie Basketballspieler wie Shaquille O’Neal.

Liebespaar: Wyldstyl gehört leider schon Batman. (Bilder: Keystone)

Liebespaar: Wyldstyl gehört leider schon Batman – Armer Emmet. (Bild: Keystone)

Die Regisseure Phil Lord und Christopher Miller («Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen») schafften es, den typischen Charakter des Legospielens einfliessen zu lassen, das bisweilen Züge alter Stop-Motion-Filme annimmt und seine staksigen Plastikfiguren im dreidimensionalen Raum plastisch real erscheinen lässt. Die Geschichte eines unbedarften Helden, der mit seinen Freunden gegen ein übermächtiges Regime antritt, ist nicht neu. Sie wird hier aber aberwitzig mit viel Spass und tollen Einfällen für Jung und Alt umgesetzt. Die Kernbotschaft von LEGO verfehlt ihre Wirkung nicht: es bleibt ein Appell an die eigene Kreativität, etwas immer wieder neu zu erschaffen, und an die Grenzenlosigkeit der Fantasie – ohne Anleitung.

«The Lego Movie» läuft ab 10. April 2014 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 10. April: Divergent, Sabotage, Pelo malo, Supercondriaque, Yves Saint Laurent.

Ein Vierteljahrhundert Rock’n'Roll

Joel Gernet am Freitag, den 28. März 2014

Deftig und direkt in die Fresse – gut möglich, dass die Lombego Surfers Basels lauteste Band sind. Und eine der beständigsten: 25 Jahre Bandgeschichte und zehn Alben sprechen für sich. Mit «Ticket Out Of Town» erscheint heute das jüngste Baby des Trios. Geboten wird purer, schnörkelloser «Surf'n'Roll», wie die Basler ihren Sound betiteln. Der Eigenbeschrieb auf der Homepage der Band bringt die Attitüde der Musiker ohnehin ziemlich gut auf den Punkt: «The Lombego Surfers are not some taned sunny boys from California but rather the hardest working Voodoo Rock Punkers with the coolest guitar riffs since the Stooges.»

The Lombego Surfers: Pascal Sandrin, Anthony Thomas und Olivier Joliat (v.l.). Foto: Matthias Willi

The Lombego Surfers: Pascal Sandrin, Anthony Thomas und Olivier Joliat (v.l.). Foto: Matthias Willi

Auch auf ihrem jüngsten Album sind die Lombego Surfers um Anthony Thomas (Gesang und Gitarre), Pascal Sandrin (Bass) und Olivier Joliat (Schlagzeug) meilenweit entfernt von Altersmilde. Im Gegenteil: Wenn man sich so durch das dreckige Dutzend Songs hört, könnte man meinen, Frontman Anthony Thomas ist eben erst dem Teenageralter entwachsen. Die Rotzlöffel-Attitüde steht dem Basler mit Wurzeln in Boston jedenfalls sehr gut – und sie wirkt immer noch authentisch.

Zudem wähnt sich der Hörer in einer längst vergangenen Zeit, als Musik noch analog aufgenommen und nicht zu digitalen Versatzwerken setziert wurde. Dreckig statt steril ist hier die Devise, alles reduziert aufs Minimum. Da macht es auch Sinn, dass «Ticket Out Of Town» in Live-Sessions im Kleinhüninger One Drop Studio aufgenommen wurde – schliesslich sind die Surfers konzerterprobt wie kaum eine andere Basler Band.

Zum Auftrakt der Platte – das Album erscheint auch als Vinyl-LP – gibt Sänger Thomas gleich den Tarif durch: «Got no money, I got style. Got no reason, I got right», sind die ersten Zeilen des Openers «My Style». Die Songs sind tendenziell kurz und heftig. Titel wie «I Was Wrong», «Sick», «Favourite Drinks» oder «Bad Decision» sprechen für sich. Sprücheklopfen, Party machen, Kater haben; sündigen und beichten. Das Album ist ein Kreislauf wie das Leben – mit all seinen Schattierungen. Rock'n'Roll pur, wunderbar hängengeblieben und somit auch zeitlos.

Cover smallGetreu dem Albumtitel «Ticket Out Of Town» touren die Lombego Surfers mit ihrem neusten Wurf wieder quer durch Europa. Bis jetzt stehen 21 Tourkonzerte an, vorwiegend in Deutschland. Wer das Trio in der Region erleben will, kann das am 26. April im Alten Zoll in Basel machen oder am 17. Mai in der Biomill Laufen.

The Lombego Surfers: Ticket Out Of Town. Release: 28. März 2014 (Flight13 Records). Erhältlich als Vinyl-LP (180 Gramm) oder CD.

Der Anti-Actionheld

Fabian Kern am Mittwoch, den 12. März 2014

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«Non-stop« läuft ab 13.3. im Capitol, Rex und Küchlin.

«Non-stop« läuft ab 13.3. im Capitol, Rex und Küchlin.

Als Liam Neeson als Oskar Schindler in Steven Spielbergs Nazi-Drama «Schindlers Liste» (1993) auf einen Schlag weltberühmt wurde, hätte in ihm wohl niemand einen Actionhelden erwartet. Der Nordire schien auf Charakterrollen abonniert. Entsprechende Auftritte in «Nell», «Michael Collins» und «Les Misérables» schienen das zu bestätigen. Doch bereits mit dem Part als «Rob Roy» und natürlich als Qui-Gon Jinn in «Star Wars – Episode I» deutete der gross gewachsene Schauspieler mit der markanten Nase sein Potenzial als vielschichtiger Actionstar an. In den letzten Jahren schliesslich schoss sich der heute 61-Jährige wortwörtlich und endgültig auf das lauteste aller Film-Genres ein.

Wo sitzt der Bösewicht? Bill Marks unter Strom. (Bilder: Impuls)

Bill Marks sucht den Bösewicht. (Bilder: Impuls)

In seinem neusten Auftritt in «Non-Stop» schliesst Neeson nahtlos an «Taken» 1 und 2 sowie an «Unknown Identity» an. Wenig überraschend, führte doch wie bei letzterem Jaume Collet-Serra Regie. Wieder spielt Neeson den gescheiterten Vater und abgehalfterte Agent, der wider Willen zum Retter mutieren muss. Als Bill Marks, der seinen Job als Federal Air Marshal – quasi ein Bodyguard für Flugzeuge – leid ist, sieht er sich auf einem Atlantikflug plötzlich mit einem Erpresser konfrontiert. Via SMS wird er angewiesen, 150 Millionen Dollar überweisen zu lassen. Bei Nichterfüllung würde alle 20 Minuten ein Mensch an Bord sterben. Der Alkoholiker muss alle seine grauen Zellen und Nerven zusammen nehmen, um den Bösewicht unter den Passagieren zu entlarven. Denn die Zeit tickt unerbittlich gegen ihn.

Jen Summers steht Marks bei.

Jen Summers (Julianne Moore) steht Marks bei.

«Non-Stop» hat einige Überraschungen auf Lager. Der Erpresser ist Marks immer einen Schritt voraus und scheint den alternden Agenten nach Belieben zu benutzen. So steht der herunter gekommene, aber rechtschaffene Air Marshal bald selbst im Verdacht, das Flugzeug zu entführen. Zudem ist es lange schwierig abzuschätzen, wer denn ein falsches Spiel spielt, denn verschiedene Passagiere benehmen sich höchst verdächtig. In der Anlage und von der Machart erinnert der Film an einen anderen Flugzeug-Thriller: «Flightplan». Im Gegensatz zum perfiden Streifen mit Jodie Foster aus dem Jahr 2005 kann «Non-Stop» die Spannung aber nicht ganz bis zum Schluss halten. Dennoch bietet er solide Spannungskost mit einem starken Cast, denn auch Julianne Moore ist mit von der Partie in luftiger Höhe. Einzig das mit dem Schiessen im Flugzeug hinterlässt beim Aviatik-Laien immer ein zweifelhaftes Gefühl. Aber man muss ja nicht alles wissenschaftlich hinterfragen.

Liam Neeson arbeitet derweil unverdrossen an seinem Ruf des Anti-Actionhelden. Er hat schon wieder drei Actionfilme in der Pipeline, darunter «Taken 3» und ein weiteres Werk von Jaume Collet-Serra. Der Mann dreht «Non-Stop».

«Non-Stop» läuft ab 13. März 2014 in den Basler Kinos Capitol, Pathé Küchlin und Rex.

Weitere Filmstarts in Basel am 13. März: The Book Thief, Vampire Academy, Pettersson und Findus, Tableau Noir, August: Osage County.

Blutbad in der Ägäis

Fabian Kern am Mittwoch, den 5. März 2014

«300 – Rise of an Empire» läuft ab 6. März im Rex und im Küchlin.

«300 – Rise of an Empire» läuft ab 6. März im Rex und im Küchlin.

Stahlblauer, wolkenloser Himmel und romantische Inseln in glattem, türkisem Wasser – so kennt und schätzt der durchschnittliche Mitteleuropäer die Ägäis. Von einer ganz anderen Seite lernt man das griechische Meer nun im Kinosaal kennen: Eine aufgewühlte schwarze See unter einer düsteren bleischweren Wolkendecke, die nur durch die stetigen Blitze aufgerissen wird. Für die einzigen Farbtupfer ist das spritzende Blut der fallenden Griechen und Perser besorgt. Das dafür in rauen Mengen. Was das für ein Streifen ist? Richtig geraten, wir befinden uns in «300 – Rise of an Empire», der von den Hardcore-Fans sehnlichst erwarteten Fortsetzung von Zack Snyders Kult-Splatterfilm aus dem Jahr 2006. Ja, so schnell vergeht die Zeit.

Der Pfeil der Provokation: Themistokles tötet Darius. (Bilder: Warner)

Der Pfeil der Provokation: Themistokles tötet Darius. (Bilder: Warner)

In den letzten sieben Jahren wurde oft diskutiert, wie man denn das Heldenepos um den spartanischen König Leonidas (Gerard Butler) und seine märtyrerische Mini-Armee weiterführen könnte. Comicautor Frank Miller hat die Antwort in seiner neusten Gothic Novel «Xerxes» gegeben, die dem neusten Film als Vorlage dient. Das Clevere am Plot: Die Handlung findet nicht, wie einer der Trailer suggeriert, als Anschluss an «300» statt, sondern überschneidet sich zeitlich. Held der Geschichte ist diesmal kein Spartaner, sondern ein Athener General. Themistokles (Sullivan Stapleton) sorgt mit der Tötung des persischen Königs Darius für die grösste Provokation der eroberungswütigen Asiaten. Der königliche Sprössling Xerxes (Rodrigo Santoro) sinnt auf Rache und schwingt sich, angestachelt von Darius' rechter Hand Artemisia (Eva Green) zum gefürchteten «Götterkönig» auf. Die Griechen sollen nicht nur besiegt, sondern auch gedemütigt und ausradiert werden. Dem stellt sich Themistokles entgegen, der fest an die Vereinigung der griechischen Stadtstaaten zu einer starken Einheit glaubt.

Grausam und sexy: Die persische Befehlshaberin Artemisia.

Grausam und sexy: Die persische Befehlshaberin Artemisia.

Der Star des neusten Gemetzels ist wie schon im Vorgänger weder der Hauptdarsteller noch die Story, sondern die Optik. Den Wechsel auf dem Regie-Stuhl von Snyder zu Noam Murro («Smart People) merkt der Zuschauer nicht, die Schlachten kommen genau so gewaltig daher, nun sogar in beeindruckender 3D-Optik. Da möchte man sich nach jedem Schwerthieb das Blut vom Gesicht wischen, und angesichts des neuen Schlachtfelds, der hohen See, kommt vielleicht der eine oder andere empfindliche Magen in Aufruhr. Themistokles bietet mit seinen mickrigen 50 Schiffchen Artemisias 1000 Galeeren-starken Flotte die Stirn und kämpft zeitgleich wie Leonidas mit seinen tapferen Mannen. Während die zusätzliche Dimension des Meeres dem Werk einen frischen Anstrich verleiht, wird die Figur der weiblichen Befehlshaberin den ohnehin schon übermächtigen Anteil von männlichen Kinogängern noch weiter in die Höhe treiben. Eva Green verleiht der eiskalten Rächerin einen unglaublichen Sex-Appeal, dem auch der griechische Held nicht widerstehen kann. Ein Highlight ist der Geschlechtsakt zwischen den Widersachern: Man weiss gar nicht, ob man ihn als Sex- oder Gewaltszene einordnen soll.

Zerstrittene Stadtstaaten: Spartas Königin Gorgo und Athens General Themistokles.

Zerstrittene Stadtstaaten: Spartas Königin Gorgo und Athens General Themistokles.

«300 – Rise of an Empire» ist Testosteron-Kino in Reinkultur. Da stören nicht einmal die flammenden Reden von Themistokles, die immer wieder an Loyalität bis zur Selbstaufgabe appellieren. Schliesslich geht es um Ruhm und Ehre – und nicht zuletzt um die Freiheit, das höchste Gut eines Mannes. Wahre Hingabe und Leidenschaft besiegen die zahlenmässige, aber seelenlose Übermacht, Demokratie schlägt Tyrannei. Für solche Werte lohnt es sich schon mal, die Ägäis mit Blut und Leichen zu überfluten.

«300 – Rise of an Empire» läuft ab 6. März 2014 in den Basler Kinos Rex und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 6. März: Saving Mr. Banks, The Grand Budapest Hotel, Tokyo Family, Bibi & Tina – der Film.

Die BScene 2014 aus den Augen der Künstler, Teil 2: The Waves

Luca Bruno am Dienstag, den 4. März 2014

BSceneLogoBezüglich unserer alljährlichen Berichterstattung zur BScene haben in der Vergangenheit vor allem wir selbst oder die Organisatoren das Zepter übernommen. Für die diesjährige Ausgabe überlassen wir nun den auftretenden Künstlern selbst das Wort. Während der achtzehnten Edition der BScene haben wir mit einigen ausgewählten Künstlern Kurzinterviews geführt, die wir euch hiermit präsentieren. Heute an der Reihe: The Waves. Eine noch ziemlich junge Basler Band, die sich unüberhörbar der R.O.C.K.-musik verschrieben hat.

The Waves: Yannick Frich, Ruben Bachmann, Silas Gusset und Micha Setlik (v.l.n.r.)

The Waves: Yannick Frich, Ruben Bachmann, Silas Gusset und Micha Setlik (v.l.n.r.). Kopf hoch! Sollte es mit der Musikkarriere nicht klappen, gibt es noch immer die Option «Haarmodelle».

Betrachtet man die musikalischen Trends, die in dieser Stadt derzeit Vorrang haben, stellt sich folgende Frage: Steht man als Gitarrenband in Basel auf verlorenem Posten?
Micha Setlik, Vocals/Gitarre: Naja, zumindest The Waves gibt es ja noch! Und uns wird es auch noch lange geben!
Ruben Bachmann, Gitarre: Und dann gibt es ja auch noch haufenweise andere Gitarrenbands in Basel... Ich arbeite in einem Musikladen und kann dort jeden Tag wieder aufs Neue feststellen, dass es in Basel noch immer sehr viele Musiker gibt, die sich der Rockmusik widmen.

Stört es euch, als Vertreter der Rockmusik, dass die BScene dieses Jahr auch vermehrt elektronische Acts ins Programm aufgenommen hat?
Setlik: Nun ja, unser Drummer Yannick hat am späteren Abend auch noch einen Auftritt als DJ und bekommt da viel mehr Gage als wir jetzt. Das geht natürlich überhaupt nicht (lacht). Aber im Ernst: Das stört mich überhaupt nicht. Das ist halt einfach eine musikalische Tendenz, die momentan ziemlich fest spürbar ist. Übrigens auch bei ganz vielen Rockbands: Da gibt es ja derzeit einige, die sich neuerdings am Synthpop versuchen…

Heisst das also, dass bei euch Keyboards weder in den Proberaum noch auf die Bühne kommen?
Bachmann: Keyboards waren bei uns definitiv auch schon ein Thema. Das Schöne am Keyboard ist halt, dass du damit ganz andere Klangfarben in deine Musik reinbringen kannst. Das kannst du mit der Gitarre natürlich auch – aber nur bis zu einem gewissen Grad. Eine derart breite Soundpalette wie diejenige eines Keyboards kannst du mit einer Gitarre einfach nicht abdecken.

Das Herz von «The Waves» schlägt unverkennbar für den Gitarrenrock. Jedoch haben die einzelnen Mitglieder ziemlich unterschiedliche Musikbiographien. Was sind die Einzelteile, aus denen sich die Musik von «The Waves» zusammensetzt?
Setlik: Auf mich hatten sicherlich Oasis, Richard Ashcroft und die ganze übrige «Britpop»-Szene den grössten musikalischen Einfluss. Aber das ist natürlich noch längst nicht alles – was sich ja auch in unserer Musik zeigt. So sagen wir intern zum Beispiel immer, dass sich unser jüngster Song ziemlich fest nach B.R.M.C. anhört. Und die ruhige, amerikanische Art à la Ryan Adams schwebt bei uns natürlich auch immer mit.
Bachmann: Ich hingegen war lange Zeit ein riesiger U2-Fan, habe aber ebenfalls immer viel Oasis und Britpop gehört. Und Kings of Leon. Und Bon Iver. Und Coldplay…
Setlik: Unser Drummer Yannick hingegen kommt - wie schon erwähnt - aus der elektronischen Ecke. Und unser Bassist Silas, der früher Teil von The Triad war, hat bislang mit Leib und Seele den Stoner Rock ausgelebt. So macht es rückblickend betrachtet also schon Sinn, dass wir uns ausgerechnet im Gitarrenrock zusammengefunden haben - aber es war definitiv keine Entscheidung, die wir im vornherein bewusst getroffen haben.
Wichtig ist ja eigentlich sowieso nur, dass es für uns momentan funktioniert und es uns dabei auch Spass macht. Aber ich schätze, dass unsere Musik in zehn Jahren ganz anders klingen wird als jetzt.

Was machen «The Waves» in zehn Jahren also?
Setlik: Immer noch montags und mittwochs fleissig proben. Und natürlich ab und zu an der BScene spielen.

Dann wieder im Sommercasino, so wie heute?
Setlik: Ich war überrascht, dass das Sommercasino dieses Jahr überhaupt dabei war. Die Location ist ja eigentlich ziemlich weit weg von allen anderen Orten, die ich sonst normalerweise an einer BScene besuche. Gleichzeitig habe ich aber auch sofort gewusst, dass die Soundverhältnisse im Sommercasino meistens sehr gut sind und es dementsprechend immer «geil» tönt, wenn man hier spielt. Ich habe mich also durchaus gefreut, hier spielen zu dürfen.

Aber wenn ihr jetzt für euren Auftritt an der BScene 2015 einen Ort frei nach Wahl aussuchen dürftet, dann wäre es wahrscheinlich nicht das Sommercasino, oder?
Setlik: Am coolsten wäre es natürlich in der Reithalle in der Kaserne zu spielen. Aber ehrlich gesagt würde ich nächstes Jahr dort noch nicht auftreten wollen. Wir sind schliesslich noch immer mitten in einem musikalischen Findungsprozess und haben unsere Bandidentität noch nicht zu 100 Prozent gefunden.
Bachmann: Ja, angesprochener Selbstfindungsakt ist immer noch in vollem Gange. Darum sind wir beispielsweise momentan auch noch nicht dazu bereit, ein Album oder ähnliches aufzunehmen.
Setlik: Bezüglich Studioaufnahmen mache ich der Band noch einen weiteren Stich durch die Rechnung: Ich gehe im August nämlich für fünf Monate in die Ferien. Die Welt muss also noch ein wenig warten, bis sie von uns erobert werden kann.

Und welche Tipps gebt ihr einer aufstrebenden Basler Band, die nächstes Jahr an der BScene spielen möchte, mit auf den Weg?
Setlik: Üben, üben, üben.
Bachmann: Und - das darf durchaus auch einmal gesagt werden - es gibt ein paar Schlüsselpersonen in Basel, bei denen es nur von Vorteil sein kann, wenn man sie kennt.

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Die BScene 2014 aus den Augen der Künstler, Teil 1: Two and Yuna

Luca Bruno am Samstag, den 1. März 2014

BSceneLogoBezüglich unserer alljährlichen Berichterstattung zur BScene haben in der Vergangenheit vor allem wir selbst oder die Organisatoren das Zepter übernommen. Für die diesjährige Ausgabe überlassen wir nun den auftretenden Künstlern selbst das Wort. Während der achtzehnten Edition der BScene haben wir mit einigen ausgewählten Künstlern Kurzinterviews geführt, die wir euch nun präsentieren. Den Anfang macht das Duo Two and Yuna, welches am Freitagabend die BScene im Parterre eröffnen durfte und dabei gleichzeitig auch zum ersten Mal überhaupt an der BScene auftrat.

Two and Yuna. Luzian Graber (l.) & Chantal Krebs (r.)

Two and Yuna. Luzian Graber (l.) & Chantal Krebs (r.)

Vor wenigen Minuten habt ihr euren allerersten BScene-Auftritt absolviert. Seid ihr zufrieden damit?
Chantal Krebs, Piano/Vocals:
Ja, sehr sogar! Wir haben letzten Donnerstag ein Konzert in Winterthur gespielt und dort war ich überhaupt nicht zufrieden. Zwar sind wir in Winterthur nicht irgendwie schlechter angekommen als jetzt gerade vorher, aber ich hatte nach jenem Konzert trotzdem ein viel schlechteres Gefühl als heute.
Luzian Graber, Drums: Die Voraussetzungen dort waren im Gegensatz zu heute allerdings auch ziemlich anders…
Krebs: Das Publikum heute hat auf alle Fälle sehr gut zugehört. Das hat mich sehr erstaunt. Es ist so angenehm zu wissen, dass dir die Leute auch wirklich zuhören, wenn du spielst.

Two and Yuna Ihr steht mit eurer Band «Two and Yuna» noch ziemlich am Anfang eurer Karriere. Inwiefern könnt ihr von einem Auftritt an der BScene profitieren?
Graber: Zuerst einmal ist die öffentliche Wahrnehmung eines Auftritts an der BScene im Vergleich zu den anderen Veranstaltungen, an denen wir bis jetzt gespielt haben, natürlich grösser. Nicht nur, weil es ein Festival ist, welches von sehr vielen Leuten besucht wird – also auch solchen, die uns noch nicht kennen – sondern auch, weil du generell mehr Aufmerksamkeit erhältst: So wurden wir im Rahmen des Festivals beispielsweise auch von Radio X interviewt und konnten unsere Musik dort ebenfalls vorstellen.
Krebs: Und dazu kommt: Das BScene-Publikum ist äusserst musikinteressiert! Es besucht das Festival, weil es Musik hören will.

Dass ihr für euren ersten Auftritt ins Parterre, eine der kleinsten BScene-Bühnen, gebucht wurdet und ihr bereits freitags um halb Zehn spielen musstet, stört euch dabei also nicht?
Krebs: Nein. Wir sind schon total glücklich darüber, dass wir heute überhaupt auftreten durften.

Wie sieht es mit euren Studioaufnahmen aus?
Krebs: Nächste Woche nehmen wir eine EP auf, die wir im Herbst veröffentlichen wollen. Und selbstverständlich stehen auch noch ein paar weitere Konzerte an. Wir wollen zum Beispiel auf der Summerstage spielen! (lacht) [Anm.: Die BScene schickt dieses Jahr eine von fünf im Vorfeld ausgewählten Bands mittels SMS-Voting auf die Summerstage. Two and Yuna sind eine der fünf Bands, die im Rennen um diesen Slot sind.]
Graber: Unser primäres Ziel für die nächste Zeit ist eindeutig, diese EP fertig zu bekommen. Wobei wir einen Teil davon eigentlich schon haben.
Krebs: Genau. Der Song «Lost», gleichzeitig auch der erste Song, den wir je aufgenommen haben, wird Teil dieser EP sein.

Eure in erster Linie nur von Piano und Drums getragene Musik erinnert durch ihre Reduziertheit an Regina Spektor oder Fiona Apple. Wo liegen also eure Inspirationsquellen?
Krebs:
 Fiona Apple habe ich tatsächlich früher sehr gerne und oft gehört und sie hat mich musikalisch definitiv inspiriert. Und sonst: Patrick Watson, oder ganz allgemein andere Singer/Songwriter beziehungsweise Menschen am Klavier. Aber die Samples, die wir via Laptop einspielen sind mir natürlich auch sehr wichtig. Denn wenn wir nur Klavier und Schlagzeug hätten, dann würde mir definitiv etwas fehlen.
Grabner: Bei mir sind es eher weniger konkrete Einflüsse – ich kann jetzt also keine Bandnamen nennen – sondern ganz generell einfach Musik, die sich mit Sound auseinandersetzt. Darum funktioniert übrigens auch unsere Zusammenarbeit so gut: Chantal kümmert sich um das Songwriting und zusammen schauen wir dann, wie das ganze möglichst gut tönen könnte.

Ständiger Begleiter der Band: Yuna.

Ständiger Begleiter der Band: Yuna.

Euer Bandname lässt darauf schliessen, dass ihr eigentlich gar kein Duo, sondern in Wirklichkeit ein Trio seid. Bei euren Konzerten begleitet euch ein Porträt von Yuna, welches ihr heute am vorderen Bühnenrand platziert habt. Wer ist diese Yuna?
Krebs: Nach einem Konzert von uns hat ein Künstler – inspiriert durch unsere Musik - Yuna gemalt und sie mir anschliessend präsentiert. Zwar betonte er, dass dieses Bild nur eine Skizze sei und er sie noch viel besser malen könnte, aber ich habe sofort gewusst, dass das Mädchen auf diesem Bild unsere Yuna ist. Seither ist sie überall und immer dabei und besonders bei unseren Konzerten ein ständiger Begleiter. Unser Bandname existiert zwar schon länger als das Bild, durch dieses Portrait fühlt es sich allerdings noch viel realer an.

Und ist Yuna ebenfalls zufrieden mit dem heutigen Auftritt?
Krebs: Das kann ich nicht beantworten. Sie ist immer äusserst kritisch.

Open Air Basel wirft erste Köder aus

Gawin Steiner am Dienstag, den 25. Februar 2014

Es ist sicherlich ein Highlight am Basler-Sommer-Event-Himmel: Das Open Air Basel, welches 2014 erst zum zweiten Mal unter diesem Namen stattfindet. Im August soll bei der Kaserne wieder getanzt, gesungen und getrunken werden. Getanzt zu Musik, bei der wahrscheinlich nicht jeder sofort den Rhythmus findet. Und die breite Masse den Songtext wohl nicht aus dem Stehgreif hervorholen kann. Mit «Fink» am Freitag und «Mount Kimbie» am Samstag, wurden pünktlich zum Vorverkaufsstart die ersten beiden Acts bekannt.

2013 konnten «Crystal Fighters» das Publikum auf dem Kasernenareal begeistern.

2013 vermochten «Crystal Fighters» das Publikum auf dem Kasernenareal zu begeistern. (Bild: Lucian Hunziker)

Doch das sind erst die ersten beiden ‹Tropfen› des Line Ups. Die weiteren Acts werden dann Ende März und Anfang April bekannt gegeben. Dann soll auch der eigentliche Headliner genannt werden.

Einen kleinen Vorgeschmack auf die bereits bekannten Acts wollen wir unseren Lesern aber trotzdem nicht vorenthalten:
Fink, zu bürgerlichem Namen Finian Paul Greenall, ist ein englischer Singer/Songwriter aus Brighton. Der 32-Jährige schlägt zusammen mit seinem Bassisten und seinem Drummer sanfte Töne an. Mit seiner beruhigend wirkenden Stimme baut er immer wieder Spannung auf, die kurz vor dem Höhepunkt aber wieder zur Ruhe selbst wird.


Musik für Geniesser: «Fink» in Studioqualität (l.) und live (r.).

Ruppiger geht es bei Mount Kimbie zu: Die Londoner Band um Dominic Maker und Kai Campos lässt Minimal aus den Lautsprechern ertönen mit einer ordentlichen Portion Bass. Mit jeder Menge eingebauter orientalischen Klängen differenzieren sie sich aber stark vom typischen Minimal in den Basler Clubs. Definitiv tanzbar.


Tanzbar: Elektronische Klänge von Mount Kimbie in Studioqualität (l.) und live (r.).

Openair Basel, 15./16. August 2014, Kasernenareal Basel
www.openairbs.ch
www.facebook.com/OpenAirBasel
Tickets gibts auf www.starticket.ch

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