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Smash137 lackiert Basels neustes Hotel und landet einen Coup in Frankreich

Joel Gernet am Mittwoch, den 17. September 2014

Kaum in Betrieb, schon versprayt: Zur offiziellen Eröffnung des neuen Basler Novotels gestaltet der Basler Graffiti-Künstler Smash137 zwei Wände. Und in Frankreich wird der Sprayer ab kommender Woche in tausenden Anwaltsbüros vertreten sein.

Abstraktion eines Namens: Die Arbeitsversion eines Smash137-Bildes im Novotel.

Abstraktion eines Namens: Die Arbeitsversion eines Smash137-Bildes im Novotel.

Die Mittagssonne kommt Graffiti-Künstler Smash137 gar nicht gelegen: Der harte Schattenwurf lässt sein entstehendes Bild an der porösen Wand in einem kantigen und körnigen Licht erscheinen. «Ich male nicht nach Farben, sondern nach Kontrast», erklärt der Basler. Angewöhnt hat er sich diese Praktik vor über zwei Dekaden als seine Sprayer-Laufbahn nachts an der Basler Bahnhofseinfahrt begann. Es war der Anfang einer Erfolgsgeschichte: Der 35-Jährige gehört inzwischen zur weltweiten Elite im Bereich der urbanen Kunst – und er etabliert sich langsam auch im grossen Kunstbetrieb abseits der Streetart- und Graffiti-Nische.

Adrian Falkner aka Smash137 im Novotel Basel. Foto: Lucian Hunziker.

Adrian Falkner aka Smash137 im Novotel Basel.
Foto: Lucian Hunziker.

Jetzt steht Adrian Falkner, so der bürgerliche Name von Smash137, also vor der Sichtbetonmauer auf der Rückseite des frisch eröffneten Novotels an der Basler Grosspeterstrasse und macht sich Gedanken zum Schattenspiel auf seinem Bild. Die Basler Bahnhofseinfahrt, wo sein schwungvoller Graffiti-Stil damals seine ersten Blüten trieb, liegt nur wenige Schritte entfernt. Hier, hinter Basels jüngstem Hotel, rollen allerdings nicht täglich Tausende Pendler an seinen Werken vorbei.

Hier kommen Geschäftsleute zum Zug: Die beiden Bilder von Smash137 sind von den Konferenzräumen im Untergeschoss aus zu sehen. Aus deren Perspektive wirken die Aussenbilder wie Gemälde an der Zimmerwand – eine raffinierte architektonische Lösung in Anbetracht der wenig anschaulichen Strassen und den engen Platzverhältnissen rund ums Hotel.

Ausufernd in alle Richtungen: Ein typisches Smash137-Graffiti.

Ausufernd in alle Richtungen: Ein typisches Smash137-Graffiti.

«Vom Stil her sind die Bilder ein Mischung aus meinen Innen- und meinen Aussenarbeiten», erklärt Smash137. Ein Blick auf die Wand zeigt, was er meint: An ihren Rändern lässt der Künstler seine Werke weitläufig ausklingen, wie man es von den typischen Smash137-Graffitis her kennt. In der Bildmitte hingegen werden die Strukturen verdichtet – und zwar in dem von Innen sichtbaren Bereich.

Während seiner Arbeit im Novotel geniesst Smash137 den vollen Komfort des Business- und Lifestyle Hotels. «Ich habe eine wunderbare Zeit – Ferien in der eigenen Stadt, das kann ich jedem nur empfehlen», findet der Basler, den es inzwischen ins Hotelrestaurant verschlagen hat. Vor ihm ein Clubsandwich und ein Pinot Noir von der Aescher Domaine Nussbaumer.

Verantwortlich für den regionalen Wein im Sortiment und die regionale Kunst an der Wand ist der junge Hoteldirektor Robin Deb. Der Kunstliebhaber versucht, das Quartier und die Stadt so gut wie möglich in sein Haus einzubinden. Erstaunlich und erfreulich, dass der Hotelmanager im Neubau an der Münchensteinerbrücke über so viel Freiheit verfügt – schliesslich gehören das Novotel und das angegliederte Ibis-Hotel zum weltweit agierenden Hotelgiganten Accor.

Das künstlerische Konzept des kreativen Hoteldirektors war für Smash137 ausschlaggebend für die Teilnahme. Als Vermittler hatte der Basler Streetart-Kenner und Artstübli-Betreiber Philipp Brogli seine Finger mit im Spiel. Der Auftrag im Novotel ist für Smash137 der erste Basler Auftrag seit längerer Zeit. «Ich lehne bedeutend mehr Anfragen ab, als ich annehme», erklärt der 35-Jährige. Ein Privileg, das nicht jedem Künstler zuteil wird. Wen oder was der Basler berücksichtigt, hängt auch von dessen Jahresplanung ab: Herzstück neben diverser Gruppen-Projekten sind im besten Fall eine grosse Einzelausstellung im Frühling und im Herbst (auch keine Selbstverständlichkeit).

Parkhausdach: Das Smash137-Projekt «The Z» in Detroit. Foto: Sal Rodriguez

Parkhausdach: Das Smash137-Projekt «The Z» in Detroit.
Foto: Sal Rodriguez

Vor einem Jahr war das etwa in Detroit mit der Solo-Show «Disclosure» der Fall: Smash137 erschuf sämtliche Werke vor Ort und sorgte zudem für Aufsehen, als er die Spitze eines brandneuen Parkhauses grossflächig bemalte: Dieses wurde von Dan Gilbert erbaut, ein führender Kopf beim Wiederaufbau der heruntergekommenen Auto-Metropole und Besitzer der Cleveland Cavaliers.

«Einmal hat mich Dan mit der ganzen Basketballmannschaft Besucht», erinnert sich der Basler. «Das war ein Highlight – schliesslich habe ich wegen Sportmannschaften wie den Cavaliers mit Graffiti angefangen.» Dazu sei gesagt: In den 90er Jahren waren die Klamotten amerikanischer Baseball, Basketball und Football-Teams in der HipHop-Szene das Nonplusultra – US-Sport und Rap wurden auch am Rheinknie quasi in einem Atemzug aufgesogen.

Coup: Das französische Zivilrechtsbuch mit dem Cover von Smash137.

Coup: Das französische Zivilrechtsbuch mit dem Cover von Smash137.

Diesen Frühling hatte Smash137 zudem eine grosse Solo-Ausstellung in Paris, für die er mit rund 50 Bildern überdurchschnittlich viele Werke abliefern konnte. «Im Arrondissement, in dem sich die Galerie befand, gehört Kunstsammeln zum guten Ton», erklärt Adrian Falkner, dem kommende Woche in Frankreich eine ganz spezielle Ehre zuteil wird: Eines seiner Bilder ziert das Titelblatt des neuen Zivilgesetzbuches (Code Civil 2015) und dürfte somit bald im Regal von tausenden Anwälten stehen.

Da kann sich auch Sprayer Smash137 ein Schmunzeln nicht verkneifen. «Viele Pariser Kunstsammler sind Anwälte – anders kann ich mir das nicht erklären. Ich wurde vor vollendete Tatsachen gestellt.»

Im Dezember bestreitet der Basler seine nächste Einzelausstellung in Saarbrücken. Die Vorbereitungen laufen. Zuerst aber müssen die beiden Bilder im Novotel beendet werden. Die Mittagssonne hat sich inzwischen verzogen. «Die Sonne ist weg – so geht es schon viel besser», findet Smash137 und setzt zu einer Linie an.

Zurück in den düsteren Gassen von Sin City

Fabian Kern am Mittwoch, den 17. September 2014

«Sin City 2» läuft ab 18.9. im Küchlin.

«Sin City 2» läuft ab 18.9. im Pathé Küchlin und im Rex.

«Diese verdorbene Stadt beschmutzt alle.» Nancys Satz bringt Sin City auf den Punkt. Und dennoch haben wir sie während neun langen Jahren vermisst, diese Stadt der verlorenen Seelen. Wo selbst die besten Charaktere irgendwann auf die falsche Seite geraten – doch welche ist eigentlich die richtige in diesem Resort der Outlaws? Dwight (Josh Brolin) scheint ein aufrechter Bürger zu sein, doch auch er muss den Dämon in sich ständig zurückhalten, um nicht Leute umzubringen. Dwight? Richtig, das war im ersten Teil noch Clive Owen. Nun, in «Sin City: A Dame to Kill For», erfahren wir seine Vorgeschichte. Warum er Ava Lord (Eva Green) dermassen verfallen ist, dass er sogar für sie tötet. Und warum Josh Brolin plötzlich wie Clive Owen aussieht.

Sexy und wütend: Nancy.

Sexy und wütend: Nancy (Jessica Alba).

Es sind wieder verschiedene Geschichten, die Frank Miller uns erzählt, genau genommen vier an der Zahl. Die oben erwähnte Titelstory nimmt den Hauptanteil des Films ein und ist nicht das einzige Prequel zu «Sin City», denn neben Dwights Geschichte kommt auch der bullige Marv (Mickey Rourke) zu einem Solo-Auftritt. Marv? Richtig, der kam im ersten Teil um. Auch bei seiner blutigen Einlage gleich zu Beginn handelt es sich um eine Vorgeschichte. Regisseur Robert Rodriguez gibt zu, er habe mit Millers Büchern viel mehr herumgespielt als noch vor neun Jahren. Doch auch zwei neue Geschichten werden geboten, beide drehen sich um den skrupellosen Senator Roark (Powers Boothe), der sich einerseits gegen den respektlosen Kartenspieler Johnny (Joseph Gordon-Levitt) wehren muss und andererseits Ziel von Nancys (Jessica Alba) Rachefeldzug wird, die vier Jahre nach Hartigans (Bruce Willis) Freitod endlich blutige Rache nehmen will.

Alter Haudegen: Marv.

Alter Haudegen: Marv (Mickey Rourke).

Der klare Schwerpunkt auf eine Geschichte macht «Sin City: A Dame to Kill For» nicht einfach zu einer Fortsetzung seines Vorgängers, sondern zu einem eigenen Film. Die Erzählung ist stringenter und schneller, dafür weniger episodenhaft, weniger verschachtelt – und weniger genial. Das ist logischerweise auch dem Fehlen des Überraschungseffekts geschuldet, denn der erste Teil war bahnbrechend. Dennoch kommt das neue Werk stark daher, es ist kein billiger Abklatsch und auch kein Schund wie Frank Millers völlig verunglückter «The Spirit» (2008). Das Konzept des Film Noir mit dem Erzähler im Off wird durchgezogen, und die 3D-Technik poliert die ohnehin schon geniale Optik weiter auf. Die Figuren werden von der Kulisse abgehoben, wodurch der Graphic-Novel-Effekt noch verstärkt wirkt. Man fühlt sich wie ein Teil von Sin City, das übrigens weder Los Angeles noch Chicago ist, sondern ganz unspektakulär Austin, Texas.

Starke «Debütanten: Eva Green und Josh Brolin...

Starke «Debütanten»: Eva Green, Josh Brolin...

... und Joseph Gordon-Levitt als Draufgänger.

... und Joseph Gordon-Levitt als Draufgänger.

Muss man über die Besetzung noch Worte verlieren? Eigentlich reicht es, sich einfach die Namen auf der Zunge zergehen zu lassen? Jessica Alba, Mickey Rourke, Rosario Dawson und Bruce Willis, die ihre altbekannten Rollen einnehmen, werden ergänzt durch Josh Brolin, Eva Green, Joseph Gordon-Levitt, Ray Liotta und Christopher Lloyd. Da lacht das Herz. Die Highlights der Neuen sind sicher Brolin und die betörende Eva Green, die öfters nackt als angezogen auftritt und eigentlich dieselbe Rolle spielt wie als böse Heerführerin in «300 – Rise of an Empire». Die Britin ist geboren für die abgründige Femme Fatale. Die Stars scheinen Schlange zu stehen, um als Schwarz-Weiss-Comicfigur auf die Leinwand gebannt zu werden. Aber Achtung: Leichen pflastern die düsteren Gassen von Sin City. Diese verdorbene Stadt beschmutzt alle und verschont auch Hollywood-Grössen nicht.

«Sin City – A Dame to Kill For» läuft ab 18. September 2014 in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Rex.

Für Nostalgiker oder zum Auffrischen: Das war Sin City (2005)

Weitere Filmstarts in Basel am 18. September: Der Kreis, If I Stay, My Name Is Salt, Schossgebete, Gemma Bovary, 20 Regeln für Sylvie.

Mami und Papi machen einen Porno

Fabian Kern am Mittwoch, den 10. September 2014

«Sex Tape» läuft ab 11.9. im Küchlin und im Capitol.

«Sex Tape» läuft ab 11.9. im Küchlin und im Capitol.

Zugegeben, der Trailer zu «Sex Tape» bereitet einen auf einen echten Kracher vor. Aber der erfahrene Komödien-Konsument ist schon oft genug in diese Falle getappt. Wenn ein Trailer zu lustig ist, hat man vielfach schon die besten Gags gesehen. Komödien sind das heikelste Filmgenre. Genau den Ton zu treffen, der zwischen lahm und geschmacklos genau lustig ist, kommt einer grossen Herausforderung gleich, die oft unterschätzt wird. Bestes Beispiel dafür, wie unterhaltsam eine Komödie sein kann, obwohl sie eigentlich abgelutschte anzügliche Pointen aneinander reiht, ist «We're the Millers» mit Jason Sudeikis und Jennifer Aniston, der Kassenknüller von 2013. Komödien sind ein Mysterium.

Entsetzen vor dem Mac: Annie und Jay.

Nachher: Entsetzen vor dem Mac.

Genau wie die Cloud, und damit sind wir bei «Sex Tape». «Niemand versteht die Cloud», wispert Jay (Jason Segel) entsetzt vor seinem Computer. Soeben hat er festgestellt, dass sein privater Porno, den er mit seiner Frau Annie (Cameron Diaz) aufgenommen hat, mit all seinen alten iPads, die er mit seinen begehrten Playlisten zu verschenken pflegt, synchronisiert wurde. Somit kommen auch ihre Freunde, Annies Boss Hank Rosenbaum (Rob Lowe) und der Briefträger in den Genuss des freizügiges Videos. «Wenn der Briefträger meine Vagina gesehen hat, müssen wir umziehen», sagt Annie resolut. Es ist einer der besseren Sprüche und hat es gemäss obiger Regel in den Trailer geschafft.

Jay und Annie finden das Video eine gute Idee.

Vorher: Lust auf dem Bett.

Eigentlich hätte Jay den Amateur-Porno gleich nach der Produktion löschen sollen, denn er diente den Eltern zweier Kinder nur dazu, ihr eingeschlafenes Sexleben wieder in Schwung zu bringen. Ihnen, die nach ihrem Kennenlernen rammelten wie die Kaninchen, widerfuhr prompt jenes Schicksal, das ihnen von Annies Vater prophezeit wurde: Ist erst der Nachwuchs da, fehlen für Geschlechtsverkehr Energie, Zeit und Lust. Das Phänomen ist bei jungen Eltern verbreitet und deshalb wenig überraschend. Viel seltener ist hingegen jenes Phänomen, dass eine Frau nach zwei Geburten eine Figur hat wie Cameron Diaz. Man nimmt der chronischen Single-Frau die Mutter einfach nicht ab – nicht nur wegen dem flachen Bauch.

Da sind Drogen im Spiel: Hank Rosenbaum und Annie.

Drogen sind lustig: Hank Rosenbaum und Annie.

Das allein ist schon nicht ideal, aber noch nicht einmal das grosse Problem von «Sex-Tape». Die Idee, die ausufernde Synchronisation von Apple-Produkten zu veräppeln, ist gut und hat durch die iCloud-Skandale der letzten Wochen eine unverhoffte Aktualität erhalten, wurde aber komplett verschenkt. Die Jagd nach den Kopien des ominösen Films artet zu einem weitestgehend vorhersehbaren Klamauk aus, in dem sich die Schauspieler zum Affen machen und dabei noch auf lächerliche Art Familiensinn und Freundschaft fördern wollen. Nicht einmal jene, die Cameron Diaz nackt sehen wollen, kommen wirklich auf ihre Kosten. Man bekommt ganz einfach das, was man von einer Komödie mit Diaz und Segel erwartet. Jake Kasdans («Bad Teacher») Film taugt für einen seichten Fernsehabend, aber ein Kinoticket ist er nicht wert. Dass er zum Kassenschlager wird, ist aber dennoch nicht ausgeschlossen, denn Komödien sind wie die Cloud: Niemand versteht genau, wie sie funktionieren.

«Sex Tape» läuft ab 11. September 2014 in den Kinos Pathé Küchlin und Capitol in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 11. September: The Railway Man, Everyday Rebellion, Biene Maja – der Film, Il capitale umano, Of Horses and Men, The Wind Rises, Viktoria: A Tale of Grace and Greed.

Dan Brown als Swiss Miniature

Fabian Kern am Donnerstag, den 4. September 2014

BuchcoverErstens kommt es anders – und zweitens als man denkt. Eigentlich konnte man davon ausgehen, dass die Krimiserie um die Berner Detektei Müller & Himmel mit dem letztjährigen Band «Schokoladenhölle» abgeschlossen war. Doch nun legt Paul Lascaux ganz unverhofft «Burgunderblut» vor: einen kurzen, knackigen und kurzweiligen Krimi, auf dessen rund 200 Seiten man sich in ein paar Stunden Lesespass auch noch geschichtliches Wissen aneignen kann. Und der zwar die Reihe fortsetzt, sich aber sich von den bisherigen Büchern merklich unterscheidet. Nicht stark, aber grundsätzlich.

Fiktiver Tatort, reales Gebäude: Schloss Grandson am Neuenburgersee. (Keystone)

Fiktiver Tatort, reales Gebäude: Schloss Grandson am Neuenburgersee. (Keystone)

Privatdetektiv Heinrich Müller ist wieder einmal knapp bei Kasse. Deshalb kommt der mysteriöse Fremde wie gerufen, der ihm 20'000 Franken für Ermittlungen in einem Mordfall in Aussicht stellt. Hinter dem bizarren Mord in der Folterkammer eines Waadtländer Schlosses soll ein Geheimnis stecken. Ein Geheimnis, das auf die Burgunderkriege zurück geht und die Landesgrenzen in Europa verändern könnte. Weil das eine Kragenweite zu gross ist für den Berner Schnüffler, erweitert er sein Team. Nicht nur seine frühere Partnerin, die Anthropologin Nicole Himmel, kehrt zurück. Sie bringt mit Michelle Broccard gleich auch noch eine junge Frau mit, die in der virtuellen Welt der Computer, die Müller so fremd ist, zuhause ist. Und sogar ein Historiker steht der Ermittlertruppe zur Seite, was in diesem geschichtsträchtigen Fall sehr hilfreich ist. Kein Wunder, kommen Müller, Himmel & Co. in kurzer Zeit weiter als die Polizei mit Markus Forrer, dem Nachfolger von Bernhard Spring. Aber der «Orden vom Goldenen Vlies» geht auf der Jagd nach einem verschollenen Siegel nicht gerade zimperlich mit jenen um, die sich ihm in den Weg stellen...

Paul Lascaux

Paul Lascaux alias Paul Ott.

Lascaux ist mit «Burgunderblut» eine Überraschung gelungen. Nicht nur, dass der der beliebten Detektei ein Comeback gönnt, sondern weil er sich weiterentwickelt hat. Der Krimi ist einer der besten der Serie, weil er homogen daherkommt und mit hohem Tempo glänzt. Das Buch fällt aber dahingehend etwas aus dem gewohnten Rahmen, weil das leibliche Wohl zwar immer noch sehr wichtig ist für die Protagonisten, aber nicht im Mittelpunkt steht. Von «Salztränen» (Käse) über «Wursthimmel», «Feuerwasser», «Gnadenbrot», «Mordswein» bis «Schokoladenhölle» war bei jedem der Vorgänger ein Lebensmittel gar Teil des Titels. Zuletzt entstand gar der Eindruck, dass die Figuren zu sehr im Mittelpunkt stehen, was einem Krimi abträglich ist. Der Fall muss im Vordergrund stehen, und zu dieser Tugend hat Lascaux mit «Burgunderblut» zurückgefunden. Der Fall mit Geheimbünden, die einen historischen Skandal wittern, erinnert gar an einen, der das Genre des historischen Thrillers geprägt hat, wie kaum ein anderer: Dan Brown. Lascaux schreibt nicht so reisserisch, dafür auf hohem sprachlichem Niveau und mit einem herrlich augenzwinkernden Humor. «Burgunderblut» ist quasi ein Dan Brown als Swiss Miniature.

Paul Lascaux: Burgunderblut. Kriminalroman. Gmeiner Verlag. Messkirch, 2014. 211 Seiten, Fr. 18.90.

Die weiteren Bücher der Serie von Paul Lascaux: Salztränen (2008), Wursthimmel (2008), Feuerwasser (2009), Gnadenbrot (2010), Mordswein (2011), Schokoladenhölle (2013).

Mister Pegg sucht das Glück

Fabian Kern am Mittwoch, den 27. August 2014

«Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück» läuft ab 28. August 2014 im kult.kino.atelier und im Pathé Küchlin in Basel.

«Hectors Reise» läuft ab 28.8. in Atelier und Küchlin.

Engländer sind hellhäutige Typen mit roten Haaren und einem trockenen Humor. Zugegeben, ein ziemlich plattes Klische. Aber genau dieses Klischee wird auf der Leinwand von einem Mann perfekt verkörpert: Simon Pegg. Wem der Name nichts sagt, der hat wohl auch die schwarzen Komödien «Shaun of the Dead» und «Hot Fuzz» nicht gesehen. Pegg ist auch derjenige, der die inzwischen zu lange geratene «Mission Impossible»-Serie noch auf Kurs hält – als witziges Pendant zu «Q», dem technischen Ausrüster von James Bond. Langer Rede kurzer Sinn: Simon Pegg ist lustig. Und er ist, wie gesagt, der Vorzeige-Brite.

Genau deswegen ist Pegg die ideale Besetzung für die Rolle als Hector. Ein verklemmter, pedantischer Psychiater, zwar durchaus mit Humor und Charme ausgestattet, aber völlig in seiner Alltagsroutine gefangen. So sehr, dass es erst eine Hellseherin (Veronica Ferres) auf seiner Couch braucht, die ihm erzählt, dass er seine Patienten nicht glücklich machen kann, weil er selbst unglücklich ist. Also informiert er seine wenig begeisterte Partnerin Clara (Rosamund Pike), packt sein Rucksack und macht sich auf die Reise. Auf die Suche nach dem Glück.

Hector entflieht seinem biederen Alltag...

Hector entflieht seinem biederen Alltag...

... und entdeckt die weite Welt.

... und entdeckt die weite Welt. (Bilder: Filmcoopi)

Die Reise wird zu Hectors persönlicher Odyssee, die ihn von Shanghai über den Himalaya und Afrika bis nach Los Angeles führt. Jede Erfahrung, die er da macht, bringt ihn näher ans Ziel und wird akribisch in seinem Reisetagebuch festgehalten. Es sind wilde Abenteuer in schönen Bildern, die bestens unterhalten. Hector versucht mit sympathischer Naivität, eine Prostituierte zu befreien, behebt die Depressionen der Frau eines Drogenlords und muss schliesslich bei seiner grosse Jugendliebe eine Entscheidung treffen. «Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück», die Verfilmung von François Lelords gleichnamigem Bestseller soll glücklich machen. Das tut sie auch, zumindest kurzzeitig. Sie ist aber nicht so spektakulär wie der ähnlich angelegte «Das geheime Leben des Walter Mitty».

Macht sie ihn glücklich? Hector mit seiner Jugendliebe Agnes (Toni Collette).

Macht sie ihn glücklich? Hector mit seiner Jugendliebe Agnes (Toni Collette).

Wer sich die grossen philosophischen Erkenntnisse über den Sinn des Lebens erhofft, wird enttäuscht. Hectors Erkenntnisse über das Glück sind ziemlich subjektiv. Der Aha-Effekt bleibt aus, sofern man nicht ein ebenso steifer, festgefahrener Mensch ist wie Hector zu Beginn des Films. Falls doch, dann fährt man mit dem Anschauen des Kinofilms finanziell natürlich um einiges besser, als wie Hector durch die Weltgeschichte zu tingeln. Und sieht dabei einen bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzen Film mit einem Simon Pegg, der auch die ernsten Töne beherrscht.

«Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück» läuft ab 28. August 2014 im kult.kino.atelier und im Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 28. August: Guardians of the Galaxy, Sitting Next to Zoe, La chambre bleue.

Die Krimistimme des Baselbiets

Fabian Kern am Freitag, den 22. August 2014
Buchcover

Max Bollags zweiter Fall: Höllenfeuer.

Glutheisse Sommermonate im Baselbiet mit konstanten Temperaturen weit über 30 Grad – das muss in diesem Jahr definitiv einer blühenden Fantasie entspringen. Richtig: der Fantasie Rolf von Siebenthals. Der frühere Journalist hat ein Jahr nach seinem Krimidebüt «Schachzug» den zweiten Fall um Max Bollag und Heinz Neuenschwander vorgelegt. Wieder ist der Kanton Baselland Schauplatz brutaler Verbrechen, wieder lässt einem die Geschichte keine Ruhe, bis die letzte Seite umgeblättert ist.

In «Höllenfeuer» wird ein renommierter Arzt in seiner Villa in Liestal Opfer eines Brandes. Kripo-Chef Neuenschwander ist schnell klar, dass es sich dabei um Brandstiftung und somit Mord handelt. Doch sowohl Indizien als auch Verdächtige sind sehr rar, geschweige denn ein Motiv in Sicht. Gleichzeitig rollt Bollag einen alten Fall um einen verschwundenen Jungen in Birsfelden auf, und seine Lebenspartnerin, die Bundesrätin Petra Mangold wird von einer aggressiven radikalen Bewegung bedroht. Da kommt keine Langeweile auf rund ums «Stedtli» – im Gegenteil. Bis die Protagonisten erkennen, dass und wie die Fälle zusammenhängen, befinden sie sich bereits in höchster Gefahr.

Der Erstling: Schachzug (2013).

Von Siebenthals Erstling: Schachzug (2013).

«Mein Ziel war es, einen ganz anderen Fall zu beschreiben als noch im ersten Buch», sagt von Siebenthal. Das ist ihm gelungen. Der Krimi rund um gemeingefährliche sektenähnliche Vereinigungen ist hoch spannend und hat einen teilweise erschreckend realistischen Touch. Neben dem Fall interessiert natürlich, wie sich das Leben der Figuren weiterentwickelt. Ob Neuenschwander mit seiner Brigitte tatsächlich das späte Glück findet, ob die Beziehung des Investigativjournalists Bollag mit Bundesrätin Mangold tatsächlich Zukunft hat, und ob Rieder, der unsympathische Lokalchef des «Tagblatts» endlich die verdiente Quittung für seine Arroganz erhält. Nicht alle diese Fragen werden bereits in «Höllenfeuer» beantwortet.

Dem Autor ist der zweite Baselbieter Krimi viel leichter von der Hand gegangen als noch sein Erstling. «Ich brauchte nicht so viele Anläufe wie noch beim ersten. Die Figuren, die Sprache, alles war schon da», erklärt von Siebenthal. Der Roman liest sich denn auch viel flüssiger als noch «Schachzug». Nicht, dass der vor einem Jahr erschienene Krimi schlechter wäre – überhaupt nicht. Aber es sind zwei verschiedene Bücher, was die Sache spannender macht. Und das soll noch nicht das Ende der Liestaler Kriminalgeschichten sein. «Ich habe von Anfang an mit drei Büchern geplant», verrät von Siebenthal. Den Rhythmus behält er bei, im Sommer 2015 soll das nächste Buch erscheinen. Auch das wieder mit einem völlig anderen Fall als die zwei Vorgänger.

Rolf von Siebenthal (Jg. 1961) wohnt im Oberbaselbiet.

Rolf von Siebenthal (Jg. 1961) wohnt im Oberbaselbiet.

Dann will der selbstständige Texter aber wortwörtlich über die Bücher. «Aufwand und Ertrag halten sich überhaupt nicht die Waage. Mein Büro habe ich ziemlich vernachlässigt», erklärt der 53-Jährige. Wer immer dachte, mit Krimis liesse sich eine goldene Nase verdienen, hier die Zahlen: «Schachzug» ging bisher 4500 Mal über den Ladentisch. Von jedem Taschenbuch erhält der Autor etwa einen Franken. «Würde ich das wegen des Geldes machen, dann würde ich besser an einer Ladenkasse arbeiten», sagt von Siebenthal. Es wäre schade, würde der Autor seine Krimiserie mit Suchtpotenzial danach einstellen, macht er doch beste Werbung für die ganze Nordwestschweiz. «Mir haben schon Leser aus Deutschland geschrieben, sie kämen bald in die Region, um sich die Schauplätze anzusehen», meint der frühere Journalist. Baselland-Tourismus hat sich allerdings noch nicht bei ihm gemeldet. «Ich könnte ja die Krimistimme des Kantons Baselland werden», scherzt er. Für viele ist er das schon.

Rolf von Siebenthal: Höllenfeuer. Kriminalroman. Gmeiner Verlag. Messkirch, 2014. 352 Seiten, Fr. 18.90.

Rolf von Siebenthal: Schachzug. Kriminalroman. Gmeiner Verlag. Messkirch, 2013. 344 Seiten, Fr. 18.90.

Im Auge des Katastrophenfilms

Fabian Kern am Mittwoch, den 20. August 2014

«Into the Storm» läuft ab 21.8. im Küchlin und im Rex.

«Into the Storm» läuft ab 21.8. im Küchlin und Rex.

Plötzlich erstummt das ohrenbetäubende Fauchen des Tornados, und es geht kein Lüftchen mehr. Was der Katastrophenfilm-Fan spätestens seit «Twister» (1996) weiss, als Bill Paxton und Helen Hunt plötzlich im Auge des Sturms staunend in den Himmel blicken, dass man nämlich im Zentrum eines Wirbelsturms ein Picknick veranstalten könnte, erlebt er in diesem Kino-Sommer noch viel deutlicher. Denn natürlich ist in «Into the Storm» – obwohl nicht in 3D-Optik gefilmt – alles noch grösser und spektakulärer als vor 18 Jahren, als die CGI (Computer-Generated Imagery) im Vergleich zu heute noch in den Kinderschuhen steckte. Die Computereffekte sind markant besser geworden, die Klischees aber immer noch gleich geblieben.

Wo ist der Sturm? Die Hauptdarsteller. (Bilder Warner)

Wo ist der Sturm? Die Hauptdarsteller. (Warner)

Da wäre zunächst das Personal: Gary (Richard Armitage; der Zwerg Thorin Oakenshield in «The Hobbit») ist Vater von zwei halbwüchsigen Söhnen. Weder der 17-jährige Donnie (Max Deacon) noch sein ein Jahr jüngerer Bruder Trey (Nathan Kress) haben ein enges Verhältnis zum strengen Dad – der als High-School-Rektor von Silverton, einem Kaffs im Mittleren Westen der USA, quasi auch noch ihr Boss ist. Am Morgen dieses unheilvollen Tages, an dem ein Sturm aufziehen soll, kommt es zum Streit, worauf Donnie seine Pflichten, die Abschlussfeier zu filmen, in den Wind schiesst und seinem Schwarm, der High-School-Schönheit Kaitlyn (Alycia Debnam-Carey), bei einem Filmprojekt hilft. In einer verlassenen Fabrik. Das ist eines der Dinge, die man in einem Katastrophenfilm unbedingt unterlassen sollte.

Da ist er doch! Der Tornado in Silverton.

Da ist er doch! Der Tornado in Silverton.

Tornado voraus: Die Sturmjäger in ihrem Element.

Den Tornado im Visier: Die Sturmjäger.

Und dann, pünktlich zu den Feierlichkeiten des High-School-Abschlusses kommt endlich der Sturm. Erst als – natürlich – unglaublich seltenes Phänomen, dass gleich vier, fünf Trichter gleichzeitig den Boden aufwühlen, dann als der grösste Tornado, den es jemals gab. Natürlich. Begleitet von den unvermeidlichen Sturmjägern. Einerseits eine Handvoll Dorftrottel, die in Jackass-Manier eine Youtube-Karriere machen möchten, andererseits eine professionelle Crew, die das Naturspektakel auf Video bannen und sich mit dem Dokumentarfilm eine goldene Nase verdienen wollen. Mit dabei im Team um den cholerischen Pete (Matt Walsh), der dem Twister in einem panzerähnlichen Spezialfahrzeug folgt, ist die – natürlich – attraktive Meteorologin Allison (Sarah Wayne Callies), passenderweise auch sie alleinerziehende Mutter. Zusammen mit Gary und Trey macht sie sich auf zur Rettung von Donnie und Kaitlyn.

Visuelles Highlight: Brennender Tornado.

Visuelles Highlight: Ein brennender Tornado.

Doch trotz aller sich anbahnender Nebengeschichten – der Hauptdarsteller gerät nie in Vergessenheit. Die Tornado-Trichter sind perfekt animiert, das Ausmass der Zerstörung beeindruckend dokumentiert und die subjektive Perspektive packend. Gerade die Bilder von den Trümmern, den in Fetzen gerissenen Habseligkeiten von Menschen in ganzen Quartieren berühren. Klar, «Into the Storm» ist in erster Linie ein grosse Show der Spezialeffekte. Ganze Lasterzüge und Linienflugzeuge werden in die Luft gehoben, als wären sie Spielzeuge eines gigantinschen gelangweilten Kleinkinds. Der Film von Steven Quale («Final Destination 5») spielt jedoch auch mit den zahlreichen Klischees. Er etabliert genüsslich eins ums andere, verzichtet aber weitgehend auf die in diesem Genre üblichen kitschigen Auflösungen. Dadurch erhält «Into the Storm» eine realistische Note, die man ihm nicht zugetraut hätte. Das ist doch nicht nur eine aufgewärmte Version von «Twister».

So sahen die Tornados vor 18 Jahren in «Twister» aus:

«Into the Storm» läuft ab 21. August 2014 in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Rex.

Weitere Filmstarts in Basel am 21. August: The Expendables 3, The Hundred-Foot Journey, Maps to the Stars, Jimmy's Hall, Fascinating India 3D, Mittsommernachtstango.

Der zweite Streich der Basler Überraschungsband

Gawin Steiner am Montag, den 18. August 2014

Von Null auf Hundert. Oder in Hörerzahlen: von Null auf Hunderttausend. Das noch junge Basler Folk-Quintett Serafyn entschied sich erst zu Beginn dieses Jahres, ihre Musik zu professionalisieren. Dies, nachdem sie als Strassenmusiker durch europäische Städte zogen. Nun hat ihre Musik eingeschlagen wie eine Bombe, obwohl deren Klang eher zierliche Schönwetter-Wölkchen assoziert.

Erfolg aus dem Stehgreif: Die Band Serafyn.

Erfolg aus dem Stehgreif: Die Band Serafyn.

Hauptgrund für den Erfolg war der englische Singer-Songwriter Fink (vergangenes Wochenende auf der Bühne des Open Air Basel), der ihren Song Take To The Skies im Netz verlinkte. So erreichte die Band um Anna Erhard, Anja Waldkircher, Alexandra Werner und die Brüder JJ und Lucas Löw innert wenigen Wochen über 100'000 Klicks auf der Musikplattform Soundcloud. Mit ihrem bisher einzigen Song!


Der Song Take To The Skies wurde über 100'000 Mal abgespielt.

Nach diesem Überraschungs-Coup erschien nun am 18. die zweite Single Go Down North – zusammen mit einem Videoclip. Der Song besticht durch seine sanfte Ausgewogenheit zwischen Instrumental – Cello, Cajon, Bass, Gitarre und sanften Drums – und dem harmonischen Gesang der drei jungen Damen, der eine beruhigende, träumerische aber auch nachdenkliche Stimmung vermittelt.


Die neu erschienene zweite Single «Go Down North».

Das dazugehörige Video packt die Geschichte der Musiker an ihren Wurzeln. Es spielt sich auf den Strassen der Basler Innenstadt ab, immer wieder unter den neugierigen Blicken der Passanten, bis der Song schliesslich auf einer kleinen Bühne der Basler Aktienmühle vor kleinem Publikum ausklingt. Der Clip wiederspiegelt den Schritt von der Strasse zur Bühne, den die Band gemacht hat. Die kurze Sequenz in einem Weidling auf dem Rhein könnte zwar die Reise durch Europa beschreiben, kommt aber als einziger kleiner Tintenfleck im Reinheft ein wenig kitschig rüber. Doch bei diesem gelungenen Gesamtpaket wäre diese Kritik kleinkariert.

So vermag definitiv auch die zweite Serafyn-Single zu begeistern. Und der zweite Streich dürfte auch den Wunsch bei den neugefundenen Fans nach «mehr von Serafyn» vollends befriedigen. Der neue Song macht jedenfalls nochmals Lust auf mehr und die Band scheint das Potential zu haben, um mit ihren sanftem Tönen noch weiter nach oben zu kommen.

Natürlich schürt der anfängliche Erfolg auch bei der Band Hoffnungen, tatsächlich richtig gross zu werden, doch überstürtzen wollen sie nichts. «Wir bleiben vorerst unserem Zuhause, der kleinen Bühne, treu», sagt Alexandra, Sängerin und Cellistin. Und auf einer solchen kleinen Bühne stehen die Fünf bereits wieder am 22. August in der Basler Freiluft-Bar Nachbars Garten bei der Kuppel.

www.serafyn.jimdo.com
www.soundcloud.com/serafyn
Serafyn auf iTunes

Ausserirdische Venusfalle

Fabian Kern am Mittwoch, den 13. August 2014

«Under the Skin» läuft ab 14.8. im Atelier.

«Under the Skin» läuft ab 14. August im kult.kino Atelier.

Scarlett Johansson kann man derzeit nicht ausweichen. Die schöne Amerikanerin mit dänischen Wurzeln begegnet einem auf fast allen Kanälen. Sei es, weil ihre betörende Ausstrahlung sie zum Sexsymbol schlechthin und zur Protagonistin manch feuchten Traumes macht, wegen ihrer Schwangerschaft – das Baby soll noch im August zur Welt kommen – oder aufgrund ihrer grossen Kinopräsenz. Nachdem sie als künstliche Intelligenz in «Her» erst gerade Joaquin Phoenix den Kopf verdreht hat, nimmt die 29-Jährige diese Woche gleich mit zwei Filmen die Schweizer Leinwände in Beschlag. Mit zwei ganz unterschiedlichen Streifen, in denen ihre Figuren gegensätzliche Entwicklungen durchmachen, die aber trotzdem einige Gemeinsamkeiten aufweisen.

Scarlett als ballernde Lucy...

Scarlett als ballernde Lucy...

... und als männermordendes Alien. (Keystone)

... und als männermordendes Alien. (Keystone)

«Under the Skin» ist ein verstörender Experimentalfilm, der ganz nach dem Gusto des verstorbenen Stanley Kubrick («2001: A Space Odyssey») gewesen wäre. Ohne Soundtrack, dafür mit schrillen Hintergrundgeräuschen ausgestattet, wird man das Gefühl nicht los, der Film sei noch gar nicht fertig bearbeitet. Doch genau diesen dokumentarischen Touch wollte der Regisseur. Er liess grosse Teile mit versteckter Kamera drehen, weshalb sich Johansson im Nutten-Outfit durch ein völlig authentisches Glasgow bewegt. Das Ziel des Aliens ist es, den Sexualtrieb der Männer auszunutzen, denn ihr Volk braucht Frischfleisch. Hinfällig zu sagen, dass sie damit überaus erfolgreich ist.

Was ist Liebe? Laura will es wissen.

Was ist Liebe? Laura will es wissen.

Es geht aber nicht um Sex oder Action, sondern um das, was uns als Menschen ausmacht. Laura, die Ausserirdische, beginnt sich und ihre Mission nach einigen unglücklichen Opfern zu hinterfragen und entwickelt zumindest eine Ahnung von Mitgefühl. Sie hat den Wunsch, ebenfalls zu fühlen, zu lieben – und bewegt sich somit genau in der entgegengesetzten Richtung wie in «Lucy», wo sie durch ihre Superintelligenz beinahe unbesiegbar wird und emotional abstumpft. Das zeigt die Bandbreite der enorm vielseitigen Scarlett Johansson. Sie nur auf ihr zugegebenermassen sehr attraktives Äusseres und ihre sexy Kurven zu reduzieren, wäre zu einfach.

Wer kann diesem Gesicht widerstehen?

Wer kann diesem Gesicht widerstehen?

Jenes Mädchen, das vor 16 Jahren an der Seite von Robert Redford mit den Pferden flüsterte, ist nun bald Mami – und eine grosse Schauspielerin. Sie trägt «Under the Skin» mit ihrem subtilen Spiel ganz von selbst und macht ihn zu einem sehr speziellen Erlebnis, über das man zwei Mal nachdenkt. Und wer es nicht so mit der Philosophie hat, dem bleibt immer noch «Lucy», um Johansson zu bewundern oder das Warten auf ihren nächsten Auftritt als knackige «Black Widow» in «Avengers 2», der für 2015 angekündigt ist. Denn Mann will ihr gar nicht ausweichen.

«Under the Skin» läuft ab 14. August 2014 im kult.kino Atelier.

Und hier noch der Trailer von Scarlett Johanssons Film «Lucy», der gleichzeitig anläuft (im Capitol und im Pathé Küchlin):

Weitere Filmstarts in Basel am 14. August: The Raid 2, Planes 2: Immer im Einsatz, The Way He Looks – Hoje Eu Quero Voltar Sozinho.

Woody, der Zuhälter

Fabian Kern am Mittwoch, den 6. August 2014

«Fading Gigolo» läuft ab 7.8. im kult.kino club und im Küchlin.

«Fading Gigolo» läuft ab 7. August im kult.kino club und im Küchlin.

Eigentlich ist «Fading Gigolo» ein typischer Woody-Allen-Film: eine krude Story aus New York, gespickt mit drolligen Figuren sowie schrägen Dialogen, und ein beeindruckender Cast. Doch der «Stadtneurotiker» spielt für einmal nur eine Hauptrolle. Der Streifen, wohl eine Art Ode an den Altmeister, stammt aus der Feder von John Turturro, der sich auch gleich die Titelrolle gab. Wer mag es ihm verdenken, darf er doch Klassefrauen wie Sharon Stone und Sofia Vergara verführen. Jede für sich und auch beide zusammen.

Turturro, ein Liebling der Coen-Brothers, ist bekannt für die Darstellung skurriler Gestalten. Höhepunkt war sicher sein Kult-Auftritt als schriller Bowler Jesus Quintana in «The Big Lebowski». Der Florist Fioravanti (Turturro) hingegen ist eher von der stillen Sorte. Umso überraschter ist er, als ihm sein bester Freund Murray (Allen) vorschlägt, er sähe ihn als Mann für gewisse Stunden. Der Buchhändler ist soeben pleite gegangen und durch seine Hautärztin auf die Idee gebracht worden, als Zuhälter ins älteste Gewerbe der Welt einzusteigen. Die in ihrer Ehe gelangweilte Dr. Parker (Stone) möchte mit ihrer attraktiven Freundin Selima (Vergara) einen Dreier versuchen.

Freunde, aber auch Zuhälter und «Hure»: Murray und Fioravanti. (Bilder: Ascot-Elite)

Freunde, aber auch Zuhälter und «Hure»: Murray und Fioravanti. (Bilder: Ascot-Elite)

Freierin und Gigolo: Dr. Parker und Fioravanti (Bilder: Ascot-Elite)

Freierin und Gigolo: Dr. Parker und Fioravanti.

Angesichts der vielen Rechnungen lässt sich Fioravanti trotz anfänglich heftigen Protests («Bist du auf Drogen?») schnell überzeugen und er beglückt die sexuell ausgehungerte Hautärztin. Offensichtlich beschränken sich seine Qualitäten nicht nur aufs Blumenbinden, denn der Kundenstamm des ungleichen Duos wächst rasant. Doch dann will Murray etwas zuviel. Er versucht, die streng gläubige Jüdin Avigal (Vanessa Paradis) in Fioravantis Bett treiben. Dieser allerdings spürt, dass die sensible Witwe und sechsfache Mutter etwas Anderes braucht als heissen Sex. Bei der orthodoxen Gemeinde in Brooklyn, die in Gestalt des eifersüchtigen Aufpassers Dovi (Liev Schreiber) über seine gläubigen Schäfchen wacht, sieht man aber weder das Eine noch das Andere gern – erst recht nicht, wenn es sich nicht um einen Juden handelt...

Witwe und Aufpasser: Avigal und Dovi.

Witwe und Aufpasser: Avigal und Dovi.

Endlich mal ein Film, der es auf den Punkt bringt und sich wie früher auf neunzig Minuten beschränkt, möchte man John Turturro gerne sagen. Allerdings hätten der Komödie ein paar Zeigerumdrehungen nicht schaden können. Denn über die Grundaussage und das Ende lässt sich diskutieren. Eben: ein typischer Woody-Allen-Film. Allen konnte die Finger nicht davon lassen, an Turturros Drehbuch herumzuwerkeln, und dieser konnte dem Altmeister die Änderungswünsche nicht abschlagen. Dennoch soll das Positive herausgehoben werden. Allen voran die Leistung Turturros, Woody Allen in alter Frische auf die Leinwand zu bringen. Der 77-Jährige sprüht nur so vor Lebensenergie und quasselt wie in seinen besten Zeiten. Von den Frauen stechen zwei heraus. Während Sofia Vergara absolut zweidimensional spielt, schaffen es Vanessa Paradis und vor allem die beeindruckende Sharon Stone, ihre Figuren in der kurzen Zeit sehr vielschichtig darzustellen. Nicht zuletzt sie verleihen «Fading Gigolo» durchaus das Prädikat «sehenswert».

«Fading Gigolo» läuft ab 7. August 2014 im kult.kino club und im Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 7. August: Dawn of the Planet of the Apes, Aimer, boire et chanter, Die geliebten Schwestern, Step Up: All In.

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