In ihrem Atelier am Vogesenplatz entwirft Yana Ryabenkaya (links) ihre Mode – zum Beispiel die aktuelle Sommerkollektion (rechts). Bilder: Joël Gernet / Ale Frigo
Keine Kleider – nur Hosen und Oberteile ohne Form! Yana Ryabenkaya kann nicht nachvollziehen, warum sich viele Schweizerinnen «wie Touristen» anziehen. «Ich verstehe die Mentalität der Frauen hier nicht», sagt die russische Modemacherin über ihre Geschlechtsgenossinnen in funktionaler Outdoor-Bekleidung. Wobei Letzteres perfekt zur Kreation passen würde, mit der sich Ryabenkaya in ihrem Basler Atelier gerade beschäftigt. Sie näht an einem Zelt.
Ein Kleid aus Yana Rays Sommerkollektion. (Bild: Eva Flury)
Die Frage, wer das anziehen soll – bei der heutigen Mode muss man sich ja über nichts mehr wundern –, beantwortet die blonde Russin mit schallendem Gelächter. Sie schneidert das Zelt für den Designermarkt des «Laufsteg Oslo», welcher am Samstag auf dem Dreispitzareal Mode, Markt und Musik zusammenbringt. Rund ein Dutzend Schweizer Jungdesigner und aufstrebende Labels werden ihre neusten Kreationen präsentieren – die Hälfte davon aus Basel.
Es wird also viele stilvolle Kleider zu kaufen geben für die in Ryabenkayas Augen zu oft zu bescheiden gekleideten Schweizer Frauen. Zugegeben, wer eine Modedesignerin auf den Kleidungsstil des Otto Normalverbrauchers anspricht, erhält eigentlich immer knackige Zitate. Erst recht, wenn diese wie Ryabenkaya aus Russland kommt, wo die Damen sich nicht so einfach mit ihrer naturgegebenen Schönheit abspeisen lassen, sondern diese mit entsprechender Kleidung und Schminke unter- beziehungsweise überstreichen. Dass aus der Russin die Basler Modemacherin Yana Ray wurde, ist dennoch aussergewöhnlich. Nicht wegen des Metiers, aber wegen des Weges dorthin. Diesen Beitrag weiterlesen »
Sie brechen Knochen und Gesetze vor laufender Kamera: Am Sonntag feiert der neuste Basler Skateboard-Film «Key Light» im Jugi Gundeli seine Premiere. Zuvor küren die Skater den Champ der Miniramp.
Prostituierte und Skateboarder, beide werden sie auf den öffentlichen Plätzen Barcelonas gleich hart angepackt vom Arm des spanischen Gesetzes. Von einer Wegweisung bis zur saftigen 700-Euro Busse liegt alles drinn. Das haben auch zehn Basler Skaterfreunde beim Dreh zum neusten Basler Skateboardfilm «Key Light» hautnah miterleben dürfen, also ihnen die Polizei mehr als einmal die Kamera wegnehmen wollte – hätte sie die Jungs nur erwischt. Doch im Gegensatz zu den Trottoirschwalben in Stöckelischuhen können sich die Trottoirsurfer auf ihren Brettern ziemlich rasch aus dem Staub machen. Diesen Beitrag weiterlesen »
Aus Eins mach Drei. Neon Indian, Iceage, Stealing Sheep (Im Uhrzeigersinn).
«Basel ist einfach keine Stadt für Konzerte», wie oft haben wir diesen Satz jetzt schon gehört? Drei Basler Clubs – der Hinterhof, der 1. Stock und das Hirscheneck – blasen Morgen Donnerstag daher zur vorerst letzten Konzertoffensive vor der unausweislichen Sommerflaute und es liegt nun am Basler Konzertpublikum, allen Miesepetern und Schlechtrednern das Gegenteil zu beweisen. Der 24. Mai 2012 bringt mit Neon Indian, Stealing Sheep und Iceage drei ausgezeichnete Acts auf die Konzertbühnen der Stadt. Wichtig ist jetzt, dass niemand zuhause bleibt.
Denn wer sich als Teil der Popstadt Basel fühlt und trotzdem meint, ohne triftigen Grund morgen zuhause bleiben zu müssen, darf in Zukunft keine Leserkommentare mehr abgeben, wenn über irgendwelche Kulturleitbilder diskutiert wird, sich nicht mehr ins Thema «Kasernen-Öffnung» einmischen und erst recht nicht mehr am Konzertangebot unserer Stadt rumnörgeln. Diesen Beitrag weiterlesen »
Der scheidende Theaterdirektor Dominique Thommy hat als Abschluss seines hochkarätigen Engagements die unvergleichliche Kölner Kabarettistin Nessi Tausendschön nach Basel geholt. Für Ihre Programme wurde sie bereits mit dem Deutschen Kleinkunstpreis und dem Deutschen Kabarettpreis ausgezeichnet.
Vor einem Jahr toure Flavian Graber, Sänger und Songwriter aus Liestal, mit seinem Indiepop-Kollektiv «We Invented Paris» quer durch Europa. In über 80 Konzerten und mit der «Iceberg EP» im Gepäck wurden die Herzen der wachsenden Fangemeinde zum schmelzen gebracht – in kleinen Clubs, auf der Strasse oder in Wohnzimmern. Inzwischen haben «We Invented Paris» Ende 2011 das gleichnamige Debutalbum veröffentlich und Dutzende Konzerte auf tendenziell immer grösseren Bühnen – etwa beim Basler Clubfestival BScene – sind dazugekommen.
Mit «Bubbletrees» erscheint heute die dritte Single-Auskopplung aus dem Album-Debut der selbsternannten Paris-Erfinder. Ein radiotauglicher Popsong ist es geworden, auf dem Flavian Grabers Stimme begleitet wird von Akustikgitarre, Piano, Schellenkranz, Beat und Akkordeon – zumindest in der Originalversion (siehe Video).
Elektronischer, geprägt von Synthietönen, Bongo-Trommeln und Glöcklein, kommt der Mama-Africa-Remix des Songs daher, den wir Euch an dieser Stelle exklusiv anbieten können. Hier könnt Ihr euch den Song anhören, den Gratis-Download gibts wie gewohnt per Click mit der Rechten Maustaste.
Flavian Graber (rechts), der Liestaler Kopf von «We Invented Paris».
Das nächste Konzert des Kollektivs gibt es am Samstag, 19. Mai in Mannheim (Maifeld Derby), das nächstgelegene gibts dann am 23. August am Summerstage-Festivalin der Grün80 im Park im Grünen bei Münchenstein.
«Salmon Fishing in the Yemen» läuft ab 17. Mai in den Basler Kinos Pathé Eldorado und Rex.
Mit dem Strom schwimmen, so könnte man das Leben von Dr. Alfred Jones (Ewan McGregor) beschreiben. Der angesehene Experte für Lachs- und Forellenzucht hat eine liebe Frau, ein feines Backsteinreihenhäuschen in London und absolut keinen Spass. Nach dem Beischlaf mit seiner Gattin Mary – natürlich in der Missionarsstellung unter dem Leintuch – sagt diese erleichtert: «So, das sollte für ein Weilchen reichen.» Und zum Abregen seines Ärgers begibt sich der verklemmte Wissenschaftler in den Garten und spricht mit seinen Goldfischen.
Alfred (Ewan McGregor) und Harriet (Emily Blunt) in Jemen. (Bilder im Verleih von ASCOT ELITE)
Völlig aus dem Konzept gerät der arme Dr. Jones, als ein hirnrissiges Projekt an ihn herangetragen wird. Der jemenitische Scheich Muhammad ibn Zaidi bani Tihama (Amr Waked) möchte in seiner Heimat nordeuropäische Lachse ansiedeln. Jones tut das als Hirngespinst eines Ölmilliardärs ab und verweigert die Zusammenarbeit, bis er von seinem Chef dazu gezwungen wird. Zu seinem Glück, denn sonst hätte er die bezaubernde Harriet Chetwode-Talbot (Emily Blunt) nie näher kennengelernt. Diese vertritt die Interessen des vom Fliegenfischen begeisterten Scheichs, gewinnt Jones für das Projekt und weckt ihn aus seinem emotionalen Dornröschenschlaf. Doch just als Jones endlich aufblüht, taucht Harriets in Afghanistan verschollener Geliebter auf und wird von Patricia Maxwell (Kristin Scott-Thomas), der gewitzten PR-Beraterin des Premierministers, medienwirksam wieder mit der jungen Frau vereint.
Patricia Maxwell (Kristin Scott-Thomas) wird von Scheich Muhammad (Amr Waked) empfangen.
Der schwedische Regisseur Lasse Hallström («Gilbert Grape», «Chocolat») hat zusammen mit Drehbuchautor Simon Beaufoy (Oscar für «Slumdog Millionaire») aus Paul Tordays Roman «Salmon Fishing in the Yemen» ein wunderbar leichtfüssiges Werk über den Glauben an die eigenen Fähigkeiten geschaffen. Der mit schönen Landschaftsaufnahmen gespickte Film ist eine geglückte Mischung aus Komödie, Politsatire, Drama und Liebesgeschichte – eine Mischung, die normalerweise in die Hose geht. Hallström hat es aber geschafft, den Spannungsbogen bis am Schluss hochzuhalten und seinem sympathisch verkrampften Protagonisten das Gegen-den-Strom-Schwimmen beizubringen. Wie dieser den schottischen Lachsen in Jemen.
«Salmon Fishing in the Yemen» läuft ab 17. Mai in den Basler Kinos Eldorado und Rex.
Einst war Sam Genders Sänger und Songwriter des ziemlich guten Londoner Folktronica-Duos Tunng. Da die Ideen jener Band seinerzeit von Album zu Album komplexer wurden, wurde sie von Release zu Release zahlenmässig grösser… bis sie schlussendlich über Genders’ Kopf hinauswuchs. Er verliess die Band, arbeitete fortan als Primarlehrer und brauchte einige Jahre, bis er sich wieder hauptberuflich der Musik widmen konnte.
Mit Tunng hat Genders also abgeschlossen, sein neues Hauptprojekt heisst jetzt Diagrams. Letztes Jahr erschien mit Hilfe von Mark Brydon, eine Hälfte des mittlerweile ebenfalls aufgelösten Duos Moloko (Ach, Erinnerungen…), eine selbstbetitelte EP, anfang dieses Jahr nun das erste Album: «Black Light». Und dieses Album, ein Konzeptalbum zwischen Gut und Böse, Hell und Dunkel, ist ein richtig wunderbar verschrobenes Werk geworden. Sam Genders’ Stimme siedelte sich ja schon zu Zeiten von Tunng ziemlich nahe bei Gruff Rhys an, nun können auch die Melodien mithalten. Mal komplex, mal einfach und eingängig: Die 9 Songs seines Debütalbums sind ein Lehrstück in Sachen Kurzweiligkeit und dementsprechend darf man auf seinen Auftritt vom Donnerstagabend, 17. Mai 2012, in der Hinterhof Bar gespannt sein. Ein Konzert für alle, nicht nur für diejenigen, die diesen Freitag einen freien Tag einziehen können (bzw. dürfen)… Diesen Beitrag weiterlesen »
Wer das Cover von «Vergiss Venedig» ganz genau betrachtet, erkennt, wer der Protagonist des Romans von Marcus P. Nester ist: des Mannes bestes Stück. Konkret dasjenige von André Kiefer, welcher ihm auch gleich komplett das Denken überlässt. Der Zürcher Filmjournalist begegnet auf seiner alljährlichen Flugreise zu den Filmfestspielen von Venedig der Liebe seines Lebens, die ihn in eine heftige Midlife Crisis stürzt. Barbara Benning, der heisseste deutsche Kinostar der Gegenwart, verdreht dem kleinmütigen Enddreissiger derart den Kopf, dass er sich nicht nur auf eine wilde Affäre einlässt, sondern sich sogar dazu entschliesst, seine hochschwangere Frau und seine kleine Tochter zu verlassen sowie seinen sicheren Job beim Schweizer Fernsehen in den Wind zu schlagen.
Der Autor: Marcus P. Nester.
Die Tatsache, dass der Basler Autor Marcus P. Nester, dessen Fachwissen als Einkäufer von Spielfilmen beim Schweizer Fernsehen den Roman sehr interessant macht, seinen Antihelden bewusst nicht als Sympathieträger darstellt, hilft dem Leser. So kann man genüsslich mitverfolgen, wie sich Kiefer ins Elend reitet. Buchstäblich. Wie dumm kann ein Mann sein? Obwohl – wem ist das schon passiert, dass er die Chance hatte, mit einem absoluten Filmstar eine Affäre zu haben? Würde «mann» widerstehen? Aber solange man das nicht erlebt hat, darf man getrost über André Kiefer schnöden. Am Treffendsten wird die Hauptfigur in einem kurzen Dialog mit einer Freundin analysiert: «Herrgott Rita, hältst du mich wirklich auch für ein Machoschwein?» «Nein, das nicht. Aber für einen schwanzgesteuerten Spätpubertierenden in seiner ersten Midlife-Crisis.»
Marcus P. Nester: «Vergiss Venedig». Margarete Berg Verlag, Wesseling 2012. 247 Seiten, ca. Fr. 25.-
«Zeug, das keiner will, ist eigentlich Abfall – wir machen daraus Kunstwerke», sagt Nashorn-Vater Joël Lobsiger. Das kunstvoll verschweisste rostige Rhinozeros muss seinen Platz Ende Mai räumen.
Imposant sieht es aus, das Nashorn am Rand des nt-Areals. Zusammengeschweisst aus zweieinhalb Tonnen Altmetall thront es in zweieinhalb Metern Höhe zwischen der versprayten Skateboard-Bowl und dem «Funambolo». Die kunterbunte Bar ist eine der letzten Ausgeh-Bastionen auf dem verglühenden Party-Mekka Erlenmatt. Ende Mai muss auch das «Funamolo» verschwinden – und mit ihm das rostige Rhinozeros, welches wie ein Wahrzeichen auf dem Dach des Nachtlokals steht.
«Jetzt suchen wir für das Nashorn ein neues Zuhause – und zwar äusserst dringend», sagt Joël Lobsiger, der das wuchtige Tier im Sommer 2010 erschaffen hat. Vier Wochen Altmetall zusammenpuzzeln und verschweissen, gemeinsam mit dem Künstlerkollegen Pascal Martinoli. Mit Filip Wolfensberger und Manager Manou Clément bilden die beiden das Basler Künstlerkollektiv Cicolupo, welches sich nun zum dritten Mal auf dem nt-Areal austobt: Vergangenen Sommer schweisste das Quartett bei der damals frisch eröffneten Zwischennutzungs-Freiluftbar Sommerresidenz einen imposanten Eisen-Basilisk zusammen.
Seit zwei Monaten bereiteten sich die Cicolupo-Jungs für ihre erste grosse gemeinsame Ausstellung in Basel vor, an welcher bei der Sommerresidenz von Freitag bis Sonntag Bilder, Skulpturen sowie ein Puppentheater gezeigt werden – man ist vielseitig. Diesen Beitrag weiterlesen »
«Wie ich sehe, was du fühlst» ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.
Wie toll wäre es, wenn man dem nervigen Verkäufer sagen könnte: «Sie lügen! Ich habe gesehen, wie sich Ihre Pupillen erweitert haben, als Sie mir gesagt haben, die Hose steht mir.» Hoch erhobenen Hauptes könnte man unter dem spontanen Beifall der anderen Kunden am verdutzten Geck vorbei aus dem Laden marschieren und sich über das gesparte Geld freuen. Heroische Aktionen wie diese habe ich mir von der Lektüre des Buchs «Wie ich sehe, was du fühlst» von Jan Sentürk erhofft. Doch leider fällt das Ergebnis nicht so spektakulär aus, dass man es gleich mit Dr. Cal Lightman, dem von Tim Roth dargestellten Protagonisten aus der Serie «Lie to Me», aufnehmen kann.
«Man kann nicht nicht kommunizieren», lautet ein berühmter Leitsatz in der Kommunikationswissenschaft aus der Feder von Paul Watzlawick. Auch wenn wir nichts tun, teilen wir uns unserer Umwelt mit. Mimik, Gestik, Körperhaltung oder die Art, wie wir schauen – wir sind für das geschulte Auge ein offenes Buch. Einen solchen Kennerblick hat Jan Sentürk. Der deutsche Körpersprache-Coach verrät in seinem Buch einige Hinweise, wie man das Verhalten anderer deuten kann. Die spannendsten Erkenntnisse für den Alltag bietet der mittlere Teil des Buchs. Sentürk erklärt den Unterschied zwischen echtem und unechtem Lachen und erklärt, warum die «schlaffe Forelle» der unsympathischste Händedruck ist. Zudem gibt der Autor wertvolle Tipps für jene Männer, die das Mysterium Frau noch nicht aufgeschlüsselt haben. Zum Beispiel ist das «ausgestellte» Handgelenk der Frauen beim Rauchen ein Zeichen für Interesse am Kontakt.
Am Gesicht von Tim Roth aka Dr. Cal Lightman wird Glücksempfinden erklärt.
Dennoch ist das Buch in erster Linie ein Ratgeber fürs Berufsleben. Wer oft vor Leuten spricht, im Verkauf arbeitet oder sich auf ein Bewerbungsgespräch vorbereitet, dem ist dieses Werk sicher hilfreich. Zum Experten à la «Lie to me» wird man dadurch aber noch lange nicht. Schade eigentlich.
Jan Sentürk: «Wie ich sehe, was du fühlst». Piper Verlag, München 2012. 189 Seiten, Fr. 13.90.
Schlaglicht will Euch informieren über das, was läuft in Basel. In den Museen, auf den Bühnen, auf der Strasse. Wir schreiben, was wir sehen, was wir hören, was wir darüber denken – subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.