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Das hilft gegen Langeweile

Mamablog-Redaktion am Donnerstag, den 31. Juli 2014

Ein Gastbeitrag von Sweet-Home-Bloggerin Marianne Kohler

Gerade die langen Sommerferien schützen Kinder nicht immer vor der grossen Langeweile. Hier sind 12 Ferienprojekte, die ein Abenteuer versprechen, die Kreativität fördern oder dem Alltag eine neue Perspektive geben.

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1 AUSFLUG MIT FREUNDEN
Ein Ausflug unter Gleichaltrigen, so wie aus Kinderbüchern bekannt, oder in Begleitung Erwachsener eignet sich bestens für einen langen, schönen, freien Tag. Geplant wird gemeinsam. Je nach Alter der Kinder kann das vom Ende des Gartens bis ins Nachbardorf gehen, in der Stadt vielleicht in einen Park. Lassen Sie die Kinder bei der Vorbereitung des Picknicks mitmachen und lassen Sie sie danach eine Geschichte darüber schreiben oder den Ausflug zeichnerisch festhalten, so sind sie länger als einen Tag beschäftigt. (Bild über: Weheartit)

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2 PICKNICK-PARTY IM GARTEN
Lassen Sie die Kinder selber Sandwiches dafür streichen, Salate machen und Kuchen backen. Packen Sie Körbe und Koffer mit den Leckereien und geben Sie buntes Pappgeschirr und Becher mit. Lesen Sie den Kindern eine Geschichte vor oder lassen Sie sie typische Gartenspiele wie Crocket spielen. (Bild über: Classy and style)

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3 SCHATTENTHEATER SPIELEN
Wenn die Sonne so richtig scheint, gibt es starke Schatten. Diese laden ein zu Rollenspielen der besonderen Art: Zeichnen Sie mit Kreide verschiedene Gesichter auf den Boden und lassen Sie die Kinder so stehen, dass die Kreidegesichter auf den Schatten des Kopfes treffen, dann können die Rollenspiele beginnen.

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4 PUPPENSTUBEN BASTELN  
Dafür braucht es nicht viel: leere Kartonschachteln und einige Wohnzeitschriften oder alte Möbelkataloge. Lassen Sie die Kinder Bilder von Zimmern aus den Magazinen schneiden und die Innenseiten der Kartonschachteln damit bekleben. So entsteht mit wenig Aufwand ein todschickes Puppenhaus. (Bild über: Roomor)

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5 PARTY MIT ÜBERNACHTUNG
Freundinnen und Freunde einladen zum Übernachten ist eine grosse Sache. Basteln Sie dazu Einladungen in Schlafmaskenform, planen Sie einen Kinderfilm-mit-Popcorn-Abend und Attraktionen wie Kissenschlachten, Glaceessen im Bett, eine Nachthemdmodenschau und Finkenwettrennen. (Bild über:Darling Darleen)

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6 GESPENSTERFAMILIE GRÜNDEN
Verkleiden Sie sich für einen Abend lang als Gespenster, erzählen Sie (freundliche) Gruselgeschichten und essen Sie seltsame Sachen wie schwarzen Reis, schwarze Oliven, schwarze Rüebli oder Calamares. Die Kostüme entstehen aus weissen Leintüchern mit ausgeschnittenen Löchern für die Augen und Sonnenbrillen darüber. Am Schluss gibt es eine Fotosession und Schokoladeneis mit Himbeer-«Blut»-Sauce! (Bild über: Coffeestained cashmere)

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7 CARAMELS HERSTELLEN
Sie schmecken nicht nur fantastisch, auch die eigenhändige Herstellung macht Spass. Verwandeln Sie die Küche einen Nachmittag lang in eine Bonbonfabrik .

Zutaten für eine Portion Caramels:  
  • 2 dl Milch
  • 180 g Puderzucker
  • 30 g Butter
  • 2 EL Honig
Zubereitung: 

Belegen Sie ein Blech mit Backpapier. Geben Sie die Milch, den Puderzucker und die Butter in eine Pfanne und lassen Sie die Mischung unter regelmässigem Rühren ca. 20 Minuten sanft köcheln. Giessen sie die dickflüssige Caramelmischung auf das Blech, streichen Sie sie flach und lassen Sie sie abkühlen. Danach können Sie mit einem Messer längliche Bonbons schneiden.

Fertigstellung: 

Packen Sie die einzelnen Bonbons in passend zugeschnittenes Backpapier und kleben Sie hübsch gemusterte, japanische Klebebänder darauf. Mit Schnürchen zusammenbinden.

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8 MASKEN AUS PAPIERTÜTEN
Tragtaschen aus den Supermärkten hat man immer zu Hause. Machen Sie etwas Vernünftiges daraus, indem Sie sie mit den Kindern in Fabelmasken verwandeln. Damit können die Kinder ein kleines Theater aufführen. (Bild über: Trendhunter)

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9 KARTONFREUNDE BASTELN
Auch mit anderen Abfallprodukten kann man Neues und Interessantes gestalten, etwa mit Kartonrollen, auf die man Tiere malt und den Konturen nach ausschneidet. So kommt man auf die Schnelle zum eigenen Zoo. (Bild über: Flickr)

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10 TRAUMSCHLOSS BAUEN
Nehmen Sie verschiedenste Kartonschachteln und basteln Sie mit den Kindern daraus ein Traumschloss. Damit können Sie abenteuerliche Spiele spielen. (Bild über: Tipjunkie)

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11 PAPIERLATERNEN KREIEREN
Lampions! Falten Sie dafür Papier der Länge nach in zwei Hälften. Über den Falz mit einer Schere Streifen einschneiden, den Papierbogen wieder aufklappen und an der kürzeren Seite zusammenkleben. Die Lampions schmückt man mit farbigen Streifen, Tupfen und Fransen aus Krepppapier. (Bild über: Oh happy day)

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12 SEGELN GEHEN
Die grössten Ferienreisen und Abenteuer können im Kopf von Kindern entstehen. Helfen Sie ein wenig nach und geben Sie Fantasieseefahrern eine tolles Segelboot. Dafür reicht eine alte Waschgelte und ein grosses Segel aus Stoff oder Papier. Der Kapitän braucht noch ein hübsches Logbuch, in dem er seine Abenteuer niederschreiben kann, und ein wenig Proviant in Form von Brötchen, Früchten und Kuchen.

Väter, macht Mutterschaftsurlaub!

Mamablog-Redaktion am Mittwoch, den 30. Juli 2014

Ein Papablog von Andrea Caroni*

«Väter, verhandelt mit euren Arbeitgebern»: Liebe auf den ersten Blick. Foto: Steve Baker (Flickr)

«Väter, verhandelt mit euren Arbeitgebern»: Liebe auf den ersten Blick. Foto: Steve Baker (Flickr)

Ein Vaterschaftsurlaub erlaubt es dem Vater, von Anfang an dabei zu sein. In den ersten Tagen kann der Vater so lernen, das Kind zu halten, zu beruhigen, zu wickeln, zu baden und – wo nicht gestillt wird – gar zu schöppeln. Ich hatte das Privileg, mit meiner Partnerin nach der Geburt unserer Tochter einige Tage und Nächte am Stück im Familienzimmer im Spital zu bleiben und die Tage darauf zu Hause zu verbringen (wobei half, dass meine Tochter das Feingespür hatte, noch vor der nahenden Frühjahrssession zur Welt zu kommen). So begann ich meine Vaterschaft nicht als Lehrling meiner Partnerin, sondern mit eigener Erfahrung.

Wie aber kommt der lernbegierige Jungvater zu seiner Auszeit? Das Gesetz sieht keinen Vaterschaftsurlaub vor. Der politische Mainstream kritisiert dies und ruft nach dem Staat. Als Reaktion hat Bundesrat Berset letzten Herbst acht mögliche Modelle des Vaterschafts- oder Elternurlaubs vorgestellt. Diese reichen von der blossen Erwähnung des Vaterschafts- oder Elternurlaubs im Obligationenrecht über ein steuerbegünstigtes Sparmodell – bis hin zu einem 24-wöchigen, durch die Erwerbsersatzordnung finanzierten Elternurlaub.

Das Allerheilmittel fast all dieser Vorschläge: die Umverteilung. Alle zahlen, Eltern nehmen. Dabei sind bereits heute unsere Sozialwerke überstrapaziert. Und bereits heute unterstützen kinderlose Paare und Alleinstehende die Familien in Milliardenhöhe, von Kinderzulagen über Kinderabzüge bis zur Prämienverbilligung für Kinder und dem Elterntarif. Eine Volksinitiative fordert gar die (systemwidrige) Steuerfreiheit der Kinderzulagen.

Dabei täte es gut, sich bisweilen auf die Eigenverantwortung zu besinnen. Es steht jedermann frei, die Absprache mit seinem Arbeitgeber zu suchen und a) mit üblichen Ferien, b) einem unbezahlten oder c) einem bezahlten Urlaub zum gewünschten Vaterschaftsurlaub zu kommen.

• Für den Bezug von Ferien gibt es wohl keinen würdigeren Moment als dann, wenn das eigene Kind das Licht der Welt erblickt.

• Man kann mit dem Arbeitgeber einen kurzen, unbezahlten Urlaub aushandeln. Bei einer durchschnittlichen Kinderzahl von 1,5 pro (Erwerbs-)Leben ist die finanzielle Einbusse für viele verkraftbar.

• Zahlreiche Arbeitgeber bieten bereits einen bezahlten Vaterschaftsurlaub an. Üblich ist in der Schweiz zwar oftmals nur ein Tag. Viele Arbeitgeber haben ihr Angebot dennoch ausgeweitet. So ermöglichen zum Beispiel die SBB oder Novartis den frischgebackenen Vätern eine Woche Vaterschaftsurlaub. Raiffeisen und Migros bieten ihren Mitarbeitern drei Wochen an. Bei der Alternativen Bank Olten oder der katholischen Kirche im Kanton Zürich sind es sogar vier Wochen, um nur einige Beispiele zu nennen.

In meinem Fall: Zwar kennt mein Arbeitgeber, eine Anwaltskanzlei, keinen bezahlten Vaterschaftsurlaub (übrigens auch das Bundesparlament nicht), dafür konnte ich einige Wochen unbezahlten Urlaub beziehen, was zusammen mit meinen üblichen Ferien eine grossartige Kennenlern- und Erfahrungsphase ergab.

Eine Gesetzesänderung halte ich dennoch für angebracht: Der heutige Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen kann vollständig und zwingend nur von der Mutter bezogen werden. Die ersten acht Wochen dienen dabei der mütterlichen Gesundheit, die letzten sechs vor allem der Beziehungsbildung. Ich habe nun per Motion gefordert, dass eine Frau das Recht erhalten sollte, einen Teil dieser letzten sechs Wochen auf ihren Partner zu übertragen.

Leider hat der Bundesrat meinen Vorstoss abgelehnt. Seine Begründung: Ein internationaler Vertrag schreibe zwingend 14 Wochen Mutterschaftsurlaub vor. Der Bundesrat übersieht dabei, dass mein Vorschlag der Mutter die 14 Wochen ja belässt – ausser sie wollte, dass der Vater einen Teil davon übernimmt. Auf diese liberale Weise würde den Eltern die Wahlfreiheit zugesprochen, ohne dabei Dritte zusätzlich zu belasten. Ich hoffe, das Parlament – immerhin mehrheitlich aus erfahrenen Vätern und Müttern bestehend – ebnet dieser Lösung die Bahn.

Im Übrigen gilt: Männer, wartet nicht auf den Staat, sondern verhandelt mit euren Arbeitgebern. Denn: Selbst ist der Vater.

Andrea Caroni*Andrea Caroni (34) ist seit knapp einem halben Jahr Vater einer Tochter. Er sitzt für den Kanton Appenzell Ausserrhoden im Nationalrat. Der FDP-Politiker und Rechtsanwalt wohnt mit seiner Familie in Herisau.

Ist Kindsein gefährlicher geworden?

Gabriela Braun am Dienstag, den 29. Juli 2014
Kein Empfang: Für Eltern im Ungewissen ein zunehmendes Problem. (Foto: Dave Collier/Flickr)

Kein Empfang? Für Eltern ist Ungewissheit ein zunehmendes Problem. (Foto: Dave Collier/Flickr)

Allzeit erreichbar sein, lautet die Devise – auch für Kinder und Jugendliche. Nicht weil sie es wollen, sondern weil die Eltern es fordern. Sie wollen jederzeit wissen, wo ihre Söhne und Töchter sind und was sie machen. Ein befreundetes Paar liess ihre elfjährige Tochter nicht ins Ferienlager fahren, weil die Organisatoren ein allgemeines Handy-Verbot ausgesprochen hatten. Damit konnten die Eltern nicht umgehen und meldeten das Mädchen nicht an.

Viele Eltern haben den Anspruch, ihr Kind rund um die Uhr erreichen zu können. Geht dies wider Erwarten nicht, bricht schon mal eine mittlere Panik aus: Ein Freund erzählte mir vor ein paar Tagen vom «plötzlichen Verschwinden» seines knapp 15-jährigen Sohnes. Dieser reiste alleine im Zug aus dem Tessin nach Hause und musste dreimal umsteigen. Die Mutter schrieb ihm eine SMS, um sich zu erkundigen, ob alles in Ordnung sei – doch er antwortete nicht.

Auch unzählige Anrufe der zunehmend verängstigten Eltern blieben unbeantwortet. Das Telefon des Teenagers war offenbar nicht in Betrieb. Seine Eltern waren ausser sich: Was war geschehen? Wieso ging sein Handy nicht und warum meldete er sich nicht? War ihm etwas zugestossen? Sie beschlossen, noch zwei Stunden zu warten und dann die Polizei zu verständigen.

Natürlich hatten sie sich in etwas hineingesteigert: Der Sohn tauchte gesund und zufrieden auf, allerdings 60 Minuten später als erwartet. Der Akku seines Handys war leer und er hatte einen Anschlusszug verpasst. Statt ihn wie geplant vor Ärger in Grund und Boden zu stauchen, fielen ihm die Eltern erleichtert um den Hals.

Als der Freund von alldem erzählte, reagierte ich wohl nicht so mitfühlend, wie er angenommen hatte. Ich sagte ihm zwar, dass ich seine Sorgen nachvollziehen könne, dennoch tue mir der Junge leid. Da verschwindet der Teenager mal zwei, drei Stunden vom Überwachungsradar der Eltern – und schon bricht Panik aus. Haben die denn gar kein Vertrauen in ihn? Immerhin wird ihr «Kleiner» bald 15, er ist auch schon mal Zug gefahren, kann sich verständigen und weiss, wo er wohnt. Wo ist das Problem?

Kein Wunder, werden heutige Jugendliche später erwachsen. Kinderpsychologen und Soziologen aus dem In- und Ausland stellen fest, dass es den Jungen heutzutage häufiger an emotionaler Reife mangle. Als einen der Gründe nennen die Experten die zunehmende Verkindlichung der Jugendlichen seitens der Gesellschaft.

Oder anders gesagt: Haben unsere Eltern uns damals wie die Irren hinterhertelefoniert, als wir 15 waren und mit Freunden ein paar Tage campieren gingen? Nein, natürlich nicht, weil es damals gar keine Handys gab, man nicht überall erreichbar war. Sie mussten uns schlicht vertrauen und waren dennoch wohl um einiges entspannter, als es viele der heutigen möchtegern-coolen Eltern sind.

Natürlich brachte mein Bekannter während der angeregten Diskussion auch das «Früher war alles besser»-Argument. In den Siebzigern, als er Kind war, habe es viel weniger Verkehr gegeben, weniger Menschen und deshalb auch weniger Gefahren, so seine Folgerung.

Doch meiner Meinung nach zieht das nicht. Es gab auch damals Unfälle, Drogen und Verbrechen. Der Unterschied ist doch vielmehr, dass durch das Näherrücken der Welt und den immensen technischen Wandel mehr Infos auf uns einprasseln – auch erschreckende. Unsere Angst ist grösser geworden, nicht die Welt gefährlicher.

Was ist Ihre Meinung?

Alles testen lassen oder einfach vertrauen?

Jeanette Kuster am Sonntag, den 27. Juli 2014
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Was, wenn es behindert ist? Ultraschallbild eines Fötus in der 12. Schwangerschaftswoche.
Foto: Wikimedia

Vor kurzem hat die «Ostschweiz am Sonntag» vermeldet, dass sich die Trisomie-21-Geburten innert zehn Jahren verdoppelt hätten. Ein Anstieg, den so niemand erwartet habe. Zwar werden bekanntlich immer mehr Frauen spät Mutter, was das Risiko für Fehlbildungen beim Kind erhöht. Gleichzeitig treiben Schätzungen zufolge aber zwischen 75 und 95 Prozent der Frauen, die vorgeburtlich mit der Diagnose Trisomie 21 konfrontiert werden, das Kind ab. Wieso also dennoch diese extreme Zunahme? Stimmen die hohen Prozentzahlen so vielleicht nicht mehr?

Möglicherweise habe in den letzten Jahren ein gesellschaftliches Umdenken stattgefunden, sagt Tina Fischer, leitende Ärztin am Kantonsspital St. Gallen gegenüber der «Ostschweiz am Sonntag». Ein Umdenken, das es Paaren leichter mache, auch ein behindertes Kind zu bekommen. Und dazu führe, dass manche ganz bewusst auf die Pränataldiagnostik verzichteten.

Auch ich habe damals zumindest teilweise auf die mir angebotenen Untersuchungen verzichtet. Bei meiner zweiten Schwangerschaft hatte ich nämlich die magische Grenze überschritten: Ich war über 35 Jahre alt und fiel somit in die Kategorie «alte Mutter». Die Folge: Mir wurde von der Gynäkologin gleich zu Beginn empfohlen, eine Fruchtwasserpunktion machen zu lassen, um mein Kind auf allfällige Fehlbildungen untersuchen zu lassen. Als ich das strikt ablehnte und sagte, mein Mann und ich wollten das nicht, schaute sie mich staunend an.

Ich hatte zwei Jahre zuvor ein gesundes Kind zur Welt gebracht, ich fühlte mich gut, und es gab bei den üblichen Untersuchungen keinen Hinweis auf irgendein Problem. Deshalb sah ich nicht ein, weshalb ich bloss aufgrund einer statistischen Grösse eine Fruchtwasserpunktion machen lassen sollte, die mit einem Abortrisiko verbunden ist. «Das Risiko beträgt bloss 0,5 bis 1 Prozent», mögen Sie nun einwenden. Aber «eins von hundert» erscheint mir schon ziemlich bedrohlich, wenn es um das Leben meines Kindes geht.

Dass man den Untersuch dennoch machen lässt, wenn man aufgrund der Statistiken völlig verunsichert ist oder absolut überzeugt, kein behindertes Kind grossziehen zu können, verstehe ich. Auf mich und meinen Mann traf beides nicht zu, weshalb wir es gar nicht so genau wissen wollten. Denn wie entscheidet man, wenn einem die Ärzte sagen, das Kind werde behindert zur Welt kommen? Behält man es trotzdem und mutet sich und dem Kind womöglich zu viel zu? Oder entscheidet man sich für einen Abbruch mitsamt den psychischen Folgen, die damit einhergehen? Kann man sich in dieser unglaublich schwierigen Frage mit dem Partner einigen? Und ist man fähig, auf Dauer mit seiner Entscheidung zu leben?

Noch schwieriger werden diese Fragen, wenn man sich vor Augen führt, dass die Pränataldiagnostik auch falsche oder ungenaue Diagnosen liefern kann. So wie bei einer Bekannten von mir, die gleichzeitig wie ich schwanger war. Sie und ihr Mann hatten von Beginn weg auf die gesamte Pränataldiagnostik verzichtet, also nicht einmal die Nackenfaltenmessung machen lassen. In der 13. Woche sah das Kind im Ultraschall seltsam aus, sodass nachträglich doch noch gemessen wurde. Die Diagnose der Ärzte: Das Kind würde entweder noch im Mutterleib sterben oder schwerstbehindert sein.

Das war 2009. Heute ist der Kleine fast fünf Jahre alt, völlig normal entwickelt und gesund. Seine Eltern haben damals entschieden, das Kind trotz dieser düsteren Prognose zu bekommen, und damit ganz offenbar den richtig Entscheid gefällt. Ob ich das an ihrer Stelle genauso durchgezogen hätte? Ich weiss es schlicht nicht und bin dankbar, musste ich mich selber nie einer solchen Entscheidung stellen.

Wie sieht es bei Ihnen aus? Haben Sie alle medizinischen Möglichkeiten genutzt, um (so weit möglich) sicherzustellen, dass Sie ein gesundes Kind bekommen? Oder haben Sie auf gewisse Tests verzichtet im Vertrauen darauf, dass alles gut kommen wird? Und erhöht die Pränataldiagnostik Ihrer Meinung nach den Druck auf die Frauen, nur noch gesunde Kinder zu bekommen? Oder findet wirklich langsam ein Umdenken statt?

Nichts ist besser als der Alltag

Gabriela Braun am Freitag, den 25. Juli 2014
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Das Kind ausprobieren lassen und ihm dabei unterstützend zur Seite stehen. Vater mit Tochter im Reka-Feriendorf Urnäsch. (Keystone Christian Beutler)

Was tut eine Schnecke, die sich in ihr Haus verkriecht? Wie geht Rüebli schälen? Wie fühlt sich ein Sprung in eine Pfütze an?

Kinder müssen ausprobieren, nur so lernen sie. Sie sollen im Alltag Erfahrungen sammeln. Was selbstverständlich klingt und ein wenig trivial, werden derzeit Pädagogen und Psychologen nicht müde zu betonen.

Denn es braucht keine spezielle Smartphone-App, um das Kind auf das Leben vorzubereiten. Genauso wenig wie es einen Förderkurs benötigt. Ein Kind braucht vielmehr aufmerksame Erwachsene, die sich Zeit nehmen, ihm Dinge zutrauen und es in seinen Entwicklungsschritten unterstützen. So wie die Betreuerin der zweijährigen Selina es tut. Sie beobachtet mit ihr in aller Ruhe die Schnecke mit Haus. Die beiden sehen, wie sie die Fühler einzieht und sich in ihr Haus verzieht – und warten bis die Schnecke wieder hervorkriecht.

Die zwei Schneckenbeobachterinnen sieht man in einem über zweiminütigen Film. Es ist einer von insgesamt 40 Kurzfilmen des Projekts «Lerngelegenheiten für Kinder bis 4», lanciert von der Bildungsdirektion des Kantons Zürich. Die Filme – zu sehen auf www.kinder-4.ch – zeigen alles Situationen, die frühkindliches Lernen im Alltag zum Thema haben. Man sieht ein Baby eine Holzfrucht ertasten, eine Vierjährige mit einer Pfütze spielen, ein Mädchen sich selbst die Socke anziehen – und Malon (3), die an ihr Plastikauto unbedingt einen Anhänger montieren will.

Schneckentheater, beobachtet von Selina (2 Jahre 10 Monate) und ihrer Tagesmutter.

Mit den Filmen möchten die Verantwortlichen auf alltägliche Lerngelegenheiten aufmerksam machen. «Lebt den Alltag» ist die einfache Botschaft. Die Filme sollen Eltern, Grosseltern und Betreuer jeglicher Art inspirieren. Sie sind in die vier Landessprachen übersetzt sowie in neun weitere Sprachen – unter anderem Tamilisch, Arabisch und Türkisch. Das im Frühjahr lancierte Projekt ist gemäss den Machern bereits ein Erfolg: über 60'000-mal wurden die Filme schon angeklickt.

Eis, eiskalt, nass? Für Anna (4 Jahre) kein Problem

Kofferpacken: Weniger ist mehr. Mit Nils und Tim (3,5 Jahre)

Die herausfordernde Socke. Mit Mara (3 Jahre)

Auto mit Anhänger: Malou (3 Jahre) versucht einiges, bis es so weit ist – und braucht bloss wenig Hilfe

Achtung scharf! Gemüse rüsten mit Livia (1 Jahr 6 Monate) und Mauro (3 Jahre 9 Monate)

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