Krieg den Wandbeschmutzern

In der internationalen Graffitiszene sind die Pichadores respektiert. São Paulos Bürgermeister aber will sie vertreiben.

Die eckige Runenschrift hat weite Teile São Paulos in Beschlag genommen. Im Schutz der Nacht verzieren sogenannte Pichadores die Gebäude der Metropole mit Pinseln, Farbrollen und Spraydosen. Mit Graffitikunst habe das nichts zu tun, sagt João Doria, der Bürgermeister der Stadt, in einem Interview. Pichação sei kein soziales Problem, sondern pure Aggression und kriminell. Mit hohen Geldbussen von bis zu 10’000 Reais (umgerechnet ca. 3200 US-Dollar) will Doria dem nächtlichen Treiben Einhalt gebieten.

Ob die Strategie mit den hohen Bussen Erfolg hat, wird sich zeigen. Die Pichadores wollen sich nicht wegen Bussen abhalten lassen, weiterhin auf Hochhäuser und Autobahnüberführungen zu klettern, um ihre Spuren zu hinterlassen. Nicht jeder Künstler riskiert so viel. Kunst beinhaltet oft die Freiheit, sich auszudrücken, aber Pichação ist ein eigentlicher Ausdruck von Freiheit. Die Sprayer sagen der Welt: Hier bin ich. Ihr könnt mich nicht ignorieren.

Die eckige Schrift hat ihren Ursprung in den Covers der Heavy-Metal-Alben der 1980er-Jahre. Die eckigen Buchstaben haben in der internationalen Graffitiszene viele Fans. Unter ihnen ist auch die amerikanische Fotografin Martha Cooper, die die amerikanische Subkultur über viele Jahre fotografisch eng begleitet und dokumentiert hat. Pichação sei kein Vandalismus, sagt sie, sondern vielmehr eine Art, sich seine Umgebung zu eigen zu machen.

Doria, Doria, Doria: Ein Polizist schreit den bekannten brasilianischen Künstler namens Iaco an, nachdem dieser den Namen des Bürgermeisters von São Paulo an die Wand gesprayt hat. (22. März 2017; Alle Fotos: Nacho Doce/Reuters)