Das wird ein ziemlicher Kater

Absturz ins neue Jahr: Joel Goodman hält das Nachtleben auf den Strassen von Manchester fest.

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Mad Friday? So nennen die Briten den letzten Freitag vor den Weihnachtsfeier- und –ferientagen. Was viele von ihnen dann unternehmen, «erfahrungsgemäss», das hat ein Vertreter der Polizei einmal so erklärt: «Sie machen früh Feierabend, eilen ins Pub und trinken zu schnell zu viel.» Das Ergebnis, nüchtern betrachtet: «Manchen wird es übel, manche werden verletzt, und manche werden verhaftet.»

Tatsächlich haben Polizei und Sanität in diesen Nächten so viel zu tun wie sonst kaum im ganzen Jahr. Mit jenem Freitag beginnt aber auch für den Pressefotografen Joel Goodman eine betriebsame Zeit: Seit mehreren Jahren hält er die Wochenenden auf den Strassen von Manchester fest. Und festhalten ist schon das richtige Wort für die Dinge, an die sich viele am nächsten Tag nicht mehr erinnern werden – Goodman ist dabei, wenn Menschen ihren Halt verlieren. Ihren Kopf. Oder auch ihre Hose.

«Es ist eine vitale Welt, ebenso komisch wie tragisch», sagt er. Auch wenn ihm das oft unterstellt wird und er mit den Feindseligkeiten von Rauf- und Trunkenbolden genauso rechnen muss wie mit jenen von Polizisten: Goodman ist kein Gaffer, und mehr als für die kompromittierenden Momente interessiert er sich für das «soziale Verhalten im Ausgang». Also für jenen Zustand des öffentlichen Lebens, der aus dem unbedingten Willen zum Spass resultiert.

Den Kater kann man sich schon angesichts seiner Fotos ausrechnen. Manchmal führt der Absturz vorher aber noch zu Momenten von geradezu theaterhafter Grandeur. So wie in der Neujahrsnacht 2016: Umgehend berühmt wurde das Bild, das Goodman damals im Epizentrum von Manchesters Partyzone gemacht hat, auf einer Strasse beim Clubkomplex Printworks (unten). Wenn das Kunst wäre: Man könnte die Choreografie bewundern, das Arrangement, die Komposition. Dem Fotografen bleibt das Wunder des entscheidenden Augenblicks. Wobei es hier gleich ein mehrfaches ist.

Goodmans Erklärung? «Ich war bloss zur rechten Zeit am rechten Ort.» Für den einen der beiden Festbrüder auf dem Asphalt wird das so nicht ganz gelten. Der andere dagegen ist gleich wieder bei seinem Bier.

Weitere Bilder von Joel Goodman  http://www.joelgoodman.net/

 

 

 

 

 

13 Kommentare zu «Das wird ein ziemlicher Kater»

  • Widmer sagt:

    Genau so eklig sind auch die Hotels in England. Schmierig und schmuddelig. Ich muss leider sagen, dass auch so gearbeitet wird. So kenne ich doch England. BTW, Birmingham und Leeds sind identisch schlimm.

    • Georg sagt:

      Himmel! Wo steigen Sie denn ab?! Ist mir noch nie widerfahren. Vielleicht wählen Sie in Zukunft besser aus…

  • Georg sagt:

    Oh! Der Fotograf hat „seine Sujets nicht gefragt“? Wie böse, böse von ihm…! Wer selbstverschuldet (!) so auf der Strasse rumtorkelt, tut das unter anderem, weil er sich so darstellen will. Somit billigt er, dass andere ihn sehen und aufnehmen und in Erinnerung behalten. Das sind nicht Unfallopfer oder Behinderte oder Kranke oder Obdachlose etc.

  • Johannesburg sagt:

    Früher in 1972 Hillbrow Johannesburg hatten wir das auch damals!

  • Gerhard Engler sagt:

    Eine Anmerkung zum Persönlichkeitsrecht bei solchen Bildern: In England (besser UK) gibt es KEINEN rechtlichen Persönlichkeitsschutz. Wer in der Öffentlichkeit fotographiert wird, der muss damit rechnen, dass sein Bild abgedruckt wird.

  • Max Blatter sagt:

    Jetzt hört bitte mal auf mit den verd… Persönlichkeitsrechten – ich finde, damit wird heute masslos übertrieben. Nähme man diese ernst, dürfte ja wohl das Fernsehen während eines Fussballspiels nicht einmal mehr Bilder der Zuschauerinnen und Zuschauer zeigen (ausser es würde auf den Tickets irgendwo klein gedruckt draufstehen, dass man mit dem Betreten des Stadions dem zustimmt). – Persönlichkeits-Sphäre findet in den eigenen vier Wänden statt; wenn man öffentlichen Raum betritt, nimmt man halt in Kauf, dass man gesehen, fotografiert, gefilmt wird. Ja, ich weiss, Juristen und Juristinnen sehen das anders; ich nenne das „Juristifizierung der Gesellschaft“; es erinnert mich an Orwells „1984“ – und ich finde es überhaupt nicht gut. – Ich habe fertig!!

  • Salomon Grindabrisse sagt:

    das stimmt Michael und es ist klar das sich der tages anzeiger damit mit strafbar gemacht hat. Er gehört vor Gericht angeklagt und verurteilt. Der entsprehende Journalist ist zu entlassen. Ich überlege eine Klage in New York bin aber momentan zu besoffen dafür

  • Andrea sagt:

    Ja genau, mit einem aufblasbaren Gummi-Penis wollte ich schon immer mal in Zürich herum laufen. Danke für diese Idee. Ich bin sicher, dass er seine Sujets nicht gefragt hat. Mir gefallen solche Aufnahmen nicht, es verletzt die Persönlichkeit.

    • Daniel Castro sagt:

      Kann man noch von Persönlichkeit reden, wenn man sich in der heutigen Zeit dermassen niveaulos verhält?

  • Yuya sagt:

    Ich gebe Michael absolut recht. Und der TA macht mit beim fröhlichen Mobbing!

  • Michael sagt:

    Dem Soziopathen Joel Goodman ist das Recht am eigenen Bild/Persönlichkeitsrecht sowas von egal. Er stigmatisiert seine Opfer, was Cyberbullying gleichkommt.

  • Marlisa B. sagt:

    Ich liebe solche Crash-Bilder von diesem Fotografen, besonders Nr. 1 und das legendäre Bild Nr.6 sind meine Favoriten.

  • elena sagt:

    Ach, wie schööön anzusehen das alles! Dekadenz lässt grüssen. Ist das jetzt Party machen? Ich habe das irgendwie anders in Erinnerung.

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