Die Wunder des Nichts

Andreas Tschersich entdeckt das geheime Leben gebauter Belanglosigkeiten.

 

Bratislava, 2014

Vielleicht erkennt ja einer die Sprache auf der Fassade. Vielleicht verrät die Art des Holzbaus die Gegend. Und vielleicht hat man das schon einmal gesehen, diese Nachbarschaft von Klinker und Klötzen. Allerdings kommt es darauf nicht an. Andreas Tschersisch war in Bratislava (oben), Kawasaki (links) und Lüttich (rechts). In Nidau, Detroit und Glasgow. In Wien, New York und Oxelösund. Und überall hat er dasselbe entdeckt. Diese Leere der Vorstadt. Die gesichtslosen Quartiere, wo das Urbane ausfranst. Die Zone, in der es keine Sehenswürdigkeit gibt, keine städteplanerischen Ambitionen und keinen Anlass zum Bleiben.

 

Kawasaki, 2013

Liège, 2005

Charleroi, 2005

Nidau, 2005

Detroit, 2010

Detroit, 2010

Detroit, 2010

 

Toronto, 2010

«Peripher» heisst die Serie, die den Fotografen aus Biel seit mehreren Jahren beschäftigt. Schon dekoriert mit einem kantonalbernischen Preis für Fotografie, gibt es sie jetzt auch als Bildband. Und der macht endgültig klar, was dort ist, wo niemand ist: Mit seinem präzisen Blick auf das Vage sieht Tschersich das geheime Leben der Formen und Farben. Ordinär platzt das Treppenhaus aufs nackte Flachdach, das minzgrüne Holz duckt sich hinter den Zaun, und die Klötze stehen dann doch etwas verloren auf dem Boden, den sie regieren. Willkommen! Hier beginnen die Wunder des Nichts.

peripher_f

peripher, Andreas Tschersich, Edition Patrick Frey
Gebunden, 164 Seiten, 76 Farbabbildungen, 32 × 25 cm
ISBN: 978-3-906803-07-4