Kabelsalat, hell erleuchtet

Der Fotograf Sounak Das streift durch die Nächte Dhakas auf der Suche nach Skulpturen aus Draht.

Man kann sich schwer vorstellen, wie menschliche Stimmen oder Strom transportiert werden. Wie dies in einem ganz materiellen Sinne aussieht, das hat der Fotograf Sounak Das auf seinen nächtlichen Streifzügen durch seine Heimatstadt Dhaka festgehalten. Wie Schlingpflanzen umfassen die Drähte die Bäume, Häuser, Masten und geben sich selbst eine neue Gestalt in einem irgendwie geordneten Wirrwarr, das im gleissenden Licht aus der schützenden Nacht hervortritt.

Man hat den Eindruck, als ob die kunstvollen Drahtknäuel und -skulpturen überrascht würden vom Auftritt des einsamen, mit einer Fotokamera bewehrten Spaziergängers. Für den Moment der Aufnahme halten sie kurz still und ziehen sich dann wie Sternschnuppen erneut in die Dunkelheit zurück. Mit diesem Wechselspiel arbeitet Sounak Das sehr gekonnt: Nur vor schwarzem Hintergrund kommt die filigrane Architektur dieser vernetzten Drähte und Kabel zur Entfaltung. Bei Tageslicht lösen sich die Figuren in den sinnlichen Umgebungsreizen auf.

«Ich beabsichtige, Formen mit verschiedenen Lichtquellen zu schaffen, um eine skulpturale Typologie von Objekten wie Masten und Drähten und der Umgebung um sie herum zu erzeugen. Ich hatte das Bedürfnis, mich um Mitternacht auf die Strasse zu schleichen und Bilder von Stahlkonstruktionen, Transformatorenmasten und Stromkabeln aufzunehmen, die viel lebendiger waren als ein Merkmal im Hintergrund unseres adaptiven Sehens.»

So beschreibt der Fotograf aus Bangladesh selbst seine Arbeitsweise und Ästhetik. In seinen Fotografien geht die Technologie von gestern eine Fusion ein mit der Natur und der restlichen Dingwelt. Diese faszinierende Mischung ist allerdings bloss von vorübergehender Dauer. Im Jahr 2022 will die Regierung diesem anarchischen Kabelsalat ein Ende bereiten mit dem Einsatz moderner Übertragungstechnik.

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Der visuelle Künstler Sounak Das lebt in Dhaka, Bangladesh. Neben fotografischen Projekten arbeitet er auch für Performance-Künstler und für Filmproduktionen. Mehr Informationen über sein Schaffen und seinen Werdegang finden Sie auf seiner Website und seinem Instagram-Account.

3 Kommentare zu «Kabelsalat, hell erleuchtet»

  • Gisela Hoffmann, Nussbaumen sagt:

    Mir gefällt an diesen Fotos, dass die Kabelsalate durch die Dunkelheit wie freigestellt sind. Vor allem aber finde ich die Realitätsbezogenheit richtig: Auf fast allen Bildern bezieht er einen oder mehrere fremde Gegenstände mit ein:
    einen Pfeiler, das kleine Gerät mit Mattscheibe (ein kleiner, ausrangierter Fernseher?), ein ramponierter Betonpfeiler, ein Kinderwagen, eine Hütte oder ein Bus. Das und natürlich die verschiedartige Verknäulung der Kabel macht jedes Bild zu einem Unikat.
    Mir gefallen die Aufnahmen. Gruss von Gisela

  • Schelling sagt:

    Also, somit ist dokumentier, dass die Elektrotechnik und Elektronik mit dem Kabelsalat stabil und funktionatüchtig ohne gegenseitige Störung in Betrieb ist.
    TIP TOP

  • Ulrich Konrad Schweizer sagt:

    Aehliche Fotos in wohl etwas gemässigterer Form habe ich von Rio de Janeiro/Brasilien.

Kommentar

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