Geblitzt und gebannt

Der Künstler Alex Hanimann hat Tierbilder aus Fotofallen gesammelt: lauter Selfies, die grosse Fragen stellen.

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Ist das ein Wild-, ein Wald-, ein Warzenschwein? Streckt es seine Schnauze aus Neugier in die Kamera? Sind es Posen, die der Waschbär und der Hirsch da üben? Und warum sieht der Leopard eigentlich her­über, dieser nächtliche Passant? Ihn hat ja kaum der Wunsch nach einem Selbstporträt durch die Dunkelheit geführt.

Eigentlich sind Fotofallen Werkzeuge für Wildhüter und Tierforscher. Sie machen die Fauna, die sich sonst entzieht, sicht- und zählbar: Es sind Automaten, die auf Bewegung oder Wärme reagieren, und was sie produzieren, sind eigentlich nur Daten, wenn auch visuelle.

Wenn allerdings ein Künstler diese Fotos sammelt, arrangiert und zeigt, so wie Alex Hanimann, geboren 1955, tätig in Zürich und St. Gallen, in seinem Bildband «Trapped» – dann ändert sich der Kontext, und anderes wird an diesen Bildern wichtig.

Komik beispielsweise. Und der Umstand, dass man plötzlich im Blickkontakt mit all den Kreaturen steht. Zugleich das Wissen, dass es diesen Kontakt doch nur scheinbar gibt, weil hinter diesen Kameras kein Fotograf gestanden hat. Und die Porträtierten nichts von ihren Porträts wissen.

Daher kommt schliesslich auch die Ahnung, dass es zum Bewusstsein der Tiere kaum je einen Zugang geben wird. So nahe man ihnen hier auch ist, so gespenstisch ausdruckslos bleiben die vom Blitz geblendeten Gesichter. Und so schnell verschwinden diese Gestalten auch wieder in der Finsternis.

Alex-Hanimann-Trapped

Alex Hanimann: Trapped.
Edition Patrick Frey, Zürich 2018.
Deutsch/englisch. 384 Seiten,
350 Abbildungen, etwa 60 Franken.

 

Kommentar

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