Ingrids langsamer Tod

Frederik Busch porträtiert das triste Dasein deutscher Büropflanzen.

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Ingrid gibt nicht auf.

Kakteen, Drachenbäume und Schefflera bevölkern Arztpraxen, Kanzleien und Werbeagenturen, um ein wenig Leben zwischen die Aktenstapel und Bildschirme zu bringen. Aber warum stellen wir Ingrid dann auf eine überhitzte Fensterbank und giessen sie nicht? Wieso nur zwängen wir Gummibäume in enge Plastikkübel oder neben unseren Schreibtischstuhl?
Acht Jahre lang arbeitete Frederik Busch an seiner Fotoserie «German Business Plants» und porträtierte in zahlreichen Betrieben ebensolche Pflanzen. Porträts, da wir die Bürobotanik hier mit Eigennamen und knappen Charakterisierungen vorfinden und schnell erkennen, dass diese Pflanzen eben «auch nur Menschen» sind, die sich in ihrem tragikomischen Dasein in ganz alltägliche Fragestellungen um Beziehungen, Musik und Fitness verwickelt sehen.

 

Solveigh mag fremde Kulturen.

Paul ist traurig.

Sören will mehr als nur einen Job.

Siegfried schämt sich.

Sabine geht unheimlich gerne Tanzen.

Ute leidet unter Tagträumen.

Albert macht seit einem Jahr Krafttraining.

Dagmar mag kein Fernsehen.

 

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Frederik Busch (geb.1974) wuchs im Schwarzwald und nahe Augusta, Georgia, USA auf. Er studierte Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin, wurde als Schauspieler an der Universität der Künste Berlin ausgebildet und machte an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe seinen Abschluss in Medienkunst. Zahlreiche Magazine veröffentlichten bereits seine Fotografien, darunter Dummy, Neon, Vice, Der Spiegel und das SZMagazin. Frederiks fotojournalistisches Schaffen wurde sowohl von der Abisag Tüllmann Stiftung ausgezeichnet, als auch mit dem Deutschen Journalistenpreis und dem Deutschen JournalistInnenpreis Emma prämiert. Als Lehrbeauftragter unterrichtet er Fotografie im Kontext der zeitgenössischen Kunst an Kunsthochschulen in Nürnberg, Halle, Hamburg und Karlsruhe. Der Medienkünstler lebt und arbeitet in Hamburg.

Sein neustes Buch «German Business Plants» erschien beim Kehrer Verlag.

Leineneinband mit Titelschild 19,5 x 25,5 cm, 128 Seiten, 52 Farbabb.
Deutsch, Englisch Lieferbar
ISBN 978-3-86828-850-6 2018

5 Kommentare zu «Ingrids langsamer Tod»

  • regina almeida sagt:

    Ich habe im Bureau eine Agave attenuata arborescens und es geht ihr blendend. Sie macht jede Menge Kindels.

  • alexandra weber sagt:

    Ja – es ist leider so – es ist obertraurig wie die Menschen gegenüber den Pflanzen unfair, faul und überheblich sind. Kaufen und dann sterben lassen – warum nur? Was ist mit diesen Menschen los? Keine Freude mehr – einfach wegschmeissen oder unbeachtet serbeln lassen?
    Ich rette viele Pflanzen in Praxen oder Geschäften in dem ich Wasser-Kübelchen oder Glass verlange um die Pflanzen zu wässern, ein kleines Lebenszeichen zu geben, Hoffnung die wohl auch bei Pflanzen NIE vergeht. Danke für Aufmerksamkeit den schönen Pflanzen gegenüber.
    ewz

  • Wolfgang sagt:

    Diese Fotos kann man auch irgendwo machen …… und nachher das Konzept schreiben ……

  • Georges G. sagt:

    Wer hat dem das Fotografieren in unseren Büros erlaubt?!?!?

Kommentar

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