Willkommen zu Hause, CIA

Transparent: Mit dem «Internet der Dinge» entstehen neue Möglichkeiten der Überwachung. Foto: Mackenzie Kosut (Flickr.com)

Wir, die Menschen, müssen uns die Weltbühne zusehends mit den Dingen teilen. Mit intelligenten Dingen, die das Internet künftig mit uns bevölkern werden. Das «Internet der Dinge» wird uns bevormundend durch unsere zunehmend dumpfen Leben begleiten, kleine und grosse Helferlein sind darunter wie etwa ein Kühlschrank, der sich beim Supermarkt meldet, sobald Regale und Tiefkühlfach leerer werden. «Hi, hier ist der Kühlschrank von Mr. Bongofury, wir brauchen zwei Rindswürste, einen Grünkohl, Joghurt…» Und so weiter.

Das Problem mit dem «Allnetz», wie das Internet der Dinge auch genannt wird, ist indes riesig: Wir wissen jetzt, dass die CIA dieses Internet der Dinge fast nach Belieben wird anzapfen können. Dank Wikileaks ist der Beweis erbracht, dass die Hacker, IT-Freaks und klandestinen Nerds des amerikanischen Geheimdienstes famose Werkzeuge zum Einbrechen in Smartphones, Autocomputer, Smart-Fernseher und eben alles entwickelt haben, was im Internet der Dinge summt und brummt.

Schon versagen die Bremsen

Die Bedeutung dieser Enthüllung ist enorm: Das Allnetz wird endgültig den gläsernen Menschen schaffen, einen unselbstständigen Idioten, der nach Strich und Faden ausspähbar sein wird. Natürlich wird man uns beruhigen, uns sagen, wie wir uns vor Geheimdiensten, Kriminellen und den Kreaturen des Darknets schützen können. Unsere Kommunikation werden wir resolut verschlüsseln und im Minutentakt die Passwörter unserer E-Mail-Konten mitsamt den Zugangsdaten zum Kühlschrank ändern.

Aber es wird nichts helfen. Stattdessen wird die CIA mühelos imstande sein, uns umzulegen, so sie dies möchte. Einfach den Bordcomputer des Autos hacken, schon versagen die Bremsen bei der Abfahrt von einem Pass in den Anden. Nie waren politisch motivierte Mordanschläge einfacher. Da wir bald kleinste Computer in unseren Kleidungsstücken tragen werden, sogenannte Wearables, weiss die CIA zudem, wie es um unseren Blutdruck, die Körpertemperatur und überhaupt um uns steht.

Vom Kühlschrank erschlagen

Unsere smarten Fernseher, die wir in Wohn- und Schlafzimmern installiert haben, zeichnen auf, worüber wir quatschen und welche Laute wir beim Sex ausstossen. Errichten wir eine elektronische Maginot-Linie zu unserer Verteidigung, werden die Daniel Düsentriebs in der Abteilung zur Durchdringung des Allnetzes (ADA) beim CIA-Direktorat für Cyber-Allmacht (DYA) bald ein Spionagewerkzeug bauen, dem wir nichts entgegenzusetzen haben.

Da Minicomputer Licht und Wärme in unseren Behausungen regulieren, weiss das Direktorat für Alltagsbeobachtungen und Lebensgewohnheiten (DAL), wann wir zu Hause sind und ob uns melancholisch zumute ist. Unterdessen übermittelt der Kühlschrank der CIA-Zentrale in Langley, dass wir drei Flaschen Bier in zehn Minuten tranken, derweil der Medikamentenschrank Zahl und Art eingenommener Pillen meldet und die Wearables die Intensität unserer Schweissausbrüche weitergeben.

Stets wird uns die Technologiebranche neue Abwehrmittel verkaufen wollen, die nach zwei Wochen wirkungslos sein werden. Gegen Ende, wenn uns schon verdammt mulmig zumute ist, werden sich ferngesteuerte Kühlschränke der Marken LG und Bosch eines Abends dank des Internets der Dinge verselbstständigen – und etliche von uns erschlagen. Die CIA wird diese Vorfälle speichern.

11 Kommentare zu «Willkommen zu Hause, CIA»

  • Patrick Messner sagt:

    „Gegen Ende, wenn uns schon verdammt mulmig zumute ist, werden sich ferngesteuerte Kühlschränke der Marken LG und Bosch eines Abends dank des Internets der Dinge verselbstständigen – und etliche von uns erschlagen“

    Oder sie werden sich, ob all der obskuren Beobachtungen, die sie über uns machen, zur Kellertreppe hin bewegen, um sich diese in selbstmörderischer Absicht herunter zu stürzen.
    Dann aber bloss nicht vorher den Netzstecker ziehen wie Ephraim Kishon bei seiner legendären Waschmaschine;-).

  • Anh Toàn sagt:

    Nur wenige Menschen haben ein echtes Problem damit, was man alles über sie wissen kann. Viel mehr Menschen haben ein Problem damit, dass niemand etwas über sie wissen will.

  • Roland Stuber sagt:

    Der Tagi hat das Recht, wahrheitsgetreue und gleichzeitig „schlechte Nachrichten rauszufiltern – ausserdem muss er damit rechnen von CH-er Schlapphüten gemäss dem NDG belangt zu werden – sollte er diese „schlechten Wahrheiten“ dennoch veröffentlichen! DA hilft nur – als Steuerzahler und Kunde das Geld für solche Medien zurückzuhalten BIS die WAHRHEIT erlaubt werden muss!
    P.S. zum Glück gibts WIKILEAKS – YES WE LEAK!!

  • Peter Sieber sagt:

    Es wird immer Mittel und Wege geben, das Internet der Dinge auszuschalten, und sonst kann sich ein neuer Wirtschaftszweig, welcher bereits in Kuba existiert auf eine weltweite Ausbreitung freuen: Handwerker, welche steinalte Geräte ohne Ersatzteile 50 Jahre lang reparieren können. Und bei den Wearables wird es wohl auch Methoden geben, die Minicomputer zu zerstören.

  • Reto Zummstein sagt:

    Stand nicht im NDG Gesetz etwas von ‚in fremde Systeme eindringen‘, die dann manipuliert werden dürfen?
    Interessant, wie krampfhaft auf Amerika verwiesen wird, damit über den Machenschaften ‚zu Hause‘ der Mantel des Schweigens bleibt!

  • Peter sagt:

    M.K. ist Amerikaner und das merken wir uns, wenn wir seine alten Artikel nochmals lesen, und für seine zukünftigen Artikel. ich habe wirklich angenommen, dass d jemand von der Werdstr.schreibt.

  • Pete sagt:

    Alles korrekt und nachvollziehbar. Aber ferngesteuerte Kühlschränken die uns erschlagen ist Blödsinn. Da gibt es einfachere Wege.

  • Reto Meyer sagt:

    Artikel stimmt im Ansatz, der Autor leider Technik-Naiv.
    Auto weiss schon längst für die Hersteller mehr Informationen über Fahrer und Fahrverhalten, nicht seit heute.
    Jedes System mit Elektronik & Intelligenz, Internet oder sonstiger Verbindung kann und wird auch immer missbraucht werden!
    Auto, Fernseher, Haussteuerung, IT Umgebung (Mobile, Tablett & PC als reinste Datenschleuder an Informationen)…
    Alles andere wäre zu gutgläubig das nur die CIA das braucht. Jeder tuts, längst schon!
    Der Benutzer hilft ja auch noch mit – Home Systeme auf fremden Servern gehostet, alle pers. Daten selber gepostet auf fremden Datenseiten.
    Lösung ist einfach. Kein Auto mit SIM Karte, Haus-Systeme isoliert ohne Internet etc. Der User sollte halt auch mitdenken können, nicht alles mitmachen.

  • Kurt Leutenegger sagt:

    Und wer nicht zu Hause ist wird über Google Earth verfolgt. Gegner werden in Zukunft mittels Laserstrahlen vom Weltraum aus erledigt. Es wird nur noch einen Weg geben diesen Errungenschaften zu entgehen, zurück in die Zukunft.

  • maurus candrian sagt:

    ich bin überzeugt, dass in den usa sämtliche firmen im (erweiterten) it-bereich von den jeweiligen us-regimes zu geheimabkommen gezwungen werden, um die bürgerInnen weltweit ausspionieren zu können. insbesondere auch die us-firmen, welche „verschlüsselungstechnologien“ verkaufen, dürften – nach meiner einschätzung – perverserweise selber mit den us-geheimdiensten unter einer decke stecken. interessanterweise werden meine diesbezüglichen blogbeiträge vom tagesanzeiger im normalen blog konsequent zensiert. angst vor der wahrheit, liebe blog-zensoren?

  • zweistein sagt:

    Martin Killian: „Auch die CIA ist nur ein Plüschtier oder habe ich da was missverstanden?“

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