Die Rache der Familie Bush

Welttheater

Bush senior sympathisiert mehr oder weniger offen mit Hillary Clinton. Zeichnung: Dave Granlund (Cagle)

Trump könnte stündlich duschen, die Bushs fänden ihn trotzdem eklig. Als genetischer Quell zweier Präsidenten und mehrerer Gouverneure sind sich die Bushs zu fein für Trump. Er mag goldene Wasserhähne in seinem Klo haben und eine Boeing 757, auf deren Rumpf in riesigen Buchstaben «Trump» steht. Damit jeder weiss, wem der Jet gehört. Die Bushs finden das zum Fürchten. Sie verstehen sich als Nobilität mit einem klingenden Namen im Gotha der amerikanischen Politik.

Trump hingegen ist ein Prolet. Die Bushs schauen auf ihn herab. Dass sie mit George W. Bush eine Niete produzierten, die einfach so einen mordsmässigen Krieg vom Zaun brach, wird in der Familiengeschichte als bedauerlicher Unfall gewertet. Überdies hatten die Bushs niemals derart enthemmte Fans wie Trump. Bei dessen Zetermordio-Shows laufen Leute mit T-Shirts herum, die verkünden, Hillary sei eine «Bitch».

«Hätte Hillary doch nur O. J. Simpson geheiratet!», heisst es auf einem anderen T-Shirt. Dann wäre sie nämlich tot. Die Bushs finden solche Eruptionen des gesunden Volksempfindens vulgär. Ausserdem hat Trump ihnen die Thronfolge vermasselt. Eigentlich war nach George Herbert Walker Bush und George Walker Bush dessen Bruder John Ellis Bush dran, besser bekannt als «Jeb». Trump zerlegte Jeb. Er warf ihm vor, eine schlappe Nummer mit «wenig Energie» zu sein. Das tat weh.

Hundert Stimmen weniger für Trump

Aus Rache führen die Bushs einen Guerillakrieg gegen Trump. Sie sind insgeheim zu Hillary übergelaufen. Dass sich die Matriarchin Barbara Bush hinter Trump stellen würde, war unvorstellbar. Gewiss ist sie überzeugt, Trump esse mit den Fingern und bohre bei Tisch in der Nase. Laura Bush, die Gattin von George W. Bush, hält viel von Michelle Obama und liess durchblicken, dass sie kein Fan von Trump ist. Ihr Ehemann blieb Trumps Parteitag in Cleveland ebenso fern wie Jeb und Papa Bush.

Zuerst kündigte Jeb an, er werde Trump nicht wählen. Dann kam heraus, dass der alte Bush für Clinton stimmen wird. Mehrere Gäste, darunter Kathleen Kennedy Townsend vom Clan der Kennedys, hörten, wie der greise Patriarch seinen Hochverrat bei einer Veranstaltung einem Bekannten zumurmelte. Und vor wenigen Tagen wurde seine Enkelin Barbara Pierce Bush, die Tochter von Laura und George W. Bush, bei einem Fundraiser für Hillary in Paris abgelichtet. Mit dabei: Clintons enge Vertraute Huma Abedin sowie Anna Wintour («Vogue») und Filmstar Dakota Fanning. Haute Couture, Baby!

Nicht nur schieben die Bushs Hillary offenbar Zaster zu. Sie scheinen einer Niederlage Trumps mit unverhohlener Freude entgegenzufiebern, obschon er wie sie ein Republikaner ist. Votiert der Clan samt Entourage geschlossen gegen Trump, könnten ihm Hunderte Stimmen entgehen. Das hat sich Trump selbst eingebrockt. Schliesslich warf er Jeb Energiemangel vor und hält die Bushs insgesamt für dekadente Freaks und Loser.

Die Bushs wiederum finden es geschmacklos, das Klo mit Gold zu verzieren und öffentlich Brüste und Gesässe von Frauen nach einer Punkteskala zu bewerten. Sie glauben, Trump sei Motörhead, und tun so, als seien sie ein Streichquartett. Jetzt zahlen sie es Trump heim. Durch Verrat, mit Geldspenden sowie mit tiefster Verachtung. Trump tut einem richtig leid.

14 Kommentare zu «Die Rache der Familie Bush»

  • Peter Gutknecht sagt:

    Herrn Trump blieb nichts anderes übrig, als einen Gegner nach dem andern zu zerpflücken, sonst wäre er vom republikanischen Parteitag nicht nominiert worden. Das ist ihm meisterhaft gelungen.
    Herr Trump mag – im Vergleich zu Jil Stein oder Bernie Sanders – eine Katastrophe sein, aber von Hillary Clinton unterscheidet ihn nur wenig:
    * sein grober Tonfall
    * sein eher isolationistischer Ansatz in der Aussenpolitik. Da kann Europa nur froh sein, wenn sich die USA nicht in jedem Krieg einmischen, um danach die Flüchtlinge Europa zu überlassen.
    * Trump war wenig erfolgreich darin, Geld für seinen Wahlkampf zu sammeln. Das macht ihn unabhängig. Frau Clinton steht unter dem Diktat von Wallstreet und der Waffenlobby.

  • Rudolf sagt:

    Dreistein, M. Ki L ian ist der beste Amerikakommentator weit und breit. Er ist auch der beste Amerikakenner. Jedes Wort trift die Wahrheit ins Schwarze und sitzt, ist aber auch mit gesunder Dosis an Humor durchzogen. Damit beweist er auch eigene Unwichtigkeit. Auch das ist seine Grösse. Kilian, weiter so. Ihre Kommentare sind ein Genuss.
    Was Amerika, nein eigentlich USA, auch betrifft, auch für sie, die Staaten, gilt:
    „Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient“ und wie ein Bumerang,
    „Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“.

  • Sacha Maier sagt:

    Schade, dass Jebb Bush seine Kandidatur zurückgezogen hat. So hat Amerika eine wunderbare neue Zeit voll hochprofitabler Kriege verpasst. Stattdessen hat das Land heute die Wahl zwischen einem proletarischen Möchtegern-Oligarchen und einer Rechtsanwältin der Wallstreet. Beides wird der Nation nicht sonderlich gut bekommen.

    • Hansjürg sagt:

      Täuschen Sie sich da nur mal nicht. Die Bushs unterstützen die Clinton nicht umsonst. Welcher Krieg darf’s denn sein? Korea, Ukraine, südchinesisches Meer, Irak, Afghanistan/Pakistan? Ich tippe mal auf Syrien. Nur, was macht dann Putin? Wir werden uns noch wundern, denken Sie an meine Worte! Ein Clown wie Trump ist dagegen geradezu harmlos.

  • Peter Rudolf sagt:

    Billy Bush hat Trump den endgueltigen Todesstoss versetzt!!!

  • Florian Müller sagt:

    Ich schätze Kilian und seine leichte, für einen Amerikaner untypische Ironie (@zweistein: Kilias mit nur einem l, sonst ist zweistein überflüssig ;-).
    In einem aber liegt er falsch: George W. Bush ist keine „Niete, die einfach so einen mordsmässigen Krieg vom Zaun brach“. Der kleine Bush ist Retter von Familien- und Clanehre (Skulls&Bones), nach dem Versagen von „desert storm“. Öl- und Waffen-Geschäfte mit Bush sen in den 80ern, Streit und grünes Licht seitens Bush zur Besetzung Kuweits führten zum Krieg. Brutkasten- und Massenvernichtungswaffenlüge dienten der Irreführung aller Amerikaner. Ziel war einzig die Vernichtung der Person Saddam Hussein (Quest for Saddam).

  • David Bühlmann sagt:

    Hillary ist wohl die bessere Republikanerin als Trump. Es muss und wird so sein, dass Clinton die Interessen des BushClans besser vertritt als Trump. Nur deshalb wird sie von les Bush gewählt, und nicht um dem Donald eins auszuwischen. Solange es kein Mehrparteiensystem in den USA gibt und solange es das Winner takes all gibt wird sich an dieser diktatorischen Demokratie nichts ändern. Ich trauere um Bernie.

  • zweistein sagt:

    Martin Killian beweist einmal mehr wie überflüssig er ist.

    • Tom Müller sagt:

      … und doch lesen Sie ihn offenbar immer wieder gerne.

    • David Weidmann sagt:

      sehr amüsant und interessant geschrieben, leider frage ich mich weshalb unsere paar fanatischen Aussenseiter (Trump Anhänger) sich bei jedem Killian-Bericht die Mühe machen auf die Person zu schiessen?
      Die einzigen personi non grata sind Trump, und seine rückständigen Jünger.

    • Hans Iseli sagt:

      Donnerwetter, das ist aber ein gehaltvoller Kommentar!

  • Ronnie König sagt:

    Mehr hat der ungehobelte Polit-Hooligan nicht verdient wahrlich! Ihn nicht zu wählen, ist für Amerika die USA sein. Leider ist die Alternative zu Trump genau so wenig attraktiv, aber sehr wahrscheinlich das kleinere Übel. Das Land hätte bessere Alternativen wie die zwei, aber es will offenbar nicht anders, der Rest der Welt muss dann einfach (damit leben). Die Geisterbahn USA. Beten wir nach guter amerikanischer Manier, dass der Herrgott der Welt gnädig gesonnen ist mit dieser Auswahl an Umhergeisternden.

  • Rolf Rothacher sagt:

    Was soll dieser madige Kommentar mit Wörtern wie „Zaster“ oder „Guerillakrieg“? Das sind doch journalistische Tricks aus dem letzten Jahrtausend, um dünne Texte ohne Aussage aufzupäppen.
    Schon vergessen: Arnold Schwarzenegger hat eine Demokratin geheiratet und ist als Republikaner Gouverneur von Kalifornien geworden. Es gibt keinen einheitlichen, republikanischen Bush-Clan, sondern auch dort immer schon Individuen, die anders denken. Fakt ist, dass Jeb Bush von Trump wie eine Null zur Seite gedrückt wurde und der alte Bush nun grollt, was menschlich verständlich ist, da ja auch der alte Bush immer wie ein lauer Abklatsch von Reagan wirkte und keine 2. Amtszeit hinbekam. Ein Vater erkennt seine eigenen Schwächen in seinem Sohn und die Stärken beim Gegner. Das tut halt weh.

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