Reality-TV mit Präsident Trump

Der erste Sponti im Weissen Haus: Donald Trump. (Reuters/Carlo Allegri)

Wäre der erste Sponti im Weissen Haus: Donald Trump. (Reuters/Carlo Allegri)

Ich weiss. Genug Trump. Geht mir ja ebenso. Aber dann überfällt einen die schiere Unglaublichkeit. Er ist Präsidentschaftskandidat. Womöglich wird er Präsident. Donald Trump! Der erste Pfälzer mit schottischem Hintergrund im Weissen Haus! Ein Mann mit einem erfrischenden Mangel an Selbstdisziplin.

«Viele Leute sind überrascht, wie ich arbeite; ich nehme es nicht so genau; ich habe keine Aktentasche bei mir; ich versuche nicht zu viele Termine zu machen; ich lasse meine Tür offen; du bist nicht einfallsreich, wenn du zu viel Struktur hast; ich ziehe es vor, jeden Morgen zur Arbeit zu erscheinen und zu sehen, was sich entwickelt.» Das schrieb Trump in seinem Bestseller «Die Kunst des Deals».

Er würde eine total improvisierte Präsidentschaft hinlegen. Alle Entscheidungen werden je nach Laune, dem Wetterbericht sowie plötzlichen Eingebungen gefällt. Trump wäre der erste Sponti im Weissen Haus. Womöglich beruft er Joschka Fischer an die Spitze des Aussenamts. Fischer war bekanntlich auch ein Sponti. Bevor er Staatsmann wurde.

Es gibt schon etliche Hinweise darauf, wie Trump regieren wird. Nämlich extrem aus dem hohlen Bauch heraus. Kürzlich sagte er, die amerikanischen Staatsschulden – lumpige 19 Billionen Dollar – liessen sich verringern, wenn die Gläubiger eben nur mit einem Teil des Geschuldeten abgespeist würden. Vielleicht hat Trump in Argentinien Ferien gemacht. Wer weiss? Jedenfalls setzte an der Wallstreet umgehend Panik ein. Hallo? Staatsbankrott!

Seine sprunghafte und total unkalkulierbare Präsidentschaft beginnt allmorgendlich mit dem traditionellen «Briefing» durch die CIA. Jeder Präsident erhält dieses Briefing. Im Flüsterton werden dabei allerlei Geheimnisse ausgeplaudert. Trump erfährt beispielsweise dank der NSA, was Putin am Vortag über ihn gesagt hat. Wahrscheinlich nur Gutes. Schliesslich hat Putin gesagt, Trump sei «intelligent und talentiert». Und Trump bedankte sich dafür artig und attestierte dem Russen, «zumindest ein Führer zu sein im Gegensatz zu dem, was wir hier haben». Damit meinte er Obama.

Allerdings muss Trump beim CIA-Briefing die Tür schliessen, was er ja sonst ablehnt. Ausserdem wird Trump verlangen, dass die Nachrichtendienste tief im Privatleben ausländischer Honoratioren herumstochern. Ob Bundesräte, Premierminister, Kanzler oder Diktatoren: Trump will wissen, wie es um Ehen steht und wohin der Sex geht. Damit könnte ja notfalls erpresst werden. «Verbinden Sie mich mit Hollande.» François sei mal wieder mit dem Motorroller unterwegs gewesen. Ohne Helm, spätnachts. Daraus kann man Kapital schlagen!

Überhaupt vergeht die Zeit mit Telefonaten und Interviews. Morgens zerreisst Präsident Trump überflüssige Abkommen, etwa den Nato-Vertrag, mittags bricht er beim Telefonat mit Kim Jong-un fast einen Atomkrieg vom Zaun. Weil er den Übersetzer korrigierte. Dessen Koreanisch schien ihm nicht draufgängerisch genug.

Mit Präsident Trump gleicht jeder Tag einer Wundertüte. Niemand hätte die geringste Ahnung, wie sich der Tag entwickelte. Auch der nächste Tag und überhaupt alle Tage brächten supergeiles Reality-TV. Immer ginge es kurzweilig und abwechslungsreich zu. Und überall lägen Bauklötze herum. Vom Staunen der Leute.

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