Die durchleuchtete Hillary

Democratic presidential candidate Hillary Clinton takes a selfie after speaking at East Los Angeles College in Los Angeles, California, U.S., May 5, 2016. REUTERS/Lucy Nicholson - RTX2D1N0

Hat diese Frau tatsächlich noch Leichen im Keller? Foto: Lucy Nicholson (Reuters)

Auf Messers Schneide stand es. Spitz auf Knopf sozusagen. Es war die allerletzte Schlacht des Ted Cruz, gefochten bei der republikanischen Vorwahl in Indiana. Das Lager des texanischen Senators hoffte auf eine direkte Einmischung des lieben Gotts. Der Radiotalker Glenn Beck rief sogar zum Fasten auf, damit der Allerhöchste eingreifen und der fromme Ted den heidnischen Trump besiegen werde.

Cruz‘ Vater Rafael, ein wortgewaltiger Prediger, forderte die Republikaner in Indiana auf, denjenigen Kandidaten zu wählen, der «dem Wort Gottes und der Verfassung der Vereinigten Staaten folgt». Die Hand Gottes aber rührte sich nicht. Sie hatte Argentinien 1986 im Match gegen England zum Sieg verholfen, in Indiana aber war sie nirgendwo zu sehen. Worauf Ted Cruz sang- und klanglos verlor und danach ausschied. Wie damals die Engländer. Allerdings waren die Engländer ausgeschieden, nachdem der liebe Gott seine Hand im Spiel gehabt und ein gewisser Maradona mithilfe dieser Hand ein Tor erzielt hatte.

Im Endspiel um die amerikanische Präsidentschaft stehen jetzt Hillary Clinton und Donald Trump. Kaum war der Donnerschlag von Indiana verhallt, skizzierten Trumps Helfer bereits seine Strategie im kommenden Wahlkampf: Hillary Clinton, sagte Sprecherin Katrina Pierson, sei «niemals wirklich überprüft worden, besonders von den Medien».

Wie bitte? Hillary Clinton nicht überprüft? Seit sie 1992 an der Seite ihres Gatten ins Rampenlicht rückte, trägt Hillary einen Röntgenapparat stets bei sich. Sie ist völlig durchleuchtet worden. Schon mal was von Magnetic Resonance Imaging gehört? Magnetresonanztomografie? MRI? MRT? Hillary ist total durchmagnetisiert worden. Wir wissen nahezu alles über sie. Die Skandale, die keine waren wie Whitewater. Oder die Skandale, die welche waren. Etwa Bills eifriger Penis. Oder dass sie mit Schlachtvieh-Futures handelte. Und vor den Spitzen von Goldman Sachs auftrat und dafür unerhört viel Zaster erhielt. Weil sie rappte. Nein, nicht wirklich.

Hillary ist derart intensiv durchleuchtet worden, dass selbst der Durchmesser ihrer Nasenlöcher bekannt ist. Trump wird diese Informationsflut jedoch nicht abhalten, seinerseits zu röntgen. Immerhin förderte er bereits zutage, dass Ted Cruz‘ Vater Rafael an der Ermordung von John F. Kennedy beteiligt war. Cruz ist bekanntlich kubanischer Herkunft. Fidel Castro hatte damals in Dallas vielleicht eine Hand im Spiel. So wie Gott eine Hand im Spiel gegen die Engländer hatte. Und ein Foto zeigt Rafael Cruz angeblich mit Lee Harvey Oswald. Etwas bleibt bekanntlich immer kleben: «Haben Sie schon gehört, dass Cruz‘ Vater am Tag der Ermordung Kennedys ebenfalls in Dallas weilte und dort verdächtig jätete?»

Nicht viel anders wird es Hillary Clinton ergehen, wenn sie in Trumps MRI-Maschine gesteckt und rundherum «überprüft» wird. Wurde sie nicht im Watergate-Gebäude just dann gesehen, als Richard Nixon einbrechen liess? Auch ist Hillary so lesbisch, dass Bill keine andere Wahl als Monica Lewinsky blieb. Und war es nicht Hillary, die Elvis tablettensüchtig machte? Was ist übrigens mit ihrem Ex-Lover, der Agrarminister beim Islamischen Staat wurde? Und Kaspar Hauser ist Hillarys Kind! Wussten Sie das?

20 Minuten, die sich lohnen: John Oliver über Donald Trump, äh Drumpf. Quelle: Youtube.

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