Im Pantheon der grossen Mauerbauer

U.S. Republican presidential candidate Donald Trump holds a sign supporting his plan to build a wall between the United States and Mexico that he borrowed from a member of the audience at his campaign rally in Fayetteville, North Carolina March 9, 2016. Trump was interrupted repeatedly by demonstrators during his rally. REUTERS/Jonathan Drake - RTSA418

Ein schönes Paar: Donald Trump und seine Vorstellung der Mauer zwischen den USA und Mexiko. Foto: Reuters

Donald Trump kann aufatmen. Er gewann die republikanische Vorwahl in New York deutlich und ist mithin kein Loser. Ebenso erfreulich ist, dass sein Traumprojekt, nämlich der Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko, endlich von der Stelle kommt. Mit Zement und Beton will Trump bekanntlich die Völkerverständigung vorantreiben und ausserdem dem gesunden Volksempfinden entsprechen. Er will verhindern, dass sich «Messicans» widerrechtlich in die Vereinigten Staaten schmuggeln.

Seine Grenzbefestigung, eines der gewaltigsten Bauvorhaben seit der Errichtung der sozialistischen Mauer rund um West-Berlin, bedarf einer riesigen Armee von Arbeitern und beförderte Trump geradewegs ins Pantheon der grossen Mauerbauer, wo neben Walter Ulbricht die Kaiser Hongzhi – Chinesische Mauer! – und Hadrian – Schottland! – hausen. Die logistischen Anforderungen sind beträchtlich, nachbarschaftlichen Beistand aber verspricht Guatemalas Präsident Jimmy Morales. «Dem Gentleman, der eine Mauer bauen möchte, bieten wir billige Arbeitskräfte an», sagte El Presidente neulich.

Wie ihre mexikanischen Freunde sind auch die Guatemalteken tüchtige Bauarbeiter und Poliere. Sie wissen Rammbären, Freifallbären, Zylinderbären, Dieselbären und Hydraulikbären gleichermassen zu bedienen. Damit könnten sie Rohre, Pfähle oder Spundbohlen in den grenznahen Boden rammen. Als Schweisser und Betonstahlbieger sind sie ebenfalls unübertroffen. Ohne sie und die «Messicans» wären die amerikanischen Bauunternehmen im Eimer, ihre Baustellen öde und leer. Selbstverständlich fragt niemand auf amerikanischen Baustellen, ob «Messicans» und Guatemalteken legal zementieren. Auch Trump baute einige seiner Hotels mit ihrer Hilfe. Präsident Jimmy Morales betonte, Guatemala verfüge «über hochwertige Arbeitskräfte», gern nehme man den Auftrag zum Mauerbau von Texas bis hinüber nach Kalifornien an: «Geben Sie uns die Ausmasse, dann gehen wir an die Arbeit.»

Die Dimensionen sind beträchtlich: Um zu verhindern, dass sich «Messicans» und andere mithilfe von Stelzen und Leitern in die Illegalität begeben, muss die Mauer mehrere Meter hoch sein. Zudem sollte sie die Sicht auf amerikanisches Territorium versperren, um den Bewohnern südlich der Mauer den Blick auf das Paradies von Donald Trump zu verwehren. Dadurch wird der Neidfaktor im Keim erstickt. Die Länge der Baustelle ist immens: Auf 3145 Kilometern müssen die Guatemalteken mauern, anstreichen, betonieren und ausheben.

Ausserdem möchte Trump auf der amerikanischen Seite der Mauer aus ästhetischen Gründen gewiss Zierpflanzen wie etwa Sommerflieder anbringen. Guatemalteken gelten als vorzügliche Gärtner mit tiefgrünen Daumen und stehen bei amerikanischen Gartenbaufirmen hoch im Kurs. Die Bepflanzung längs der Nordseite der Mauer verlangt überdies ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem. Die Mauer führt durch diverse Wüsten, eine Begrünung erforderte wahrscheinlich Stauseen, Desalinierungsanlagen sowie den Zukauf von Wasser aus Kanada.

Der Arbeitsaufwand wäre insgesamt enorm, weshalb das grossherzige Angebot des guatemaltekischen Präsidenten Morales als beispielloser Akt der Liebe verstanden werden muss. Bislang hat Donald Trump indes noch nicht darauf reagiert.

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