Luxemburg greift nach den Asteroiden

(Screeenshot/AFP)

Science-Fiction-Fan oder Pionier: Luxemburgs Wirtschaftsminister Etienne Schneider. (Screeenshot/AFP)

Ein kleines Land hat hochfliegende Pläne. Luxemburgs Wirtschaftsminister und Vizepremier Etienne Schneider will das Grossherzogtum zu einem «Hub» für den Bergbau im Weltall machen. Im Visier Millionen Kilometer entfernte Asteroiden. Raumschiffe sollen in naher Zukunft mittels Sonden die unförmigen Kleinplaneten nach Rohstoffen wie Gold, Titan, Platin oder seltenen Erden absuchen.

Was der sozialdemokratische Politiker diese Woche mit viel Pomp angekündigt hat, klingt auf den ersten Blick wie Science-Fiction. Es erinnert zumindest an «Die Jagd nach dem Meteor» von Jules Verne. Der französische Autor liess in seinem Roman von 1908 in der Hoffnung auf lukrative Spekulationsgeschäfte einen riesigen Asteroiden aus Gold auf die Erde stürzen.

Mit Rohstoffförderung auf der Erde kennt man sich in Luxemburg aus. Bis in die 70er-Jahre wurde aus den Tiefen des Grossherzogtums Eisenerz geholt und in den Stahlwerken verarbeitet. Mit dem Niedergang der Schwerindustrie wurde dann im Banken- und Versicherungssektor erfolgreich diversifiziert. Ähnlich wie in in der Schweiz wurden Luxemburgs Politiker in den letzten Jahren aber vom Ende des Bankgeheimnisses überrascht.

Nun muss man sich auch im Ländle umorientieren, und besinnt sich gleichzeitig auf das alte Bergbauhandwerk, wenn auch diesmal angewandt auf Gesteinsbrocken draussen im Weltall. «Unser Ziel ist es, Zugang zum Reichtum von bisher unerforschten Rohstoffquellen auf Felsen draussen im Weltall zu schaffen, ohne den Lebensraum der Menschen zu beschädigen», schwärmt Wirtschaftsminister Etienne Schneider.

Da trifft es sich gut, dass viele Weltraumfirmen ihren Sitz bereits in Luxemburg haben. Allen voran der Satellitenkonzern SES, weltweit grösster Betreiber von Fernseh- und Datensatelliten. Seit vergangenem Jahr markiert unter anderem auch das US-Unternehmen Deep Space Industrie (DSI) im Grossherzogtum Präsenz. Das Privatunternehmen will bereits im nächsten Jahr ein Raumschiff zu Testzwecken lancieren.

Der Luxemburger Etienne Schneider will mit seiner Initiative Spaceresources.lu in einem ersten Schritt einen Rechtsrahmen schaffen. Schliesslich muss klar sein, wem einst die wertvollen Mineralien gehören, die von Raumschiffen auf unwirtlichen Gesteinsbrocken entdeckt werden könnten. Die USA haben 2015 im Space Act die Nutzung von Asteroiden für kommerzielle Zwecke festgeschrieben. Luxemburg sieht sich da als Pionier auf dem alten Kontinent.

Ein Goldrausch im Weltall zeichnet sich ab. Bis zu 12’000 Asteroiden soll es in erreichbarer Entfernung zwischen Erde und Mars geben. Nun gilt es, herauszufinden, wie die Rohstoffe abtransportiert oder vor Ort verarbeitet werden könnten. Die Europäer dürften den Abbau von Rohstoffen im All nicht alleine den Amerikanern überlassen, so Etienne Schneider. Luxemburg will sich an Weltraumbergbaufirmen und vielversprechenden Start-ups beteiligen, deren Forschung und Entwicklung mitfinanzieren.

Dabei soll alles mit rechten Dingen zugehen und keine umstrittenen Steuerprivilegien im Spiel sein, verspricht der Wirtschaftsminister. Die Initiative ist bereits ein voller PR-Erfolg: «Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein grosser für das Herzogtum», kommentiert ein US-Sender auf seiner Website. In sozialen Medien gibt es für den Vorstoss Luxemburgs ins Weltall auch einigen Spott. Wirtschaftsminister Schneider wird da mit Luke Skywalker und seine Staatssekretärin mit Prinzessin Leia aus «Star Wars» verglichen. Die Welt sei für den Politiker offenbar nicht gross genug, Luxemburg auf dem Weg zum Global Player im Weltraumbergbau.

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