Verweichlichte Seeleute

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Der ehemals ehrenwerte Konteradmiral David Baucom. Foto: US Navy / ABC

Die Verweichlichung der westlichen Gesellschaften macht vor nichts mehr Halt. Zusehends erfasst sie sogar die letzten Bastionen überkommener Sitten und traditioneller Gebräuche. Wie etwa die amerikanische Marine. Jawohl, die Marine, wo Seefrauen und -männer hemmungslos Rum oder Whiskey trinken, um sich danach lässig über die Reling gelehnt zu übergeben.

Der neueste Hammer: Nach einer Anfrage der amerikanischen «Navy Times» – einer Zeitung für Matrosen, Maate und Kapitäne – wurde bekannt, dass ein Konteradmiral namens David Baucom hochkant aus der Flotte hinausgeworfen wurde, weil er – man glaubt es nicht! – betrunken war und in seinem trunkenen Zustand nackt durch Florida schlenderte.

Nachdem der Konteradmiral bereits im Oktober strafversetzt worden war, musste er jetzt endgültig seine Flagge vom Kreuzmast einholen und Adieu sagen. Das mit dem Kreuzmast sei hier extra angeführt, um Schweizer Leser, die bekanntlich keinen Küstenzugang und deshalb auch keine Marine haben, zur Neugier zu animieren.

Wie auch immer: Begonnen hatte die traurige Story des Admirals im April, als er auf einer Logistiktagung in einem Hotel in Ponte Vedra in Florida kräftig trank. Was soll daran schon falsch sein? Alle Admirale trinken kräftig. Nelson zum Beispiel. Oder Andrea Doria. Von Maximilian Johannes Maria Hubert Reichsgraf von Spee ganz zu schweigen. Der trank fast so viel wie Horatio Hornblower. «Ich finde Hornblower bewundernswert», sagte Churchill. Wahrscheinlich bewunderte der Cognac-Aficionado Churchill dessen Trinkfestigkeit.


Die traurige Admiralsgeschichte in Bild und Ton. Quelle: Tomo News US / Youtube

Konteradmiral Baucom jedenfalls begann den geselligen Abend in Ponte Vedra mit einem Aperitif, dem mehrere Gläser Wein zum Dinner sowie danach mindestens fünf Whiskeys folgten – nicht viel für einen Admiral. Baucom aber torkelte derart herum, dass ihn ein Kollege ins Hotelzimmer brachte, wo der Konteradmiral nach der Einnahme verschreibungspflichtiger Pillen – keine gute Idee! – absackte und einschlief, ehe er in den frühen Morgenstunden abrupt aufwachte. Es ist nicht vermeldet, ob er verkatert war oder Gold im Mund hatte, wie es sich zur Morgenstund‘ gehört.

Die nachfolgende Untersuchung erwies, dass Admiral Baucom nach dem Erwachen eine Tür öffnete, die ihn ins Badezimmer führen sollte, jedoch geradewegs ins Freie beförderte, worauf der Admiral splitternackt und orientierungslos über das Gelände des Hotels wanderte. Überwachungskameras fingen den seemännischen Softporno ein, irgendwann aber wurde es dem Admiral zu nackt. Mithilfe eines Kollegen bat er an der Réception um ein Badetuch und erhielt es auch.

Danach schlich er ab in sein Zimmer, allein der Schaden war getan: Nach monatelanger Untersuchung befand die amerikanische Marine, der Konteradmiral sei wegen «unwürdigen Verhaltens» untragbar geworden. «Wir kamen zum Schluss, dass Admiral Baucoms öffentliche Trunkenheit sowie seine Nacktheit derart schwerwiegend waren, dass sie ihn persönlich entehrten und seine Reputation als Offizier kompromittierten», hiess es im Untersuchungsbericht.

Selten wurde etwas so Dämliches in den Akten festgehalten. Entehrt? Kompromittiert? Wo sind wir hingekommen? Was würde Churchill sagen? Andrea Doria? Oder Hornblower?

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1 Kommentar zu «Verweichlichte Seeleute»

  • Chris sagt:

    Ich versteh Martin Killian’s Überraschung nicht. Nacktheit war in den USA schom immer rufschädigender als Mord und Totschlag. Im Gegensatz dazu hätte sich Hornblower am exzessiven Trinken tatsächlich gestört, jedoch liess C.S. Forester denselben nackt vor versammelter Mannschaft baden.

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