Alles bleibt am Alten hängen

Zimbabwean President Robert Mugabe inspects the guard of honour during a ceremony in Harare, Monday Aug. 10, 2015, honouring thousands of fighters who died in a 1970s Bush war against colonialism. Mugabe, in his first public comments about the popular lion named Cecil, says his compatriots failed in their responsibility to protect the lion that was killed by an American in an allegedly illegal hunt. (AP Photo/Tsvangirayi Mukwazhi)

Seine Gegner betitelten die zweimal gehaltene Rede als «historische Fehlleistung»: Der 91-jährige Robert Mugabe, Regierungschef von Zimbabwe, während einer Zeremonie in Harare im August. Foto: Tsvangirayi Mukwazhi, Keystone

Wahrscheinlich war alles ein wenig zu viel. Zwei grosse Parlamentsreden binnen dreier Wochen können schon einen jüngeren Geist aus dem Gleichgewicht bringen: Wie konnte man den 91-jährigen Robert Mugabe bloss mit einer solchen Herausforderung konfrontieren? Schon bei der ersten Rede anlässlich der Einbringung des Haushalts am 25. August hatten sich die Marionetten des Westens von der oppositionellen Bewegung für demokratischen Wandel (MDC) unflätig benommen: Sie grölten dazwischen, als der Präsident die ruinierte Wirtschaft des Landes gesundbetete, und stimmten Lieder an, als er China um Hilfe anflehte. Das alles wurde auch noch live im Fernsehen übertragen: eine ziemliche Blamage für den ersten und einzigen Regierungschef Zimbabwes.

Für den zweiten Redetermin zur Parlamentseröffnung wurden deshalb am Dienstag besondere Vorkehrungen getroffen. Man lud das Fernsehen wieder aus und schickte den Marionetten des Westens Textbotschaften, in denen sie davor gewarnt wurden, den ältesten Staatschef Afrikas nochmals in seinem Redefluss zu unterbrechen. Die Immunität der Parlamentarier ende an der Tür zum Abgeordnetenhaus, hiess es drohend in einer SMS, deren Absender sich lediglich mit «Death», also Tod, vorstellte.

Wohl auch deshalb ging beim zweiten Mal alles gut. Die Opposition verhielt sich ruhig, ihre Mitglieder schauten sich höchstens mal verstohlen lächelnd oder augenzwinkernd an, während die Vertreter der Regierungspartei immer wieder schallenden Applaus spendierten. Erst nach dem überraschend flüssigen Vortrag der 25 Minuten langen Rede überbrachte ein Lakai Robert Mugabe die peinliche Botschaft: Seine Exzellenz hatte genau denselben Text schon vor drei Wochen vorgetragen. Das Sekretariat habe aus Versehen die Manuskripte verwechselt, teilte der Sprecher des Präsidenten mit. Derzeit würden «korrektive Massnahmen» erwogen, soll heissen: Da wird jemand gefeuert.

Natürlich nutzten die Marionetten den kleinen Lapsus weidlich aus. Der 91-jährige Tattergreis solle endlich zurücktreten, forderten die oppositionellen Abgeordneten einmal mehr: Mugabe sei «für seinen Zweck» nicht mehr geeignet. Es handele sich um «eine historische Fehlleistung», fügten die unflätigen Volksvertreter hinzu: «Jeder Mensch mit einigermassen gesundem Verstand hätte das Versehen doch sofort bemerkt.»

Jetzt bleibt also alles wieder am Alten hängen. Als ob er es gewesen wäre, der die Texte vertauscht hatte. Dabei hatte er sich so gefreut, dass er beim Vortrag so wenig Mühe hatte, dass ihn seine Partei so grosszügig mit Applaus bedachte und dass die Oppositionsmitglieder wenigstens für einmal alle strahlten.

Mugabe wäre nicht der Löwe Afrikas, hätte er sich für sein Malheur nicht an allen gerächt. Für Mittwoch trommelte er ein weiteres Mal das Parlament zusammen, um den Abgeordneten seine richtigen goldenen Worte vorzutragen. Seine Berater hielten bei dem Gedanken, was dem Greis noch alles zustossen könnte, den Atem an: Anfang des Jahres war er nach einer Rede am Flughafen vom Podium gestolpert und höchst unsanft auf dem roten Teppich gelandet.

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