Jäger des verbotenen Schatzes

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An einem andalusischen Strand angespülte Drogenpakete (Archivbild). Foto: Andaluciainformacion.es

Das ist eine Geschichte aus dem schönen Andalusien, Südspanien, wo es zuweilen sonderbares Gut an die Küsten schwemmt. Kürzlich wieder. Die Zeitung «El País» schreibt von einem «verbotenen Schatz», der da in unterschiedlich grossen Päckchen und wasserdicht geschnürten Paketen die Playa de Sancti Petri, den Strand des heiligen Petrus bei Cádiz, erreichte: Hasch aus Marokko, mehrere Hundert Kilos davon, herrenlose Ware gewissermassen.

Im Bericht der Guardia Civil kann man lesen, wie es zur aussergewöhnlichen Bescherung kam. Eine Drogenbande auf drei Schnellbooten wollte offenbar 2,4 Tonnen Haschisch von Marokko nach Spanien bringen. An dieser Stelle ist die Überfahrt ein kurzer Weg, etwa dreissig Kilometer nur, eine Lieblingsroute von Schmugglern und Schleppern. Ein wüster Sturm bewegte die See. Vor San Fernando geriet die Bande in eine Kontrolle der Küstenwache. Eines der Boote konnte die Polizei stellen, samt Ladung. Die anderen zwei drehten ab Richtung Strand des heiligen Petrus, wo eines im Unwetter kenterte, ganz nahe am Strand. Zwei Männer ertranken, drei wurden verhaftet.

Die Nachricht machte schnell die Runde, und das hatte wenig mit dem tragischen Ende der beiden Drogenkuriere zu tun. Die Nachricht regte viel mehr das Interesse der Schatzsucher. Andalusien, muss man dazu wissen, gehört zu den Regionen Spaniens, in denen die Wirtschaftskrise besonders tiefe Wunden schlug: Auch die Arbeitslosigkeit ist da höher, besonders jene unter den Jugendlichen.

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Im Sommer ist die Playa de Sancti Petri jeweils eine beliebte Badedestination. Foto: Wikimedia.org

Und so sahen viele Bewohner aus der näheren Umgebung und bis hinauf nach Sevilla eine Gelegenheit auf einen unverhofften Verdienst, kurz vor Weihnachten. Hunderte, vor allem junge Andalusier, jagten nach dem verbotenen Schatz. Manche tarnten sich als Fischer oder als Jogger, um die Beamten zu täuschen, die von der Jagd gehört hatten und Patrouille schoben. Als die Polizisten jeweils abzogen, füllten sich die Strände. Mitten im Winter. Einigen wenigen gelangen beträchtliche Funde: 30 Kilo, gut erhalten. Auf dem Schwarzmarkt soll die Menge etwa 30’000 Euro einbringen. Andere fanden kleinere Päckchen mit 100 Gramm. Die meisten gingen leer aus, kehrten aber immer wieder zurück.

Siebzig «Busquimanos», wie man diese etwas anderen Drogenfahnder nennt, hat die Guardia Civil mittlerweile festgenommen. Es drohen ihnen Haftstrafen bis zu vier Jahren, theoretisch jedenfalls. Es ist eben nicht so, wie das ein gewisser Juan zu «El País» sagte: «Was aus dem Meer kommt, gehört dem, der es findet. Wir haben nichts zu essen. Da gehen wir eben fischen.» Nach Meeresgetier und Drogenpäckchen. Der Handel mit Cannabis ist verboten und wird es wohl noch eine ganze Weile bleiben, obschon die Spanier gemäss einer neuen Umfrage erstmals in der Geschichte in ihrer Mehrheit die Legalisierung des Konsums befürworten.

Es gibt nun zwei Denkschulen in diesem Fall, eine verständnisvolle und eine skeptische. Die Vertreter Ersterer finden, es würde keine «Busquimanos» geben, wenn der Staat den armen Leuten aus der Armut helfen würde und sich ihnen wieder eine Perspektive fürs Leben eröffnete. Die Argwöhnischen wiederum finden, man jage nicht nach Drogenpaketen, wenn man Hunger habe. In der Not gebe es soziale Einrichtungen, die einem hälfen, den Hunger zu stillen.

Manche übrigens fanden an der Playa de Sancti Petri Stoff, der feucht und modrig war. Schlecht verpackt. Unverkaufbar. Und nicht einmal rauchbar.

Die Guardia Civil macht Jagd auf die «Schatzsucher» am Strand bei Cádiz. (Quelle: 8tv Chiclana, Youtube)

Was von der Drogenbande übrig blieb. (Quelle: 8tv Chiclana, Youtube)

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1 Kommentar zu «Jäger des verbotenen Schatzes»

  • radovan Lorkovic sagt:

    Umverteilung des Vorhandenen ist eine Lösung, das Ausmass wäre zu finden. Will man keine Lösung?

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