So cool kann Homeoffice sein

In der dritten Woche in Quarantäne schwindet bei vielen die Disziplin. Das sollten Sie nun beherzigen.

Eine Muse fürs Homeoffice: Sarah Jessica Parker als Carrie Bradshaw in «Sex and the City». Foto: Screenshot

Laut verschiedener «Untersuchungen» beginnt bei den meisten Menschen in häuslicher Quarantäne ab dem zehnten Tag die Disziplin bezüglich Körperpflege, Ernährungsgewohnheiten, sportlicher Betätigung usw. zu bröckeln. Plötzlich ist die tägliche Dusche, das Haarewaschen oder auch die Wahl des perfekten Outfits nicht mehr wirklich wichtig. Das ist verständlich. Denn das exzessive Händewaschen und das ständige Desinfizieren macht wenig Lust auf weitere Waschaktionen.

Und irgendwann verschwindet dann auch die Lust auf die täglichen 30 Minuten auf dem Hometrainer oder auf das Fitness-Tutorial via Youtube. Ganz einfach darum, weil die Wahrscheinlichkeit leider relativ gross ist, dass wir die hart trainierte Bikinifigur im Sommer nicht auf den Seychellen, sondern höchstens auf dem heimischen Balkon präsentieren werden. Auch wenn nimmermüde Influencerinnen immer noch dazu aufrufen, «das Beste» aus dem Körper herauszuholen, dürfte es vielen Followerinnen klar sein, dass «das Beste» in diesen Zeiten nicht die zellulitefreien Oberschenkel, sondern virenfreie Atmungsorgane sind.

Schokolade und Pasta in der Krise

Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich aktuell auch bei der sogenannten gesunden Ernährung. Noch vor kurzem war dies ein heiss umstrittenes Thema. Und Fragen wie «Intervallfasten oder ketogene Diät?», die lebenswichtig schienen, sind heute bedeutungslos. Im Gegensatz zur Frage: «Schaffe ich es am Abend, im Supermarkt noch ein frisches Brot und ein Sechserpack WC-Papier zu ergattern?»

Apropos Einkaufen: Je länger diese Krise dauert, desto mehr scheint es, dass noch mehr Einkaufswagen mit Schokolade, Guetsli, Pasta, Tiefkühlpizzas oder Cervelats gefüllt werden. Das hat nicht nur mit der Vorratshaltung zu tun, sondern auch mit dem Bedürfnis nach Zucker und Fett, die vor allem in Kombination eine beruhigende Wirkung auf die Psyche haben.

Natürlich ist das ein Trugschluss, denn nach der ersten Beruhigung folgen Müdigkeit, Energielosigkeit und Gewichtszunahme, vor allem, wenn die tägliche Bewegung fehlt. Aber in Krisenzeiten kann Comfort Food ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln. Und das nicht nur bei uns Menschen. Mein Hund Millie ist genauso gierig auf vollfetten Vanillequark. Wenn sie am Morgen meinen Becher ausschlecken darf, scheint sie sehr glücklich zu sein.

Den ganzen Tag im Nachthemd

Als Journalistin und Buchautorin arbeite ich seit Jahren im Homeoffice. Meinen Tag zu strukturieren, war auch nie ein Problem, da ich viele berufliche Termine ausser Haus hatte. Seit drei Wochen ist dieser Alltag verschwunden. Ausser um einzukaufen oder mit den Hunden Gassi zu gehen, gehe ich nicht mehr nach draussen. Da sich mein Arbeitspensum verringert hat und manche laufenden und neuen beruflichen Projekte auf Eis gelegt sind, habe ich mehr Zeit als sonst.

Und da ich tendenziell zum Stubenhocken neige, gefiel mir dieser Zustand anfänglich gar nicht so schlecht. Endlich hatte ich Zeit, um zu lesen, ausgiebig zu schlafen und meiner Leidenschaft nach Real-Crime-Dokumentationen auf Netflix zu frönen.

Sollte man eigentlich vermeiden: Pizza essen im Homeoffice. Foto: Getty Images

Aber irgendwann war auch mein Bedürfnis nach wahren Verbrechen gestillt, die Wintergarderobe ausgemistet, und die Fotos aus den letzten zwanzig Jahren waren sortiert. Ich begann, immer mehr Corona-News zu konsumieren und genauso häufig Süsses zu naschen. Meine Outfits interessierten mich immer weniger. Hauptsache, sie waren kuschelig und bequem. Leggings und Schlabbershirt waren perfekt. Auch mein Schlaf-wach-Rhythmus hatte sich geändert. Immer später ins Bett, morgens später raus.

Einen letzten Höhepunkt erreichte dieser Zustand am letzten Sonntagabend, als mein Mann konstatierte: «Ist dir eigentlich auch aufgefallen, dass du den ganzen Tag nicht aus dem Nachthemd gekommen bist?» Zu meiner Ehrenrettung muss ich sagen, dass das Nachthemd schicker ist, als es sein Name vermuten lässt. Ich unterliess es, ihn auf seinen Viertagebart anzusprechen, denn die häusliche Harmonie ist wichtig in diesen Tagen.

Eine Muse fürs Homeoffice

Diese Situation hatte zur Folge, dass ich beschloss, mir eine neue Alltagsstruktur zu schaffen und diese auch zu befolgen. Um mich zu motivieren, recherchierte ich im Netz, wie es erfolgreiche Unternehmerinnen schaffen, die momentan auch im Homeoffice arbeiten.

Der gemeinsame Nenner war schnell gefunden: Selbstdisziplin. Natürlich arbeiteten sie nicht in Trainingsklamotten, sondern im coolen Arbeitsoutfit. Und dies selbstverständlich pünktlich um neun Uhr, frisch geduscht, geföhnt und mit leichtem Make-up. Genauso selbstverständlich ist die Planung ihres Alltags. Regelmässige leichte Mahlzeiten, Ruhepausen, Workouts und der regelmässige Austausch über Facetime mit Arbeitskollegen sind genau getimt und werden natürlich auch eingehalten.

Ein grosser Unterschied zwischen uns ist allerdings, dass man Carrie während der Arbeit niemals essen sieht.

Mein Vorbild in Sachen Homeoffice ist seit je Sarah Jessica Parker in der Serie «Sex and the City». Als Kolumnistin Carrie Bradshaw schreibt sie nicht im Business-Outfit, sondern ganz lässig auf dem Bett oder auf dem Sofa.

Ein grosser Unterschied zwischen uns ist allerdings, dass man Carrie während der Arbeit niemals essen sieht. Sie ernährt sich von drei Cocktails täglich. Für mich ist zurzeit eine häufige Nahrungsaufnahme unerlässlich. Aber etwas gesünder könnten meine Essgewohnheiten durchaus werden. Denn auch der Lockdown wird nicht ewig dauern, und dann will ich natürlich, dass mich meine Freundinnen und Kollegen wiedererkennen.

10 Tipps für das stilvolle «Überleben» im (Arbeits-)Alltag

Neue kreative Ideen sammeln ist wichtig: Eine Frau im Homeoffice. Foto: Getty Images

  1. Kein Pyjama oder Trainer tagsüber (ausser am Weekend)
  2. Täglich zweimal eine halbe Stunde draussen flott Spazierengehen
  3. Einmal pro Stunde die News abrufen genügt
  4. Mindestens einmal am Tag ein Austausch mit Freundinnen und Arbeitskollegen
  5. Drei tägliche Mahlzeiten, inkl. Gemüse und Früchte. Das Naschen auf ein Minimum begrenzen
  6. Neue, kreative Ideen sammeln, die sich eventuell auch beruflich umsetzen lassen. Denn ein Plan B oder C wird in Zukunft nicht nur bei uns Journalisten nötig werden
  7. Meinen Arbeitsplatz so zweckmässig organisieren, dass ich ihn auch nutze
  8. Beim gemeinsamen Abendessen mit der Familie über andere Themen als Corona sprechen
  9. Immer wieder Vorfreude entwickeln auf die Zeit nach der Krise
  10. Dankbar sein, dass ich und meine Familie gesund sind

Ob ich es schaffe, meine Vorsätze umzusetzen, lesen Sie an dieser Stelle am Samstag, 18. April 2020. Bleiben Sie gesund!