So wichtig ist Selbstfürsorge

Schauen Sie zu sich – gerade auch in diesen Tagen. Sieben Tipps.

Auch jetzt sollte man sich nicht gehen lassen: Eine Frau im Homeoffice. Foto: iStock

Der letzte Spaziergang mit meinen beiden Hunden vor dem Schlafengehen ist ein schönes Ritual. Doch kürzlich wurde mir bewusst, wie sehr sich die Stimmung in unserem Quartier verändert hat. In dieser Nacht waren die Temperaturen trotz später Stunde überdurchschnittlich mild. Normalerweise hätte auf den Strassen, den Balkonen und Terrassen noch reges Leben geherrscht. Aber nun war es beinahe gespenstisch ruhig. Es war nicht nur diese ungewöhnliche Stille, die mich irritierte. Es war vor allem die Diskrepanz zwischen der Schönheit der Natur und der schwierigen Situation: Die Bäume, die die Strasse säumen, standen in voller Blüte, und ihre weisse Pracht hob sich im Licht der Strassenlampen wunderschön vom schwarzen Nachthimmel ab.

Während ich auf dem Heimweg war, fiel mir auch auf, dass hinter viel mehr Fenstern als sonst Licht war. Ich fragte mich, welche Geschichten und Schicksale sich dahinter abspielen. Zwar werden hierzulande die Scheidungsraten nach Corona (hoffentlich) nicht so explodieren wie in China. Aber in vielen Beziehungen und Familien herrscht «dicke Luft». Da ich keine eigenen Kinder habe, masse ich mir nicht an, schlaue Ratschläge für ein möglichst konfliktfreies Familienleben abzugeben. Das können andere besser. Zudem ist das Netz voller Ideen, wie man den gemeinsamen Alltag unter diesen erschwerten Umständen gestalten kann.

In diesem Blog werde ich in der nächsten Zeit Möglichkeiten aufzeigen, wie man sich Gutes tun kann, um den eigenen Körper und seine Psyche zu stärken. Denn neben all den wunderbaren Aktionen der Mitmenschlichkeit, die wir aktuell erleben, ist die Selbstfürsorge wichtiger denn je. Dies hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit der Tatsache, dass ich nur dann eine Stütze für mein Umfeld sein kann, wenn ich selber einigermassen im Gleichgewicht bin.

1. Mentales Training

Auch wenn es manchmal nicht möglich scheint, das Kreisen negativer Gedanken einzudämmen: es ist machbar. Wer bis jetzt keine Erfahrung mit mentalen Praktiken wie Meditation, Muskelrelaxation oder autogenem Training hat, findet im Netz viele Anleitungen. Mehr dazu in diesem Beitrag.

2. Kommunikation

Nicht jeder Mensch reagiert in Ausnahmesituationen gleich. Gewisse Verhaltensweisen können sich beim Zusammenleben auch verändern. In den letzten Tagen habe ich gemerkt, dass ich weniger Lust auf einen Austausch habe und mich eher zurückziehe, was wiederum meinen Mann verwirrt. Da ich sonst der eher kommunikative Part in unserer Beziehung bin (Achtung, Klischee!) und um ihn nicht noch mehr vor den Kopf zu stossen, habe ich ihm erklärt, was in mir vorgeht und dass ich momentan Zeit für mich brauche. Eine gewisse Ehrlichkeit kann helfen, dass es nicht noch zu zusätzlichen Spannungen kommt.

3. Toleranz

Auch in der kleinsten Wohnung muss Platz sein für etwas Me-Time, selbst wenn es nur eine halbe Stunde ist, die man für sich allein nutzen kann. Egal, ob man diese im warmen Schaumbad verbringt, einen Schmöker liest, oder einen Nirvana-Song mitplärrt (mein Vorschlag: «Smells Like Teen Spirit»). Allfällige Bemerkungen wie «Muss das jetzt sein?», wenn es um «unnötige» Körperpflege wie das Nägellackieren geht, sollte man lassen.

4. Kontakte

Normalerweise bin ich keine Freundin von Facetime. Heute empfinde ich diese Form der Kommunikation als motivierend und tröstlich, weil es mich mit den wichtigen Menschen verbindet. Natürlich fällt die tröstende Umarmung weg, aber umso mehr freue ich mich, wenn ich mir vorstelle, wie es sein wird, wenn ich alle meine Lieben wieder drücken kann. Ausserdem habe ich wieder begonnen, Briefe und Karten zu schreiben. Dies auch, weil mir das ewige Whatsapp-Getippe auf dem Smartphone auf die Nerven geht.

5. Alltagsstrukturen

Meine Stimmungen wechseln momentan wie das Frühlingswetter. Obwohl ich weiss, wie wichtig eine gewisse Disziplin für mich ist, um nicht zu vergammeln, tue ich mich schwer, diese einzuhalten. Und da momentan alle Pressekonferenzen, Meetings und Interviews auf Eis liegen oder über digitale Kanäle stattfinden, wäre es ja nicht nötig, sich morgens aus dem Pischi zu schälen, um im Homeoffice zu arbeiten. So angenehm dieses Sich-gehen-lassen sein kann, es ist gefährlich – jedenfalls für mich. Denn irgendwann ist dann das Haarewaschen auch nicht mehr so wichtig, der Wäscheberg wird höher und die Einzahlungen können einen weiteren Monat warten. Nichts gegen ein punktuelles Vergammeln, aber die Regel sollte es nicht werden (mehr zum Thema «So überlebe ich das Homeoffice mit einer gewissen Würde» lesen Sie dann im nächsten Blog). Disziplin brauche ich auch, um nicht jede Viertelstunde die News zu checken. Regelmässige Information ist gut und wichtig, aber wenn man diese nonstop konsumiert, trägt das mehr zur Verwirrung als zur Beruhigung bei.

6. Bewegung

Wer, wie ich, zu wenig Motivation hat, sich in Bewegung zu setzen (auch der Franzose, der auf seiner Terrasse kürzlich einen Marathon gelaufen ist, konnte mich diesbezüglich nicht motivieren), könnte sich diesbezüglich auf Youtube Unterstützung holen. Wer beim riesigen Angebot überfordert ist, dem empfehle ich Online-Sessions, die verschiedene Yoga-, Pilates- oder Callanetics-Studios in Schweizer Städten anbieten. So unterstützt man Selbstständige in ihrer Existenz. Wenn es Ihnen an Adressen fehlt, fragen Sie in Ihrem Umfeld nach. Heute hat jeder mindestens eine Bekannte/Freundin/Kollegin, die sich hier auskennt.

Geht auch zu Hause: Yoga-Übungen. Foto: iStock

7. (Vor-)Freude

Als ich, trotz Meditation, kürzlich nicht einschlafen konnte, stand ich wieder auf, setzte mich an den Küchentisch, nahm ein Blatt Papier und machte zwei Spalten. In die eine schrieb ich, was mich momentan ängstigt. In die andere, wofür ich momentan dankbar bin und über was ich mich freue, wenn der ganze Spuk vorbei ist. Und siehe da: Die zweite Spalte war um einiges länger als die erste. Indem ich meine Gedanken schwarz auf weiss lesen konnte, verflüchtigte sich das unangenehme Gefühl des Ausgeliefertseins. Und die Tatsache, dass ich mit all dieser Überforderung nicht allein bin, gab mir ein Gefühl der Geborgenheit.