So gefährlich sind Nasentropfen wirklich

Die Abhängigkeit von Nasentropfen und Nasensprays ist weiter verbreitet, als allgemein vermutet wird. Wie diese Sucht überwunden werden kann.

Wohltuende Wirkung mit Suchtpotential: So harmlos sind Nasensprays nicht. Foto: iStock

Als Sido, einer der erfolgreichsten deutschen Rapper, vor ein paar Wochen per Instagram-Video seine Nasentropfensucht öffentlich machte, gab es die unterschiedlichsten Reaktionen. Viele seiner Fans machten sich Sorgen um seine Gesundheit und unterstützten ihn in seinem Wunsch, von seiner langjährigen Sucht loszukommen. Und dann gab es nicht wenige, die fanden, Sido übertreibe masslos. In Zeiten, in denen junge Kollegen wie kürzlich der US-Rapper Juice Wrld an einem Medikamenten-Cocktail aus verschreibungspflichtigen Schmerztabletten und codeinhaltigem Hustensaft sterben, scheint Sidos Nasentropfen-Outing doch etwas leichtgewichtig.

Oder etwa nicht?

Süchtig nach Nasentropfen: Deutsch-Rap-Star Sido. Foto: Lennart Brede (Universal Music)

Fakt ist: In der kalten Jahreszeit greifen die meisten Menschen bei einer Erkältung zu abschwellenden Nasensprays. Deren Wirkung ist wohltuend, weil sie, vor allem beim Schlafen, das Atmen erleichtern. Wer die Tropfen allerdings länger regelmässig nimmt, erlebt, dass der abschwellende Effekt begrenzt ist. So wie Sido, der diesen nach eigenen Angaben bis 15-mal täglich brauchte.

Rainer Hurni, Facharzt für innere Medizin mit einer Hausarztpraxis in Zürich, erklärt die Gefahren, die ein regelmässiger Gebrauch von Nasentropfen mit sich bringen kann.

Doktor Hurni, in letzter Zeit hört man immer wieder Horrorgeschichten über Menschen, die über Jahre Nasentropfen anwenden. Kann man dadurch wirklich seine Gesundheit ruinieren?
Die «Gesundheit ruinieren» ist eine ziemlich harte Aussage, die ich so nicht unterschreiben würde. Hingegen ist die Abhängigkeit von rezeptfreien Nasentropfen und Nasensprays weiter verbreitet, als allgemein vermutet wird. Gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird das Risiko des chronischen Nasenspraygebrauchs oft unterschätzt. Es kommen häufig Patienten in die Sprechstunde, die sich der Abhängigkeit gar nicht bewusst sind und erschrecken, wenn man sie auf das eigentliche Krankheitsbild Privinismus anspricht.

Was sind die wirklichen Risiken bei längerer Anwendung?
Banale Infekte lassen bei Erkältungen die Schleimhäute in den Nasen anschwellen, und es wird via erweiterte Gefässe Sekret produziert: Der uns allen bekannte lästige Schnupfen plagt uns tagsüber und vor allem in der Nacht. Nasentropfen oder Nasenspray helfen perfekt: Sie lassen die Schleimhaut durch Zusammenziehen der Gefässe abschwellen und die Sekretion nimmt erträgliche Masse an. Allerdings wirken diese Medikamente nur eine gewisse Zeit; danach wirken Tropfen kontraproduktiv, und es muss immer mehr Nasenspray für immer weniger Effekt angewendet werden. Diese Abhängigkeit ist den meisten Leuten aber nicht sogleich klar, und oft vergehen Monate, bis man sich an den Hausarzt wendet, meist im Zusammenhang mit einem andern gesundheitlichen Problem.

«Die Nächte mit verschwollenen Nasen sind qualvoll und müssen durchgestanden werden.»

Ist es wirklich so schwierig, aus einer Nasenspraysucht herauszufinden?
Zuerst braucht es die Einsicht. Wie alle Suchtkrankheiten wird der Privinismus nicht wahrgenommen oder bagatellisiert. Danach müssen wir Ärzte die Patienten überzeugen, sich zu entziehen. Die Nächte mit verschwollenen Nasen sind qualvoll und müssen durchgestanden werden, wie alle Entzüge bei Abhängigkeiten.

Wie können Sie betroffenen Patienten helfen?
Die Qual der Patienten kann vermindert werden mit Nasensalbe oder Nasenöl und mit verschreibungspflichtigen Cortison-Nasensprays, die auch bei Heuschnupfen angewendet werden. Nasensprays können auch langsam entzogen werden, in dem man sie nur einmal abends anwendet. Oder auch durch eine Verdünnung mit Kochsalzwasser.

Apropos Heuschnupfen: In wenigen Wochen wird die Heuschnupfensaison einen ersten Höhepunkt erreichen. Besteht die Gefahr bei antiallergischen Tropfen auch?
Nein. Wer unter Heuschnupfen leidet, muss keine Angst vor den Heuschnupfensprays haben: Diese werden auf Cortisonbasis hergestellt und wirken auch nicht so prompt wie Nasensprays, die man bei Erkältungen verwendet. Heuschnupfensprays sind bei akutem viralem Schnupfen, der banalen «Erkältung», wirkungslos.

18 Kommentare zu «So gefährlich sind Nasentropfen wirklich»

  • Margrit sagt:

    Ich bin keine Anwenderin von Nasenspray, jedoch eine Therapeutin der Folgen. Die meisten „Missbraucher/innen“ davon verlieren auf Dauer den Geruchsinn.

  • Ruedi Beglinger sagt:

    Möchte wissen, welche Nasensprays denn süchtig machen. Gilt das auch für den Nasenspray von Vogel, erhältlich im Coop?

  • 1-800-Call-Gary sagt:

    Ich habe Heuschnupfen. Dafür nehme ich eine Antihistamintablette 5 mg / Tag. Für Notfälle habe ich Coritsonspray.
    Und ich spüle die Nase 3- 4 x / Tag. Das hilft wirklich enorm.
    Hält vielleicht auch die Corona ein wenig auf.
    Ich nehme dazu gereinigtes Meersalz ohne Jod oder andere Zusätze.
    Der Drogist will einem natürlich Spezialsalz verkaufen, Meersalz wirkt aber besser.
    Die Behälter oder Spüler, man kaufen kann, sind all etwa gleich gross. Ich gebe einen halben TL Salz ins Wasser.

    • Dieter Meier sagt:

      Ich darf Ihnen ein Geheimnis verraten. Es gibt kein besser oder schlechter. Billigstes Salinensalz wirkt genauso. Es muss noch nicht einmal Meersalz sein. Hauptsache, die Spüllösung ist isotonisch.

  • Thomas Epper sagt:

    Hallo

    Leider habe ich in diesem Artikel nun doch keine Informationen gefunden, wieso Nasensprays gefährlich sind. Es steht zwar, dass man bei häufigem Gebraucht immer mehr Nasenspray braucht – aber was jetzt für den Körper gefährlich sein soll finde ich nirgends?

    Danke für die Aufklärung.

    • Silvia Aeschbach sagt:

      Die Aufklärung steht im Blog:
      «Allerdings wirken diese Medikamente nur eine gewisse Zeit; danach wirken Tropfen kontraproduktiv, und es muss immer mehr Nasenspray für immer weniger Effekt angewendet werden. Und bezüglich der Entwöhnung sagt Dr. Hurni:.«Die Nächte mit verschwollenen Nasen sind qualvoll und müssen durchgestanden werden.» Fazit: Keine Luft zu bekommen, kann ziemlich unangenehm sein.

      • Frank Lauer sagt:

        Naja, unangenehm ist noch lange nicht gefährlich. Hat es ausser der Tatsache, dass die Nase schneller zuschwillt, irgendwelche physiologischen Folgen, wenn man das Nasenspray wiederholt benutzt?

      • Silvia Aeschbach sagt:

        Gerne: Bei einem regelmässigen und längerfristigen Gebrauch der Nasentropfen besteht die Gefahr, dass die Nasenschleimhaut dauerhaft geschädigt wird. Das kommt von der ständigen Austrocknung der Schleimhaut durch die Tropfen oder den Spray. Dadurch können sich Risse und Krusten in der Schleimhaut bilden. Im schlimmsten Fall kann so im weiteren Verlauf der Knorpel in der Scheidewand der Nase angegriffen werden, sodass sich ein Loch zwischen den Nasenlöchern bilden kann.

      • Heidi Hermann sagt:

        Die mit dem Loch in der Nasenscheidewand ziehen noch etwas anderes in die Nase als nur gerade Nasenspray. Das Problem ist dann aber nicht die rhinitis medicamentosa, sondern das weisse Pulver.

      • Silvia Aeschbach sagt:

        Das Eine schliesst das Andere leider nicht aus. Wie ich geschrieben habe: Ein langjähriger Nasentropfen-«Missbrauch»
        kann im schlimmsten Fall zu einem Loch in der Nasenschleimhaut führen.

      • Heidi Hermann sagt:

        Wie geschrieben, das Xylometazolinhydrochlorid verursacht kein Loch in der Nasenscheidewand. Das ist eine häufige Nebenwirkung von Koks. Der Nasenspray mag dann als Ausrede dienen. Weder im Kompendium noch in der wissenschaftlichen Literatur wird Xylometazolinhydrochlorid mit strukturellen Schäden assoziiert oder auch nur ein einziger Fall beschrieben.

  • Frank Lauer sagt:

    Sonst haben wir aber keine Probleme, oder? Corona? Influenza? Drogensucht?
    .
    Selbst wenn man diese Abhängigkeit hat, hat das für die Gesundheit insgesamt keine Konsequenzen. Und wenn man sich entwöhnen will geht das auch ganz einfach: Nasenspray nur noch auf einer Seite verwenden, bis sich die andere erholt hat. Danach kann man den Spray ganz weglassen. Geht ein bis zwei Wochen, dann ist das erledigt.

  • Rolf Rothacher sagt:

    Ist dasselbe wie mit dem Lippenbalsam. Wer ihn anwendet, bekommt spröde, rissige Lippen, sobald er den Stift nicht mehr ständig anwendet. Die Lippen benötigen dann zwei bis drei Wochen „Entzug“, bevor sich ihre Haut wieder so regeneriert hat, dass man keinen Balsam mehr braucht.
    Nicht immer ist eine vermeintliche Lösung auch tatsächlich eine nachhaltige Lösung.

  • Daniel Wigger sagt:

    Nasentropfen sind völlig unnötig, denn man kann das ganze auch völlig ohne Medikamente machen: Die Nasenspühlung. Das ist eine Flasche, die man an einem Nasenloch ansetzt, den Mund öffnet (und damit den Gaumen schliesst) und dann das Wasser durch die beiden Nasenlöcher fliesst. Es hat keine Nebenwirkungen, kostet fast nichts (einfaches Salzwasser genügt) und kann unendlich mal angewendet werden. Hilft auch wenn man viele Pollen in der Nase hat.

    • beat graf sagt:

      Völlig unnötig? Dann haben Sie keine Pollenallergie. Bei trockenem Wetter geht es ohne Nasenspray bzw. Nasentropfen nicht… Die Nase läuft wie ein Wasserfall.

      • Daniel Wigger sagt:

        Wie gesagt: Nasentropfen sind über längere Zeit nicht zu empfehlen, lesen Sie bitte obigen Artikel. Sie machen süchtig. Falls Sie an einer Pollenallergie leiden, dann ist oben beschriebene Nasendusche ideal, weil sie spült Allergene aus dem Nasenraum heraus, zusätzlich den Schleim und andere Keime.

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