Best of: So wichtig ist Vitamin D

Vitamin-D-Präparate werden gerade in den düsteren Wintermonaten immer populärer. Doch bringen sie auch etwas?

Unsere Bloggerin macht Ferien. Wir publizieren heute einen besonders beliebten Artikel aus dem vergangenen Jahr. Dieser Beitrag erschien erstmals am 15. November 2019.

Ob Tröpfchen oder Tabletten: Schweizer setzen im Herbst und im Winter zunehmend auf Vitamin D. Foto: iStock

Vitamin D gilt als Universalvitamin, das für viele lebenswichtige Vorgänge in unserem Körper mitverantwortlich ist. Wenn wir von Vitamin D reden, ist in der Regel Vitamin D3 gemeint. Dieses wird im menschlichen Körper gebildet, während D1, D2, D4 und D5 künstlich hergestellte Vitamine sind. Bei D3 handelt es sich um ein natürliches Hormon, das in erster Linie durch die UV-B-Strahlung in der Haut gebildet wird und unter anderem dafür sorgt, dass unser Knochenbau und unsere Muskulatur gestärkt werden. Oder, dass eine Wundheilung gut verläuft.

In den letzten Jahren wurde der Zusammenhang zwischen einem zu tiefen Vitamin-D-Spiegel und der Winterdepression (Seasonal Affective Disorder, SAD) erforscht. Dies, weil wir im Herbst und im Winter im wahrsten Sinne des Wortes unterbelichtet sind. Inzwischen mehren sich wissenschaftliche Daten, die zeigen, dass Vitamin-D-Mangel ein unabhängiger Risikofaktor für verschiedenste Krankheiten ist, unter anderem auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bei Störungen des Immunsystems. Aber auch bei Krebserkrankungen weisen Studienergebnisse darauf hin, dass eine gute Vitamin-D-Versorgung vor Rückfällen schützen kann. «Es gibt unzählige Studien zum positiven Effekt des Vitamins D», bestätigt Philipp Katumba, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin in Zürich. «Beispielsweise wurde 2014 entdeckt, dass bei Patienten, die wegen eines B-Zell-Lymphoms behandelt wurden, eine Subgruppe mit höheren Vitamin-D-Spiegeln einen signifikant besseren Krankheitsverlauf hatte.»

Vitamin D ja, aber wie viel?

Da die Produktion von Vitamin D also vom UV-B-Sonnenlichtanteil abhängig ist, ist dieser Spiegel in den dunklen Herbst- und Wintermonaten bei vielen Menschen zu tief. «Zwar können wir 5 bis 20 Prozent des Vitamin-D-Bedarfs durch unsere Ernährung aufnehmen, zum Beispiel über fetten Fisch, Eier oder Milchprodukte, aber um die fehlende Sonnenbestrahlung und damit die Versorgung unseres Körpers mit Vitamin D auszugleichen, reicht das nicht», sagt Katumba. Vor allem bei Menschen, die wenig an die frische Luft kommen, die tagsüber im Büro sitzen, sei dies der Fall. Untersuchungen belegen, dass über die Hälfte der Erwachsenen in der Schweiz nicht auf die wünschenswerte Tageszufuhr von 800 Internationalen Einheiten (IE) kommen. Das belegt auch eine vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierte Studie von Wissenschaftlern der Universität Lausanne.

In den letzten Jahren ist der Konsum von Vitamin D in Form von Tropfen oder Tabletten vor allem in unseren eher düsteren Winterverhältnissen immer populärer geworden. Wie hoch die Vitamin-D-Konzentration sein soll, ist aus medizinischer Sicht allerdings umstritten. Es gibt Untersuchungen, die belegen wollen, dass eine sehr hohe Dosis an Vitamin D bei einigen Erkrankungen des Bewegungsapparates wie bei Rheuma oder beim Chronic Fatigue Syndrom eine sehr gute Wirkung haben soll. Welche Wirkung Vitamin D auf unseren Körper hat und wo und in welcher Konzentration es angewendet werden sollte, ist aktuell Bestandteil vieler grosser Studien – und kann darum zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschliessend geklärt werden.

Nie eigenhändig therapieren!

Unbestritten ist allerdings, dass es bei einer Unterversorgung von Vitamin D nötig ist, diese auszugleichen. Um festzustellen, ob man davon betroffen ist, sollte ein Arzt den Vitamin-D3-Spiegel über einen Bluttest bestimmen. Abzuraten ist von einer eigenhändigen Dosierung durch Tabletten oder Tropfen, wie man sie in der Apotheke ohne Rezept bekommt. «Eine Überdosierung von Vitamin D3 kann zu einer Calciumstoffwechselstörung und Nierenfunktionsstörungen führen. Denn Vitamin D erhöht die Resorption von Kalzium», warnt Katumba. Vor allem Menschen mit Vorerkrankungen sollten sich darum nie eigenhändig therapieren. Dies gilt nicht nur für Vitamin D, sondern für alle frei erhältlichen Vitamin- und Mineralstoffe. Denn vielfach sind diese unnötig, wenn man sich nährstoffreich ernährt, sich regelmässig an der frischen Luft bewegt, aufs Rauchen verzichtet und moderat Alkohol trinkt.

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8 Kommentare zu «Best of: So wichtig ist Vitamin D»

  • Emil sagt:

    Der erste Teil des Kommentars von Rolf Rothacher zeugt nicht von grossem Wissen über das Vitamin D. So haben wirkliche Vitamin D-Wissenschaftler wie Holik oder Hollis schon längstens festgestellt, dass man 95 % der wissenschaftlichen Arbeiten über Vitamin D spülen kann. Sie sind mit so viel Annahmen gemacht, dass die jeweiligen Folgerungen total falsch sind. Man sollte auch einmal das Coimbra-Protokoll genauer ansehen und die vielen Blogs von MS-Patienten. Die Zunahme von vielen Autoimmunkrankheiten hat vielleicht auch damit zu tun, dass wir sofort viel Sonnencreme auf unsere Haut schmieren so bald wir an die Sonne gehen. Da kann kein Vitamin D gebildet werden. Zudem kann eine halbe Stunde Sonne über die Mittagszeit in den Sommermonaten bis zu 20’000 IE Vitamin D in unserem Körper bilden.

  • Olivier Fuchs sagt:

    Die beste Methode ist, im WINTER in die Ferien zu gehen. Mindestens zweimal dorthin, wo die Sonne einen gewisse UV-Intensität aufweist. D.h. z. B. Mittelmeerraum und stundenweise 1000 m ü. M. Es gibt gemäss neuer Forschung keinen vollen Ersatz für die Exposition der Haut durch Nahrungszusätze. Ist ja auch offensichtlich: unsere Vorfahren waren mehrheitlich draussen, auch im Winter. Unsere Pappenheimer können sich aber erst im Spätfrühling aus dem Winterschlaf aufraffen, um sich für einen Flug ins ‚Tropenparadies‘ zu entscheiden.

    • m sagt:

      Sicher ist es wünschenswert zwei mal in den Süden zu fliegen oder fahren, wenn man es sich leisten kann. Bei 4 Wochen Ferien und Arbeitszeiten von 6.30 – 15.45 und einer halben Stunde Mittagszeit ist es doch schwieriger. Dann sollte das Wetter auch noch mitspielen. Die Öltropfen die es in der Drogerie gibt sind sehr gut und helfen, wenn man sonst nicht die Möglichkeit hat. An den Wochenende kann man dann die Reserven füllen und die Sonne geniessen und ich denke das machen viele dann so

  • Rolf Rothacher sagt:

    Schwedische Wissenschaftler wollten in einer Studie mit Hilfe von Vitamin D und Vitamin E den Lungenkrebs bei Zigarettenrauchern verhindern. Die Studie musste frühzeitig abgebrochen werden, weil diese angeblichen nützlichen Anti-Oxidantien zu einer starken Zunahme der Tumor-Fälle führten.
    Wer immer noch glaubt, der menschliche Körper müsse man mittels künstlichen Vitaminen oder anderen Präparaten puschen, ist und bleibt ein Idiot.
    Die Medizin macht alle Menschen gleich. Dabei sind unsere wahren Bedürfnisse weitaus differenzierter. Wir wissen weiterhin fast nichts über die meisten Vorgänge in unserem Körper. Und dann treten Scharlatane auf und behaupten, sie hätten den Jungbrunnen entdeckt. Ekelhaft, diese Verdummung der Menschen.

    • Tobi Kran sagt:

      Die Medizin macht keineswegs alle Menschen gleich. Im Gegenteil, nirgends wird man mehr als Individuum betrachtet, als in der Medizin. Verschreibungen erfolgen individuell, Therapien sind individuell angepasst und Prothesen werden individuell hergestellt. Das alles nach individueller Untersuchung, unter Berücksichtigung der individuellen Krankengeschichte und oft genug sogar der individuellen DNS. Mehr individuelle Behandlung geht gar nicht.
      Das abgedroschene Argument von der Gleichmacherei der Medizin ist ebenso billig wie falsch.

  • Anh Toàn sagt:

    „Denn vielfach sind diese unnötig, wenn man sich nährstoffreich ernährt, sich regelmässig an der frischen Luft bewegt, aufs Rauchen verzichtet und moderat Alkohol trinkt.“

    Ist moderates Alkohol trinken wirklich notwendig? Im Ernst, lustig finde ich, dass beim Vitamin D Thema immer die „Bewegung an der frischen Luft“ kommt: Für Vitamin D Produktion muss Licht auf Haut, sollen wir also im Winter über dem Nebel mit nacktem Oberkörper joggen? Langärmlig mit Mütze und Handschuhen unter der Nebeldecke startet keine körpereigene Vitamin D Produktion.

Kommentar

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