Schwere Decke, besserer Schlaf?

Decken, die 10 Prozent des eigenen Gewichts betragen, sollen beim Schlafen helfen. Unsere Autorin hats getestet.

Körperliche Entspannung durch Druck: So sollen schwere Decken bei Schlafstörungen helfen. Foto: Getty Images

Werbung auf Instagram und anderen sozialen Kanälen ignoriere ich meistens. Dass ich bei jener für eine sogenannte Gravity-Decke anders reagierte und mich etwas später auch auf der Website des Anbieters TherapieDecken näher informierte, hatte damit zu tun, dass ich seit einer gewissen Zeit schlecht und unruhig schlafe. Nachdem die üblichen Massnahmen wie pflanzliche Hilfsmittel und auch die gutgemeinten Tipps meines Umfelds nur punktuell wirkten, war ich auf der Suche nach neuen, natürlichen schlaffördernden Möglichkeiten.

Nach einer kurzen Recherche stellte ich fest, dass die Gravity-Decken dieses Herstellers in den verschiedensten Medien und Foren positiv bewertet werden. Aufgrund der Tatsache, dass diese Decken handgemacht sind und umweltfreundlich und nachhaltig in Europa hergestellt werden, beschloss ich, eine solche Decke zu testen. Meine Erwartungen waren jedoch nicht allzu gross. Denn meine schlechte Schlafqualität, verbunden mit Hitzewallungen und Nervosität, hat(te) einen Zusammenhang mit der hormonellen Umstellung während meiner Wechseljahre.

Eine Decke wie eine Umarmung

Fest eingepackt: Gravity-Decken erobern die Schlafzimmer. Foto: gravitydecke.de

Das Erfolgsrezept von Gravity-Decken, die es von verschiedenen Anbietern gibt, ist ihr Gewicht. Dieses sollte im Idealfall rund 10 Prozent des eigenen Körpergewichts betragen. Sobald die Decke über den Körper gelegt wird, soll durch ihren leichten Druck auf Gelenke, Muskeln und Sehnen körperliche Entspannung ausgelöst werden. Und damit auch positive Gefühle. Die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin und des schlaffördernden Melatonins sollen das Gefühl geben, wohlig umarmt zu werden.

Die Wirksamkeit von Gewichtsdecken wird durch verschiedene medizinische und wissenschaftliche Studien belegt. Gravity-Decken werden auch in Spitälern und therapeutischen Einrichtungen bei Schlafstörungen, Stress, Ängsten und Panikattacken eingesetzt. Eine besonders positive Wirkung wurde auch bei Kindern mit ADHS und Autismus-Störungen festgestellt.

Der erste Eindruck

Wie schwer die Decke ist, spürte ich, als ich das Paket mit meiner Gravity-Decke in den dritten Stock schleppte. Dann breitete ich die acht Kilo schwere Decke mit ihrer grauen Hülle aus samtig-weichem Nicki-Material auf meiner Bettseite aus. Was, ob ihres Gewichts, nicht ganz einfach war. (Erst später würde ich entdecken, dass ich ein um ein Kilo zu schweres Exemplar bestellt hatte.) Dabei überlege ich mir, ob es nicht besser gewesen wäre, wegen meiner Hitzewallungen den sommerlich-kühlenden Baumwollüberzug zu wählen. Aber dafür war es jetzt zu spät.

Ich war fast ein wenig aufgeregt, als ich das erste Mal unter die Decke schlüpfte. Wie würde sich die Schwere anfühlen? Normalerweise mag ich nichts, was mich einengt. Egal, ob dies zu enge Kleider sind, ob ich bei einem Konzert in der Menge feststecke oder ob in einem Hotelbett die Decke am Ende in der Matratze feststeckt. Ich brauche meine Bewegungsfreiheit, sonst werde ich leicht panisch.

Die erste Nacht unter der neuen Decke

Die Sorge, dass ich mich unter der Gewichtsdecke unangenehm beschwert fühlen würde, bewahrheitete sich glücklicherweise nicht. Dafür sorgen Tausende von geschliffenen, klitzekleinen Glasperlen, die in kleine Kammern eingenäht sind und einem das Gefühl geben, dass sich die Decke bei jeder Bewegung an den Körper anschmiegt. Die Hersteller empfehlen, die Decke am Anfang nur für eine kurze Zeit zu verwenden, in den ersten drei Tagen nur etwa 15 Minuten, und danach immer etwas länger. Nach drei Wochen sollte sich so der Körper daran gewöhnt haben. Diese Empfehlung des Herstellers ist allerdings kein Muss, weil die individuellen Bedürfnisse der Menschen unterschiedlich sind. Ich kürzte also den Gewöhnungsprozess ab und verbrachte bereits nach einer Testwoche eine erste Nacht mit meiner neuen Freundin.

Für meine Verhältnisse schlief ich schneller ein als sonst, auch meine übliche innere Unruhe spürte ich weniger. Und, für mich ungewöhnlich: Ich wachte weniger häufig auf als sonst. Statt der üblichen fünf- bis siebenmal erinnerte ich mich am nächsten Morgen nur daran, zweimal auf den Wecker geschaut zu haben. Das konnte aber auch ein Zufall sein, da ich die Nacht zuvor wenig und schlecht geschlafen hatte.

Mein Fazit

Ich habe die Therapiedecke nun während einiger Nächte getestet und in dieser Zeit eine positive Veränderung meines Schlafverhaltens bemerkt. Dies liess sich auch anhand meiner Schlaf-App beweisen. Meine Befürchtung, dass ich unter der schweren Decke stärker schwitzen könnte, bewahrheitete sich nicht. Da ich entspannter war, war ich weniger unruhig und wälzte mich scheinbar weniger hin und her. Das war jedenfalls die Beobachtung meines Mannes. Dass die Decke auch bei verschiedenen Angsterkrankungen und Panikattacken beruhigend wirken soll, kann ich gut nachvollziehen, da man sich auf angenehme Art beschützt und geborgen fühlt. Meine neue Beschützerin darf jedenfalls bleiben.

Gravity-Decken gibt es in den verschiedensten Ausführungen von vielen Anbietern. Und dies in den verschiedensten Preislagen. Das Exemplar von TherapieDecke, das ich getestet habe, hat die Masse 135 auf 200 cm und kostet ca. 230 Franken.

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5 Kommentare zu «Schwere Decke, besserer Schlaf?»

  • Josefa sagt:

    Bei den beschriebenen Schlafstörungen hat mir Folgendes sehr geholfen
    . wenn man ungewollt aufwacht, lüften
    . in der Zeit Kopfpolster in die Region zügeln, wo vorher die Zehen waren (d.h., man schläft dann um 180 Grad zur vorherigen Position verdreht)
    . Bettdecke aufschütteln, zusätzlich eine Baumwoll-Löchlidecke drüber
    . sie ist nicht sehr schwer, aber das zusätzliche Gewicht reicht aus, um sich tief geborgen zu fühlen und wieder einschlafen zu können (wenn man Glück hat, bis zum nächsten Morgen)

  • Heidi Kapp sagt:

    Sorry. Ich mag einige ihrer Kolumnen, aber das ist Werbung pur.

  • Sabine Schmid sagt:

    Ein gewisses Deckengewicht ist ganz bestimmt nicht schlecht. Wir fägnäschten in der Nacht mehr, als mancher Zeit- und Bettgenosse ahnen möchte.
    Ich persönlich meine: Die Zweifachdecke, also die Doppeldecke ist noch viel vorteilhafter. Damit hat man auch ein gewisses Duvet-Gesamtgewicht, das vielleicht deutlich geringer ist und dennoch Substanz hat.
    Diese Zweier-Kombination hat einen (ge-)wichtigen Vorteil: Das relativ leichte Basis-Federn-Duvet wird bedeckt durch ein noch viel leichteres Steppdecken-Duvet, dazwischen liegt eine Luftschicht, die erwärmt wird und den Schlafenden wärmt. Probieren Sie es aus. Ein leichtes Duvet jedweder Provenienz und ein Steppdeckentopping von einfachster Qualität. Im Ergebnis erstaunlich.

  • Jessas Neiau sagt:

    Wozu man für solche Experimente eine graue Gravity-Decke benötigt, das erschliesst sich mir nicht. Genauso tut’s Grossmutters schwere Strickdecke, die auf die normale Bettdecke gelegt wird. Drunterkriechen, fertig.

  • Ursula sagt:

    Interessant. Besteht allenfalls Gefahr sich von solch einer Decke abhängig zu machen? Personen, die bereits Probleme haben und sich mit dieser Decke Linderung verschaffen, besteht die Absicht auch mal wieder auf eine normale Decke zu wechseln?
    Wäre ja ziemlich lästig, wenn man z.B. in den Ferien nicht mehr mit einer normalen Decke schlafen kann/möchte.

Kommentar

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