Sch… Wechseljahre

Mike-Tyson-Aggressionen und Hormonsegen: Die Berichte mancher Wechseljahr-Geplagten sind zum Davonlaufen.

Fühlte sich während ihrer Wechseljahre «wie Mike Tyson»: RTL-Moderatorin Katja Burkard. Fotos: Getty Images

Mit dem Älterwerden müssen Frauen neben den sichtlichen Veränderungen auch die körperlichen und seelischen Veränderungen bewältigen, die die Wechseljahre mit sich bringen. Die veränderte Hormonsituation, die sich vor allem durch den Abbau von Östrogen bemerkbar macht, kann zu Schweissausbrüchen, Stimmungsschwankungen, Schlaflosigkeit und vielen anderen Beschwerden führen.

Doch im Gegensatz zu früher sind die Wechseljahre heute wenigstens kein Tabuthema mehr. Noch nie gab es so viele unterschiedliche Therapiemethoden, um diese Symptome zu lindern. Sei es mit künstlichen oder bioidentischen Hormonen oder auch mit pflanzlichen Heilmitteln oder alternativen Methoden.

Aggressionen wie Mike Tyson

Nun scheint das Bedürfnis prominenter Frauen zu wachsen – von der Boulevardpresse gerne als «Generation Wow!» bezeichnet, was immer das auch heissen mag –, dieser eigentlich natürlichen körperlichen Veränderung den persönlichen Krieg zu erklären. An vorderster Front kämpft die RTL-Moderatorin Katja Burkard um mediale Aufmerksamkeit. Die heute 54-Jährige hat ein Buch über ihre Wechseljahre geschrieben. Und in zahlreichen Interviews, etwa in der Illustrierten «Gala», erzählt sie, wie sie innert weniger Monate von der gut gelaunten Moderatorin zur aggressiven Furie geworden sei, und vergleicht sich mit Mike Tyson.

Agressiv, agressiver, Mike Tyson.

Wobei sie sich da natürlich auf das gemeinsame Aggressionspotenzial und nicht auf das Aussehen bezieht. «Ich habe mir so oft auf die Zähne gebissen, dass ich Kieferschmerzen bekam und nachts sogar meine Beissschiene durchbrach.» Auch Burkards Familie («Ich habe meine Kinder in einer Art und Weise zusammengebrüllt, die ich absolut erschreckend fand») und selbst Unbeteiligte bekamen ihre Wutausbrüche zu spüren: «Ich fahr jetzt die Kassiererin an, weil mir das nicht schnell genug geht.»

Happy End dank Hormonen

Das Bild, welches die langjährige Moderatorin des RTL-Mittagsmagazins «Punkt 12» von den Wechseljahren zeichnet, ist natürlich etwas zugespitzt. Das verkauft sich auch besser als die simple Feststellung: «Ich habe mich damals echt mies gefühlt.» Genauso wie geschätzt 25 Prozent aller Frauen, die diese Phase ihres Lebens als so belastend empfinden, dass sie medizinische oder therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Für Burkard gab es allerdings ein Happy End. Nicht nur in Bezug auf ihren Mann, den ehemaligen RTL-Chefredaktor Hans Mahr («die Wechseljahre haben meine Beziehung gerettet»), sondern auch auf gesundheitlicher Ebene: «Da habe ich mich ungefähr neun Monate lang rumgequält, und dann schmiere ich mir Hormone aufs Handgelenk und werfe abends eine Pille ein und bin schon wieder hergestellt.»

Und wenn Burkard auch noch stolz erzählt, dass sie die fünf Kilo, die sie in dieser schwierigen Lebensphase zugelegt hatte, erfolgreich wieder abgenommen hat, möchte man ihr zurufen: «Sorry, Mädel, wenn dies eines deiner grössten Probleme war, dann war das Ganze ja nur halb so schlimm.» Leider ist es ihr mit diesem Buch nicht gelungen, die Aufmerksamkeit auf die essenziellen Probleme der Veränderung zu lenken. Vielleicht auch, weil ihre Art des Schreibens eine Art humorfreie Nabelschau ist, die keinerlei Sympathie mit der demonstrativ leidenden Protagonistin zu wecken vermag.

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7 Kommentare zu «Sch… Wechseljahre»

  • Doris sagt:

    Wechseljahre sind schwierige Jahre. Was gegen die Hitze-Wallungen hilft: Heiss-kalte Wechselduschen, Salbeitee, Kaffee und Alkohol stark reduzieren, nicht zu scharf essen, täglich eine Strecke gehen oder laufen, Entspannungsübungen, Sport allgemein. Sich arrangieren, dass man Falten bekommt, Äderchen, dünnere Haare. Es ist die innere Lebensfreude, die nach aussen strahlen soll so oft es eben geht, um als insgesamt positive Frau und nicht nur als grämige älter werdende Frau wahrgenommen zu werden.

  • Jarmil Luna sagt:

    Man könnte auch Sichelfüsschen und Dekubitus an Fersen erwähnen, aber verständnisvoll, keine Frage, es fällt einem nicht ein mit was man im Leben nicht in Berührung kommt.

  • Agnès Laube sagt:

    Schön, wenn Menopause ein Thema wird. Schade, wenn diese Phase mehrheitlich negativ dargestellt wird. Ich empfinde sie z.B. als Befreiung und habe noch mehr Freude an Sex als früher.

  • Sophie sagt:

    Sch… Wechseljahre, unterschreibe ich sofort. Die dünne Haut, das sofort aus der Haut fahren, nicht schlafen können und am Morgen noch mies gelaunter aus dem Bett kriechen, das alles ist verdammt unangenehm und hat aus mir einen komplett anderen Menschen gemacht. Darauf war ich nicht gefasst, auf das Unangenehme wird man ja vorbereitet, aber nicht, dass man sich als Mensch durch hässlichere Züge ändert. Nun hoffe ich einfach, das geht schnell vorbei. Frau Burkard habe ich mal in jüngeren Jahren in einem Interview gesehen und sie als komplett humorbefreit wahrgenommen, daher würde ich Ihr Buch nicht kaufen.

    • Stephan Herzog sagt:

      Sophie: Ich danke Ihnen für Ihren interessanten Kommentar, weil ich eine gute Freundin hatte, die auch identisch gelitten hat. Mit dem Ehemann auseinander gelebt, Stress mit den pubertierenden Kindern, nicht schlafen können, einen unzufriedenen Job, mit dem Alter körperliche Beschwerden spüren, Falten im Gesicht, Besenreiser an den Beinen, Halux an den Füssen, Schmerzen an den Händen usw. und dies alles bereits kurz vor dem 50. Und schlussendlich wird sie auch noch von einer Freundin so manipuliert, dass sie mit allem nicht mehr zu Recht kommt.

      • Andrea Vergara sagt:

        Liest sich fast wie meine Geschichte…. Schien waere wenn es nur eine Geschichte waere und nicht seit fast 2 jahren mein Alltag ist….

      • Stephan Herzog sagt:

        Frau Andrea Vergara: Heute ist diese Freundin meine Frau und wir erleben die schönsten Momente im Leben.Den Kontakt zur anderen Freundin hat sie abgebrochen, weil ihr den Neid verstanden verstanden hat. Vielleicht überlegen Sie sich auch den Mann zu kontaktieren, welcher Ihnen immer zur Seite stand.

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