Omega-3-Fettsäuren für depressive Jugendliche?

Lachs, Nüsse und Co. enthalten viel Omega-3-Fettsäuren: Bei Nahrungsergänzungsmitteln ist die Dosis jedoch viel höher. (iStock)

Depressionen waren lange Zeit fast ausschliesslich ein Thema bei Erwachsenen. Dabei sind sie zunehmend auch bei Kindern und Jugendlichen ein ernst zu nehmendes Problem. Und dies gerade auch in der Schweiz. «Die kindliche Depression ist noch nicht ausreichend erforscht. Bei Kindern geht man von 2 bis 4 Prozent aus. Bei Jugendlichen sind 5 bis 7 Prozent betroffen, also rund jeder Zwanzigste», sagte der Jugendpsychiater Alain Di Gallo bereits 2015 in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Gar als «die grössten Krankmacher» bei den 15- bis 19-Jährigen bezeichnet sie die Schweizerische Gesellschaft für Angst und Depression (SGAD). Depressionen bewirkten «eine höhere Krankheitslast als Verkehrsunfälle, Drogen oder Gewalt».

Ob Depressionen wirklich zugenommen haben, lässt sich allerdings nicht zahlenmässig festmachen. Tatsache ist, dass heute offener und sensibler mit diesem Thema umgegangen wird. Doch eine Diagnose zu stellen, ist immer noch schwierig, da Depressionen in diesem Alterssegment sehr unterschiedlich daherkommen und Betroffene deshalb «häufig eine falsche oder – noch häufiger – gar keine Diagnose» erhalten. Und ist die Diagnose klinische Depression gestellt, stehen die Fachärzte vor einem weiteren Problem. Entscheidet der Arzt, zusammen mit den Eltern, dass eine medikamentöse Behandlung nötig ist, wird es schwierig: «In der Schweiz ist nämlich kein einziges Antidepressivum zur Behandlung der klinischen Depression bei Kindern und Jugendlichen zugelassen.»

Grosse Schweizer Omega-3-Studie

Schon allein deshalb müssen sich die Fachärzte bei depressiven Kindern und Jugendlichen auf nicht medikamentöse Therapien konzentrieren. Grosse Hoffnungen werden dabei auf Omega-3-Fettsäuren gesetzt. Denn es bestehen erste wissenschaftliche Hinweise, dass Omega-3-Fettsäuren das Potenzial haben, die Symptome einer klinischen Depression zu lindern. Dem geht nun eine grosse Schweizer Omega-3-Studie auf den Grund, die am zehnten Swiss Forum for Mood and Anxiety Disorders (SFMAD) Anfang April in Zürich vorgestellt wurde.

Die «Omega-3-pMDD»-Studie, die von Privatdozent Dr. med. Gregor Berger von der Psychiatrischen Universitätsklinik in Zürich geleitet wird, untersucht gemäss SGAD-Pressemitteilung «inwiefern depressive Kinder und Jugendliche von einer täglichen Einnahme relativ grosser Mengen ultralangkettiger Omega-3-Fettsäuren wie der Eikosapentaensäure profitieren». Die tägliche Menge Omega-3-Fettsäure, die im Rahmen dieser placebo-kontrollierten Studie untersucht wird, entspreche etwa der Einnahme von 500 Gramm Lachs oder fünf Kilogramm Thunfisch. Das Studienteam messe auch die Menge dieser Fettsäuren im Körper, da es davon ausgehe, dass besonders diejenigen depressiven Kinder und Jugendlichen davon profitieren, die einen vorbestehenden Mangel haben.

Die Omega-3-pMDD-Studie ist breit abgestützt. Insgesamt sind sieben universitäre und nicht universitäre psychiatrische Zentren in der Deutschschweiz beteiligt. Mit einer angestrebten Zahl von 220 teilnehmenden depressiven Kindern und Jugendlichen ist dies auch die grösste Studie ihrer Art weltweit. Die Initianten hoffen, dass die Schweiz damit einen Beitrag leisten kann, «um die depressionsbedingte Krankheitslast bei Kindern und Jugendlichen zu senken».

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