Hilfe, die Dauerwelle ist zurück!

Ikonen ihrer Zeit: Olivia Newton-John mit Dauerwelle und John Travolta im Film «Grease» (1978). Foto: Paramount, Keystone

Die Devise war simpel: «The bigger the better.» Und dabei ging es nicht um gewisse Qualitäten, auf welche die Pornobranche setzt, sondern um den Style der 1980er- und 1990er-Jahre. Stars wie Julia Roberts, Madonna oder Olivia Newton-John waren die Ikonen jener Zeit und modisches Vorbild. Neben Schulterpostern und starkem Make-up war es vor allem die dauergewellte Lockenpracht, die entzückte, indem sie sich in alle Richtungen kräuselte und kaum zu bändigen war. «The higher the hair, the closer to God», war das Mantra des Countrystars Dolly Parton, dem sie übrigens bis heute treu geblieben ist.

«The higher the hair, the closer to God», sagt Dolly Parton. Foto: Keystone

Nachdem jahrelang seidig glatte Haare das höchste der Gefühle waren, zeigen immer mehr Looks vom Laufsteg und vom roten Teppich, dass die Dauerwelle ein Comeback erlebt. Und glaubt man den internationalen Hair-Stylisten, sollen die Locken nach der chemischen Behandlung jetzt nicht mehr klein gekräuselt, sondern natürlich sanft gewellt sein. Also mehr dem Beach-Look der Victoria’s-Secrect-Models ähneln als den (violett getönten) Löckchen von Tante Emma.

Ein Heer geschädigter Frauen

Ich bin diesbezüglich keine Fachfrau, aber ich gehöre zum Heer der dauerwellengeschädigten Frauen. Und glauben Sie mir, es ist kein attraktives Heer. Ich habe immer wieder den Versprechungen von Coiffeusen geglaubt, die mir weismachen wollten, dass «mithilfe einer sanften Mini-Vague» meine blonden Schnittlauchlocken innert weniger Stunden zu einer üppigen Mähne erblühen würden.

Die Realität war allerdings eine andere: Liess ich die künstlich gewellten Haare an der Luft trocknen, hatten sie Ähnlichkeit mit Pudellocken. Da das Föhnen keine Stärke von mir ist und war, drehte ich die Haare jeweils auf heisse Lockenwickler. Das Ergebnis: An guten Tagen erinnerte meine Frisur an jene von Marilyn Monroe, an schlechten Tagen eben an jene von Tante Emma.

Eine Dose Haarspray pro Drehtag

Julia Roberts‘ Lockenpracht entzückte in «Pretty Woman» (1990) Richard Gere. Und Millionen Frauen. Foto: Touchstone

Beide Varianten waren eher suboptimal. Denn welche junge Frau will aussehen wie ein Pin-up aus den 1950ern oder wie ihre eigene Grosstante? Sie mögen jetzt einwenden, dass Julia Roberts‘ aufgeplusterte Mähne in «Pretty Woman» total cool aussah? Vergessen Sie es! Denn ohne das perfekte Styling von Haarstylisten und den Verbrauch einer Dose Haarspray pro Drehtag hätte sie Richard Gere mit ihren Locken nicht um den Finger gewickelt.

Ich habe mich mittlerweile mit meinem Haar abgefunden und versuche das Beste daraus zu machen. Und das rate ich jeder Frau, die mit einer Dauerwelle liebäugelt. Glauben Sie mir, Ihr gut geschnittenes Haar wird immer tausend Mal besser aussehen als die künstliche «Pracht». Und welche Frau hat heute Zeit und Lust, sich stundenlang der Haarpflege zu widmen? Ganz abgesehen vom beissenden Gestank, der mit dieser Prozedur verbunden ist. Wir setzen doch bei unserer Nahrung, bei der Gesichts- und Körperpflege auf möglichst naturnahe Ingredienzen, da passt doch eine chemische Keule nicht in dieses Konzept.

Ich gebe diesem neuen Trend, wenn überhaupt, drei Monate. Und Sie sollten keine drei Sekunden länger damit liebäugeln. Ausser Sie heissen Dolly Parton. Denn die ist, auch mit Dauerwelle, eine äusserst coole Frau.

18 Kommentare zu «Hilfe, die Dauerwelle ist zurück!»

  • A. Kasper sagt:

    Dolly Parton hat keine Dauerwelle. Sie trägt seit Jahrzehnten Perücken und hat nach eigenen Angaben 365 Stück davon. für jeden Tag im Jahr eine. Der Grund dafür ist immer gut auszusehen, mit deutlich reduzierten Kosten und Zeitersparnis beim Hair Stylist. Dolly war schon immer geschäftstüchtig – real good woman from the Smokey Mountains!

  • Lina sagt:

    Monika Ihnen fehlt das Wissen über Haare und Kopfhaut. Ihre Mutter hatte das Wissen. Keine Dauerwellen ist die Devise sonst Haarkrise.

  • Meike Bruhns sagt:

    Schöner text, sejr wahr. Nur eins stimmt nicht: Dolly Parton hat keine Dauerwelle. Aber unzählige gelockte Perücken. Sie sagt selbst, dass die keine Ahnung hat, wie lang es dauert ihr die Haare zu machen … sie sei ja nie dabei.

  • Doris sagt:

    Es dauerte bis in die späten 1990-ern, bis endlich diese Wuschelköpfe, schlecht gemachte Dauerwellen, ausgelaugtes Haar, aus dem Blickfeld verschwanden. Und es wird auch noch Jahre dauern, bis die mit Streckeisen malträtierten langen, dünnen Haare out sind. Am besten individuell, ohne Diktat, einfach originell für jede Frau das Passende. Wieso frau sich dem gängigen Modebild mit Haut und Haar unterwirft, ist mir ein Rätsel geblieben.
    Liebe Frauen (und Männer!), ignoriert den Dauerwellen-Look, das schont Haar und Portemonnaie.

  • Löckli sagt:

    Ich hatte nach vielen Dauerwellenjahren – weil es Mode wurde – auf gerade Haare gewechselt. Geföhnt, gewickelt, wieder anders geschnitten etc., aber Komplimente für meine dünne Frisur gabs nicht viele. Also zurück zur Dauerwelle, die dank meiner Super-Coiffeuse so gut ist, dass die meisten Naturlocken vermuten – und ich kriege wieder Komplimente für meine Frisur!

  • Hermann Klöti sagt:

    Rote Welle, grüne Welle, Bugwelle, Dauerwelle – ist doch völlig egal. Hat mit der Lust am Immermalwiederetwasneuesausprobieren zu tun – wieso auch nicht? Überflüssig: All die Ratschläge bezüglich Mode, Essen oder was auch immer, die von selbsternannten Berater/innen andauernd und penetrant unters Volk gebracht werden!

  • Andreas sagt:

    @RK: Was aber noch lange nicht heisst, dass auch die Damen oben (ausser Dolly Parton, deren Aussehen allerdings nicht nur auf die zottelige Dauerwelle zurückzuführen ist), nicht wirklich toll aussahen. Jedenfalls waren diese Frisuren – ob mit oder ohne Dauerwelle – immer noch tausendmal attraktiver als die fürchterlich langweilige Einheits-Haarpracht der ebenso langweiligen Einheitsfrauen von heute: Lange und – ausser bei Latinas – meist spärliche und das Gesicht wenig umschmeichelnde, leblose „Steckenhaare“. Ab sofort und per Dekret zu verbieten wären noch diese „Bürzis“ zuoberst auf den Kopf geknüpft, mit denen Frauen zuweilen scham- und skrupellos ihre Umwelt malträtieren.

  • Fragezeichen sagt:

    mein Problem ist (weibl./einges Ü 70 und viele Medikamente), dass ich leider nicht mehr viel Haare habe und erst letzhin daran dachte, ob ich diesem Malheur Abhilfe schaffen könnte indem ich mir eine leichte Dauerwelle machen liesse. Ich dachte das die Mittel in der Zwischenzeit so gut/weniger schädlich für die Haare geworden seien und man das mit weniger Risiko machen lassen könnte – was nun?

    • Lina sagt:

      Tun Sie es nicht, lassen sie sich die Haare immer kurz schneiden, so wachsen sie besser nach. Dauerwellen machen Kopfhaut und Haare kaputt.

      • Monika sagt:

        Dieses Märchen hat mir doch meine Mutter schon immer weismachen wollen: Haare kurz schneiden, dann wachsen sie dicker nach. Ha Ha. Das Haar ist doch sowieso tot. Die Wurzel weiss doch nicht, dass es an der Spitze geschnitten wird.

    • Aeschbach sagt:

      Liebe Fragezeichen, ich würde abraten, ehrlich. Zwar gibt eine Dauerwelle etwas Volumen, aber immer krisslige Wellen. Suchen Sie ein gute Coiffeuse, die Ihnen einen tollen Schnitt macht!

  • Ida Meier sagt:

    Gerne bald wieder leichte Dauerwelle. Plane es schon seit einiger Zeit.

  • Lina sagt:

    Dauerwelle nein ist das schlechteste für die Haare und auch der Preis dafür ist zu hoch. Nur deswegen wollen die Coiffeure Dauerwellen wieder einführen damit sie verdienen. Nie mehr Dauerwellen.

  • Ri Kauf sagt:

    In den 80er hatte ich einen sogenannten Afro-Look. War total praktisch und sah auch gut aus. Aber danach riet mir meine Coiffeuse immer wieder davon ab, eine Dauerwelle zu machen……Ich lies sie dann mal bei einem anderen Coiffeur machen……später sah ich auf Fotos, dass es nicht wirklich gut aussah. Also lassen ich weiterhin die Finger davon………

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