Warum die Sorgen nachts grösser erscheinen

Von Kopf bis Fuss

Schlaflosigkeit: Da werden vor allem bei Frauen Mücken zu Elefanten. Foto: bowdenimages (iStock)

Ein ungemütlicher Zustand: Man kann nicht einschlafen oder wacht früh am Morgen auf – und das Sorgenkarussell beginnt sich zu drehen. Die Gedanken kreisen um ein Problem, und es ist fast unmöglich, sie «abzustellen». Und je mehr man versucht, wieder einzuschlafen, desto weniger gelingt einem das. So wird dann aus dem kleinen Minus auf dem Bankkonto der finanzielle Ruin. Der Streit mit dem Liebsten endet in einer Trennung, und das kleine Unwohlsein ist garantiert eine unheilbare Krankheit. Kurz: In der Nacht können Mücken zu Elefanten werden, die zum Glück nach dem Aufstehen wieder abmarschieren. Jedenfalls in den meisten Fällen. Kürzlich berichtete auch «spektrum.de» über dieses weit verbreitete Phänomen und die möglichen Ursachen.

Verschiedene Studien zeigen, dass 65 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer nachts häufig wach liegen. Bei den Frauen sind oft hormonelle Schwankungen die Ursache. Denn oft leiden sie nur in bestimmten Phasen ihres Menstruationszyklusses unter Einschlafschwierigkeiten oder nächtlicher Unruhe. Hinzu kommt, dass Frauen evolutionär bedingt generell leichter schlafen als Männer. Dies führt unter anderem auch dazu, dass Frauen nachts hören, wenn ihre Kinder aufwachen. Frauen mit einem Partner an ihrer Seite schlafen häufig unruhiger und kürzer. Bei Männern ist das oft umgekehrt: Sie schlafen besser, wenn die Partnerin neben ihnen liegt.

Joe Hättenschwiler ist Chefarzt und Leiter des Zentrums für Angst- und Depressionsbehandlung Zürich (ZADZ). Foto: PD

Warum aber verwandeln sich bei Mann und Frau in der Nacht Kleinigkeiten in gravierende Probleme? «Epidemiologische Studien zeigen, dass nächtliche Sorgen weit verbreitet sind», sagt Joe Hättenschwiler vom Zentrum für Angst- und Depressionsbehandlung Zürich (ZADZ). Neben dem erwähnten weiblichen Zyklus könnten auch andere hormonelle Gründe dafür verantwortlich sein: Am frühen Morgen zwischen 3 und 4 Uhr arbeitet der Körper auf Sparflamme, dann befinden wir uns meistens in tiefem Schlaf. «Das Hormon Melatonin wird dann vom Körper vermehrt ausgeschüttet, wir sind im Ruhemodus und entspannt. Sind wir dann allerdings wach, sinkt infolge erhöhter Melatoninkonzentration die Laune», sagt Hättenschwiler.

Eine andere Erklärung könnte sein, dass uns die Dunkelheit oder gar die Einsamkeit in den Nächten mehr zu schaffen machen. Tagsüber sind wir aktiv. Aber jetzt, wenn wir nicht schlafen können, haben wir Zeit zum Grübeln. Und wenn der Partner seelig neben einem schlummert oder gar ohrenbetäubend schnarcht, fördert das die Entspannung auch nicht wirklich.

Dauert der nächtliche Spuk länger als ein paar Minuten, sollte man ein gedämpftes Licht einschalten oder aufstehen. Auch die Tatsache, dass man in den meisten Fällen weiss, dass die Laune am Morgen wieder besser sein wird, könnte helfen. «Hält diese Art der nächtlichen Grüblerei über längere Zeit an, könnte dies auch auf eine Schlafstörung hinweisen, die man abklären sollte», sagt Hättenschwiler. Auch wenn die Sorgen regelmässig auftreten und in ein Morgentief münden, könnte eine Depression die Ursache sein.

13 Kommentare zu «Warum die Sorgen nachts grösser erscheinen»

  • Mira sagt:

    Nein, eine Frömmlerin bin ich nicht und eine Kirchgängerin schon gar nicht, aber ich glaube an Gott und bete zu ihm. Wenn mich nachts „die Gespenster der Nacht“ heimsuchen bzw. mich Ängste und Sorgen plagen, bitte ich ihn um seine Hilfe, worauf ich bald zuversichtlich und ruhig einschlafen kann.

    • Markus Moreno sagt:

      @Mira, geht mir gleich. Beten hilft immer und ist erst noch eine wundersame Einschlafhilfe. Danke für den Kommentar.

  • Ricardo sagt:

    Guter Artikel zu einem wichtigen Thema. Die bisherigen Kommentatoren können froh sein, keine ernsthaften Schlafstörungen zu haben. Tatsächlich empfinde ich Probleme im Halbschlaf teils wirklich als schlafraubend, im Wachzustand denke ich mir dann: Alles halb so wild! Um gut zu schlafen, haben mir diese Tipps geholfen: https://www.neurolab-vital.de/index.php/blog-ganzer-artikel/erste-schritte-zu-einem-erholsamen-schlaf.html Wem das alles nicht hilft, der braucht vielleicht tatsächlich Hilfe vom Arzt … oder vom Pyschotherapeuten.

  • Michael sagt:

    Für mich ist das die Phase, wo ich meine Probleme am besten bearbeiten kann. Meist stelle ich sie in Relation zu anderen Dingen und schwupps, werden sie kleiner. Oder ich kaue etwas drauf herum, finde eine Aktion oder gar Lösung und kann befriedigt einschlafen, weil ich weiss, was ich tun muss. Flo, was sind den Deine Probleme ? Grübelst Du über Trump und ob es einen 3. WK gibt ? Unnütze Energieverschwendung ! Über das Wohlergehen Deiner Kinder ? Die Gedanken hat man mit dem Kinderkriegen gratis mitbekommen und das wird man auch nie los. Hilft aber nicht, sie leben ihren eigenen Weg – wenn sie gross sind. Über die faltige Haut ? kann man auch nicht ändern nur akzepzieren wie es ist. Beruf ? Auch wenn man top ist ist das keine Garantie für den Erhalt. Grübeln nützt also auch nichts. be cool

  • Margret hefti sagt:

    Das kenn ich doch! Leider nur zu gut! Wenn der Schlaf am Horizont verschwindet, versuche ich es mit lesen. Funktioniert nicht immer, aber oft….

  • Sleep well sagt:

    Ich schlafe grundsätzlich sehr gut. Wenn es doch mal vorkommt, dass mir zu viele Dinge im Kopf herumgehen und ich nicht einschlafen kann oder nachts aufwache, stehe ich auf und schreibe die Dinge auf ein Blatt Papier, sodass ich sie mir am Morgen wieder vornehmen kann. Dann sind sie wie aus meinem Kopf raus und ich kann weiter schlafen…

  • Maike sagt:

    Wenn es bei mir im Kopf ohne mein zutun denkt, habe ich eine optimale Lösung gefunden. Ich habe einen mp3 Player mit Sherlock Holmes Hörspielen am Bett liegen. Ich stecke mir dann einen Knopf in’s Ohr und beginne ein Hörspiel zu hören. Wichtig ist es, das man die Hörspiele schon hundert Mal gehört hat, man weiss also was da passiert, muss also nicht nicht mehr so aufpassen. Der Kopf ist dennoch abgelenkt und nach 5 min bin ich eingeschlafen.
    Alternativ kann man sich aber auch vornehmen, am nächsten Morgen das Problem was einen wach hält anzugehen.

    • Esther Holenstein sagt:

      Der Trick mit den Hörspielen ist super, funktioniert bei mir auch! Auch mit solchen, die ich noch nicht kenne am besten kurze Krimis (Maloney). Nehme mir dann immer vor diesmal ganz genau aufzupassen und schon bin ich weg. Der Kopf ist abgelenkt und das Gedankenkarussell hat keine Chance. Ansonsten vor dem Schlafengehen kurz aufschreiben was einem bedrückt oder to do Liste anfertigen.

    • Hanspeter Bolliger sagt:

      Habe ich auch schon probiert. Aber nach einer Weile stellt das Gerät den Betrieb ein, das Gequassel endet un schwupps – bin ich wieder hellwach…

  • Ursula Haass sagt:

    Ich dachte lange Zeit, die einzige Lösung seien Schlaftabletten. Heute schaue ich nachts – für diesen Zweck aufgenommene – div. langweilige Kurz-Krimis oder Pilcher-Filme an, bei denen ich dann müde werde und schlafen kann. Alles ist besser als Schlaftabletten!

  • Jacques Zimmer sagt:

    Als Mann und ausgesprochener Kopfmensch wache ich auch öfter mal in der Nacht auf oder kann gar nicht erst einschlafen. Mir hilft dabei folgendes: Noch bevor das Gedankenkarussell im Liegen so richtig einsetzt, schalte ich im Bett den Laptop ein und schaue irgendwelche TV Endlos Serien oder lese ein anspruchsloses Buch. Sobald dann die Müdigkeit einsetzt, lege ich das Hilfsmittel beiseite und schlafe sofort ein. Wichtig ist es, eben gerade nicht aufzustehen, sondern sich im Bett nur noch umdrehen und einschlafen zu können, sobald man müde genug ist. Nebenbei erwähnt kann ich kaum glauben, dass soviel mehr Frauen als Männer betroffen sein sollen.

  • Peter Zehnder sagt:

    Guter Bericht. Kommt mir sehr bekannt vor. Ich kenne das Phänomen persönlich sehr gut. Irgendwie hört das Gedankenkarussell nicht auf und am Morgen ist man immer noch gleich müde wie am Anfang. Seit ich ein Lavendelöl in Kapseln aus der Apotheke zu mir nehme geht es deutlich besser.

  • Flo, die echte! sagt:

    Warum die Sorgen nachts grösser erscheinen – Die Erklärung dazu können wir nun hier z.T. lesen.
    Ich gehöre zu denjenigen die von ihren Problemen immer nachts überfallen werden. Das bedeutet stundenlanges Wachliegen, eine Endlosschleife der immer selben Gedanken und kein Ende abzusehen. 1,2,3,4,5 Uhr und um 6 Uhr gerädert ausfstehen. Als ich noch berufstätig war, der absolute Horror.
    Kind, Vollzeitarbeit und Haushalt und die ganze Nacht kein Auge zu – heute frag ich mich wie ich das überstanden habe.
    Heute ist das anders; kann ich Nachts wegen Problemen nicht schlafen stehe ich auf, lese oder seh fern und kann dann den verpassten Schlaf irgend wann tagsüber nachholen – darüber bin ich sehr froh.
    Eine Lösung für das Problemlösen in der Nacht habe ich noch nicht wirklich gefunden

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