So einfach essen Sie sich glücklich

Die richtigen Nahrungsmittel haben eine stimmungsfördernde Wirkung. Foto: Pexels.com

«Hilft bei Depressionen, Burn-out, Stress, Reizbarkeit, Suchtproblemen, Ängsten, ADHS, Schlafstörungen, PMS. Wissenschaftlich fundiert– wirkt innerhalb von 24 Stunden.» Wenn ein Buch so angepriesen wird, macht es selbstverständlich etwas skeptisch, erinnert es doch automatisch an die Versprechungen der Schlankheitsindustrie. Frei nach dem Motto: 10 Kilo weniger in 10 Tagen.

Julia Ross: Was die Seele essen will – Die Mood Cure. Klett-Cotta, Stuttgart 2017. 8. Aufl., 432 S., 19.90 Fr.

Die vollmundigen Versprechungen kommen von der amerikanischen Autorin Julia Ross. In ihrem neu aufgelegten Ratgeber «Was die Seele essen will. Die Mood Cure» schreibt sie, die richtige Ernährung helfe, psychische Probleme zu lindern oder gar zu heilen. Ross erklärt in ihrem Buch, welche Bausteine und Nährstoffe unser Gehirn braucht, um Aufmerksamkeitsprozesse zu leisten und um emotionale Schwankungen ausgleichen zu können.

Ernährung und Psyche

Auch wenn das Buch etwas reisserisch angekündigt wird, erklärt es doch anschaulich und gestützt auf zahlreiche Studien, welche Rolle Botenstoffe – sogenannte Neurotransmitter wie Dopamin, Noradrenalin und Serotonin – für unser seelisches Gleichgewicht haben. Es wird klar, dass nur genügend Neurotransmitter für die Signalübertragung zur Verfügung stehen, wenn auch genügend gebildet werden. Und für ihren Aufbau braucht der Organismus bestimmte Nährstoffe – Vitamine und Mineralstoffe, Fettsäuren und Aminosäuren, die direkten Vorstufen unserer Gehirnbotenstoffe.

Obwohl die meisten Menschen heute wissen, dass Weissmehlprodukte und Zucker für Körper und Psyche schädlich sind, wird der Zusammenhang von Ernährung und Psyche noch oft unterschätzt. In diesem Sinn leistet Ross gute Aufklärungsarbeit.

Die Top 4 der Gute-Laune-Nahrungsmittel

  1. Proteine: Mit einer vermehrten Aufnahme von Proteinen, wie sie in Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten, Geflügel, Eiern, Milchprodukten von Kuh, Ziege und Schaf vorhanden sind, oder von pflanzlichen Proteinen, kann laut Ross eine starke Verbesserung der Gemütslage erreicht werden. Die Neurotransmitter, die für die Bildung von positiven Gefühlen mitverantwortlich sind, können nur mit der Hilfe einiger der 22 Arten von Eiweiss gebildet werden, die als Aminosäuren bezeichnet werden. Die empfohlene Tagesmenge liegt bei 20 bis 30 Gramm Eiweiss pro Mahlzeit.
  2. Fette: Omega-3-Fettsäuren findet man vor allem in fettem Fisch, Fischöl, Fleisch und in der Milch von mit Gras gefütterten Kühen oder Weiderindern, in Leinsamen, Rapsöl und Walnüssen. Dagegen ist Omega 6, das beispielsweise in Margarine vorhanden ist, ein wahrer Stimmungskiller. Früher enthielt unsere Nahrung etwa gleich viel Omega 3 und Omega 6. Seit viele Tiere vor allem mit Mais und Soja gefüttert werden, konsumieren wir zehn- bis zwanzigmal mehr Omega-6-Fettsäuren. Kurz gesagt: Je mehr Omega 3, umso besser die Laune. Je mehr Omega 6, umso schlechter, so Ross.
  3. Gemüse: Sie sind die unverzichtbaren Partner der Gute-Laune-Proteine und -Fette. Und sie sind die einzigen Kohlenhydrate, die keinen Zuckerschock auslösen. Mehrere gross angelegte Studien beweisen, dass frisches Gemüse das Risiko eines Schlaganfalls senken kann. Tomaten und Erbsen haben einen positiven Einfluss, wenn es um Prostatakrebs geht, während Rosenkohl, Broccoli und Kohl vor Darmkrebs schützen sollen.
  4. Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Getreide: Wir brauchen hochwertige Kohlenhydrate, um dem Gehirn Nahrung zu geben. Dieses ist für einen schnellen Energieschub auf eine stete Versorgung mit Glucose aus Kohlenhydraten angewiesen, die es verbrennt, damit alle seine Zellkraftwerke ständig in Betrieb bleiben. Dagegen bieten süsse und stärkehaltige Weissmehlprodukte zu viel Energie (Glucose). Unverarbeitete Kohlenhydrate hingegen versorgen uns gleichmässiger und länger mit Nährstoffen. Dies sorgt dafür, dass unsere Stimmung länger stabil bleibt.

Ross bleibt nicht auf der theoretischen Ebene, sondern zeigt in ihrem Buch anhand von einfachen Rezepten, wie man seine Ernährung Schritt für Schritt umstellen kann. Mit einem Stimmungsfragebogen kann man selber herausfinden, welche Nahrungsmittel gut für die eigene Psyche sind.

9 Kommentare zu «So einfach essen Sie sich glücklich»

  • Ricardo sagt:

    Über Ernährung wird viel geredet, viel empfohlen, dieses Buch scheint sich einzureihen in die vielen Ratgeber, die ausgeglichene Ernährung fordern. Wie Vor-Kommentatoren bereits angedeutet haben, fehlt aber der Aspekt, dass viele Nahrungsmittel durch die heutigen Produktionsmethoden schlicht wertlos geworden sind. Gemüse aus dem Supermarkt? Oft ein Totalausfall, sowohl vom Geschmack als auch von den Inhaltsstoffen her. Fische wurden auch schon erwähnt: ich beziehe mein Omega3 deshalb lieber aus Algen (guter Hersteller ist dabei natürlich Pflicht, ich vertraue z.B. auf https://www.neurolab-vital.de/index.php/omega-3-vegan/omega-3-vegan.html). Danke für die Rezension, das Buch werde ich mir trotz Interesse am Thema nicht besorgen.

  • Die Fette sagt:

    Was würde wohl aus der ganzen „Diät-Maschinerie“ wenn mal etwas die Wirkung zeigt, welche all diese Bücher, Pillen und ähnliches anstreben?
    Manchmal denk ich mir da ist eine ganze Industrie überhaupt nicht daran interessiert dass die Menschen schlank werden!

  • alice weiss sagt:

    lieber herr fuchs, die nüsse werden unter punkt 2 sehr wohl erwähnt. *besserwissermodus off* 😉

    im weiteren habe ich das buch seit einigen tagen selber vorliegen. es ist meines erachtens viel zu komplex, um in einer so kurzen rezension beschrieben zu werden. frau ross thematisiert das ganze ernährungsthema sehr viel „vielschichtiger“.

  • Olivier Fuchs sagt:

    Immer wieder erstaunlich, wie einzelne Amerikaner ein Geschäft zu machen verstehen aus eigentlich einfachen Grundlagen. Ein ‚Institut‘ zu gründen, um Wissenschaftlichkeit und Fortschrittlichkeit zu signalisieren, wobei es wie immer um den Mammon geht. Auch, wie viele Nichtamerikaner glauben, aller Fortschritt, alle rechten Ideen kämen von dort. Halbtax/Tageskarte/GA?

  • Luise sagt:

    Diese Buchbesprechung lässt mich ratlos zurück und mit der Frage, was daran denn so bahnbrechend neu ist. Ich glaube, alle diese so genannten Super-Nahrungsmittel sind überbewertet. Ausgewogen essen gemäss der guten, alten Lebensmittelpyramide ist immer noch am einfachsten. Und wenn man dabei nicht übertreibt und sich ausreichend bewegt, nimmt man auch nicht zu.

  • Olivier Fuchs sagt:

    „Was die Seele essen will“. Gemäss allgemeiner Erfahrung Süssigkeiten wie Schokolade, Gebäcke, Torten, und herbe Getränke wie Biere, Weine, Schnäpse. Auch wenn sie nur kurz wirken. Die ganze Westliche Moderne wurde von Leuten erfunden, die Puddings (Newton) oder Sachertorten und Marillenknödel (Freud) geniessen konnten. Also konnten die nicht so schlecht sein. Die Problematik mit der Produktion tierischer Proteinquellen wie Fisch, ‚Meeresfrüchte‘, und noch einmal Fisch wird einfach ignoriert. Einfach alle jeden Tag Fisch essen! Die wichtige unproblematische Nahrungsquelle ohne viel Kohlehydrate aber vielen pflanzlichen Fetten, die Urnahrung Nüsse, wird nicht einmal erwähnt.

  • Marta Kley sagt:

    Liebe Frau Aeschbach
    Wissen Sie, was ein Zuckerschock ist? Den haben in der Regel nur Diabetiker.
    Sie meinten vielleicht einen Zuckerschub? Das ist das Modewort schlechthin und heutzutage für alles verantwortlich, insbesondere für zappelige Kinder. Vor 20 Jahren waren das die bösen Phosphate im Coci und im Aromat. Ja, so kommen und gehen die Theorien.
    Unser Körper kann übrigens genügend Neurotransmitter herstellen, ohne dass wir uns an die Diät von Frau Ross halten. Da dürfen wir ganz beruhigt sein.

  • Maria Sah sagt:

    Ich stimme allem zu, ausser Teilen von 4., denn wenn ein Körper sich erst mal daran gewöhnt hat, wenige Kohlenhydrate zu bekommen, kann die Leber alles was das Gehirn an Glukose oder auch Ketonen braucht selber produzieren.
    Da ich mich schon seit Monaten mehrheitlich ketogen ernähre, brauche ich auch für geistige Höchstleistungen kein einziges Reiskorn, keine Kartoffel und schon gar kein Obst.

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