Das beste Anti-Aging-Mittel

Alles Kopfsache: Neugier und Lebenslust halten jung. (iStock)

Meine Mutter wurde 93 Jahre alt. Obwohl sie am Schluss ihres Lebens die meiste Zeit bettlägrig war, war sie im Kopf so wach wie eine junge Frau. Und sie war bis zum letzten Tag unglaublich neugierig. Und damit meine ich nicht, dass sie ihre Nase in die Angelegenheiten der Nachbarin steckte, obwohl es sie durchaus interessierte, welches Kostüm diese am Sonntag zum Kirchgang trug. Meine Mutter nahm, trotz ihres hohen Alters, rege Anteil am Familien- und Gemeindeleben, aber auch gesellschaftliche und politische Fragen interessierten sie sehr. Ihre Tageszeitung, ein kleiner Fernseher, und vor allem das Radio begleiteten sie in einsameren Stunden. Mit 75 begann sie, Englisch zu lernen, und mit 78 entdeckte sie Pilates für sich. Und nach dem Tod meines Vaters verliebte sie sich mit Mitte 80 noch einmal neu. In einen sehr viel jüngeren Mann, der ihre Gefühle zwar nicht erwiderte, aber trotzdem tat ihr diese Schwärmerei gut.

Was ihren wachen Geist betrifft, war meine Mutter ein Glückskind. Menschen wie sie haben für den Wissenschaftler Sven Voelpel (43) Vorbildfunktion. Der Altersforscher, der mit seinem spannenden und informativen Buch «Entscheide selbst, wie alt du bist» (Rowohlt) einen Überraschungserfolg landete, ist überzeugt, dass das Altern in erster Linie «Kopfsache» ist. Er hat Dutzende von Studien ausgewertet und schreibt, dass nur 10 bis 30 Prozent des Alterungsprozesses in unseren Genen liege, der Rest sei eine Frage des Umfeldes und der Einstellung. Wichtig sei vor allem das Selbstbewusstsein in die eigenen Fähigkeiten. Wer sich nichts mehr zutraue, der schneide auch bei Tests schlechter ab als positiv eingestellte Senioren.

Immer wieder Neues entdecken

7,5 Lebensjahre könne man mit dieser positiven Einstellung gewinnen, errechnete Voelpel. Und, natürlich, ohne gesunde Lebensführung gehe nichts. Nicht zu rauchen und nicht zu trinken bringe 16 zusätzliche Lebensjahre. Gefährlich sei vor allem, die eigenen Fähigkeiten verkümmern zu lassen. Wer sich einfach nur aufs Altenteil setzt, habe ein erhöhtes Risiko, an Depressionen, Bandscheibenvorfällen und Herzinfarkt zu erkranken.

Das Wichtigste aber: Man hat bei Menschen, die sehr alt geworden sind, eine Gemeinsamkeit festgestellt: Sie waren interessiert, Neues zu lernen, und haben das Leben geliebt. Ein gutes Beispiel dafür ist auch die 88-jährige Annemarie, die 2015 als rappende Oma auf Youtube Furore machte. Das Filmchen wurde über eine Million Mal angeklickt. Ihr Enkel Sebastian hatte den Clip gedreht, und das ganze Altersheim, in dem die alte Dame lebt, machte mit: Merke, es ist nie zu spät, um versteckte Talente zu entdecken.

Wurde mit 88 zum Youtube-Star: Oma Annemarie begann erst im reifen Alter zu rappen. (Video: Youtube)