Können Mann und Frau Freunde sein?

AUSTRALIA-RACE-HIGH HEELS

Können Mann und Frau Freunde sein? Na klar, werden Sie jetzt denken, Mann und Frau können Freunde sein – vorausgesetzt, der Mann ist schwul. Die Frau von Welt hat einfach mehr Spass in der Begleitung eines durchtrainierten Innenarchitekten, der sämtliche Lebensdaten von Meryl Streep auswendig weiss, „I Don’t Know How She Does It“ nicht langweilig findet und sich obendrein für Schuhe und Gefühle interessiert. Urg, Moment, ist das nicht ein furchtbares Klischee? Ja. Entstanden durch ein anderes Klischee, nämlich die Vorstellung, dass Homos immer die coolsten Clubs kennen und gute Ratgeber beim Handtaschenkauf sind und überhaupt Frauen besser verstehen als normale Männer, weil Homos eben Frauen nicht in erster Linie als Transporter für Brüste wahrnehmen. Dazu nur folgende Warnung, meine Damen: Ihr Homobusenfreund, der sich für Schuhe und Gefühle interessiert, – ist in einem Punkt genau wie die anderen Männer: Reisst er was Frisches auf, lässt er Sie stehen. Zwar nicht für eine andere Frau, aber für einen anderen Kerl. Oder, halt, ist das nicht schon wieder ein Vorurteil? Genau wie die üble Nachrede, dass vor allem diejenigen Frauen sich mit Homos anfreunden, denen sowieso kein normaler Mann nachstellt, weil sie beispielsweise Bikini-Zonen haben, die grösser sind als Liechtenstein?

Sie sehen: Es ist tricky. Dabei eigentlich ganz simpel. Um mit einem Bild zu sprechen: Es gibt in Gaytown Bezirke, die mit der katholischen Kirche vergleichbar sind (das dürfte niemanden überraschen): Frauen dürfen da nicht rein. Am Ende ist es wie bei allen Beziehungen: Wenn man etwas Distanz hält, halten sie besser. Doch wie sieht es nun mit den Freundschaftsaussichten für heterosexuelle Frauen und heterosexuelle Männer aus? Auf den ersten Blick: leider schlecht. Dabei wäre doch die Möglichkeit von Freundschaft zwischen Mann und Frau so eine schöne Möglichkeit, dass die Geschlechter sich näher kommen und voneinander lernen. Was dann auch wieder entspannende Auswirkungen auf das Beziehungsleben hätte. Heutzutage betreiben doch die meisten Leute Beziehungen, als würden sie ein T-Shirt anprobieren und ein Weilchen tragen, aber alle Schildchen dranlassen, um es nötigenfalls schleunigst wieder zurückgeben zu können. Damit will ich sagen: Man ist sehr, sehr vorsichtig. Und die Erwartungen sind hoch wie nie. Sogar bei Leuten, die selbst nicht viel zu bieten haben und daher eigentlich mit einem stumpfsinnigen Partner ohne Zähne zufrieden sein müssten. Zu diesen Leuten gehört man selbst natürlich nicht. Man selbst arbeitet im Gegenteil hart, isst wenig und zahlt viel, um die eigene Fremderwartungskompatibilität (FEK) und damit den Partnergegenwartswert (PGW) zu erhöhen.

Doch irgendwie weiss man gar nicht so genau, was das andere Geschlecht erwartet. Deshalb wäre es dufte, wenn man sich freundschaftlich darüber austauschen könnte. Vielleicht aber ist gerade die grundlegende Verschiedenheit der Geschlechter das freundschaftsverhindernde Problem. Denn während Frauen sich in ihrer Freizeit für Filme mit Melissa McCarthy, den karbonneutralen Weltfrieden und Kate-Spade-Stilettos interessieren, haben Männer folgende Vorstellung von Spass: Sie lassen sich mit ihren Männerfreunden volllaufen, fahren zur nächsten Müllkippe und schiessen auf Ratten. – Nein, halt, das sind nur die Männer, mit denen ich befreundet sein will. Nicht alle Männer sind so. Nehmen wir zum Beispiel meinen Freund Ferdinand. Ferdinand ist um die Vierzig (und dafür etwas zu jugendlich angezogen), ein zuwendungsbedürftiger, manchmal am Leben leidender Charakter, dem andauernd furchterregende Irrtümer bei der Partnerinnenwahl unterlaufen. Im engeren Sinne leidet Ferdinand darunter, dass er sich einerseits eine reife, ernsthafte Beziehung wünscht und andererseits Frauen als Ansammlung von Körperteilen betrachtet. Er hat deshalb eine Schwäche für den grossbusigen Grundschullehrerinnentyp.

Auf der anderen Seite meine Freundin Stella. Stella gehört zu der Sorte von Frauen, die manche Leute für oberflächlich halten, nur weil sie gut gewachsen ist und natürlich blond und eine gut dotierte Stelle sowie einen gut dotierten Sportwagen besitzt. Aber in der Tat ist Stella gutherzig und nur ein bisschen emotional gehandikapt. Sie kommt eigentlich bloss mit Frauen zurecht, die sie für weniger attraktiv hält als sich selbst. Was Männer angeht, so interessiert sich Stella für einen bestimmten Typ: blond und gut gewachsen. Obschon sie mit diesem Typ andauernd Probleme hat. Eines dieser Probleme ist der Vater ihres Kindes.

Ferdinand und Stella kennen sich seit Jahren und wissen sehr viel übereinander, hatten aber nie ein Verhältnis. Denn weder ist Ferdinand blond oder muskulös, noch ist Stella eine grossbusige Grundschullehrerin. Natürlich würde Ferdinand trotzdem mit Stella schlafen, wenn er es könnte. Stella ihrerseits hingegen wollte in die Ferien nach Bali und wusste nicht, mit wem. Da hatte meine Freundin Loretta, genannt die Schlange, die Idee: Wieso fahren Ferdinand und Stella nicht zusammen?

„Das ist perfekt“, sagte ich zu Loretta, „die beiden verkörpern das Modell der Zukunft: die sexlose Patchwork-Familie. Wie ein harmonisches Paar, nur ohne den ganzen Stress, der sich aus Intimität ergibt.“ „Ja“, erwiderte Loretta, „wenn es klappt.“

„Und wie war’s?“, fragte ich Ferdinand nach der Reise. „Es war ein Desaster“, erwiderte mein Freund, „ich hatte die ganze Zeit damit zu tun, ausgleichend auf Stella zu wirken. Sie ist so nervös und kompliziert. Ich meine, sie hat diesen einen Taxifahrer so lange abgekanzelt, bis der beinahe geweint hat.“

„Und wie war’s?“, fragte ich Stella nach der Reise. „Total OK“, erwiderte meine Freundin, „ich meine, wir hätten fast das Flugzeug verpasst, und Ferdinand hat mich am Flughafen eine halbe Stunde mit meinem zufällig aufgekreuzten Ex-Verlobten alleine gelassen, weil er noch eine Grundschullehrerin anrufen musste. Aber wir sind total gut miteinander ausgekommen.“

Soviel zum Modell der Zukunft. Und was lernen wir daraus? Ganz einfach: Mann und Frau können durchaus durch eine wundervolle tiefe Freundschaft verbunden sein. Aber nur, wenn sie vorher jahrelang verheiratet waren und dann irgendwann den Sex eingestellt haben. So wie Wallis und Edward. Nein, halt, ganz schlechtes Beispiel. Aber Sie wissen ungefähr, was ich meine, wenn Sie die beiden als Bild nehmen. Ansonsten gilt: Jeder normale Mann findet „I Don’t Know How She Does It“ langweilig. Und Männer fürchten sich vor Langerweile. Frauen lieben zwar Langeweile auch nicht besonders, aber für Männer sind viel mehr Sachen langweilig als für Frauen, zum Beispiel Lesen, Museen oder Kuchenbacken. Männer langweilen sich deshalb schneller, weil sie in der Steinzeit immer auf die Jagd gegangen sind. Und wenn Sie jetzt einwenden, Frauen langweilten sich schliesslich bei Baseball und Wirtschaftsnachrichten, kann ich nur erwidern: der grösste Teil der Männer auf dieser Welt ebenfalls! Im Übrigen habe ich totalen Respekt vor über-realen Phantomen wie Sarah Jessica Parker, die dem Vernehmen nach selbst während ihrer Schwangerschaft Grösse Null trug; Frau Parker ist das vollendete Selbsterschaffungsprojekt, ein Phantom auf Manolo Blahniks, das, obschon vom Konstitutionstyp eher zur Fülle neigend, nur noch aus Sehnen und Muskeln besteht. Es stimmt, dass wenige Darstellerinnen die Widersinnigkeiten modernen urbanen Lebens so schön auf den Punkt bringen können wie Frau Parker: Materialismus und Melancholie, Reichtum an Schuhen und Armut an Gefühl. Aber „I Don’t Know How She Does It“? Dieser Film war wirklich ’ne Zumutung. Fast so schlimm wie „Sex and the City 2“. Und den musste ich zweimal hintereinander sehen, weil ich einfach nicht fassen konnte, wie schlimm der war.

Können sich offensichtlich nicht für das selbe begeistern: Ein Mann und eine Frau während eines Highheel-Running-Wettbewerbes in Australien.

30 Kommentare zu «Können Mann und Frau Freunde sein?»

  • Sandra sagt:

    Sehr schön geschrieben, wenn auch die Frage nicht beantwortet wird: können Mann und Frau nun Freunde sein? 🙂
    PS: ich fand Sex and the City 2 ebenfalls grauenhaft und SJP sieht aus wie ein abgemagertes Pferd – kein Vorbild!

  • Philipp Rittermann sagt:

    kurz und bündig -> nein.

  • Hans Christoffel sagt:

    Mein bester Freund ist eine Frau, ich bin nicht schwul, mit Sex hat das auch nichts zu tun. Wir sind kein Paar, sie hat einen Lebenspartner, welcher schnell begriffen hat, dass ich für ihn kein Rivale bin. Wir gehen füreinander durch dick und dünn, helfen einander in allen Lagen und sind jederzeit füreinander da. Wir feiern zusammen fröhliche Feste, wir trösten einander und können nächtelang durchquatschen. Ich denke, das ist nur möglich, wenn zwei gefühlvolle, tolerante Menschen sich treffen, welche aber trotzdem realistisch sind. Um nichts möchte ich diese schöne Freundschaft vermissen.

  • Michelle sagt:

    Da Sarah Jessica Parker ihre Zwillinge von einer Leihmutter hat austragen lassen, ist es kein Wunder das sie ihren spindeldürren Körper immer noch in eine Size Zero zwengen konnte und kann.
    Im übrigen glaube ich schon das es auch platonische Heterofreundschaften gibt. Aber meist nur wenn nie eine vorherige Liebesbeziehung bestand. Oder beide sich körperlich keinen Meter attraktiv finden, dass sie erst garnicht auf die Idee kommen je was mit dem Anderen anzufangen.

  • diva sagt:

    was sie da über homos als «bester freund» schreiben ist leider traurige wahrheit. hab ich selber erlebt. vom «wichtigsten menschen» mutierte ich innert sekunden zu «ist nur eine kollegin», sobald irgend ein kerl sein interesse geweckt hatte…war das strohfeuer abgefakelt kam er wie ein streunender kater angedackelt.
    … und mit den heti-männern? nun, da kann es funktionieren, wenn man nicht auf der jagd nach «mr right» ist. was einem da die freundschaft vergällt ist dann in 99% aller fälle, die eifersüchtige freundin/partnerin/ehefrau.
    mein quintessenz: besser 2 katzen und dr house 🙂

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