Was ist ein Gubby?

IMG_7012

Dieser spätmoderne Hinweis auf die Waschräume, den Sie auf obigem Bilde sehen, meine Damen und Herren, und der sich bemüht, sämtliche Geschlechterformen zu berücksichtigen, hat mich wahnsinnig nachdenklich werden lassen. Wenn man die Geschlechter ausdehnt, welche Konstellationen sind dann möglich? Das wird ja gegenwärtig um uns herum in Europa (und auch auf der anderen Seite des Atlantiks) diskutiert. Dabei wird oft von der Homo-Ehe gesprochen, wir aber wollen hier und jetzt einmal den Gubby würdigen. «Gubby» ist ein Zusammenzug aus «gay» (= «schwul») und «hubby» für «husband» (= «Ehemann») und bezeichnet den schwulen Freund, der die soziale Funktion eines Gatten erfüllt, und zwar für Damen der Gesellschaft, deren Männer zu beschäftigt sind für Wohltätigkeitsauktionen und Museumsflügeleröffnungen. Früher wurden derartige Ersatz-Ehemänner als «Walker» bezeichnet. Die Grundkonstellation war dabei dieselbe: Der Walker war eine sichere Begleitung, weil niemand eine Affäre vermutete, und eine angenehme Gesellschaft, weil er gut tanzen und sich stundenlang über Inneneinrichtungsprobleme unterhalten konnte. Truman Capote war einst, vor seinem Untergang, ein zuverlässiger Walker für damalige Park-Avenue-Königinnen wie Babe Paley, Slim Keith, Gloria Guinness und C.Z. Guest. Auch Lee Radziwill und ihre Schwester Jackie K. (später: O.) gingen selten ohne Walker vor die Tür. Im Gegensatz zum Walker, der weniger Geld und Status und dafür riesigen gesellschaftlichen Appetit hatte, steht sein moderner Nachfolger, der Gubby, grundsätzlich auf der gleichen gesellschaftlichen und finanziellen Stufe wie seine Als-ob-Ehefrau. Er ist erfolgreich und reich (nun, bis auf Rupert Everett, der mal zwei Wochen lang Gubby von Madonna war). Der Gubby wird auch ohne Dame eingeladen. Gubby-Material sind z.B.: Tom Ford, Patrick Cox, Nicki Haslam oder Elton John (obschon man mit den letzteren Herren beim ungeschulten Auge möglicherweise als Lesbenpaar durchgeht).

Wichtig ist: Jeder weiss Bescheid. Die Gubby-Konstellation ist kein Arrangement zu Tarnungszwecken. Eine Tarnkappenbegleitung wird vielmehr als «beard» bezeichnet. Also alles perfekt? Well, wann ist schon alles perfekt! Die Gubby-Beziehung ist strukturell grundsätzlich mit drei Risiken behaftet:

1. Konflikte sind vorprogrammiert, wenn zwei oder mehr Damen sich einen besonders begehrten Gubby teilen müssen und sich dann beispielsweise nicht darüber einigen können, wer ihm die Geburtstagsparty ausrichtet. Da heisst es duldsam sein wie ’ne Mormonenfrau. Aber welche Park-Avenue-Königin bringt das fertig?

2. Auch Gubbys können eifersüchtig werden, auf echte Ehemänner oder neue Liaisons – besonders wenn diese seitens der Dame bei einer wichtigen Einladung plötzlich als Begleitung bevorzugt werden. Tamara Mellon zum Beispiel machte die Erfahrung, dass ihr (ungenannter) Gubby gar nicht happy war, nachdem sie Christian Slater kennengelernt hatte – besonders nicht, als sie Slater dann als ihre Begleitung für die Oskars auswählte. Und jetzt? Sind die beiden nicht mehr zusammen …

3. Schliesslich besteht, wie bei allen Verhaltensmustern, die Gefahr der Sucht. Die in diesem Fall so aussähe, dass man sich als Frau nur noch mit Homos umgibt, weil Homos immer die coolsten Clubs kennen, gute Ratgeber beim Handtaschenkauf sind und Filme mit Susan Sarandon nicht langweilig finden. Dann wird man zur «Fag Hag». Und was ist das nun schon wieder? Grob wörtlich übersetzt: eine «alte Hexe für Schwuchteln». Aber man kann das auch weniger grob definieren: Eine Fag Hag ist eine Frau, die modische Fauxpas begeht und zur Happy Hour in irgendeiner Homobar rumhängt. Und das wollen Sie ja nun auch nicht unbedingt, oder?