Er ist wieder da

Fünf Gründe, jetzt «Mephisto» zu lesen.

Feuer geben: Martin Reinke spielt Hendrik Höfgen in «Mephisto» im Wiener Volkstheater 2004. Foto: Stephan Trierenberg (Keystone)

«Mephisto» ist wieder da, meine Damen und Herren. Gerade jährte sich der Todestag Klaus Manns zum siebzigsten Mal, und aus diesem Anlass gibt es nun eine Neuedition seines berühmtesten Romans, gestaltet nach der Erstausgabe, die 1936 im Amsterdamer Exilverlag Querido erschien.

Klaus Mann: Mephisto –Roman einer Karriere. Rowohlt, Hamburg 2019. 416 S., ca. 24 Fr.

«Mephisto» ist das Porträt eines Mitläufers und Karrieristen im Dritten Reich, des Schauspielers Hendrik Höfgen. Höfgen geht einen Teufelspakt ein, verrät seine Menschlichkeit und endet als «Affe der Macht», als ein «Clown zur Zerstreuung der Mörder».

Die Figur des Hendrik Höfgen trägt unverkennbar manche Züge des seinerzeit berühmten Schauspielers Gustaf Gründgens. Das Buch ist jedoch kein Schlüsselroman, wie der Autor stets betonte, sondern ein zeitkritisches Panorama der Zustände im Aufstieg der Nazi-Diktatur.

Verboten und verschlungen

Klaus Mann sah im Komödianten Höfgen das Symbol «eines durchaus komödiantischen, zutiefst unwahren, unwirklichen Regimes», wie er in seiner Autobiografie schrieb. «Mephisto» wurde in Nazi-Deutschland verboten und verschlungen; auf Betreiben von Gründgens’ Adoptivsohn wurde der Roman 1966 auch in der Bundesrepublik gerichtlich verboten.

Hier sind fünf Gründe, die Geschichte dieser Teufelsverschreibung heute (wieder) zu lesen:

  1. Klaus Mann schrieb, die Hauptfigur des Romans als Typus habe «keinen Glauben, sondern nur den unbedingten, radikalen und zynischen Willen zum Aufstieg». Dieser Typus scheint heute wieder sehr präsent zu sein.

  2. «Mephisto» ist auch eine Parabel über künstlerische Moral. Ein Thema, das aktuell heftig diskutiert wird. Dies in einer Kulturlandschaft, die jede Menge Teppiche ausrollt für den Typ des «kultivierten Mitläufers, des talentvollen Opportunisten, der gesinnungslosen Begabung».

  3. Das Buch selbst ist ein Denkmal der literarischen Ausschöpfung und Sublimierung privater Gefühle. «Das Buch ist mit Hass geschrieben», befand der Schriftsteller Lion Feuchtwanger, «aber es ist ein Hass, welcher den dargestellten Menschen und Dingen Dichtigkeit gibt, Haltbarkeit, eine faszinierende Überwirklichkeit.»

  4. «Mephisto» ist ein guter Einstieg in das rasante Werk Klaus Manns, von dem seine Schwester Erika sagte: «Er hat wirklich geschrieben, wie andere Leute atmen.»

  5. Das Verbot des Romans in Deutschland besteht formaljuristisch fort. Sie lesen also was, das anderswo verboten ist. Wenn das kein Anreiz ist!

1 Kommentar zu «Er ist wieder da»

  • Erwin Adler sagt:

    Das passt gut ins Heute. Es wimmelt nur von solchen Typen. Aber es hat auch viel mit der Reife des Menschen zu tun. Und wenn es dann zuviel wimmelt dann ändert sich dann etwas. Im produktiven Alter nach bestmöglichem, die persönliche Defizite ausgleichenden, Maximum zu streben ist wahrscheinlich das Markenzeichen des Menschen geworden. Es spiel viel Wut, Frust, Unzufriedenheit, Ängste, Unsicherheit mit. Der innere Schweinehund halt. Aber es gibt auch Glücksmomente natürlich. Ich würde sagen dem Kind ist es noch egal, dem Alten schon egal, dazwischen ist man sauer.

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