Einfach abheben

Das May-Prinzip: So funktionierts!
Tingler

Keine Angst vor schimmligen Speisen: Die britische Premierministerin ist hart im Nehmen. Foto: Leon Neal (Getty)

Wir leben in einer Zeit, in der fraglose Sozialzusammenhänge lebensweltlich nicht mehr garantiert sind, meine Damen und Herren. Das erklärte kürzlich der Soziologe Hartmut Rosa. Und die britische Premierministerin Theresa May erklärte, dass sie bei schimmliger Marmelade einfach oben was wegnimmt und dann den Rest ungerührt weiter verzehrt. Worauf Pete Wishart von der Scottish National Party (SNP) via Twitter bemerkte, ein bisschen nach diesem Prinzip führe Frau May auch die Konservative Partei Grossbritanniens.

Ich für meinen Teil lese auf diese Art manchmal Bücher. Und vielleicht ist ja diese Technik, nunmehr bekannt als May-Prinzip, auch geeignet, sich den neueren Phänomenen unserer sich rasant beschleunigenden Gegenwart zu nähern, in der fraglose Sozialzusammenhänge lebensweltlich nicht mehr garantiert sind und die Kleinen nicht mehr Feuerwehrmann oder Tierärztin werden wollen, sondern Youtuber oder Influencer. Betrachten wir die Welt nach dem May-Prinzip. Also: Bei jeder Art von Rummel erst mal die oberste Schicht abtragen, um das Ganze geniessbar zu machen. Eventuell.

  1. Bird Box Challenge

    Nein, Verzeihung: #BirdBoxChallenge. Schon vergessen? Sehen Sie.

  2. Tiktok

    Eine Video-App. Wenn man da die oberste Schicht abnimmt, bleibt: Kris Jenner. Googlen Sie mal «Why is everybody so incompetent?». Exzellent.

  3. Generation-Z-Consultant

    Jemand, der andern erklärt, wie sie eine Kundschaft erreichen können, die kaum noch zweckfreie Sozialkontakte kennt. Wenn Sie da die oberste Schicht abtragen, bleibt: ein Youtube-Tutorial.

  4. Youtuber-Burn-out

    Erschöpfungskrankheit von Influencern. Wenn Sie da die oberste Schicht abtragen, bleibt: nichts.

  5. Bleisure

    Mischung aus «Business» und «Pleasure». Wenn Sie da die oberste Schicht abtragen, bleibt: nichts.