Vermischte Seltsamkeiten

Zur Dialektik der Aufklärung.

Frischvermählt und schwanger auf Dienstreisen: Die Herzogin von Sussex. (Foto: Mumby/Getty Images)

Die Sache stellt sich folgendermassen dar, meine Damen und Herren: Der Aufklärung wohnt die Tendenz inne, ebenjenes Fundament zu zerstören, dem sie ihre Existenz verdankt. Darinnen besteht ihre vielzitierte Dialektik: Die Öffentlichkeit garantiert die Kritik, die die Öffentlichkeit zerstört. Ich empfehle dazu ausdrücklich das lesenswerte Buch «Kritik und Krise», in dem der Historiker Reinhart Koselleck darlegt, wie die nur scheinbar besiegte Bestie des Bürgerkriegs im Innersten des modernen Staates lediglich schlummert, ja, dass sie sich, wie wir gerade heutzutage wieder sehen, auf dem Feld der (Hyper-)Moral sogar austoben und am Ende wieder in reale Konflikte verwandeln kann. Diese Hypothese findet sich in der Anschauung wieder, unsere überaufgeklärten Zeiten könnten, weil ihr Wesen die Kritik sei, ihre positiven Ziele nicht in sich selbst finden. Ohne Bindung an Werte verkommt die Rationalität der Aufklärung zur blossen instrumentellen Vernunft, zur rationellen Beherrschungstechnik.

Soweit also die Prämissen einer mehr oder weniger kritischen Theorie. Um dieselben zu testen und zugleich anzuwenden (ein einmaliger Vorgang), spielen wir heute mal ein Spiel. Sie lieben doch Spiele, oder? Und zwar geht das so: Sie raten einfach, welche der nachfolgenden vermischten Meldungen nicht stimmt. Und was das über den Zustand unserer Zeit anzeigt. 

  1. Die Herzogin von Sussex hat eine Autotür selbst geschlossen.

  2. US-First-Lady Melania Trump erklärte ABC News in einem Interview: «Ich bin die am meisten drangsalierte Person auf der Welt.»

  3. Queen Elizabeth II. kann Knoblauch nicht ausstehen und hat dieses Gemüse aus dem Buckingham-Palast verbannt.

  4. Donald Trump hat Kanye Ye West zum Sonderbotschafter für Uganda ernannt.

  5. Die publikumswirksame öffentliche Zerstörung des bei Sotheby’s frisch versteigerten Banksy-Bilds «Girl with Balloon» erhöhte den Wert des halbwegs geshreddeten Werks nochmals um die Hälfte.

7 Kommentare zu «Vermischte Seltsamkeiten»

  • Nina sagt:

    Tragischerweise stimmen alle Aussagen. Wir sind eine verkommene Gesellschaft.

    • Dominik sagt:

      Wie bitte? Melania Trump die meist drangsalierte Frau der Welt? Vergewaltungsopfer im Kongo, Näherinnen in Bangladesh, zwangsverheiratete, verkaufte, gehandelte Frauen…. alles nix gegen die arme Melania? Autsch!

      • Gabriela sagt:

        Textverständnis, Dominik: Die Aussage ist nicht, dass Melania die meistdrangsalierte Frau ist, sondern dass sie sich in einem Interview als solche bezeichnet hat. Und diese Aussage ist leider nur allzu wahr.

  • R. Wenger sagt:

    Ob eine Herzogin eine Autotüre selbst schliesst oder nicht ist eine welterschütternde Frage. Wie weit ist die Menschheit schon gesunken, um sich mit derlei zu beschäftigen.

  • Scout sagt:

    Vernunft ist zweischneidig und nur ein Mittel. Auf lateinisch heisst sie «ratio», was ich primär mit «Berechnung» übersetze. Dieser liegt analog eine rechnerische Textaufgabe zugrunde, die mittels Rechnungsweg zur Lösung führt. Aber die Lösung ist von der Textaufgabe abhängig. Der Weg zur Lösung führt über kritische Entscheidungen, die eben von der Aufgabe abhängig sind. Führt nun der Weg vom Positiven über das Negative oder umgekehrt? Es spielt keine Rolle. Aber was ist nun der Wert der Aufgabe? Die Vernunft ist eben blosses Mittel, ohne Werte und ohne Ideal, die beide von den vielfältigen Menschenbildern abhängig sind. Aber einen minimalen Standard sollte es geben. Aufklärung ist eine Denkschule, ein Vernunftskult. Aber keine Werthaltung, die der Transzendenz bedarf. – Spiel: Nr. 5.

    • Scout 2 sagt:

      Ist obige Kritik philosophisch haltbar? In den Büchern wurde ich fündig: Sie steht nahe an der transzendentalen Dialektik von Kant, die indes die Erkenntnis nicht übersteigt. Transzendental ist nicht transzendent. Ich behaupte, dass zwischen den Menschen eine winzige Spalte zur erkenntnis-übersteigenden Transzendenz, d.h. ausschliesslich zum ideellen Guten (hier ohne Argument), besteht. Einer Teilhabe (gr. μέθεξις) am Guten ist das nicht hinderlich. Die Menschen können die Spalte nicht direkt überwinden. Der Abglanz des Transzendenten ist kontingent, d.h. möglich, aber nicht notwendig. Alle Möglichkeiten kann der Mensch in seinem kurzen Leben nicht durchtesten. So bleibt uns nur die sokratische Ironie im Blick auf die Kontingenz, die Transzendenz und deren Gut.

  • Sandra sagt:

    Ich tippe auf Aussage Nummer 3!? Sie kann es nicht ausstehen, aber sie hat es nicht verbannt?

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.