5 Weihnachtswünsche – für andere

Diese Wünsche für Bundesrat Ignazio Cassis, die Stadt Zürich und den Literaturbetrieb sind eigentlich Empfehlungen.

Was soll man sich überhaupt wünschen? Foto: Antonio Lacerda

Ah, Weihnachten, Zeit der Wünsche und Begehrlichkeiten, wenn man mit vollem Herze den Blick zum Himmel richtet, Sie wissen schon, meine Damen und Herren. Was soll man schenken, das ist die eine Frage, die andere aber, für so übersaturierte Wohlstandsgeschöpfe auch nicht leichter zu beantworten: Was soll man sich überhaupt wünschen? Nun, ich habe einen Lösungsvorschlag: Ich wünsche mir was für andere. Selbstlos wie ich bin. Es geht ja bei Weihnachten eben auch um Selbstlosigkeit und überhaupt den Traum von einer besseren Welt. Und vielleicht hört mich ja Father Christmas. Los gehts:

  1. Zuerst mal die einfachen Sachen: einen Lippenstift für Carolin Emcke. Ich bin auch bereit, ihn zu bezahlen. Dann: eine neue Krawatte für Herrn Gauland. Ich bin auch bereit, sie zu bezahlen. Dann: ein neues Sofa für Bundesrat Ignazio Cassis. Das zahle ich allerdings nicht.

  2. Schon schwieriger: neue Parkplätze für die Zürcher Automobilisten, Freiheit für Melania, eine schnellere Fertigstellung der neuen Lounge für den Flughafen Zürich, Terminal A, für die Zürcher Flugreisenden. Mehr Ambiguitätstoleranz für Natalie Rickli. Mehr Entspanntheit für die Zürcher Tramfahrer, damit sie einem vielleicht nicht mehr ganz so rigoros vor der Nase wegfahren.

  3. Noch schwieriger: eine Erneuerung für die CVP. Deren vielfältige Modernisierungsrückstände machen sich ja nicht nur an der einen oder anderen problematischen Figur fest, sondern deuten auf ein programmatisches Problem.

  4. Für die Kultur: weniger schlechte Bücher. Weniger schlechte Buchkritiken. Mehr Geist und Mut im Kulturbetrieb. Weniger Anfütterung von Pseudo-Provokationen und Talentlosigkeiten.

  5. Für uns alle: mehr Erwachsenheit. Das bedeutet, wie der Philosophen Robert Pfaller in seinem neuen Buch «Erwachsenensprache» ausführt: mehr Selbst- und Weltdistanz, mehr Aushalten von Ambivalenzen und mehr Widerstandskraft. Weniger Kinderkram und Selbst-Infantilisierung. Aber auch weniger erkünstelte Ernsthaftigkeit. Siehe Punkt 1. Und Punkt 4.