Orange ist was?

Fünf Fernsehserien ohne Identifikationsfiguren – für niemanden.

On-Off-Romanze hinter Gittern: Piper und Alex in «Orange ist The New Black». (Foto: Netflix)

Wir alle konsumieren Fernsehserienformate individuell und in der Regel schon längst nicht mehr über den klassischen Fernseher, meine Damen und Herren. Die neueste kryptische Serie zu kennen, hat sich zum Eingeweihtenwissen erhoben, zum Ausweis kultureller Kennerschaft entwickelt. Haben Sie von «Looking» gehört? Nicht so wichtig. Es handelt sich um eine inzwischen auch schon wieder eingestellte Serie des amerikanischen Senders HBO, wo ich sämtliche Protagonisten nicht leiden kann. (Nicht in dem Sender; in der Serie.) Passiert mir manchmal. Dass ich mich mit niemandem identifizieren kann, meine ich. Egal wie schick und nischenhaft die Fernsehprodukte sind. Kennen Sie das? Hier kommen noch ein paar weitere Beispiele:

  1. «Girls»

    Gilt als Arte-povera-Nachfolge von «Sex and the City», ist aber im Grunde das Serien-Äquivalent eines Selfie: Lena Dunham ist andauernd kontraphobisch ausgezogen, also: nackt, und fragt: «Was ist nur falsch mit unserer Generation?» Danke. Wir melden uns.

  2. «Broad City»

    Ungefähr wie «Girls», bloss mit weniger Personal und weniger Nacktheit. Das macht es nicht besser. Wer braucht noch mehr Hipster, die orientierungslos durch New York stolpern? Danke. Wir melden uns.

  3. «It’s Always Sunny in Philadelphia»

    Die etwas ekligere, scheinbar lasterhaftere, verkommenere Version von «Seinfeld». Und auf jeden Fall die deutlich schlechtere. Kein Rollenmodell weit und breit.

  4. «OITNB»

    Das steht für «Orange is the New Black». So eine Art «West Side Story» aus dem Frauengefängnis. Genauer: Eine Mischung aus «West Side Story» und «Cagney & Lacey». Mit wem bitte soll ich mich hier identifizieren. Hm?

  5. «House of Cards»

    Also die amerikanische Version mit Kevin Spacey. Viele finden die super, mich interessiert die genauso wenig wie «Scandal». Oder damals «Friends». Uralt. Ich. Weiss. Aber das war die allererste Serie, bei der ich mich mit niemandem identifizieren konnte. Bloss mit den Haaren von Jennifer Aniston.

 

9 Kommentare zu «Orange ist was?»

  • Conrad sagt:

    Warum fällt es Ihnen so schwer, sich mit einem der Charaktere in Orange is the New Black zu identifizieren? Der ersten Staffel is durchaus sehenswert.

  • Pelikan sagt:

    Ich bin teilweise einverstanden. Nur, um das einordnen zu können: Was wären denn umgekehrt Serien mit realistisch gezeichneten Figuren, mit denen sich der Autor identifizieren kann? Und: Unrealistisch überzeichnete Figuren, mit denen man sich nicht identifizieren kann, sagt nichts über die Qualität eines Films oder einer Serie aus. Wäre das der Massstab – ich könnte kaum mehr was am TV schauen…

  • Maria Quadri sagt:

    Im Falle Girls & OITNB liegt es vielleicht daran, dass Sie nicht zu der obersten Zielgruppe gehören – oder anders gesagt: vielleicht gibt es andere Lebensrealitäten, die über Ihre hinausgehen? Schon mal darüber nachgedacht? Und selbst wenn Sie sich nicht indentifizieren können – ist das wirklich so dermassen wichtig, damit eine Serie relevant, interessant oder gut ist? Einblicke in Fremdes könnte ja aufschlussreich sein, wer weiss…

  • Markus Steiger sagt:

    „So eine Art «West Side Story» aus dem Frauengefängnis.“

    🙂

  • Kristina sagt:

    Keine Ahnung und der-der-ich-frage sagt immerzu: King Lear? King Lear? King Lear?

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