Willkommen in der Mitte

Zwischen den Klassen hat man ein Faible für den letzten Schrei.
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Die Schweizer Vorstellung von «Middle Class»: Skirennfahrer Carlo Janka trägt einen Anzug von Hugo Boss. Foto: Keystone

Die britische Zeitung «Daily Mirror», meine Damen und Herren, zitierte unlängst die Ergebnisse einer Konsumstudie, die einen Kanon von Produkten identifizierte, welche ihren Besitzer als typischen Angehörigen der Middle Class ausweisen. Ein Retro-Kühlschrank der Marke Smeg gehört dazu, ebenso wie ein iMac, ein Dyson-Staubsauger, ein Rollkoffer von Samsonite und eine Handtasche von Mulberry.

Die deutschen Zeitungen, die diese Studie aufgriffen, übersahen regelmässig, dass das englische Konzept von «Middle Class» durchaus nicht dasselbe bezeichnet wie «Mittelschicht» oder «Mittelstand» im deutschsprachigen Raum. «Mittelschicht» ist eine Einkommenskohorte; «Middle Class» hingegen ist ein Mindset, eine Denkart, eine Mentalität: empathisch, aufstiegsorientiert, materialistisch. Hier wird ein Geltungskonsum gepflegt, der einerseits Status signalisieren und unbedingt mit den Nachbarn mithalten will, andererseits aber in einer kategorischen Kultur der Dezenz und Zurückhaltung verwurzelt ist, die jedes Anecken zu vermeiden trachtet. Die bevorzugten Güter sind dementsprechend vernünftig, funktional, korrekt, konventionell, solide, middle-of-the-road.

Wenn wir also diese sozialpsychologische Klassendefinition zugrunde legen, ergeben sich für unsere schöne Schweiz zum Beispiel folgende fünf typischen Mittelschicht-Konsumartikel:

  1. Kleidung von Hugo Boss
  2. Kochgeschirr von Le Creuset
  3. Schuhe von Birkenstock
  4. Filme über Bridget Jones
  5. Romane von Charles Lewinsky

 

9 Kommentare zu «Willkommen in der Mitte»

  • E.M. Geudelin sagt:

    Queen Letitia von Spanien trägt, u.a. Hugo Boss! Ist sie „middle class“?

    • Henry sagt:

      Die Damenkollektion von Boss ist, freundlich ausgedrückt, nichtssagend und von fragwürdiger Qualität. Im Gegensatz zu Loro Piana oder B.Cucinelli, die durchweg durch Qualität überzeugen, kauft man bei Boss nur ein irgendwo auf der Welt zusammengeflicktes Ding mit Boss Etikett.
      Nichts ist überschätzter als ein Anzug von „Hugo Boss“ und nichts stellt ein so perfektes archetypisches Beispiel für „Middle Class“ dar.Der Hersteller, der weiland einen recht guten Leumund für Uniformen höherer Ränge der NS-Kampforganisationen hatte,ist qualitativ der Profitorientierung branchenfremder Controller erlegen.In welchen lächerlichen Zeiten leben wir nur,wo die Distinktion nicht die Qualität sondern der Namenszug oder die Initialen fremder Leute auf der Bekleidung die gute Reputation verschafft

  • Jeanclaude sagt:

    1,2 und 5 Aushängeschilder der „neuen Elite“, 3 und 4 sind Charaktermerkmale

  • Heiri Müller sagt:

    Aber wie heisst es doch so schön: ‚Ein Anzug von Boss macht aus dir noch lange keinen Chef!‘

    • Basil sagt:

      Erst recht nicht, wenn, wie auf dem Beispielbild, der untere Knopf der Anzugsjacke geschlossen ist, die Ärmel dieser Jacke offensichtlich viel zu lang sind
      ( wo sind die Hemdmanschetten ?) und zu allem Übel der Knabe noch eine Hand in der Hosentasche vergräbt. Und zeige doch bitteschön einer den männlichen Mannequins die gängigsten 3 oder 4 Krawattenknoten richtig zu binden.

  • Stephan Baumann sagt:

    Hätte mich bei den KMU- Spiessern eingeordnet, allerdings muss ich das jetzt anzweifeln, bei mir trifft schliesslich nur Punkt 5 zu und auch der nur knapp (habe nur Melnitz gelesen, dieses Buch aber gerne).
    Huge und Birkenstock, ist glaub ne seltene Kombination.
    Das Geschirr und die Frau kenne ich beide nicht, drückt da bei mir der Proll durch?

  • Lukas Huwiler sagt:

    Bitte um Verzeihung für die Schreibfehler…

    Das ist jetzt ein bisschen schwach, geschätzter Herr Tingler. Sie können das besser.

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