Die 5 häufigsten Abwimmelphrasen

Blog Mag Abwimmeln

«Passt leider nicht in unser Programm.» So lautet die Standardabwimmelphrase im Literaturgeschäft, meine Damen und Herren, gerne benutzt von allen Verlagshäusern zur Erledigung unverlangt eingereichter Manuskripte. Abwimmeln klingt ja ein bisschen fies. Dabei handelt es sich um die schonende Beendigung sozialer Interaktion unter minimalen Verlusten für alle Beteiligten. Dafür ist jede harmlose Lüge (fachsprachlich «white lie») zulässig, die dafür sorgt, dass beide Seiten mit Anstand aus einer potenziell konfliktträchtigen Situation herauskommen. Es folgen nun fünf der gängigsten Abwimmelphrasen. Mit Hinweisen zum Einsatz für Sie. Und damit Sie wissen, wann Sie selbst abgewimmelt werden. Wobei alle der nachfolgenden Aussagen unter Umständen natürlich auch ganz wörtlich gemeint sein können, das müssen Sie dann fallweise selbst herausfinden mit Ihrem geschulten gesellschaftlichen Feingefühl. Los gehts:

 

  1. «Lass uns telefonieren.»

    Ein Klassiker. Im Zeitalter der Mobiltelefonie sogar noch unverbindlicher geworden. Variante: «Lass uns mailen.» Noch besser: «Schreib mir mal ein Mail» – das verlagert die Initiative von Ihnen weg.

  2. «Lass uns mittagessen gehen.»

    Riskanter, da verbindlicher. Also nur für Fortgeschrittene. Das Gegenüber könnte direkt mit konkreten Vorschlägen reagieren. Worauf man dann zusätzlich eine abwimmelnde Entschuldigung benötigt nach dem Muster: «Dienstag? Das wäre famos, geht aber leider nicht. Ich muss unseren Papagei mit Augentropfen behandeln.»

  3. «Wir müssen mal was zusammen machen.»

    Wesentlich einfacher zu praktizieren als Variante (2), da wundervoll abstrakt. Hier wird im Grunde gar nichts avisiert, noch nicht mal ein Telefonat.

  4. «Darüber müssen wir mal in Ruhe reden.»

    Bedeutet in der Regel: «Darüber müssen wir mal in Ruhe reden. Aber nur, sofern der Teil meines Gehirns irreparabel beschädigt wird, der auf Langeweile allergisch reagiert.»

  5. «Ich freu mich so für dich.»

    Bedeutet in der Regel: «Bitte hör auf, mich mit deinen selbstherrlichen Erfolgsgeschichten zu belästigen, und geh einfach weg.»

Im Bild oben: In manchen Situation hilft nur eine harmlose, aber wirkungsvolle Lüge. (iStock)

«Tinglers Fünf» erscheint immer sonntags im Blog Mag und gleichzeitig in der «SonntagsZeitung».