Sollen sie doch Kuchen essen!

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Neulich, meine Damen und Herren, kommt mir also eine Anzeige der Migros in die Hände, und zwar für ihren Financier Cake. Ein wunderbarer Name für einen Kuchen, finden Sie nicht? Moment, ich bringe ihn mal in einem Satz unter: «Darf ich Ihnen ein Stück Financier Cake anbieten, meine Dame?»

Es ist offenbar umstritten, ob dieser traditionsreiche französische Kuchen seinen Namen von seiner goldbarrenähnlichen Form herleitet (die sich jedenfalls in der Migros-Variante nur noch mit ein wenig Fantasie erkennen lässt; siehe Bild) – oder daher, dass er einfach in Pariser Finanzkreisen so wahnsinnig beliebt war. Auch Börsenmakler essen gern Kuchen. Nun, früher jedenfalls. Heute laufen sie Marathon. Egal. Unser heutiges Thema ist also: Namen. Die beliebtesten Vornamen für Mädchen in der Deutschschweiz lauten ja, wie neulich bekannt wurde: Mia, Lara, Emma. Ja nun. Wissen Sie, was ich einen super Vornamen für ein Mädchen finde? Notburga. So hiess neulich eine Kandidatin bei «Liebesg’schichten und Heiratssachen».

«Ich habs», sagte ich zu Richie, dem besten Ehemann von allen, der neben mir auf dem Sofa lag, «vielleicht sollten wir unsere Adoptivtochter Notburga nennen!»

«Nanu», erwiderte Rich, «ich dachte, wir wollten unsere Adoptivtochter La Toya nennen?»

«Genau!», rief ich. «La Toya Notburga! Das ist es. Das öffnet alle Türen!».

BM_wolf_663 Würden sich besser Kuchen statt Firmen einverleiben: Eine Horde Börsenmakler im Film «Wolf of Wallstreet». Foto: Universal Pictures

7 Kommentare zu «Sollen sie doch Kuchen essen!»

  • Philipp Rittermann sagt:

    „opfer hier“ – also. ein fancy-name hilft nur, wenn man aus begütertem hause kommt. stellen sie sich vor, „rabbit“ in „8 miles“ hiesse marc-anthon(e)y. da wäre das ganze script für die füchse. profane vornamen, wie beispielsweise philipp, zeugen von simplizität und beschränkten aussichten. hiesse ich marc-anthon(e)y, würde ich die ganze hütte von glööckler einrichten lassen und den ganzen tag mit den silberpudelchen spielen. die existenziellen nöte des kleinbürgertums gingen mir dann am ar*** vorbei. ebenso irgendwelcher intellekt. es hilft nichts, wir sind arme schweine.

    • Henry sagt:

      Aber aber, Herr Rittermann, warum so verzagt ? Es ist doch nachgerade so, daß langeweilige Leute weder durch extravagante Vornamen, aber auch natürlich nicht durch Tätowierungen oder irgendwelches, in den Körper getriebenes Metall interessant werden. Es hilft ebenso nicht, wenn Sie das vertraute Heim von Fummeltrine Glööckler umräumen lassen, zeitgenössische Inneneinrichter richten oft auch großen Schaden an. Und existentielle Nöte hat nicht nur das Kleinbürgertum. Wenn Sie daran gewöhnt sind, große Mengen Geld auszugeben, haben Sie irgendwann auch viel größere Nöte..

  • Winston sagt:

    Bei der Geburt meines Grossvaters musste nebst der Hebamme ein Arzt zugegen sein. Nach der geglückten Geburt wussten die Eltern keinen Vornamen. Da sagte der Arzt: „Sie wissen ja, mein Vorname ist Rosemann und selten. Ich würde mich sehr freuen, wenn der Bub ebenso hiesse.“ Die Eltern erfüllten dem Arzt den Wunsch, und so wurde Opa auf Rosemann getauft. Dies mag heute im Blick auf die ausführliche Eruierung von Vornamen lange vor der Geburt oder Adoption etwas phantasielos erscheinen. Aber das Ganze geschah zu Beginn des 20. Jahrhunderts und war – sage ich jetzt mal – wie Vieles pragmatisch.

  • oliver affolter sagt:

    Während die gierigen Financiers von der Bahnhofstrasse wohl finden, sie hätten selbstverständlich das grösste Stück des Kuchens verdient, verdient der Financier Cake der Migros seinen Namen nicht. Neben Eiweiss und Mehl machen vor allem viel teure Mandeln und erstklassige Butter – unbedingt als Beurre noisette! – ein perfektes Financier aus. In diesem Fliessband-Cake hat’s mickrige 7% Mandeln und statt Butter bloss Palm- und Rapsöl.

  • Hans Dampf sagt:

    Notburga von Rattenberg, gelebt auf Schloss Rottenburg, hat mit einer Sichel um sich geworfen und ist Schutzheilige der Dienstmägde. Mit diesem Namen darf man nie in einen Starbucks gehen in den Staaten. Oder wenigstens keinen Kaffe bestellen.

  • Fritz Meyer-Holzapfel sagt:

    Lieber Herr Tingler, ich habe mich schon gefragt, ob Ihr Nachname „echt“ oder ein Künstlername sei. „Tingler“ klingt sehr anregend und passt auch zu jemandem, der von Thema zu Thema tingelt und Kluges, Witziges und ab und zu auch Unnötiges dazu absondert. Ihr Flair für schräge Namen ist mir schon früher aufgefallen. In ihrem neusten Roman, den das Tagi-Magi zur Zeit in Auszügen abdruckt, fand ich das zum Teil fast ein wenig aufdringlich. Überhaupt, wie halten Sie das nur aus mit diesen ganzen Society-Grössen? Dafür sind Sie eigentlich doch viel zu klug.
    PS: Mein hessischer Nachname ist echt!

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