Fluchen Sie beim Autofahren?

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Ich habe obiges Bild in Zürichs St. Peterstrasse für Sie fotografiert, meine Damen und Herren, weil es so typisch für Züritown ist: ein Bentley mit ’ner Busse. Müsste ich die Essenz meiner kleinen Heimatstadt in einem Motiv verdichten: Das wäre es.

Apropos Bentley: Fluchen Sie beim Autofahren? Ebendas bin ich einst von einer Zeitschrift gefragt worden. Dazu kann ich nur sagen: Ich fahre gerne Auto, aber womöglich nicht sehr gut. «You are a threat to society behind the steering wheel, Philipp!», hat mein texanischer Freund Derek einmal zu mir gesagt, nachdem ich es unternommen hatte, ihn zum Flughafen zu fahren. Danach habe ich ein paar Jahre nichts mehr von ihm gehört.

Nicht nur fluche ich beim Autofahren – ich rede auch mit mir selbst, trinke einen Eimer Starbucks Iced Latte und bediene die Bordunterhaltung. Nicht unbedingt weniger flucht übrigens Richie, der beste Ehemann von allen, und zwar nicht zuletzt, wenn ich fahre. Sofern er sich nicht gerade mit der flachen Hand die Augen bedeckt und anmerkt: «Genau, Kleines, genau! Du hast ganz recht! Diese Strasse würde uns schneller nach Lausanne führen – wenn sie nach Lausanne führen würde!» Oder: «Ich finde, du fährst hier vielleicht ein kleines bisschen zu langsam, Kleines. Ich meine, wir sind vorhin mehrfach überholt worden. Erst von einem Toyota Starlet mit einem Sticker Ich bremse auch für Tiere … dann von einem Schulbus … dann von einem Fertighaustransport.»

Pause

«Wieso brennt dieses rote Licht da?», fragt Richie.

«Welches?», frage ich zurück. «Das da mit diesem Symbol drauf, was aussieht, wie kleine Ameisen, die um einen Konferenztisch sitzen?»

«Nein», sagt Rich, «das andere. Rechts davon.»

«Ach das», erwidere ich, «das macht nichts. Das brennt schon seit Monaten.»

Übrigens ist es ja nicht so, dass ich nicht auch hilfreich wäre, wenn Richie fährt. Zum Beispiel hupe ich manchmal für ihn. Richie ist für meinen Geschmack eine Idee zu zurückhaltend mit dem Einsatz der Hupe. Obzwar die Hupe genau dafür ja da ist. Zum Einsetzen, meine ich. Das hat auch was Entlastendes, psychohygienisch gesehen. Also drücke ich dann einfach manchmal vom Beifahrersitz aus auf die Hupe. Wozu hat man schliesslich einen Lebenspartner? Sie sehen: Eine Beziehung ist wie ein Interstate Highway in Kansas. Wenn man nicht ein paar Kurven einstreut, droht man in Tiefschlaf zu fallen.

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Beziehungsprobleme können sich durch eine aggressive Fahrweise ausdrücken: Jean Reno im Film «Ronin». Foto: PD