Ist die Ehe karrierefördernd?

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Das Trophy Wife ist ausgestorben, meine Damen und Herren. Wie der Tyrannosaurus. Beide hatten ungefähr gleich dünne Ärmchen; gerade genug Muskeln, eine schwarze American-Express-Karte anzuheben. «Trophy Wife» ist ein populärsoziologischer Begriff, der einer vergangenen Ära entstammt, zu datieren ungefähr von 1961 bis 1989. Dies war die Zeit, wo praktisch alle reichen Geschäftsmänner (und viele erfolgreiche Politiker) aussahen wie die böse Riesenmade Jabba the Hutt, und deshalb galten die Raquel-Welch-Lookalikes, die sie heirateten, als Trophäen: Trophäenehefrauen. Das Ganze war ein Deal. Dann passierten drei Sachen bzw. begannen drei Entwicklungen, die für die Trophy Wives dieselbe Bedeutung hatten wie damals der Meteoriteneinschlag für die Saurier:

1. Der eiserne Vorhang fiel.

2. Die Anzahl reicher Männer stieg dank Hedge Funds und Neuen Medien exponentiell.

3. Dank Metrosexualität (so hiess das damals) und Rückenepilation sahen sie nun im Durchschnitt auch besser aus.

In der Folge wurden reiche Männer wählerischer. Das Trophy Wife mit seinen unersättlichen gesellschaftlichen Ambitionen und auf ewig gefrorenen Gesichtszügen konnte sich an diese geänderten Umweltbedingungen nicht anpassen und starb aus. Es wurde im Wettkampf ums Überleben verdrängt von einer sich ständig erneuernden Heerschar von 21-jährigen MAWs (= Models-Actresses-Whatever) aus Russland und Südamerika, die schlechtes Englisch sprechen, die Figur von Gisele Bündchen haben und sogar mit Linienflügen zufrieden sind. Solange man ihnen einen Modelvertrag dazugibt.

Das Trophy Wife war die historische Problemlösung einer Epoche, in der es für Geschäftsmänner, Spitzenpolitiker, Heldendarsteller und Profisportler (ausser Eiskunstläufern) unmöglich war, single zu sein. Genauer: nicht in einer heterosexuellen Ehe zu leben. Inwiefern das heute anders ist, hängt von der Sphäre ab. Für den Geschäftsmann beispielsweise heisst das vor allem: von Branche und Rang. Nach gängiger Auffassung ist es in gewissen exponierten Unternehmer- und Managerpositionen noch immer karriereschädlich, nicht wenigstens in einer eheähnlichen heterosexuellen Zweierbeziehung zu leben. Der gesellschaftliche Fortschritt ist eben erheblich langsamer als ein Tyrannosaurus.

Doch auch dafür gibt es eine Lösung: die gute alte Vernunftehe. Nehmen Sie Anne Sinclair und Dominique Strauss-Kahn, zum Beispiel: die zweckmässige Verbindung zweier exponierter Entscheidungsträger – war ziemlich dauerhaft. Seit Einführung und Verbreitung des romantischen Konzepts der Liebesheirat ist die bürgerliche Reaktion auf derlei Paarungen … nun, zumindest reserviert. Man vermutet in der Regel sogenannte niedere Motive auf mindestens einer Seite, besonders, wenn zwischen den Gatten ein Wohlstandsgefälle besteht, weil beispielsweise für die eine Seite die Anschaffung eines Lamborghini Aventador nicht mehr als einen leichten Zug mit der schwarzen American-Express-Karte bedeutet.

Doch die Liebe selbst ist schliesslich auch ein Transaktionsverhältnis, denn durch die Liebe realisiert der Mensch sogenannte innere und seelische Güter (ein Konzept, das auf Aristoteles zurückgeht), zum Beispiel Gesundheit, Anerkennung oder Vertrauen. Und schlussendlich gilt, wie immer, Shakespeare: «Love is not love/
Which alters when it alteration finds». Wahre Liebe bleibt bestehen, auch wenn jene Phänomene vergehen, die eventuell einst ihr Anziehungs- und Ausgangspunkt waren, was bei körperlicher Attraktivität früher oder später definitiv passiert, bei Reichtum und Macht immerhin gelegentlich. Siehe DSK.

Bild oben: Die zweckmässige Verbindung zweier exponierter Entscheidungsträger: Anne Sinclair und Dominique Strauss-Kahn. Archivbild: Keystone