Die 5 schlimmsten Gastgeschenke

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Der Philosoph Theodor Adorno stellte in seiner Schrift «Minima Moralia» fest: «Der Verfall des Schenkens spiegelt sich in der peinlichen Erfindung der Geschenkartikel, die bereits darauf angelegt sind, dass man nicht weiss, was man schenken soll. Diese Waren sind beziehungslos wie ihre Käufer.» Aber Adorno war bisweilen auch ein entschiedener Miesepeter, meine Damen und Herren, und im Grunde ist es gar nicht so schwer, beispielsweise als Gast einer Dinnerparty ein gutes Geschenk mitzubringen. Die Grundregel ist, dass man nichts überreichen sollte, was die ohnehin beschäftigten Gastgeber zusätzlich belastet, weil es sofortige Aufmerksamkeit erfordert; deshalb sind Blumen verpönt (es gibt trotzdem viele Gastgeber, die sich über Blumen freuen). Auch irgendwelche Speisen und Getränke, die noch am gleichen Abend konsumiert werden müssen, sollte man unaufgefordert niemals mitbringen. Immer möglich sind als Gastgeschenk hingegen Wein (niemals billiger), Schokolade (niemals billige), Coffee Table Books (niemals anstössige). Auch das DVD-Set der neuesten Staffel «Parks und Recreation» ist nicht schlecht, falls Sie den Sinn für Humor Ihrer Gastgeber gut genug kennen. Grundsätzlich geht es bei einem guten Gastgeschenk (wie meistens im Leben) nicht um Originalität, sondern um Qualität. Nicht zuletzt, weil die Beschenkten es dann problemlos weiterverschenken können. Dies wird zusehends schwierig bei katastrophalen Geschenken, von denen hier die 5 schlimmsten folgen:

  1. Duft

    Duftkerzen gehen ja noch, aber Duftwasser, also Eau de Toilette oder Parfum oder ähnliches, geht überhaupt nicht, wegen der seltsamen Botschaft und der zu persönlichen Note. (Übrigens: Genauso wenig wie man erwarten sollte, dass der Châteauneuf-du-Pape, den man überreicht hat, am selben Abend getrunken wird, darf man davon ausgehen, dass die überreichten Duftkerzen zum Essen angezündet werden.) Weiterhin beliebt sind ausserdem sogenannte «Deko-Seifen», also (meist minderwertige) Seifen in Form von Lotusblüten oder Bananen oder Flugzeugen. Davon sollten Sie lieber absehen. So wie überhaupt von allen Gegenständen mit dem Vorsatz «Deko». Besonders, wenn Sie bei mir eingeladen sind. Siehe unter 2.

  2. Dekoration

    Dekorationsgegenstände sind immer Geschmacksfragen und sollten daher, jedenfalls solange Sie den Geschmack Ihrer Gastgeber nicht hinlänglich gut kennen, lieber nicht überreicht werden. Wer bitte will ein Salz- und Pfefferstreuerset aus Keramik in Form von zwei dicken Hühnern mit grüner Schürze? Ich nicht, danke. Noch schlimmer, auch wenn sich das jetzt grausam anhört, ist: Selbstgebasteltes. Weil das die Gastgeber zusätzlich in Verlegenheit bringen kann. Gegen Gutes und Praktisches für den Haushalt ist hingegen gar nichts einzuwenden: Weinöffner, Käsemesser, Serviettenringe oder Platzkartenhalter – alles tadellose Mitbringsel.

  3. Pflanzen

    Manche Leute haben den grünen Daumen, andere sind der Charles Manson der Pflanzenwelt. Sofern Ihre Gastgeber nicht eineindeutig der ersteren Kategorie zuzuordnen sind, sollten Sie auf keinen Fall Topfpflanzen mitbringen. Überhaupt sollte man als generelle Regel beherzigen, keine Geschenke anzuliefern, die Arbeit und Pflege erfordern. Die gehen nämlich dann meistens zugrunde.

  4. Scherzartikel

    Ganz schwierig. Eine aufblasbare Tulpe oder eine Spidermanspinnenfadenspraydose sind so ungefähr sieben Sekunden lang lustig (bestenfalls), dann werden sie furchtbar belastend. Auch für den Planeten. Sowas sollte gar nicht hergestellt werden.

  5. Gutscheine

    Hier lautet die Grundregel: Gutscheine sind selten gut. Es sei denn, ihnen liegt eine gezielte Überlegung zugrunde. Wenn Sie zum Beispiel wissen, dass Ihr Gastgeber eine Schwäche für eine bestimmte Marke oder einen bestimmten Laden hat, dann ist ein Gutschein dafür nett und völlig OK. Ansonsten sagt ein Gutschein: «Ich bin zwar bei dir zum Essen eingeladen und muss deshalb was mitbringen, habe aber keine Ahnung, was dich interessieren könnte, und auch nicht die geringste Lust, darüber nachzudenken.» Dann können Sie den Gastgebern eigentlich auch gleich ein paar richtige Scheine in die Hand drücken.

Bild oben: Selber Geschenke basteln geht gar nicht – nicht mal als Stadtpräsident: Sigmund Widmer 1966 gemeinsam mit Schauspielerin Stephanie Glaser beim fröhlichen Kerzenbemalen. (Foto: Keystone)