Wozu die Krawatten am Spielfeldrand?

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Warum müssen Fussball- und Eishockeytrainer Krawatten tragen?
D. M.

Lieber Herr M.,
Ich gebe ja zu, und das äusserst schuldbewusst, Ihre Frage sehr, sehr lange vor mir hergeschoben zu haben. Zum einen, weil ich weder für den Fussball noch für das Eishockey in irgendeiner Weise entflammt bin, also eigentlich eher gar nicht. Und weil ich deshalb, zum anderen, einigermassen im Schilf stand.

Dann fiel mir auf, dass doch jetzt dieses grosse Fussballereignis bevorsteht, und befand, es sei nun der Zeitpunkt gekommen, sich des Sujets anzunehmen. Im Schilf stand ich indes immer noch, weshalb ich mich Hilfe suchend an meine Kollegen vom Sport wandte. Sie wussten, was mich nicht verwunderte, sofort Bescheid, waren aber nicht hundertfünfzigprozentig sicher. Es wurden in der Folge Reglemente studiert und Abklärungen getätigt und gar die Fifa kontaktiert, auf dass auch wirklich alles seine Richtigkeit habe. Ich hätte meine Kollegen küssen mögen ob ihres Engagements für diese unsere kleine Rubrik – und kann nun im Brustton der Überzeugung Folgendes verkünden: An der WM gibt es diesbezüglich keine Vorschriften. In den nationalen Ligen, also auch in der Schweiz, ebenfalls nicht. Bei gewissen Clubs, wie bei YB, verlangen es Sponsoren und Geldgeber.

In der Champions League hingegen gibt es einen klaren Dresscode: Die Trainer müssen in Anzug und Krawatte an der Linie stehen, mailten die Sportkollegen («an der Linie stehen» gefiel mir sehr). Allerdings halten sich nicht immer alle daran; Huub Stevens, der ehemalige Trainer von Schalke, wurde einst von der Uefa (im Mail wurde in Klammern erklärt: «Europäischer Fussballverband») gebüsst, weil er gegen Olympiakos Piräus im Trainingsanzug an der Linie dirigierte (ich fand «dirigieren» grossartig; und soll sich bloss nie wieder jemand über stilistische Dekrete meinerseits beschweren – im Fussball verhängen die bei garderobentechnischen Regelverstössen sogar Geldstrafen!).

Und nun, der Vollständigkeit halber, noch rasch zum Eishockey: Da dürfen die Trainer an der Bande stehen, wie sie wollen, meldeten die entzückendsten Kollegen der Welt (ich werde mir dieses Vokabular aneignen: «Linie» und «Bande»!). Die nordamerikanischen Trainer tragen allerdings meistens Anzüge, was daran liegt, dass dies in der NHL (es wurde erneut exklusiv für mich eine Klammer angefügt: «nordamerikanische Profi-League, die wichtigste der Welt») Pflicht ist.

So, lieber Herr M., verhält sich das mit diesen Krawatten.

10 Kommentare zu «Wozu die Krawatten am Spielfeldrand?»

  • Ursa Moser sagt:

    Wunderbar Frau Weber, wie sie sich über Ihren neuen Wortschatz freuen können und dabei kurzerhand auch noch die Bekleidungsvorschriften der Eishockey- und Fussballveranstaltungen an den Leser bringen. Toll geschrieben!

  • P.S. sagt:

    Herrlich geschrieben, herzlichen Dank dafür!

  • Philipp Rittermann sagt:

    der trainer muss sich meist an die vorgaben der vereinsführung halten. auch wegen dem sponsoring auf den kragen der button-down-hemden. im grunde genommen sind sport-trainer aber proleten, welche, so finde ich, am besten ausschauen im adidas-trainer, auch am spielfeldrand.

  • Rüdiger sagt:

    Die Trainer werfen sich in Schale weil sie sich als Mänätscher sehen. So in etwa wie Leute die Hip-Hop-Kleider tragen (Turnschuhe, Caps, Szenen-spezifische Kleidung), obschon diese Leute nicht Hip-Hop-Aktivisten sind. Ist in etwa so wie wenn ich eine Mezger-Schürze tragen wollen würde, obschon ich null Ahnung habe vom Mezgen. Man kann dies auch einen Poser nennen. Oder sie Frau Weber nennen die wohl Hipsters oder was auch immer (irgendeinen Konsum-Junkie-Jargon wird es wohl dazugeben). Halt schlicht und einfach unkreativ…

  • nino bosch sagt:

    Guter Artikel, gut beobachtet – warum Krawatte? Meine Frage, warum gibt es überhaupt Krawatten? Ist doch das unnatürlichste auf der Welt! Ich bin eher Casual-Typl, Krawatte trage ich nur wenn mich jemand oder ein Anlass dazu zwingt. Krawatte ist für mich…., ‚Kleider machen Leute’…oder, ‚aussen Fix und innen Nix’…also etwas sehr oberflächliches. Zugegeben, in manchen Situationen muss man Seriosität ausstrahlen, was man mit ausgebeulten Traineranzügen nicht kann. Also, es geht um den ‚Schein‘ besser zu sein als man ist. Darauf falle ich nicht rein!

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