Wenn selbst Superblondinen jammern

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Charlize Theron ist eine super erfolgreiche Superblondine mit super viel Geld. Und nun hat diese Superfrau eine Superbotschaft für jene, die vielleicht nicht ganz so super sind. Also fast alle. «Ich finde es manchmal hart, in den Spiegel zu schauen», soll Frau Theron gesagt haben. Das meldete «20 Minuten» und jubilierte, es sei ein «ehrliches Geständnis», dass es selbst einer Frau Theron manchmal so gehe – mit 38 ist sie ja schliesslich nicht mehr die Jüngste. Millionen von Frauen jenseits der 25, so analysierte «20 Minuten» haarscharf, spreche dies aus der Seele.

Soso. Aus der Seele spricht uns das also, uns Frauen jenseits der 25, weil es nämlich jenseits der 25 ach so hart ist, in den Spiegel zu schauen. Aber warum eigentlich 25? Meiner Erfahrung nach sind Selbstzweifel aufgrund von Äusserlichkeiten stete Begleiter weiblicher Wesen, spätestens ab den frühen Teenagerjahren. Und es ist übrigens auch egal, wie gut man aussieht, manchmal scheinen die Zweifel umso schlimmer, je schöner die Frau ist. Aber schon verstanden, was «20 Minuten» uns sagen will. Nämlich, dass es ab 25 mit Frauen abwärts geht, und zwar wörtlich, weil die Schwerkraft am Fleisch zieht und alles absinken lässt, inklusive das Selbstwertgefühl. Aber da wir «20 Minuten» lesen, wissen wir, was die richtige Einstellung ist. Nämlich: Kopf hoch. Auch Charlize Theron findet es hart, sich im Spiegel anzuschauen. Kein Wunder, sie ist ja schliesslich schon 38. Da werden aus den «ersten Fältchen» (ab 25) erste Falten, es sei denn, man hat schon vor 25 vorgesorgt.

So ein Scheiss.

Ich sage euch mal, wie es wirklich ist. Es gibt Tage, da sehe ich Kurt Cobain im Spiegel an, und er sagt: «I hate myself, and I want to die.» Aber ich nehme das mittlerweile nicht mehr so ernst. Mein Spiegel, das habe ich gelernt, ist ein Idiot mit Hang zum Drama. Idioten sind auch Richter des hohen Schönheitsgerichts in mir, die mir weismachen wollen, dass ich ein hoffnungsloser Fall sei. Und zwar meistens dann, wenn ich mich ohnehin angeschlagen fühle.

Mit dem Alter und den «ersten Fältchen» hat das nicht arg so viel zu tun, weil der Idiotenspiegel und die Idiotenrichter mir das schon in meiner Jugend sagten, als ich noch nicht mal wusste, was «erste Fältchen» sind. Und ich weiss, dass die Richter mich auch dann tadeln würden, wenn ich aussähe wie Scarlett Johannsson. Ich bin sogar sehr sicher, dass Frau Johansson, schwanger wie sie ist, diesen Richtern die Meinung geigen muss.

Frauen, vergesst es! Der Spiegel sollte der Diener einer Frau sein, nicht ihr Herr und nicht ihr Richter. Denn mental starke Menschen halten sich nicht mit Dingen auf, die sie nicht ändern können. Etwa damit, dass man mit einem bestimmten Gesicht und einer bestimmten Figur geboren wird. Und dass man altert. Was man hingegen ändern kann, ist die Einstellung. Euer Spiegel sollte die Welt, sollten die Menschen um euch sein. Schönheit ist eines von vielen Features, aber ein launisches und herrisches. Sie hat die Tendenz, die Gedanken zu versklaven und von Wichtigerem abzuhalten. Zum Beispiel etwas zu erreichen, das jenseits der 35, 45 und 55 Bestand hat. Schaut euch mal die Männer an, und nehmt euch an ihnen ein Beispiel. Gerade jenseits der 25, denn dann sollte man die Reife dazu erlangt haben. Drum schätzt, was ihr habt, macht das Beste draus und behaltet eure Privatfehden mit dem Spiegel für euch.

Bild oben: Charlize Theron erscheint zur Oscar-Verleihung in Los Angeles (2. März 2014).

27 Kommentare zu «Wenn selbst Superblondinen jammern»

  • Sarah sagt:

    ich habe mir auf dem flohmarkt einen hübschen antiken spiegel mit goldrahmen gekauft, der ist ein bisschen milchig und halb-blind und hängt bei mir im bad. der reicht aus um zu erkennen ob was zwischen den zähnen hängt und ob die frisur sitzt. zum schminken hab ich einen kleinen taschenspiegel, auf dem hat grade ein auge platz. ich investiere zeit und geld lieber in bildung, das steht den meisten besser.

  • Dani sagt:

    Gut geschrieben, Michele, gesundes Selbstbewusstsein, Witz und Charme ist viel sexier als krampfhafte Jugendlichkeit.

  • Berner Bürgerin sagt:

    In der Zeit, in der wir oft am jüngsten / dünnsten sind, sind wir am unglücklichsten. Je älter Frau wird desto schöner fühlt sie sich. Ein wenig gesunde Ernährung, ein weni Sport, der Spass macht und frische Luft. Mehr brauchts nicht zum Schönsein und – fühlen!

  • Lia sagt:

    agreed, aber was bitte hat das mit ihrer Haarfarbe zu tun? Sie hätte dieselbe Aussage auch als Brünette gemacht.

  • Lu sagt:

    „Mein Spiegel ist ein Idiot mit Hang zum Drama“ – das schreib ich mir in spiegelverkehrter Schrift auf ein Post-it und kleb mir selbiges jeden Morgen auf die Stirn. Grossartiger Blogpost, vielen Dank!

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