Können wir reden?

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Während ich neulich so am Schreibtisch sass, meine Damen und Herren, und «Was Machst Du Dann?» von Die Höchsten Eisenbahn hörte und die Kalorienwerte von Karamellpopcorn googelte, fiel mir ein, dass ich neulich auf Flux FM gehört habe, dass man uralt wäre, wenn man noch einen Yahoo Mail Account hätte. So wie ich. Vielleicht bin ich uralt. Irgendwie scheine ich auch die jungen Leute von heute nicht mehr richtig zu verstehen, jedenfalls sass ich neulich so bei Starbucks am Kreuzplatz in Zürich, und gegenüber von mir sassen drei junge Damen im Alter von ungefähr 17 Jahren, und die eine (die sowieso am meisten redete), sagte einleitend: «Hey, losed emal, es isch mega luschtig gxi», und darauf folgte eine Geschichte darüber, dass sie ein bestimmtes Brillengestell hatte kaufen wollen, das habe sie aber im Laden nicht gefunden, also im Internet bestellt, und dann in denselben Laden gebracht, wo sie es vorher nicht gefunden hatte, um dort die Gläser machen zu lassen. Für die Brille. Ende. Ich weiss nicht. Mega lustig? Das war doch eher lights-out boring. Dermassen jaw-droppingly boring, dass ich eigentlich erwartet hatte, dass die anderen beiden Teenies nun aussehen würden wie die Figur auf Edvard Munchs bekanntem Bild «Der Schrei». Doch nichts dergleichen.

Und dann fiel mein Blick, während ich neulich so am Schreibtisch sass, auf dieses Buch, was ich unlängst im Flughafenbuchladen in Singapur erworben: How To Talk To Anyone. Das lese ich im Bett, wenn ich für meinen Geschmack nicht schnell genug einschlafe. (Manchmal, wenn ich für meinen Geschmack nicht schnell genug einschlafe, lese ich allerdings auch in einem grauen Band mit dem Titel Komik/Medien/Gender, Untertitel: Ergebnisse des Kassler Komik-Kolloquiums, was mir geschenkehalber vom Herausgeber übergeben wurde, wie nett, und worinnen sich Sätze finden wie: «Als kommunikative Kulturtechnik ist Komik ein intersystemisches Geschehen symbolischer Art, das vorwiegend, aber nicht unbedingt medienvermittelt abläuft.»)

How To Talk To Anyone, also. Und plötzlich wurde mir klar, dass ein derart betiteltes Selbsthilfebuch als Mahnmal für menschliches Versagen aufzufassen ist, so wie das Wrack der «Costa Concordia», und zwar nicht wegen der in diesem Buche thematisierten menschlichen Kommunikationsdefizite, sondern des Anspruchs im Titel wegen: Wer, bitte, wants to talk to anyone? Hm? Who is his right mind would want to talk to anyone?? You? Ich nicht. Ich muss mal gleich googeln, wie die Verfasserin aussieht … ohh eek yikes super scary. Like Michael Jackson from his grave.