Grandezza auf die schlichte Art

Der Interiordesigner Gaetano Irpinio hat einen entspannten italienischen Chic in seine Familienwohnung geholt.

Fotos: Rita Palanikumar für Sweet Home

Gaetano Irpinio wohnt mit seiner Frau Seline, ihrem Sohn Jamie und Jack Russell Nobu in einer sonnigen Vierzimmerwohnung im Zürcher Seefeld. Eingerichtet hat sie der Interiordesigner in seinem typisch italienisch eleganten Stil. Er hat solch renommierte Projekte wie das Spa im Hotel «The Chedi» in Andermatt oder das Park-Hyatt-Hotel in Mailand eingerichtet und gestaltet auch Privatresidenzen, Büros oder Boutiquen. Eleganz, Chic, gutes Design und edle Handwerkskunst sind dabei seine wichtigsten Zutaten.

Der gebürtige Italiener hat sein Handwerk in Italien erlernt. Er studierte Innenarchitektur in Mailand und hat unter anderem beim berühmten Antonio Citterio gearbeitet. Zurück in der Schweiz machte er sich schnell selbstständig und richtet nicht nur ein, sondern konzipiert komplette Innenausbauten und entwirft eigene massgeschneiderte Möbel, die er selbst herstellen lässt. Der elegant-entspannte Einrichtungsstil ihres kreativen Mannes entspricht auch Seline. Die Treuhänderin kümmert sich aber um andere Bereiche in der Firma, wie das Geschäftliche und die Finanzen.

Da Gaetano jeweils ganz genau recherchiert, wer die Räume, die er gestaltet, benutzt, was die Bewohner am liebsten daheim machen und welche Bedürfnisse sie haben, war sein eigenes Zuhause ein Heimspiel. «Da möchten wir uns vor allem wohlfühlen. So habe ich die Wände mit warmen, neutralen Tönen gestrichen. Das macht aus der Wohnung eine Art ‹Cocoon›, kleidet sie an und gibt ihr Sinnlichkeit», erklärt der Profi. Die Wohnung hat mit etwa 140 Quadratmetern eine normale Grösse. Sie wirkt nicht überladen, die wenigen Möbel strahlen aber trotzdem Opulenz aus.

Damit hat der Interiordesigner bewiesen, dass es für Eleganz und Grosszügigkeit weder herrschaftliche Villen noch supergrosse Altbauwohnungen braucht. Eleganz ist, gemäss dem Designer, überall möglich. «Auch mit Kindern und Hund», sagt er lachend. Dafür setzt er auf einen entspannten Mix: Möbel aus eigener Hand, wie hier das schlichte ausladende Ecksofa, formschöne Designklassiker, wie der skandinavische Sessel, Fundstücke, wie die schwarz-weiss bedruckten Leinenkissen aus Paris, aber auch günstige Einzelstücke finden ganz selbstverständlich zusammen.

«Mir sind ‹Total-Brandings› ein Graus. Wenn bei jedem einzelnen Möbelstück nur das Label zählt, werden weder Wohnungen, Villen noch Hotels wohnlich und persönlich.» Deshalb setzt der Designer gerne auf Eigenentwürfe. Diese sind «Custom-Made», sie werden also genau auf die Kundenbedürfnisse oder eine bestimmte Raumsituation entwickelt. Diese moosgrüne Chaiselongue ist ein Beispiel dafür. Deren Art-déco-Anmutung wird verstärkt mit einem Beistelltischchen von Minotti, das wie eine Skulptur wirkt. Den Engel darauf haben Gaetano und Seline in der Toskana gefunden, auf einem der vielen Antiquitätenmärkte, die das Paar gerne besucht. «Bei uns gibt es auch alltägliche Stücke aus Möbelhäusern. Wenn man sie gekonnt einsetzt, sehen sie perfekt aus,» meint Gaetano zur Wahl seines TV-Möbels, das auch als Hausbar dient. Es kommt von Kare.   

Auf dem Couchtisch liegen Anguck-Bücher, die andere Lieblingsthemen des Designers widerspiegeln. Dazwischen lockern Blumen, Dosen, Schalen und Duftkerzen das Gesamtbild auf. 

Beim Einrichten der Wohnung hat Gaetano Irpinio nicht etwa Räume geöffnet oder Wände durchgebrochen, dafür aber eine Türe geschlossen. Geschickt hat er aus der Nische, die dabei entstand, ein weisses Regal gebaut, das aus den sanftgrauen Wänden herausstrahlt. 

Damit sind wir im wichtigsten Raum der Wohnung angelangt, im Esszimmer. «Wir widmen es ganz der ‹Tavolata›, so Seline. Trotz aller Italianità zieht die Familie ein typisch schweizerisches Sonntagsfrühstück mit Konfibrötli dem «caffè e brioche» vor. Über dem grossen Esszimmertisch baumelt nicht etwa, wie vielleicht erwartet, ein Leuchter. In diesem besonderen Raum sorgt eine grosse Stehleuchte am Abend für stimmungsvolles und wohnliches Licht.

Die Familie liebt den Erkerraum, den das interessante Haus aus den Dreissigerjahren dank Rundungen bietet. Das Licht strahlt hier grosszügig hinein. Das wird unterstützt mit dem Platzieren eines riesengrossen Spiegels an der Wand hinter dem Tisch. Dieser vergrössert zudem optisch den Raum und bietet mehr Aussicht. Die Stühle um den Tisch sind eine Art Sessel. «Wenn man gerne lange sitzen bleiben, das Essen geniessen und mit Freunden und Familie plaudern und feiern möchte, dann muss man bequem sitzen», so Gaetano. «Diese Stühle bieten das alles und sehen toll aus. Bezogen sind sie mit einem mokkafarbenen Satin, der edel aussieht, aber sehr widerstandsfähig ist.»

Diese entspannte Eleganz, bei der mit wenig viel erreicht wird, zieht Gaetano Irpinio auf dem Balkon weiter. Geschickt hat er zwei Eckelemente einer Loungegruppe platziert. Sie sind Sessel und Chaiselongue in einem und bieten, da sie nicht wie normale Sessel zwei Armlehnen haben, auch Platz, um sich auf dem Balkon zu bewegen. Um zum Beispiel die schöne Aussicht zu geniessen. 

Rausgucken tut besonders Nobu von Herzen gerne. Und es gibt viel zu sehen. Das Haus steht frei, unten ist eine Garage, und rundum sind belebte Strassen, aber auch viele Bäume und natürlich der See.

In der Küche, welche schlichte hellgraue Einbauschränke hat, steht ein kleines Bistrotischchen für ein schnelles Frühstück an strengen Wochentagen oder gemütliche kleine Abendessen, wenn die Tavolata mal nicht angesagt ist. Dazu stehen ganz gegensätzlich zwei Panton-Stühle. Auch Nobu hat hier seine Gourmet-Ecke. Ganz stilvoll mit karierten Näpfen von En Soie.  

Aus dem grosszügigen Entree, das die Wohnung bietet, wurde ein kleiner Salon. Hier stehen Selines Klavier, Nobus Bettchen und ein barocker Ablagesessel. «Es ist auch genug Platz zum Tanzen da», erwähnt das Paar lachend.

Was sonst auf einem Garderobenmöbel Platz finden würde, steht in diesem charmanten Eingang auf dem Klavier: Raumduft und Vide-poche. 

Ein grosses, mit weissem Leder bezogenes Bett mit Kopfteil ist das Herzstück des Schlafzimmers. Italienisches Leinen und flauschige Fellkissen sowie edle Tischleuchten auf beiden Seiten machen es kuschlig, wohnlich und stilvoll. Im Schlafzimmer hat es auch Platz für ein kleines Homeoffice. Dieses bietet erst noch eine wunderbare Aussicht auf die grossen Baumkronen, welche das Haus umgeben.

Die Nachttischchen, eine Art «Butlers Table», haben abnehmbare Tabletts. Auf Selines Seite türmen sich darauf Bücher. Sehr schön sind hier die Sockelleisten erkennbar, welche doppelt sind. Die kleine ist aus Holz und verbindet sich mit dem Parkettboden. Die grössere ist weiss gestrichen und grenzt die Wandfarbe wunderschön vom Boden ab. 

Auch im Schlafzimmer wird ganz unbeschwert mit günstigen Stücken umgegangen. Der grosse Kleiderschrank und die elegante Kommode, auf der Familienfotos, Kunst und Persönliches stehen, sind von Ikea. 

Die Farbe ist sehr raffiniert eingesetzt. Das warme, leicht vergraute Mokka, das für die Wände des Schlafzimmers gewählt wurde, schliesst die Nische mit dem Schrank nicht ein. So verbindet sich der Schrank mit der Wand, wird von ihr getarnt und dominiert deshalb, trotz seiner Grösse, nicht den Raum. 

In Jamies Jungenzimmer stehen praktische, schlichte, aber formschöne Alltagsmöbel, die mit einigen wenigen edlen Teilen ergänzt werden.

Zur warmen dunklen Holzfarbe des Betts und des Pults passt die warme moosgrüne Wand. Aufgeweckt wird alles mit dem gegensätzlichen Rot des Stuhls. So geht im Kinderzimmer die schlichte Eleganz der Einrichtung weiter und bietet trotzdem Platz für Farbe, Spielsachen und kleine und grosse Helden.

Gaetano Irpinio auf dem Netz: 

 The Vendome Group

5 Kommentare zu «Grandezza auf die schlichte Art»

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