Weg damit!

Schluss mit Sentimentalität! Viele Dinge, die wir aufbewahren, belasten uns eher, als dass sie uns bereichern. Ein kleiner Guide zur Reduktion.
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Höchste Zeit für die Zukunft

Im Frühling beginnt alles wieder neu! Nutzen wir diese Energie auch für das Zuhause. Neues ist nämlich nur dann möglich, wenn man sich von Altem trennen kann. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe alte Dinge, Erinnerungen und Gegensätze und bin überzeugt, dass es vor allem im Wohnbereich wichtig ist, auch Geschichte um sich zu haben. Doch das Leben ist in der Gegenwart, und diese braucht Platz. Dieses Bild zeigt eines der schönen schwedischen String-Regale, inszeniert mit einem gekonnten Mix von Alt und Neu.

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Gründlich entstauben

Wieder einmal gründlich entstauben erleichtert. Brauchen Sie wirklich die Möbelkataloge von 2014? Wie ist es mit dem Stapel Ferienfotos, die Ihre Freunde Ihnen einmal gebracht haben, und den Bastelwerken der Nachbarskinder? Behalten Sie von allem das Beste und entledigen Sie sich des Rests. Das Verweilen in oder Schwärmen von der Vergangenheit ist meist auch eine Verklärung. Keine Zeit war besser als eine andere. Wer das denkt oder gar dorthin flüchtet, wird melancholisch und entfernt sich vom echten Leben. Das Entstauben macht nicht nur Platz für Neues, sondern auch für neue Erlebnisse und neue Erinnerungen. (Bild: Mr Kate

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Ade, Dachbodenromantik

Die versteckten Schätze auf dem Dachboden sind meist nur eine Kinderbuchlegende. Denn wer nicht in einem Anwesen wohnt, in dem zuvor schon Generationen von Familienmitgliedern lebten, der hat meist bloss einfach ein Estrichabteil, in dem Zügelkisten stehen, veraltete Trainingsgeräte oder die Buchhaltung, die man noch nicht wegwerfen darf. Machen Sie eine letzte Schatzsuche in diesen versteckten Stauräumen und entrümpeln Sie tüchtig. Wenn Sie tatsächlich auf etwas Interessantes stossen, dann geben Sie diesem einen angemessenen Platz in der Wohnung oder verkaufen Sie es auf einer Auktion. (Bild über: Dustjacket)

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Beginnen wir am einfachsten Ort – im Bad

Das Entrümpeln und Ausmisten in der Wohnung beginnen Sie am besten am einfachsten Ort: dem Bad. Nagellack, der Fäden zieht, wird nie mehr Ihre Nägel zieren. Frotteetücher mit Löchern und Verfärbungen machen auch nicht glücklich. Mit Cremes, die nun aussehen wie misslungene Mayonnaise, bringen Sie auch in Zukunft keine Falten oder Augenringe weg, sondern bekommen höchstens einen Hautausschlag. Eine schöne Idee, um mehr Stauraum im Bad zu schaffen, ist dieses Miniregal hinter der Toilette auf dem Bild von Shelterness. Offene Regale wie dieses bieten Platz für die Dinge, die man täglich benutzt, und inspirieren auch, Ordnung zu halten. Damit nicht einzelne Tuben und Fläschchen überall herumstehen, sammeln Sie sie auf einem schönen Tablett. Das vereinfacht auch das Putzen!

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Der nächste Schritt geht in die Küche

Nach dem Bad gehen Sie am besten hinter die Küche: Abgelaufene Lebensmittel, Geschirr, das halb zerschlagen ist, alte Stundenpläne am Kühlschrank, Aufladegeräte, die schon lange zu keinem Gerät mehr gehören, und Geräte, die man wirklich nie benutzt, sind Kandidaten für die Entsorgung. Achten Sie darauf, dass Sie nachhaltig entsorgen. Funktionierendes können Sie verschenken oder verkaufen, dafür gibt es Plattformen wie Tutti.ch. Schenken ist allerdings eine schöne Geste, man muss nicht aus allem Geld machen! (Bild: Jenna Sue Design)

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Nun kommen die Wohnräume an die Reihe

Nach den beiden Räumen, bei denen es um Hygiene und Versorgung geht, kommen wir nun in den Wohnbereich. Auch hier lohnt es sich, dort zu beginnen, wo täglich Unordnung entstehen kann – bei den Kleidern. Da geht man am besten rigoros vor: Alles aus dem Kasten zerren, von den Bügeln nehmen und Stück für Stück neu ordnen. Dabei gilt: Was man mehr als ein ganzes Jahr nicht getragen hat, kommt weg. Auch hier: Kleidersammlungen helfen anderen Menschen. Waschen Sie aber die Kleider, die Sie weggeben, das ist eine Sache des Respekts. Nach den Kleidern und dem Schlafzimmer kommen Kinderzimmer dran, dann die weiteren Räume wie Arbeitszimmer, Büros, Gästezimmer. Am Schluss geht es in die weniger privaten Räumlichkeiten wie Entree, Ess- und Wohnzimmer. (Bild: Bricks Studio)

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Versuchen Sie den Cinderella-Trick

In den Wohnräumen kommt der Cinderella-Trick zum Tragen. Zu diesem Ordnungstrick hat mich die Stelle im  Aschenputtelmärchen inspiriert, bei dem die Heldin Körnchen für Körnchen sortieren muss und dabei die Tauben zur Hilfe holte: Die guten ins Töpfchen, die schlechten in Kröpfchen! Beim Ordnen von Dingen übersetze ich das so: Das Schöne zeigen, das andere praktisch verstauen. Beim Letzteren helfen zum Beispiel Boxen, die aber aussen angeschrieben werden müssen, damit man auch wieder findet, was man sucht. Auch gut sind Regale, die zum Teil Türen haben. So stellt man das, was man gerne um sich hat, auf die Tablare und das, was man zwar braucht, aber nicht zeigen oder anschauen möchte, hinter die Türen. Auf diesem Bild ist ein klassisches Schweizer USM-Regal zu sehen, welches so zusammengestellt werden kann, dass man praktische, abschliessbare Klapptüren einbauen kann, wo man sie gerne hat.

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Behalten Sie die Erinnerungen, aber nicht die Objekte

Erinnerungen müssen nicht zwingend eine Form haben. Mal ehrlich, trotz der vielen Fotos, die so jeder in seinem Leben geschossen hat – welche Erinnerungen sind die stärksten? Der Moment, in dem man sich richtig verliebt hat, der Rosmarinduft, der jedes Mal an die allerersten Ferien denken lässt, das Lachen und das Funkeln in den Augen der grossen Liebe, das man eigentlich immer wecken kann, das gemütliche Frühstück des gemeinsamen Londonbesuchs, der erste Spaziergang durch Manhattan, der Duft von Gauloises und Croissants, der Paris bedeutet: davon hat man keine Fotos, und noch weniger braucht man eine trockene Rose oder so was, das einen daran erinnert. (Bild über: tea and thistle)

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Leben Sie nicht im Museum

An meinen Eltern habe ich immer bewundert, dass ihre Wohnung nie ein Museum war und somit nie ältlich wirkte. Sie wohnten immer anders, haben sich der Zeit angepasst und wurden so auf eine moderne Art älter. Ich war in Wohnungen von viel jüngeren Menschen, die nur eines waren: nämlich altmodisch und verstaubt. Es ist schön, wenn einen Dinge und Möbel ein Leben lang begleiten, aber auch das kann man mit einem Gegenwartsbezug bewerkstelligen. Meine Eltern etwa hatten in den 60er-Jahren eine tolle kubische Sitzgruppe gekauft, die mit grauem Woll-Tweed bezogen war. In den 70er-Jahren bezogen sie sie eigenhändig mit einem pinkfarbenen Jacquardstoff, und in den 80er-Jahren wurde aus den beiden Sesseln ein zweites Sofa und alles bekam weisses Leder. Später zog ein wenig Landhausstil ein und dann ein Farbkonzept in sanften Grautönen. Auch mit den Wohnaccessoires gingen meine Eltern gleich um: Vasen und Schalen, Bilder und Dekorationen blieben nie am selben Ort und wurden immer mal wieder ausgetauscht. Das ist einer der wichtigsten Handlungen gegen den Museumseffekt. Denn wenn alles, was einst so frisch und liebevoll inszeniert wurde, mit der Zeit erstarrt, dann wirkt es verstaubt und museal. (Bild über: nest pretty things)

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Vom Museum in die Galerie

Der beste Trick gegen Museum heisst Galerie. Denn eine Galerie zeigt immer andere Ausstellungen. Zu Hause klappt das zum Beispiel mit Bilderregalen, Wechselrahmen und eben Wechselausstellungen. (Bild über: Emmas Blogg)

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Geniessen Sie die neue Ordnung

Wenn Sie das alles geschafft haben, fühlen Sie sich nicht nur erleichtert, sondern auch wie in einer neuen, frischen Wohnung, in der auf einmal auch vieles wieder möglich wird. Geniessen Sie die Ruhe, die Ordnung und die neu entstandene Offenheit. (Bild: Entrance)

 

 

6 Kommentare zu «Weg damit!»

  • Deborah sagt:

    Wieder einmal ein absolut fantastischer Artikel. Ich stimme allen Punkten zu und nur deshalb kann ich, mein Mann und unsere 4 (!) Kinder problemlos in einer 3 Zimmerwohnung in der Stadt leben. Diese Kunst teile ich auf:
    http://www.ordnungsliebeblog.wordpress.com

  • Laura sagt:

    Vielen Dank für den tollen Artikel! Ich bin noch in den zwanzigern und es haben sich schon soooo viele Sachen angesammelt, als wäre ich über 100, definitiv sehr brauchbare Tipps für mich ;)

    Vielen Dank an Frau Kohler, dass dies hier ein Blog mit so vielen wunderbaren Ideen und Inspirationen ist und keine Vorschrift wie wir unser Leben zu leben haben… =) –> An meine Mitleser; nehmt das raus was euch passt, ignoriert das andere und kritisiert konstruktiv. :)

  • Summer Sweet Home sagt:

    Weg damit – Ja, viele versuchen mit vielen Gegenständen ein Loch zu stopfen, anstatt das „WIRKLICHE“ zu erkennen.

  • Janine McNeil sagt:

    Bei mir steht bald ein Umzug an in ein anderes Land und dieser Artikel hat mich jetzt total motiviert mit offenen Augen und einem guten Gefühl diese ganze Entmisterei anzugehen. Wenn man eine gewisse Zeit mit Familie in einem Zuhause ist, kumuliert sich einiges an, welches man nicht immer realisiert. Schliesslich war es dann einfach da…. Manchmal muss man über seinen Schatten springen und wenn man es gemacht hat fühlt man sich auch viel befreiter. Danke für den positiven Input!

  • trudi Frey sagt:

    Ich mache was ich will und was mir gefällt, ich bin ich und die anderen sind die anderen. Habe schöne selbst gemalte Bilder und darauf sind meine Erinnerungen gebe ich niemals weg.

  • Benni Aschwanden sagt:

    Gute Inspiration. Wer beruflich bedingt oft umziehen muss kann beim Umzug immer wieder mal ausmisten. Allerdings glaube ich, dass Leute, die diese Sammelneurosen haben und allerlei Krimskrams und Erinnerungsstücke aufbewahren das mehr oder weniger bewusst tun und tun wollen. Und darum werden sie sich auch niemals von Ihrem Kram trennen. Denn es ist ja schliesslich IHRE Wohnung und IHR Krimskrams, und das geht sonst niemanden etwas an, oder. Pech nur, wer so jemanden als Wohnpartner hat…

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