So gemütlich ist Vintage

Die zwei Wohnprofis Gianne Holmgren und Milija Kovacevic arbeiten zwar beide im Interiorbereich, aber auf recht unterschiedliche Weise. Gianne leitet seit gut eineinhalb Jahren die Werbeabteilung des grossen Schweizer Möbelhauses Pfister und Mili hat vor einem halben Jahr mit drei Partnern das Vintage-Möbelgeschäft Walter im Zürcher Trendquartier Kreis 5 gegründet. Sweet Home hat die beiden in ihrer Vierzimmerwohnung in Baden besucht. Das junge Paar hat sein Zuhause mit viel Herz und Persönlichkeit eingerichtet. Es wirkt sehr gemütlich und strahlt Gastfreundschaft aus.

 Fotos: Rita Palanikumar

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Eigentlich ist ja Jerry, der zweieinhalbjährige Jack Russel Terrier der Hausherr. Er begrüsst nicht nur die Gäste zuerst und sehr enthusiastisch, sondern übernimmt auch die Aufgabe der Hausführung und zeigt uns sofort alle tollen Möbelstücke und Lieblingsecken. Das Herzstück der Wohnung ist der lange, alte Holztisch. Mili erklärt uns, dass er, als er zuerst in die Gartenwohnung des umgebauten Bauernhauses zog, ganz spartanisch wohnte, weil er nur mit Möbeln leben wollte, die wirklich seiner Vorstellung entsprachen. Also wartete er jeweils bis er das richtige Stück fand. Der alte Holztisch zog als erstes ein. «Sobald der Tisch stand, ergab sich alles andere wie von selbst», erklärt der Vintagemöbel-Spezialist. «Wenn man in einer Wohnung zuerst den Tisch sieht und dieser warm und einladend wirkt, fühlt man sich doch sofort zu Hause und willkommen», so Mili und Gianne.

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Der lange, gemütliche Holztisch ist nicht nur das Zentrum der Wohnung, er verbindet auch harmonisch die verschiedenen Teile der Wohnung. So sieht man vom Tisch aus in den Innenhof, zum Gartenplatz. Im Sommer stehen hier die Türen offen. Der Tisch schafft auch eine Brücke zwischen der Küche und dem Wohnbereich und zwischen Modernität und bäuerlicher Gemütlichkeit. Rundum stehen die zeitlosen Stuhlklassiker von Eames und über ihm verbreitet Giannes Lieblingsstück, die Hängeleuchte Sky Garden von Flos, warmes Licht und einen interessanten Blick auf das interpretierte Stuckaturinnenleben der Lampe. «So bringt die Leuchte auf eine moderne und witzige Art das Gefühl, ein Stückchen Schloss im Haus zu haben», schwärmt Gianne.

Es ist aber nicht nur der Tisch, der viel Wohnlichkeit ausstrahlt, überall sind einzelne Möbelstücke im Vintage-Industrial-Stil aus Milis neuem Laden Walter zu entdecken. Zusammen mit drei Partnern kam ihm die Idee, doch einfach die Möbel, die sie gerne selbst hätten, zu suchen, herstellen zu lassen und auch anderen zugänglich zu machen. «Die Lust auf Altes, Gelebtes, nachhaltig Produziertes im industriellen Look, ist auch in der Schweiz ein grosses Bedürfnis geworden. Nur fehlte es bisher am Angebot. Die Brockenhäuser und Flohmärkte haben viel zu wenig Teile im Industrial Look. Geschäfte, die sich diesem Stil verschrieben haben, waren einfach keine zu finden. So kamen wir auf die Idee, selbst einen Laden zu eröffnen. Wir haben nach einer passenden Location gesucht und diese an der Geroldstrasse, mitten im angesagten Zürcher Kreis 5 gefunden. Rundum ist mit Freitag und vielen neuen Geschäften und Restaurants unter den Bögen ein lebendiges, interessantes Quartier», erzählt Mili.

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Möbelstücke, die einmal in Fabriken, Schulhäusern oder Werkstätten standen, sind die Antiquitäten der heutigen Zeit. Sie vermitteln perfekt den Zeitgeist und das zeitgenössische Wohngefühl. Angefangen hat alles in den 80er-Jahren, als in New York in leerstehenden Lagerhallen und Fabrikationswerkstätten Loftwohnungen entstanden. Dieser Trend fand dann auch langsam seinen Weg nach Europa. Immer mehr Fabriken wurden geschlossen und zu Wohnhäusern umgebaut. Die meisten Industriebauten stehen bei uns aber auf den Land. Dadurch zog urbanes Wohngefühl mitten ins Grüne. In der Stadt selbst versuchte man den Loftgeist dann auch in kleineren, «normaleren» Wohnungen nachzuahmen. So vermittelten beispielsweise alte Schulhausstühle, ein Werkstatt-Trolley oder Industrieregale genau das richtige Ambiente, um Modernität, Urbanität und Wohnlichkeit zusammenzufügen. So ist dann der Industrial Chic entstanden. Dieser Stil funktioniert heute in den verschiedensten Interpretationen und Kombinationen praktisch überall. Wie bei allen Stilen ist er am charmantesten und persönlichsten wenn er nicht im Totallook eingesetzt wird. Der Trick ist, einzelne Stücke, gekonnt zu kombinieren. Diese Kunst verstehen die beiden Wohnprofis Gianne und Mili ganz selbstverständlich. «Wir wollen nicht wie in einem Showroom wohnen, sondern es wohnlich und persönlich haben. Das ist übrigens auch das grosse Bedürfnis der meisten, die ihre Wohnung einrichten», so Gianne. Diese Prinzip lässt sie auch stark in ihre Arbeit einfliessen.

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Jerry mag sein Schlafplätzchen neben der lustigen ABC-Kommode, die natürlich aus Milis Laden stammt. Jeder Buchstabe ist auch eine Schublade. Ordnungsliebende können damit ihre Siebensachen alphabetisch einordnen.

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Dieses Schubladenmöbel stand mal in einer Werkstatt. Die einzelnen Schubladen sind noch mit dem ursprünglichen Inhalt angeschrieben. Mili hat das Möbelchen ganz einfach ins Bücherregal intergriert. Nun steht der Plattenspieler darauf und drinnen sind die tausend Dinge, die sonst nie wirklich einen guten Platz finden.

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Trotz aller Liebe zum grossen Tisch, hat auch eine Kuschelecke einen prominenten Platz gefunden. Die Kissen sind alle mit verschiedenfarbenen Leinenstoffen bezogen und über dem Ecksofa hängen Bilder, die Mili gefunden hat. Sie sind von einem italienischen Künstler, der die Seiten eines Lexikons mit Portraits bemalt hat.

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Immer wieder mischt sich ein Stück im Industrie-Stil unter die Einrichtung. In der Sitzecke ist es ein alter Swissair-Trolley.

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Im grossen Wohn-Essraum ist an einem Ende eine moderne, apfelgrüne, offene Küche um die Ecke eingebaut. Hier wird die Sicht auf den Eingangsbereich frei, wo auf einer roten Wandtafel zurzeit ein Patent Ochsner-Lied steht.

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Die apfelgrüne Farbe der Küche wirkt freundlich und gibt der modernen Küche Wärme. Gianne bereitet gerade eine superfeine Tomatensauce zu. Während wir die Wohnung für Sweet Home ablichten durchzieht ein feiner Duft von Zwiebeln, Knoblauch und Basilikum die gemütliche Wohnung. Hier sieht man sehr gut, dass auch in einer modernen Küche Platz für Wohnlichkeit ist. Kochbücher, Fundstücke, interessantes Geschirr, lustige Küchentücher und natürlich Jerrys passende Futternäpfe, geben viel Persönlichkeit.

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Der lange Tisch zieht sich der ganzen Fensterfront entlang. Das warme Holz wirkt lebendig, zeigt Geschichte und vermittelt Wohnlichkeit pur.

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Diese Einstellung wirkt wie ein Stilleben und zeigt genaue die Zutaten, aus der die Einrichtung des Paares besteht: Antikes, Design, Klassiker, Industrielles und ein wenig Romantik.

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Die Kerzen stehen auf antiken Ständern oder auf Haltern in alten Olivenölflaschen. In einem Einmachglas sind Zündholzschachteln, die sie von Reisen und aus Brockenhäusern mitbringen und sammeln.

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Ein Blick in das Bücherregal, wo auch anderes einen Platz findet, wie hier Blechdosen, ein Schachspiel und der klassische Bleistiftspitzer.

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Oder Bilder und Sammelstücke. Das Regal ist ein Bekannter aus Giannes nordischer Heimat: Billy

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Im Arbeitszimmer hat Gianne kleine Stilleben gestaltet mit Familienfotos, Erbstücken und Kindheitserinnerungen.

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Auch im Bücherregal sind Familienfotos zu finden. Hier eines von Milis Vater und Grossvater beim Escher-Brunnen am Bahnhof Zürich in den 60er Jahren.

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Ein neues, altes Stück: Gamekonsole aus den 80er-Jahren mit Spielen wie Pacman und Co.

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Das bäuerliche Hause ist sehr gelungen renoviert worden. Es wurde Modernität geschaffen, gleichzeitig blieb der ländliche Charme erhalten. Das wird auch stark im Aussenbereich erkennbar. Im Innenhof ist ein Holzboden ausgelegt worden. Dadurch ist eine Mischung aus Terrasse, Veranda, Hof und Garten entstanden.

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Ganz klar stehen auch draussen Milis industrielle Fundstücke herum. Wie dieser coole und praktische Postwagen aus der jüngeren Vergangenheit.

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Coole Hunde wissen es schon lange: Teppiche machen eine Wohnung ganz einfach komfortabler. Dieser Patchworkteppich ist auch eine Kreation von Walter. Entstanden ist er aus alten türkischen Teppichen, die zum Teil eingefärbt, in Stücke geschnitten und neu zusammengesetzt wurden.