Türe auf und WOW!

Was kann man mit einer ganz normalen Drei- oder Vierzimmerwohnung anstellen? Eine Antwort gibt Arthur Rooks. Der gebürtige Amerikaner und Wahlzürcher hat eine durchschnittliche Schweizer Mietwohnung in ein superstylisches Refugium verwandelt.

Fotos: Rita Palanikumar

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Seit über 18 Jahren lebt Arthur Rooks in Zürich, davon mehr als zehn Jahre in einer 100 Quadratmeter grossen Vierzimmerwohnung an der Zürcher Langstrasse. Wenn man die vielen Stufen des unscheinbaren, eher schäbigen Treppenhauses hinaufklettert, glaubt man (noch) nicht, dass sich in diesem Haus eine so glamouröse und eklektisch eingerichtete Wohnung befindet. Obwohl Rooks ein paar Fotos an Sweet Home gemailt hat, ist der Wow-Effekt riesig, als wir das schwarze, mit indirektem Licht beleuchtete und mit vielen Kunstwerken bestückte Entrée betreten. Das dunkle, glänzende Entrée ist nur der Appetizer: Aus jeder Zimmertür leuchet eine andere Farbe und macht neugierig auf andere, wunderbar eingerichtete Wohnräume. Rooks hat sich seine Liebe zum Wohnen zum Beruf gemacht. Auf seinem Onlineshop Quintessentia verkauft er eine interessante, glamouröse und sehr persönliche Auswahl an Vintagemöbeln und Objekten. Hier findet man von Max-Bill-Stühlen und Bauhaustischchen über üppige Muranglasleuchten bis zur eigenen, handgefertigten Couture-Kissenkollektion aus antiken Stoffen alles, was das Sammler- und Einrichtungsherz höherschlagen lässt. Arthur Rooks arbeitet auch als Interiordesigner und richtet im Auftrag Wohnungen und Häuser ein.

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Die einzelnen Räume der Wohnung sind rechteckig, nicht besonders gross und mit jeweils einem Fenster gegen die Strasse versehen. Arthur Rooks hat ihnen mit viel Einrichtungsgeschick Grösse, Schönheit und Glanz verliehen. Das Wohnzimmer leuchtet in starkem preussischen Blau. Vor den farbigen Wänden kommen die Formen und Muster der einzelnen Möbelstücke und Accessoires plakativ zur Geltung. Grösse verleiht auch der voluminöse antike Spiegel aus dem 18. Jahrhundert mit üppigem Goldrahmen, der in der Mitte – oberhalb eines weissen, kubischen Ledersofas aus den 80er Jahren, vom Schweizer Architekten Robert Haussmann  – montiert ist.

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Sehr geschickt ist Rooks mit den Fensterwänden umgegangen. Anstelle der gewohnten Art, links und rechts des Fensters einen Vorhang anzubringen, hat er eine Draperie gleich über die ganze Wand gezogen. So wirkt es, wie wenn das Fenster die ganze Front einnehmen würde. Viele Lampen, die direkt und indirekt den Raum und einzelne Möbelstücke beleuchten, sorgen für eine gewisse Dramatik und viel Wohnlichkeit.

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Das Prachtstück im Wohnzimmer ist ein grosser, weisser Eames-Sessel, Arthur Rooks hat ihn aus zweiter Hand erstanden. Quasi als Bühnenbild für den edlen Sitz dient ein selbst entworfener Paravent. Die transparenten Elemente waren ursprünglich Abdeckungen von Lampen. Den Paravent gibts über den Webshop zu kaufen.

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Das grosse Bild, welches ungerahmt an der leuchtend blauen Wand hängt, erinnert an Hodler. «Die Holzfigur stand mal im Universitätsspital», erzählt der Sammler. «Beides ist vom Flohmarkt, man muss nur früh genug aufstehen, offen sein und ein gutes Auge haben, dann findet man auch heute noch tolle Stücke.»

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Rooks Arbeitstisch befindet sich auch im Wohnzimmer. Kokett und supermodisch steht da ein Wartezimmerstuhl, den der Antiquitätenhändler mit Leder von Louis Vuitton überziehen liess.

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Das Esszimmer hat, ähnlich wie das Wohnzimmer, eine Fensterfront mit Stoffdrapierungen. Die Wände sind in dunklem Grau  gestrichen, eine Wand ziert eine Wandmalerei, welche Heidi Mumenthaler, eine Künstlerfreundin von Rooks, gemalt hat. Ganz gewagt ist die farbige, dunkle Decke. Durch das gekonnte Einsetzen der Farben – die Deckenfarbe wiedeholt sich auf dem Boden – drückt die Decke aber nicht, sondern umhüllt den Raum und gibt ihm einen dramatischen Cocooning-Effekt. Wie viele Wohnbegeisterte kocht auch Arthur Rooks mit Leidenschaft und lädt oft und gerne Freunde zum Essen ein.

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Ein Stückchen Heimat ist mit der Whiskybar zu finden. Der gebürtige Amerikaner geniesst gerne einen guten Whisky nach dem Essen. Ganz klar, dass jeder der edlen Tropfen in einer chicen, antiken Glaskaraffe präsentiert wird. Die Flaschen stehen auf einem Holztisch, dahinter lehnt, ganz dekorativ, ein Bild der amerikanischen Flagge an der Wand.

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Die beiden blauen Bilder, die Rooks in einem Second-Hand-Shop gefunden hat, nehmen die Farben des Bodens und der Decke wieder auf.

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Überall in der Wohnung stehen Fundstücke in liebevollem Stilleben arrangiert. «Das ändert sich dauernd», lacht Arthur Rooks, «denn immer wieder finde ich etwas Neues und noch Interessanteres.

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Geschickt ist der Interiorprofi auch bei der Gestaltung des Schlafzimmers vorgegangen. Hier macht das Bildhafte, Ornamentale, Erzählerische die Einrichtung aus. Eine Wand ist mit einer üppigen, orientalisch inspirierten Tapete von Osborne and Little  bezogen, die anderen sind in einem passenden Farbton gestrichen. Anstelle eines Schrankes hat Arthur Rooks über die ganze Länge des Raumes einen üppigen Seidenvorhang gezogen und dahinter viel Stauraum geschaffen. Raffiniert und dramatisch wirkt auch der Bildervorhang vor dem Fenster. Ein Stoff mit einem grossen Fotoprint eines Waldes ist wie ein Bild in den eigentlichen, weissen Hauptvorhang eingenäht. Die beiden Art-Deco-Stehleuchten unterstützen assoziativ die Baummotive.

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Das Spiel mit Farben, Mustern und Formen ist im Schlafzimmer üppig und sinnlich umgesetzt.

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Eine alte Zimmertüre hat Arthur Rooks als persönliche Pinnwand im Schlafzimmer aufgestellt. Hier hängen Kunst, Zeichnungen, Fotos, Objekte, Karten, Fundsachen.

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Als Pendant zur Tür steht ein schlichtes, schmales Bücherregal. «Ich habe einfach zwei Ikea-Regale aufeinandergestellt, um die Höhe zu erreichen», erklärt Rooks.

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Manchmal wirken alte, unfertige Möbelstücke wie Kunstobjekte. Ein solches Beispiel ist der barocke Hocker, dem der Stoffbezug fehlt. Arthur Rooks hat ihn als Ablage ins Schlafzimmer gestellt.

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Die Küche ist in einem warmen, fruchtigen Orange gestrichen. Ein kleiner Tisch und drei Hocker von Trix und Robert Haussman ergeben einen gemütlichen  Frühstücksplatz.

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Mit einem edlen Sideboard hat Arthur Rooks die kleine Küche aufgewertet und wohnlich gemacht.

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Zurück ins Entrée: Es bietet einen dramatischen Eintritt in die Wohnung und deutet an, was in den weiteren Räumen wohnmässig zu erwarten ist. Der längliche Gang ist schwarz gestrichen, abwechslungsweise mit matten und glänzenden Querstreifen, wobei der Glanzanteil dominiert. Glanz reflektiert Licht und lässt selbst Schwarz weniger dunkel wirken.

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Das perfekte Willkommens-Möbelstück, der weisse «Hello There»-Stuhl von Artifort, kommt vor der schwarzen Wand besonders stark zur Geltung.

Arthur Rooks‘ Links:
Quintessentia
Arthur Rooks im New York Times Magazine
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