«Meine Wohnung ist wie ein Spielplatz»

Das Zuhause der Grafikdesignerin Tine Fleischer ist so frisch, spielerisch und voller Ideen wie ihr Blog Inattendu.

Fotos: Rita Palanikumar für Sweet Home

Inattendu bedeutet so viel wie unerwartet, überraschend oder unangemeldet. Unter diesem Motto postet Tine Fleischer seit 2011 auf ihrem gleichnamigen Blog Geschichten und Inspirationen in den Bereichen Interior, Design, Mode, Beauty und Reisen. Inattendu, den die Grafikdesignerin in ihrer Freizeit mit grosser Leidenschaft betreibt, ist einer der meistgelesenen Blogs in der Schweiz.

Kein Wunder waren wir neugierig auf das Zuhause der Bloggerin und haben Tine überredet, ihre Türen für Sweet Home zu öffnen. Sie sagte zu und wir besuchten sie vor den Sommerferien in Kreuzlingen. Ihre moderne, offene Zweizimmerwohnung ist denn auch voller Charme, Inspirationen, Trendstücken und frischen Einrichtungsideen – ganz wie ihr Blog. 

Schon immer, verrät die Designerin, habe sie die Schönheit der Dinge glücklich gemacht. «Als Kind war ich jeweils traurig, wenn zum Beispiel eine frischverschneite Wiese durch Fusspuren ihre perfekte Naturschönheit verlor», erzählt sie. Tine wählte denn auch einen gestalterischen Beruf und wurde Grafikdesignerin. Ihr Job führte sie von Deutschland in die Schweiz, genauer in eine Designagentur nach St. Gallen. Dort hat sie eine Vollzeitanstellung als Creative Director. In ihrem Beruf arbeitet sie, wie sie uns erklärt, konkret für Kunden, Brands und bestimmte Zielgruppen und lebt sich jeweils in ganz verschiedenen Projekte ein. Auf ihrem Blog geniesst sie die Freiheit, nur das zu zeigen, was ihr persönlich gefällt, was sie entdeckt und was sie fasziniert. So geht sie auch beim Einrichten ihrer Wohnung vor.

«Einrichten ist für mich ein kreatives Spiel.»

Tine Fleischer hat einen spielerischen Zugang zum Einrichten und mag es, nicht wenn alles starr und unverrückbar bleibt. So platziert sie Lieblingssachen immer wieder neu, wartet geduldig auf das richtige Sofa und sitzt dafür auch gerne einige Monate auf dem Boden. Sie trennt sich manchmal von Dingen, verkauft oder verschenkt sie und macht so Platz für Neues, das gerne auch ein wenig schräg sein darf wie der Stuhl «Bold» von Big Game für Moustache. Das Blumenregal von Ferm Living nutzt sie als Ablagemöbel für Bücher, hübsche Dinge und die Papierleuchte «Vapeur» von Inga Sempé, auch für Moustache. 

Statt Sessel kombiniert Tine zwei hübsche, elegante Stühle zu ihrem neuen, hellblauen Sofa von Bolia. Auf dem Vintage-Schalenstuhl sitzt kokett ein rosa Kissen und zeigt dabei Fingerspitzengefühl. Tine liebt klare starke Formen und helle sanfte Farben. Beides zieht sich durch die ganze Einrichtung. Einzelne Lieblingsstücke finden wie Puzzleteile zu einem persönlichen Ganzen zusammen. So stehen zwischen den Stühlen und dem Sofa auch unterschiedliche kleine Beistelltische als Ablage. Für Licht sorgt die schlichte, gebogene Wandleuchte «Hanging Lights» von Muller Van Severen für Valerie Objects. Die Gesamtanmutung ist modern und elegant und zeigt diese entspannte Zufälligkeit, die mit echter Eleganz einhergeht.

Die Parterrewohnung besteht aus einem grosszügigen Raum, in dem Wohnzimmer, Esszimmer, eine offene Küche und ein Entrée zusammenkommen. Das Schlafzimmer ist separat, ebenso das Bad. Entlang der Wohnzimmerwand steht ein tiefes, schwarzes, lineares Holzregal voller Bücher und Wohnaccessoires. Daneben ein Plattenspieler, Schallplatten in einer Box und ein Skateboard- Deck, das sie wegen der auffälligen Typo liebt.

In Tines Wohnung findet man viele Bilder – auch auch auf dem Regal. Das links ist vom spanischen Künstler Guim Tio Zarraluki, der grosse grafische Print von Annika Hultgren. Die Grafikdesignerin liebt grossflächige Fotografien und pastellfarbene Porträts. Auch sammelt sie grafische Prints mit Farben, die sich wie zufällig ins Interieur einfügen.

Begonnen hat Tine Fleischer ihren Blog als eine Art Antwort auf die vielen Anfragen von Freundinnen und Freunden, die sich immer wieder erkundigten, woher sie denn das eine oder andere Stück bloss herhat. «Ich habe mich schon immer gerne umgesehen, Neues entdeckt und mich in hübsche Sachen verliebt. Es ist nicht so, dass ich alles besitzen muss, deswegen ist der Blog eine gute Möglichkeit, diese Liebe zu schönen Dingen auszuleben.» Neben dem Blog betreibt sie auch ein Instagram-Account mit vielen Followern und schreibt regelmässig für das deutsche Onlinemagazin Journelles. All das versteht sich perfekt mit ihrer Arbeit in der Werbung, bietet ihr einen Ausgleich dazu und die Möglichkeit eine eigene ganz persönliche Handschrift zu pflegen. 

Natürlich ist auch der Fernseher der kreativen Frau hübsch. Der «Samsung Serif» steht wie ein Möbelstück auf Beinen und versteht sich bestens mit anderen Möbeln und den vielen hübschen Wohnaccessoires. Auch lässt er sich einfach dort platzieren, wo man gerade fernsehen möchte. Rundherum treffen sich ein kleines, weisses Lacksideboard, das genau in die Nische zwischen den Fenstern passt, ein Beistelltischchen mit Töpfen, Vasen, Pflanzen und Trockenblumen und eine aufgerollte Yogamatte.

«Die Einrichtung muss eine gewisse Flexibilität zeigen.»

Die freundliche Wohnung verfügt über einen Gartensitzplatz. Diesen hat Tine mit leichten, weissen Gartenmöbeln bestückt, in Töpfen, wachsen allerlei Blumen und Pflanzen. Von der Betondecke, die sich auch durch die Wohnung zieht, baumeln weisse Papierlaternen. Wir sitzen eine Weile an dem Tischchen und reden über die Zeit des Corona-Lockdown. «Diese war in Kreuzlingen ein bisschen surreal», erzählt uns Tine, «denn auf einmal waren Kreuzlingen und Konstanz, die beide miteinander verwachsen sind, von einem Zaun getrennt. Freunde und Familien, die praktisch nebeneinander wohnen, konnten sich nicht mehr treffen.» Tine zog nach ihrem Kommunikatinsdesign-Studium in Konstanz nach Kreuzlingen, weil sie begann, in St. Gallen zu arbeiten. In ihre Neubauwohnung mit der hohen Betondecke verliebte sie sich vor knapp zwei Jahren. 

Die offene Küche ist weiss, diskret und wirkt fast wie ein grosser Schrank. Im Zentrum steht ein runder Tisch mit unterschiedlichen Stühlen. Auch in der Küche finden wir ausgesuchte Stücke wie Schalen, Wasserkocher, Bücher und praktische Küchengadgets, die hübsch und speziell sind. Ein schönes Beispiel dafür ist ein rosa Regenbogen als Untersetzer für heisse Pfannen. 

Im Entrée wird man von einer chicen Möbelgruppe empfangen. Zusammengestellt mit einem weissen Pantone-Stuhl, einer schlichten Korkbank, Pflanzen und einem coolen Spiegel von Hay. Mit diesem kokettieren zwei Teller von Fornasetti an der Wand.  

«Schöne Dinge, die gut funktionieren, machen mich glücklich»

Vom Entree aus gelangt man ins zweite Zimmer, das ein grosses Schlafzimmer ist. Tine hat es nach dem gleichen Prinzip wie den Wohnraum eingerichtet: starke Einzelstücke, viel Weiss und sanfte Farben. Über eine Wand zieht sich ein grosser, weisser Schrank, der viel Stauraum bietet. Die leichten halbtransparenten Vorhänge von Kvadrat sind hier in einem zarten vergrauten Lilaton gewählt. 

Gleich neben der Tür steht eine hohe, weisse Lackkommode, die auch eine Art Boudoirtisch ist. Da stehen der Spiegel und die Etagere von Vitra. Der Spiegel bietet Platz für einige Lieblings-Beautyprodukte. Die Etagere fängt Tines Schmuck auf. Da sind auch noch die adretten Kerzenständer von Iittala, in denen salbeigrüne Kerzen stecken, und ein paar Zeischriften aus der Designwelt.  

Sehr schön ist auch im Schlafzimmer die ausserordentliche Höhe der Räume zu erkennen, die der Zweizimmerwohnung viel Grösse und Luft bietet. Die Decke aus Sichtbeton zieht sich durch die ganze Wohnung. Als Bett hat die designaffine Hausherrin ein schlichtes Modell aus mattem, rosafarbenem Metall von Muun gewählt. Die grafische, sommerlich frisch gestreifte Bettwäsche ist von Hay.  

Auf die kleinen Wandregale von Montana ist Tine besonders stolz. Sie dienen als aussergewöhnliche Nachttischchen. Natürlich sind sie nicht identisch, sondern haben unterschiedliche Ausführungen. Das hier abgebildete hat eine Türe. Darauf stehen eine Kerze von Lex Pott in einem leuchtenden Mintgrün und ein Bild von Wall of Art.

Auf der anderen Bettseite ist das kleine Wand-Nachttischchen in einer offenen Variante und mit Unterteilungen zu sehen. Es beinhaltet Bücher, Boxen und ein paar Schönheitsprodukte für die Nacht. Licht spendet auch hier eine Papierleuchte von Moustache. Über dem Bett bringt eine grosse, gerahmte Fotografie von Fine Little Day das Schlafzimmer zum Blühen.

Tine Fleischer: 

Blog: Inattendu
Instagram: @tineinattendu